Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Staatsexamen Bewertung zu Unrecht NRW

30.01.2014 19:12 |
Preis: ***,00 € |

Schule, Hochschule, Prüfungen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Robert Hotstegs, LL.M.


Zusammenfassung: Eine Prüfungsanfechtung ist möglich, sobald ein Zeugnis als Verwaltungsakt vorliegt. Die Ablehnung von Mindermeinungen ist auch gerichtlich überprüfbar. Dies setzt voraus, dass der Prüfling entsprechende Nachweise zur "Vertretbarkeit" seiner Ansicht vorlegt. Es verbleibt ein Beurteilungsspielraum.

Guten Abend.

Meine Schwiegertochter hat mich gebeten, hier nach Rat zu fragen.
Sie ist heute nicht in der Verfassung, dies selbst zu tun.

Sie hat ein Masterstudium für den Bereich Lehramt an Grund-, Haupt-, Real-, sowie Gesamtschulen in NRW absolviert und Ende letzten Jahres ihre erste Staatsprüfung abgelegt.

Heute kam vom Landesprüfungsamt die Beurteilung der schriftlichen Arbeit. Note: 4,0 ausreichend.

Ihre vorherigen Prüfungsnoten:
Mathematik: 3,3, 2,0, 1,7
Biologie: 2,3, 1,8
Pädagogik: 1,8, 1,0.

Die in Rede stehende schriftliche Arbeit befasste sich umfassend mit Zucker, Stärke und Kohlenhydraten und deren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Da mein Sohn vor einem guten halben Jahr an einem, als unheilbar geltenden Gehirntumor erkrankte, vertiefte sie Ihre da bereits schon vorhandenen Fachkenntnisse durch weitere intensive Recherchen.
Seriöse Fachliteratur mit Quellenangaben zu neueren, wissenschaftlich belegten Forschungsergebnissen wurden in diese Arbeit eingebunden. Ihr war es möglich, das erworbene Wissen in der Praxis anzuwenden.
Biologen und wenige Mediziner an deutschen Krebszentren haben bewiesen, dass eine radikale Reduzierung der Kohlenhydrate in der Ernährung, bei zeitgleicher Zufuhr der richtigen Fettsäuren, Vermeidung von Transfetten, Anreicherung der Nahrung mit sekundären Pflanzenstoffen ect. bereits bestehende Tumore im Wachstum hemmen oder gar Krebszellen dazu zwingen können Ihre entartete Verstoffwechslung, die im Verärungsmodus läuft, wieder auf Verbrennung umzuschalten, sogar die Apoptose, das Selbstmordprogramm von Körperzellen, das in Krebszellen nicht mehr funktioniert, zu reaktivieren. Das perfektionierte, komplexe Zusammenspiel vieler Faktoren Angepasst zu Radio - und Chemotherapie hat bei meinem Sohn dazu geführt, dass beim MRT in der letzten Woche zum offensichtlichen Erstaunen des Neurologen absulot nichts mehr zu sehen war! Es sieht zumindest jetzt so aus, als sei der schnellwachsendeTumor, der bei der Op nicht vollständig entfernt werden konnte, verschwunden!

In der Arbeit meiner Schwiegertochter hat sie die Geschehnisse, meinen Sohn betreffend, nicht erwähnt. Da dieses Wissen noch sehr wenig verbreitet ist, die Schulmedizin dies als Kokolores abtut, auch die Wissenschaft tut sich (noch) sehr schwer damit, vermuten wir, dass wer auch immer diese Arbeit benotet hat, einfach nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte, was dort schriftlich niedergelegt war oder halt nicht dem konservativen Stand des Wissens dieser Person entsprach.?

Was tun???

Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage und die darin übermittelten ersten Angaben zu Ihrem Sachverhalt. Eine ausführliche Antwort stößt natürlich im Rahmen einer online-Beratung an ihre Grenzen, weil mir Ihre Unterlagen nicht vorliegen. Die Auswertung der Klausur wäre ein wichtiger Schritt um mögliche Schritte zu entscheiden.

Dennoch möchte ich Ihnen schon jetzt folgende Einschätzungen an die Hand geben:

- Wenn Ihnen bislang "nur" die Benotung der schriftlichen Arbeit vorliegt, kann diese einzeln nicht angefochten werden. Erst das Gesamtzeugnis ist ein Verwaltungsakt, der angegriffen werden kann.

- Eine reine Verbesserungsprüfung ist nach Ihrer Schilderung nicht vorgesehen, sodass tatsächlich - dies müsste man ja zumindest theoretisch in Erwägung ziehen - nur die Alternativen bleiben, das ungewollte Ergebnis zu akzeptieren oder aber ggf. Rechtsmittel einzulegen.

- Eine Rechtsmittelbelehrung wird üblicherweise mit dem Zeugnis erteilt. Hieraus können Sie die Fristberechnung und den Rechtsweg entnehmen.

Dabei halte ich es für wichtig schon jetzt zu betonen, dass Ihre Schwiegertochter möglichst "zweigleisig" fahren sollte: so kann sie sich mit dem schlechten Zeugnis um Ihre berufliche Zukunft bemühen, zeitgleich aber um eine Notenüberprüfung und -korrektur streiten. Keinesfalls sollte die Überprüfung abgewartet werden, hierdurch geht in der Regel zu viel Zeit verloren.

Im Rechtsstreit kommt es dann schließlich auf die Kernfrage an, nämlich ob die Bearbeitung und Antwort Ihrer Schwiegertochter den Standards entsprach und womöglich nur aus Unwissen schlecht beurteilt wurde.

Erste Auskunft hierüber kann eine Klausureinsicht ergeben. Ihre Schwiegertochter sollte möglichst schnell einen Antrag auf Einsicht stellen und hierbei entweder um Kopien der Klausur und der Korrekturanmerkungen bitten oder aber alle Korrekturanmerkungen selbst notieren. Auch ein Rechtsanwalt müsste und würde diese Akteneinsicht zunächst durchführen, weil nur so eine konkrete Auseinandersetzung mit der Benotung erfolgen kann.

In einem Rechtsstreit, ggf. vor Gericht, wird der Rechtsrahmen üblicherweise so gezogen, dass ein Gericht die Prüfungsentscheidung nicht ersetzen kann, sondern den Prüfern ein (weiter) Beurteilungsspielraum zugestanden wird. Aber die Prüfungsentscheidung muss begründet und in sich schlüssig, also plausibel sein. Das dürfte nach Ihrer Darstellung schwer zu erwarten sein, da auch Ihre Schwiegertochter eine in der Praxis jedenfalls einmalig realisierte Tumorbehandlung aufgegriffen und in die Prüfungsleistung eingearbeitet hat.

Das Verwaltungsgericht Köln hat in seinem Urteil vom 25. April 2012 – 10 K 3872/11 – allgemein dargelegt:

"Bei berufsbezogenen Prüfungen sind die Prüfungsentscheidungen grundsätzlich in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht von den Gerichten vollständig nachzuprüfen; allerdings verbleibt der Prüfungsbehörde bei prüfungsspezifischen Wertungen ein gerichtlich eingeschränkt überprüfbarer Bewertungsspielraum. Dem liegt das Gebot des das Prüfungsrecht beherrschenden Grundsatzes der Chancengleichheit zugrunde, wonach für vergleichbare Prüflinge so weit wie möglich vergleichbare Prüfungsbedingungen und Bewertungskriterien gelten müssen. Prüfer müssen bei ihrem wertenden Urteil von Einschätzungen und Erfahrungen ausgehen, die sie im Laufe ihrer Prüfungspraxis bei vergleichbaren Prüfungen entwickelt haben und allgemein anwenden. Prüfungsnoten sind daher in einem Bezugssystem zu sehen, das von den persönlichen Erfahrungen und Vorstellungen der Prüfer beeinflusst wird. Die komplexen Erwägungen, die einer Prüfungsentscheidung zugrunde liegen, lassen sich nicht regelhaft erfassen.

Vgl. Bundesverfassungsgericht (BVerfG), Beschluss vom 17.04.1991 - 1 BvR 419/81, 1 BvR 213/83 -, BVerfGE 84, 34, 50 ff.

Zu den prüfungsspezifischen Wertungen gehören z.B. die Gewichtung verschiedener Aufgaben untereinander, die Einordnung des Schwierigkeitsgrades der Aufgabenstellung und die Würdigung der Qualität der Darstellung,

vgl. Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Beschluss vom 17.12.1997 - 6 B 55/97 -, NVwZ 1998, 738.

Ebenso handelt es sich um eine den Prüfern vorbehaltene prüfungsspezifische Wertung, ob im Hinblick auf eine entsprechend definierte Notenstufe bzw. zugeordnete Punktzahl eine Prüfungsleistung als 'brauchbar' zu bewerten ist,

vgl. BVerwG, Beschluss vom 13.05.2004 - 6 B 25/04 -, juris.

Soweit den Prüfern ein Bewertungsspielraum verbleibt, ist der Bewertungsspielraum überschritten und eine gerichtliche Korrektur ist geboten, wenn die Prüfungsbehörden Verfahrensfehler begehen, anzuwendendes Recht verkennen, von einem unrichtigen Sachverhalt ausgehen, allgemeingültige Bewertungsmaßstäbe verletzen oder sich von sachfremden Erwägungen leiten lassen.

Vgl. BVerwG, Urteil vom 09.12.1992 - 6 C 3/92-, NVwZ 1993, 677.

Diese Maßgaben müssen ebenso zur Anwendung kommen, wenn speziell in Rede steht, ob ein für sich genommen positiver Ansatz im Gesamtrahmen der Arbeit ein so geringfügiges Gewicht aufweist, dass er deren Bewertung als eine völlig unbrauchbare Leistung nicht entgegensteht. Einzelne positive Elemente stehen einer Bewertung einer Prüfungsleistung als ungenügend nicht schlechthin entgegen, da andernfalls für diese Note kein nennenswerter Anwendungsbereich verbliebe, was vom Verordnungsgeber nicht bezweckt gewesen sein kann. Solche Elemente bzw. eine für sich genommen noch brauchbare Teilleistung stehen der Benotung mit ungenügend erst dann entgegen, wenn ihr im Gesamtrahmen relevantes Gewicht beizumessen ist und sie nicht nur geringfügige Bedeutung aufweisen.

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 08.03.2012 - 6 B 36/11 -, juris."

Konkret zur Frage, wie sogenannte "Mindermeinungen" bewertet werden dürfen hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in einem Beschluss vom 29. April 2009 – 7 ZB 08.996 - ausgeführt:

"Zwar darf eine vom Prüfling vorgetragene und mit gewichtigen Argumenten versehene, fachlich vertretbare Antwort nicht deshalb als falsch gewertet werden, weil die Prüfer fachlich anderer Ansicht sind als der Prüfling (vgl. BVerfG vom 17.4.1991 BVerfGE 84, 34 [55] und BVerfGE 84, 59 [79]; BVerwG vom 9.12.1992 BVerwGE 91, 262 [266]). Als vertretbar im Sinne des dem Prüfling zustehenden Antwortspielraums ist eine Lösung jedoch nur dann anzusehen, wenn sie von ihm selbst mit gewichtigen Argumenten folgerichtig vertreten wird (vgl. Zimmerling/Brehm NVwZ 2009, 358/364 m.w.N.). Es liegt innerhalb des von den Gerichten zu respektierenden Bewertungsspielraums, wenn der Prüfer die Vertretbarkeit der Lösung nicht ausschließt, jedoch die Argumente der Minder- bzw. Außenseitermeinung für wenig überzeugend hält oder die Qualität der Darstellung bemängelt (Niehues, Prüfungsrecht, 4. Aufl. 2004, Rn. 852)."

Es liegt aber darüber hinaus in der Verantwortung des Prüflings - also Ihrer Schwiegertochter - die entsprechende "Vertretbarkeit" und die Qualität der Darstellung nachzuweisen. Für eine juristische Prüfung wurde hierzu vom Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden:

"Fachliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Prüfling und Prüfer sind der gerichtlichen Überprüfung und Entscheidung hingegen nicht entzogen. Eine diesbezügliche Kontrolle durch das Gericht setzt insoweit allerdings eine schlüssige und hinreichend substantiierte Rüge des Prüflings im gerichtlichen Verfahren voraus, die sich mit den fachlichen Einwendungen gegen die Prüfungsleistung inhaltlich auseinander setzt. Macht der Prüfling dabei geltend, er habe eine fachwissenschaftlich vertretbare und vertretene Lösung der Prüfungsaufgabe gewählt, hat er dies unter Hinweis auf seiner Ansicht nach einschlägige Fundstellen näher darzulegen; der im verwaltungsgerichtlichen Verfahren geltende Amtsermittlungsgrundsatz ist insoweit durch die Mitwirkungspflicht des Prüflings begrenzt, vgl. OVG NRW, Urteil vom 17. September 1993 - 22 A 1931/91 - S. 9 des Urteilsabdrucks unter Hinweis auf BVerwG, Urteil vom 24. Februar 1993 - 6 C 35.92 - S. 19 des dortigen Urteilsabdrucks."

(VG Düsseldorf, Urteil vom 14. November 2003 – 15 K 6737/01 –, juris)

Daher ist Ihnen bzw. Ihrer Schwiegertochter zunächst eine möglichst umfassende Akteneinsicht zu empfehlen. Dann ist im nächsten Schritt eine akribische Auseinandersetzung mit der Prüfungsleistung und den Korrekturen geboten.

Es empfiehlt sich fachanwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um hier eine konzentrierte Auseinandersetzung zu führen.

Sollte Ihre Schwiegertochter bereits einer Lehrergewerkschaft angehören, empfehle ich auch dort möglichst schnell Rat und ggf. Rechtsschutz zu suchen, da Gewerkschaften typischerweise nur im Vorhinein über eine Kostenübernahme entscheiden, nicht nachträglich.

Zur Frage, ob in Ihrem konkreten Fall eine Auseinandersetzung dann am Ende Erfolg haben wird oder nicht, kann diese online-Beratung naturgemäß nichts aussagen.

Ich hoffe aber, ich konnte Ihnen mit diesen ersten Antworten bereits weiterhelfen. Diese online-Beratung kann eine anwaltliche Erstberatung nicht ersetzen, aber Sie soll Ihnen einen ersten Eindruck von der Rechtslage vermitteln.

Für die erfolgreiche Staatsprüfung Ihrer Schwiegertochter - auf welchem Weg auch immer - wünsche ich aber in jedem Fall viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen,

Robert Hotstegs
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 30.01.2014 | 20:56

Vielen Dank für die umfassende Antwort Herr Rechtsanwalt.

Das muss erst einmal sacken.

Ich wünsche Ihnen zunächst einen schönen Abend.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.02.2014 | 10:27

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage und dafür dass Sie das online-Portal genutzt haben.

Um die online-Rechtsberatung weiterzuentwickeln, ist es für mich von besonderem Interesse zu erfahren, ob Sie mit der Beratung zufrieden waren.

Bitte nutzen Sie daher die Gelegenheit innerhalb des Portals eine Bewertung abzugeben. Dies ist sicherlich auch für andere Nutzerinnen und
Nutzer eine gute Hilfestellung bei der Wahl eines Rechtsanwalts.

Mit freundlichen Grüßen,

Robert Hotstegs
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70599 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank für die Antwort - kurz und verständlich mit klaren Handlungsanweisungen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Für einen überschaubaren Betrag bekam ich eine erste Einschätzung über die Erfolgsaussichten, die mich davon überzeugt hat, die Sache weiter zu verfolgen. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnell, freundlich und kompetent. ...
FRAGESTELLER