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Steuererklärung: Doppelte Haushaltsführung bei Getrenntleben etc.


| 10.12.2014 09:03 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Lohnsteuerklasse bei unterjährigem dauerndem Getrenntleben, Umzugkosten


Hallo,

ich bin Oktober 2014 vor dem Familiengericht geschieden worden, Rechtskraft wird Dezember 2014 eintreten.

Ich habe mit meiner Ehefrau eine gemeinsame Wohnung und auch eine Nebenwohnung an meinem Arbeitsplatz unterhalten. An den Wochenende sowie einigen Arbeitstagen bin ich gependelt. Im Jahr 2013 haben sich dann erste Eheprobleme ergeben. In der mündlichen Verhandlung bei der Scheidung haben wir angegeben, dass wir seit Mai 2013 getrennt leben. Wir waren allerdings nicht räumlich getrennt und ich bin auch weiter an den Wochenende zu Ihr gefahren. Es gab dann einige Versöhnungsversuche, auch einen gemeinsamen Urlaub im November 2013.

Meine Frau wurde Ende 2013 dann versetzt und wir haben uns eine gemeinsame Wohnung auf mittiger Strecke zwischen Ihrem Arbeitsplatz und meinem gesucht. Ende Dezember 2013 haben wir dann die Nebenwohnung gekündigt mit Wirkung zu Ende Februar 2014, weil wir Hoffnung hatten nach dem Urlaub wieder zueinander zu finden. Dies ist allerdings fehlgeschlagen und die Ehe wurde vollständig zerrüttet.

Ich zog im April 2014 aus der gemeinsamen Wohnung aus und suchte mir eine eigenständige Wohnung in der Nähe meines Arbeitsplatzes und ließ mich Mai 2014 aus dem Mietvertrag der gemeinsamen Wohnung entlassen. Meine Frau reichte dann ebenfalls im Mai 2014 die Scheidung ein.

Sind wir steuerrechtlich dazu berechtigt, die doppelte Haushaltsführung für die Monate Januar und Februar 2014 geltend zu machen? Wir befanden uns ja bereits im Trennungsjahr, aber waren noch nicht dauerhaft getrenntlebend. Ich habe gelesen, dass erst mit dem dauerhaften Getrenntleben eine steuerrechtliche Trennung erfolgt und erst im darauffolgenden Kalenderjahr Nachteile hingenommen werden müssen. Ist das richtig? Das würde bedeuten, wir können die doppelte Haushaltsführung noch geltend machen und müssten erst 2015 die Steuerklassen 1 annehmen?

Kann ich für den Umzug im April 2014 aus der gemeinsamen Wohnung Umzugskosten geltend machen? Ich habe gelesen, dass Umzugskosten nur abzugsfähig sind, wenn man beruflich versetzt wird oder aber sich eine Verkürzung der Fahrtzeit von mindestens (insgesamt) einer Stunde pro Tag ergibt. Da ich etwa 60-70 Kilometer am Tag einspare, dürfte ich etwa eine Ersparnis von einer Stunde gemacht haben. Wenn das absetzbar ist, was genau kann ich absetzen? Fahrten für Besichtigungen? Maklerprovision? Kaution? Oder ist es sinnvoller hier einfach die Pauschale von 715 Euro abzusetzen?

Neben den Kosten für die Nebenwohnung kann ich die Kosten für Heimfahrten ebenso geltend machen. Sind diese ebenso von dem Trennungsjahr betroffen? Weil rein tatsächlich bin ich bis April 2014 zumindest 1 - 2 Monate täglich 100 Kilometer gefahren. Die Kosten sind tatsächlich entstanden und müssten doch sehr wohl abzugsfähig sein?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
10.12.2014 | 10:04

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten. Bitte beachten Sie, dass Weglassungen oder geringfügige Änderungen des Sachverhaltes unter Umständen weitreichende Konsequenzen für die rechtliche Würdigung haben können.

1. Doppelte Haushaltsführung

So lange Sie nicht dauernd getrennt gelebt haben, können Sie auf jeden Fall die doppelte Haushaltsführung noch weiterhin geltend machen (inkl. der Familienheimfahrten). Dies ist jedenfalls bis zu ihrem Auszug in 4/2014 aus der gemeinsamen Wohnung noch möglich. Denn dauerndes Getrenntleben liegt frühestens vor, wenn zwischen den Ehegatten nicht einmal eine sog. Wirtschaftsgemeinschaft mehr besteht. Diese besteht aber bei gemeinsamen Zusammenleben in jedem Fall noch, wenn eine Fortsetzung der Lebensgemeinschaft noch angestrebt wird und nicht endgültig aufgegeben worden ist (Schmidt, Komm. zum EStG § 26 Rz. 11 EStG).


2. Umzugskosten

Steht der Umzug in einem betrieblichen oder dienstlichen Zusammenhang, können Umzugskosten als Werbungskosten abgezogen werden.
Ein Umzug ist betrieblich oder dienstlich veranlasst, wenn der Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen den Umzug anordnet oder wenn sich die tägliche Fahrtzeit des Arbeitnehmers zur Arbeitsstätte (Hin- und Rückfahrt) – wie in Ihrem Fall- um mindestens eine Stunde verkürzt, je Fahrt also um je 30 Minuten. Bei Erfüllung der Fahrzeitverkürzung gilt der Umzug unproblematisch als dienstlich veranlasst.

Das Bundesumzugskostengesetz bestimmt, welche Kosten vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt oder als Werbungskosten berücksichtigt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Transportkosten (= Beförderung des Umzugsgutes), Transportschäden, Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwand, doppelte Mietzahlungen bis zu drei Monaten, Maklergebühren und Kosten für den Nachhilfeunterricht für die Kinder.


3. Lohnsteuerklasse

Hinsichtlich der Lohnsteuerklasse gilt LStR 39.2 der Finanzverwaltung. Demnach ist unterjährig zu Ihren Lasten kein LSt-Klassenwechsel auf Steuerklasse I möglich. Eine Änderung auf Klasse IV/IV oder III/V wäre nur bei gemeinsamen Antrag bis zum 30.11. dieses Jahres möglich gewesen und damit für Ihren Fall nicht mehr relevant.

Desweiteren können Sie in 2014 auch noch die gemeinsame Veranlagung nach § 26 EStG vornehmen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen. Bitte vergessen Sie auch nicht, am Ende die Bewertung meiner Rechtsberatung vorzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Falk-Christian Barzik, Diplom-Finanzwirt (FH)

Nachfrage vom Fragesteller 10.12.2014 | 11:17

Noch ein paar Nachfragen:

Steuerklasse:

Wir waren beide in Steuerklasse IV. Ihrer Aussage entnehme ich, dass wir in 2014 weiterhin nach der IV bemessen werden?

Ich habe gehört, dass das Finanzamt nach Rechtskraft der Scheidung das komplette Kalenderjahr mit Steuerklasse I bewertet. (In unserem Fall wäre das 2014, da Rechtskraft im Dezember 2014 eingetreten ist.) Ist das richtig bzw. rechtens?

Umzugskosten:

Anschaffung von Möbel aufgrund der Trennung zählt sicherlich nicht zu den absetzbaren Gegenständen? Bzw. Transport und Montage dieser neu angeschafften Möbel, die allerdings aufgrund der Aufgabe der Ehe notwendig waren.

Transportkosten: Sind hier auch Mietwagenkosten absetzbar?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.12.2014 | 17:19

Da der oben beschriebene Antrag nicht gestellt wurde, wird bis zum Ende 2014 weiterhin die alte LSt-Klasse beibehalten (siehe LStR 39.2 II).

Ihr zweiter Absatz der Nachfrage stimmt nicht. Die Steuerklasse bestimmt nur den Abzug vom monatlichen Arbeitslohn (quasi wie Vorauszahlungen auf die spatter festzusetzende ESt), wirkt aber weder rückwirkend, noch hat direkt was mit der Jahresveranlagung und damit Ihrer Einkommensteuer zu tun.

Desweiteren können Sie in 2014 noch gemeinsam eine Zusammenveranlagung beantragen (Ehegattensplitting). Nur danach bestimmt sich die endgültige Höhe der Einkommensteuer. Die Lst-Klasse ist dagegen irrelevant.

Zu den Umzugskosten: Doch, sofern Sie nicht mit der Trennung, sondern mit der kürzeren Fahrtzeit argumentieren (s.O). Daran knüpfte meine Antwort. Die Trennung selbst ist kein Grund für die Geltendmachung der o.g. Kosten als Umzugskosten. Im Übrigen wären auch etwaige Mietwagenkosten absetzbar.



Bewertung des Fragestellers 10.12.2014 | 17:50


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