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Steuererklärung Lehrer - ArgumenTATIONSHILFE

11.08.2018 18:48 |
Preis: 48,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Der Fragesteller ist Deutschlehrer und in Schulleitungsposition.
Das Finanzamt argumentiert

a) gegen die Anerkennung des häuslichen Arbeitszimmers, obwohl der Fagesteller im Dienstzimmer lediglich Verwaltungsaufgaben durchführt

B) gegen die angeschafften Fachbücher mit folgenden Worten: "Es ist nicht üblich , dass die Kosten privat angeschaffter Bücher, die in der Schule verbleiben oder für den UNterricht benötigt werden, nicht von der Schule erstattet werden."

c) gegen die Anerkennung von Klassenfahrten.

Für b) und c) werden Bescheinigungen der vorgesetzten Behörde verlangt - also vom Staatlichen Schulamt/der Schulaufsicht.
Diese sieht sich auber (und das sehe ich auch so) als nicht zuständig...

Gibt es Argumentationshilfen bzw. Analogie aus der Rechtssprechung ?
MfG

11.08.2018 | 22:04

Antwort

von


(58)
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01326 Dresden & Köln
Tel: 0351 65 888 350
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Sehr geehrter Ratsuchender,


1.) Allgemeine Ausführungen

Der Streit mit dem Finanzamt wird von hier aus so empfunden, als ob dies speziell bei Ihnen so gemacht werden soll. Die Voraussetzungen eines Arbeitszimmers bei Lehrern sind eigentlich hinreichend geklärt und anerkannt. Im Weiteren scheint das Finanzamt die Tragweite der „Beweislast" zu verkennen, die es im Steuerrecht über die Abgabenordnung so aber gar nicht gibt.

2.) Arbeitszimmer

Da ihr häusliches Arbeitszimmer natürlich nicht den Mittelpunkt Ihrer beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt ( das ist das Klassenzimmer ), können unbeschränkt die Kosten eines Arbeitszimmers als Werbungskosten natürlich nicht abgezogen werden. Daher ist bei Ihnen nur ein auf 1.250 Euro pro Person begrenzter Abzug möglich, da Ihnen neben dem häuslichen Arbeitszimmer kein anderweitiger Arbeitsplatz zur Verfügung steht, an dem Sie u.a. Korrekturarbeiten oder die weitere Vorbereitung des Unterrichts erledigen können. An dieser Anerkennung kommt das Finanzamt nicht drum herum.

3.) Fachliteratur

Soweit die Anschaffung der Fachliteratur nur beruflich veranlasst ist, sind diese schlichtweg Werbungskosten. Diese können natürlich dann nicht geltend gemacht werden, wenn sie vom Dienstherrn ersetzt werden. Davon gehe ich hier nicht aus. Stellen Sie das einfach nochmalig klar.

Das Finanzamt kann bei Ihnen auch nicht fordern, was Sie nicht schulden. Eine Beweislast in der AO gibt es nicht. Nach § 90 I AO sind die Beteiligten ( das Finanzamt und Sie ) verpflichtet, an der Aufklärung des Steuersachverhaltes mitzuwirken. Das heißt aber nicht, daß Sie die Umstände zu beweisen haben. Legen Sie die Anschaffungsbelege vor und verweisen Sie auf die Möglichkeit einer eigenen Einholung von Informationen bei Dritten. Dies ermöglicht § 92 I Satz 2 Nr. 1 AO iVm. § 93 I AO. ( Einholung von Informationen bei Dritten ).

Das Finanzamt soll sich selber bemühen, was es so aber nicht machen wird. Weisen Sie auf ihre wahrheitsgemäßen Angaben hin, die bitte auf eigene Initiative vom FA überprüft werden mögen. Das soll dann auch bei Ihnen genügen.

4.) Klassenfahrten

Zur Beweislast / also zur Einbringung des Steuersachverhaltes gilt erst einmal oben Ausgeführtes. Legen Sie Belege bei, die erst einmal die Klassenfahrt / Ihre Kosten als solche nachweisen können.

Bei der Abzugsfähigkeit selber gilt, daß bei einem Lehrer als Betreuer einer Klassenfahrt im Inland oder ins Ausland diese Reisen schon dann als beruflich veranlasst anzusehen sind, soweit sie als schulische Veranstaltungen genehmigt sind. Das war´s!

Abgezogen werden dann bei den Werbungskosten die Fahrtkosten, etwaige Verpflegungskosten, Übernachtungskosten und weitere Reisenebenkosten. Erhalten Sie aber auch hier eine Erstattung von Ihrem Dienstherrn, dürfen Sie Ihre Kosten nur so weit absetzen, wie die Erstattung sie nicht deckt. Legen Sie offen, ob und inwieweit hier eine Erstattung erfolgt ist ( oder auch nicht ) und verweisen Sie auf die Möglichkeiten der Informationseinholung bei Dritten, siehe oben.

5.) Abschließendes

Bei Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Den Grund der persönlichen Ärgerreien kann ich mir bei Ihnen denken, weil Briefe von Lehrern an Ämter besser sind als jene von Durchschnittsbürgern. Das sind Erfahrungswerte von mir, die ich allgemein beobachtet habe. Im Auge behalten sollte man dabei aber auch immer, daß man aus der Gewohnheit heraus seinen Schriftgegner nicht mit Schülern verwechselt und dabei noch korrigierend auftritt. ( Streit mit Lehrern wird häufiger geführt, als mit anderen Berufsgruppen / keine persönliche Einstellung nur mein Erfahrungsschatz ).

TIP: Halten Sie Ihre Auffassung und Rechtsmeinung abstrakt und offen und argumentieren Sie mit offenen Fragen, die sich das Finanzamt dann selber beantworten kann.

In der Hoffnung, Ihnen erst einmal behilflich gewesen zu sein verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Fricke
Rechtsanwalt und Diplom Kaufmann und vormaliger Pennäler




Nachfrage vom Fragesteller 12.08.2018 | 14:43

Sehr geehrter Herr Fricke,
besten Dank für die empathisch-solide Antwort- dennoch erlaube ich mir einige konkrete Nachfragen zu stellen:

a) Macht es Sinn, bei der Beweislast auf die AO zu verweisen?

b) nach wie vor weigert sich das Amt, auch die 1250€ für das Arbeitszimmer anzuerkennen.(mehr waren sowieso nicht intendiert)

c) KönntenSie mir ggfs. Belegstellen nennen, wenn es um Liiteratur für Unterrichtsvobrereitung geht? Konkret: Ich lese auch Jugendbücher, um im Vorfeld eine Auswahl für den Unterricht zu treffen. Nicht für die KLasse geeignete wandern in die Schülerbücherei.

Da das Ganze schon seit April hin und her geht (immer mit den gleichen Argumenten), möchte ich das Ganze gerne mal abschließen - macht es Sinn, mit einem Anwalt zu drohen? Zumal jetzt schon die nächste Erklärung ansteht...
Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.08.2018 | 20:14

Gerne und danke für die ehrliche Antwort und Nachfrage. Also:

a.) Ja verweisen Sie auf die Normenkette und fragen Sie, wie dies zu verstehen ist, wenn Sie nicht alles selber beweisen können.

b.) Das Arbeitszimmer ist anzuerkennen. Sagen Sie, Sie hätten mal die Voraussetzungen gegoogelt und bei Lehrern sei das wohl unstreitig anerkannt und Sie hätten kein Interesse an einem Einspruchsverfahren, mit dem auch das Finanzamt nur weitere unnötige Arbeit hätte.

c.) Literatur müsste ich erst suchen, aber erinnern Sie mich gerne mal per Mail an fricke-peter@web.de. Aber bei Jugendbüchern gilt das Aufteilungs- und Abzugsverbot. Das heißt: Das was privat und beruflich verwendet werden KANN, nicht MUSS, kann nicht aufgeteilt und abgezogen werden. Mich trifft das selber auch: Jeden Anzug, den ich die Reinigung gebe, kann ich auch privat tragen und daher ist mir der Abzug dieser nicht unerheblichen Kosten verwehrt. Und glauben Sie mir, ich sitze nicht nach Feierabend mit dem Anzug vor dem Kamin! Jugendbücher können daher auch nach meiner eigenen Auffassung und Überzeugung nicht abgezogen werden, da damit das Geltendmachen von Werbungskosten aus dem Ruder laufen würde. Normale Fachliteratur mit eindeutigem Bezug zum Lehrauftrag laufen aber eindeutig unter § 9 EStG und sind damit zweifelsfrei Werbungskosten.

Drohen Sie nicht mit einem Anwalt, führen Sie eher aus, Sie hätten im privaten Freundeskreis mal nachgefragt und dort sei Ihnen von zwei Rechtsanwälten ohne wenn und aber Recht gegeben worden.

Übrigens, ich führe auch Einspruchsverfahren und Klageverfahren vor dem Finanzgericht durch. Bei Ihrem Streitwert würden Sie aber hier wohl von der Inanspruchnahme eines Anwaltes kaum profitieren können. Was Sie auf der einen Seite sparen, kommt auf der anderen Seite als Kostennote wieder ins Haus geflattert. Aber bei einfachen Nachfragen einfach mal eine Mail schreiben, ok?

Bis später dann mal wieder....

Mit besten Grüssen

Fricke
RA und Dipl. Kfm.

ANTWORT VON

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