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Steuer- und Sozialversicherungspflicht bei Home-Office im Europäischen Ausland

| 24.08.2017 08:44 |
Preis: ***,00 € |

Sozialversicherungsrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Übt ein Arbeitnehmer seine Tätigkeit in zwei Mitgliedsstaaten der EU aus, besteht die Sozialversicherungspflicht nur in dem Staat, in dem der wesentliche Teil der Tätigkeit erbracht wird.

Hallo,

ich habe eine Frage zur Steuer- und Sozialversicherungspflicht bei Arbeit im Europäischen Ausland. Ich habe bereits viel im Internet recherchiert, bin aber noch zu keinem klaren Verständnis gekommen. Teilweise passten die Auskünfte nicht auf meinen speziellen Fall, teilweise waren sie auch schon recht alt und ich war mir nicht sicher, ob es vielleicht seitdem Änderungen gab.

Ich verhandle derzeit mit meinem Deutschen Arbeitgeber über einen Telearbeitsplatz in Irland (keine Entsendung, nicht zeitlich befristet). Meine Idealvorstellung ist, dass ich meine Arbeit komplett vom Irischen Home-Office erledige und nur zu wichtigen Meetings nach Deutschland komme bzw. eventuelle Dienstreisen von Irland aus starte. In diesem Fall würde ich meinen Wohnsitz in Deutschland auflösen (wenn es allerdings aus rechtlicher Sicht für die Firma einfacher wäre, könnte ich diesen auch beibehalten).

Es sind allerdings auch andere Szenarien denkbar, z.B. 3 Wochen pro Monat Home-Office in Irland, eine Woche regelmäßig in Deutschland, oder 2 Wochen monatlich in Irland, zwei Wochen in Deutschland.

Meine Arbeit würde aber in jedem Fall in Deutschland verwertet, auch wenn sie physisch in Irland erbracht würde. Zwar hat mein Arbeitgeber eine Tochterfirma in Irland, ich wäre aber weiterhin beim Deutschen Unternehmen angestellt.

Nun meine Frage: Können Sie mir verbindlich sagen, wie in diesen Fällen die Steuer- und Sozialversicherungspflicht geregelt wäre?

Bzgl. Sozialversicherung habe ich gelesen, dass hier das Territorialprinzip gilt, d.h. ich wäre dort sozialversicherungspflichtig, wo ich die Arbeit physisch ausübe, also im ersten Fall klar in Irland. Aber wie sähe es aus, wenn ich regelmäßig 1-2 Wochen meiner Arbeitszeit in Deutschland verbrächte? Wäre ich dann in beiden Ländern sozialversicherungspflichtig? Und muss der Arbeitgeber die Sozialversicherung an den Irischen Staat abführen oder liegt dies dann in meiner Verantwortung als Arbeitnehmer?

Bzgl. Steuerpflicht: Stimmt es, dass ich in Deutschland steuerpflichtig bin, wenn meine im Ausland physisch erbrachte Arbeit in Deutschland verwertet wird - auch wenn ich keinen Wohnsitz mehr in Deutschland habe? Sofern ich einen Wohnsitz in beiden Ländern habe, verstehe ich das Doppelbesteuerungsabkommen so, dass ich bei einer Auslandstätigkeit von weniger als 183 Tagen im Jahr weiter in Deutschland steuerpflichtig wäre, bei über 183 Tagen dagegen in Irland. Ist dies richtig?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!
26.08.2017 | 18:21

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Sozialversicherung

Wenn ein Arbeitnehmer seine Tätigkeit gleichzeitig in zwei Mitgliedstaaten der EU ausübt, besteht die Sozialversicherungspflicht immer nur in einem Staat. Rechtsgrundlage sind die EU-Verordnungen Art. 13 Abs. 1 a) VO (EG) 883/2004;Art. 14 Abs. 8 VO (EG) 987/2009. Wenn der wesentliche Teil der Tätigkeit im Wohnsitz-Mitgliedstaat erbracht wird, besteht dort die alleinige Sozialversicherungspflicht, auch wenn ein Teil der Tätigkeit im Staat des Arbeitgeber-Sitzes erbracht wird.

Nur im Fall einer sog. Entsendung besteht die Sozialversicherungspflicht im Staat des Arbeitgeber-Sitzes. Eine Entsendung liegt aber nur vor, wenn die Tätigkeit im Ausland auf 24 Monate begrenzt ist.

In Irland besteht eine beitragsbezogene Sozialversicherungspflicht Die Beiträge hat der Arbeitgeber vom Lohn abzuführen (Pay Related Social Insurance).

2. Steuer

Nach Art. XII Absatz 1 des Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Irland (DBA) besteht die Steuerpflicht für Einkommen aus unselbständiger Arbeit ausschließlich in den Staat, in dem eine Person ansässig ist. Ansässig ist eine Person in dem Staat, in dem sie ihren gewöhnlichen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat (Art II Absatz 2 DBA). Wo die Arbeit verwertet wird, spielt keine Rolle. Wenn sich eine Person in beiden Staaten aufhält oder Wohnsitze hat, ist auf den Hauptwohnsitz sowie den Schwerpunkt ihrer Lebensinteressen abzustellen.

Die 183-Tage Regelung setzt zusätzlich voraus, dass der Arbeitgeber seinen Betriebssitz im Wohnsitzstaat hat (Art. XII Absatz 2 b DBA). Dies ist bei Ihnen nicht der Fall.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Carsten Neumann

Rückfrage vom Fragesteller 27.08.2017 | 17:53

Sehr geehrter Herr Neumann,

vielen Dank für Ihre schnelle und verständliche Antwort. Eine Rückfrage habe ich dennoch:

Angenommen, meine Arbeit verteilt sich zu 50% auf Irland und zu 50% auf Deutschland und ich hätte jeweils einen Wohnsitz in beiden Ländern:

1. Sozialversicherung:
Sie haben geschrieben, daß die alleinige Sozialversicherungspflicht im Wohnsitzstaat besteht, wenn dort der wesentliche Teil der Tätigkeit erbracht wird. Bei einer 50:50-Aufteilung ist ja der "wesentliche Teil" nicht eindeutig festzumachen. Entscheidet dann bei zwei Wohnsitzen auch bei der Sozialversicherung der Mittelpunkt der Lebensinteressen?

2. Steuer:
In dem beschriebenen Fall hätte mein Arbeitgeber ja einen Betriebssitz an einem meiner beiden Wohnsitze, nämlich in Deutschland. Wäre dies dann ein Fall, bei dem die 183-Tage-Regelung greifen würde?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 27.08.2017 | 22:22

Sehr geehrte Fragestellerin,

nach Art. 13 Abs. 1 a VO (EG) 883/2004 unterliegt eine Person hinsichtlich der Sozialversicherung dem Recht des EU-Mitgliedstaates, in dem sie ihren Wohnsitz hat, wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt. 50% der Tätigkeit sind wesentlich. Damit würden Sie in Irland der SV-Pflicht unterliegen,

Wenn Deutschland Ihr Wohnsitz-Staat ist, und Ihr Arbeitgeber dort seinen Betriebssitz hat, greift die 183-Tage-Regelung.

Mit freundlichen Grüßen,

Carsten Neumann
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 24.09.2017 | 15:05

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"Die Antwort war sehr ausführlich und hat mir sehr weitergeholfen. Sehr dankbar bin ich auch für die Angabe der Referenzen (relevante EU-Verordnungen und Passagen des Doppelbesteuerungsabkommens). Ein Hinweis, ab welchem prozentualen Anteil ein im Ausland erbrachter Teil der Arbeit als wesentlich erachtet wird, wäre noch hilfreich gewesen, allerdings hätte ich dies vielleicht auch gezielter erfragen müssen. Vielen Dank für Ihre Hilfe, Herr Neumann!"
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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 24.09.2017
4,6/5,0

Die Antwort war sehr ausführlich und hat mir sehr weitergeholfen. Sehr dankbar bin ich auch für die Angabe der Referenzen (relevante EU-Verordnungen und Passagen des Doppelbesteuerungsabkommens). Ein Hinweis, ab welchem prozentualen Anteil ein im Ausland erbrachter Teil der Arbeit als wesentlich erachtet wird, wäre noch hilfreich gewesen, allerdings hätte ich dies vielleicht auch gezielter erfragen müssen. Vielen Dank für Ihre Hilfe, Herr Neumann!


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