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Spekulationssteuer auf Wohnungsverkauf in Holland bei Verkauf nach Emigration.

30.05.2020 10:44 |
Preis: 150,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Elisabeth v. Dorrien


Zusammenfassung: In Holland gibt es keine sog. Spekulationssteuer.

Ich wohne seit 2008 in Deutschland und werde zum 01.07.2020 nach Holland zurueck emigrieren. In Holland besitze ich seit 5 Jahren eine Wohnung die ich vermietet habe und erst nach meinem Umzug noch in diesem Jahr verkaufen werde. Muss ich ueber den Wertzuwachs Spekulationssteuer bezahlen? Egal ob ich der beschraenkte oder unbeschraenkte Steuerpflicht in Deutschland unterliege? Wenn ja lieber warten mit Verkauf bis 2021?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Wenn Sie Ihre holländische Wohnung erst nach Ihrem Umzug, also in Holland, verkaufen, dann ist das tatsächlich überhaupt kein (spekulationssteuerrechtliches) Problem, denn Holland kennt keine sog. Spekulationssteuer, die in Deutschland bei dem Verkauf einer (nicht innerhalb der letzten drei Jahre vor dem Verkauf bzw. durchgehend selbst genutzten) Immobilie anfallen kann, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf 10 Jahre noch nicht vergangen sind.

Selbst wenn Sie - etwa infolge einer in Deutschland belegenen vermieteten Wohnung - noch einer beschränkten Steuerpflicht in Deutschland unterlägen, so würde das nur hinsichtlich der hier erzielten Einkünfte gelten (§ 49 EStG), nicht aber bei einem in Holland vollzogenen Immobilienverkauf.

Sobald Sie nach Holland umgezogen sind, also Ihren (steuerlichen) Lebensmittelpunkt von Deutschland nach Holland verlegt haben, unterliegen Sie keiner hiesigen Steuer mehr im Hinblick auf den Verkauf der holländischen Wohnung.

Bitte melden Sie sich gerne, wenn noch etwas unklar geblieben ist. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 30.05.2020 | 19:26

Danke für Ihre Antwort. So wie ich Sie verstehe bin ich nicht mehr steuerpflichtig in Deutschland sobald ich Ausgewandert bin. Wie ist es wenn ich 2020 trotzdem in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleibe weil dies gewisse steuerliche Vorteile bieten könnte. Ich könnte anfang July umziehen dann bin ich schon über 183 Tage in Deutschland und müsste ich mein Welteinkommen 2020 in Deutschland versteuern (aber hätte dann auch den Grundfreibetrag). Wäre dann der Spekuations gewinn steuerpflichtig in Deutschland bei Verkauf in 2020? Und wie ist es mit Progresssionsvorbehalt diesbezüglich im Falle eine beschränkte Steuerpflicht in Deutschland.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 30.05.2020 | 23:33

Sehr geehrter Fragesteller, Sie können ja nur mit dem Hauptwohnsitz in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleiben. Eine beschränkte Steuerpflicht gewährt keinen Grundfreibetrag etc. Wenn Sie Ihren Lebensmittelpunkt nach Holland verlegen, dann können Sie nicht gleichzeitig in Deutschland Ihren steuerlichen Hauptwohnsitz behalten. Wenn Sie in Deutschland eine Wohnung behalten wollen, dann müssen Sie dennoch dem Finanzamt gegenüber erklären, wo denn nun Ihr steuerlicher Lebensmittelpunkt liegt, wenn Sie auch in Holland einen Wohnsitz haben. Auch das DBA geht vom Besteuerungsrecht des sog. Ansässigkeitsstaates aus, Sie müssen sich also entscheiden. Ein Veräußerungsgewinn aus der in Holland veräußerten Immobilie wird dann in Deutschland versteuert.

Das bedeutet:
Nur der in Deutschland wohnende Eigentümer unterliegt mit seinen Gewinnen aus einer Holland-Immobilie der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland sowie der beschränkten Steuerpflicht in den Niederlanden. Das deutsch-niederländische Doppelbesteuerungsabkommen schränkt das deutsche Besteuerungsrecht jedoch ein und bestimmt, dass Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen nur in dem Staat besteuert werden dürfen, in dem sich das Vermögen befindet, hier also in den Niederlanden. Die Einkünfte werden daher in Deutschland von der Besteuerung freigestellt. Sie sind jedoch bei der Ermittlung des Steuersatzes, mit dem die übrigen deutschen Einkünfte zu versteuern sind, zu berücksichtigen (Progressionsvorbehalt).

Das deutsch-niederländische Doppelbesteuerungsabkommen weist die Besteuerung von Veräußerungseinkünften aus unbeweglichem Vermögen - ebenso wie die Besteuerung von laufenden Einkünften - ausschließlich dem Belegenheitsstaat zu, hier also den Niederlanden. Zu den Einkünften aus unbeweglichem Vermögen zählen ausdrücklich auch Spekulationsgewinne. Die Einkünfte unterliegen in den Niederlanden nicht der Besteuerung. Der Veräußerungsgewinn bleibt daher in den Niederlanden steuerfrei, wirkt sich jedoch im Rahmen des deutschen Progressionsvorbehalts aus. Das heisst: Ist der Veräußerungsgewinn nach deutschen Maßstäben steuerpflichtig, so fällt er unter den Progressionsvorbehalt; also fallen unter den Progressionsvorbehalt alle Veräußerungsgewinne im Rahmen gewerblicher Einkünfte und Veräußerungsgewinne im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung vor Ablauf der 10jährigen Spekulationsfrist.

Im übrigen gilt:

Eine natürliche Person, die in Deutschland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist in Deutschland beschränkt steuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte hat. Ein Arbeitnehmer erzielt insbesondere dann inländische Einkünfte, wenn er seine Tätigkeit in Deutschland ausübt. Bei der beschränkten Steuerpflicht unterliegen grundsätzlich nur die inländischen Einkünfte der Person der deutschen Einkommensteuer. Damit unterliegen auch die Einkünfte, die ein in den Niederlanden wohnender Arbeitnehmer aus einer Tätigkeit in Deutschland erzielt, zunächst der deutschen Einkommensteuer. Zudem unterliegt der Arbeitnehmer in den Niederlanden der dortigen unbeschränkten Steuerpflicht. Es entsteht eine Doppelbesteuerung.

Eine Besteuerung in Deutschland erfolgt demnach dann, wenn
der Arbeitnehmer seine Tätigkeit in Deutschland ausübt und
der Arbeitnehmer sich in Deutschland insgesamt länger als 183 Tage innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten, der während des betreffenden Steuerjahres beginnt oder endet, aufhält oder
der Arbeitslohn von einem oder für einen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber gezahlt wird oder
der Arbeitslohn von einer Betriebsstätte getragen wird, die der Arbeitgeber in Deutschland hat.

Liegen die Voraussetzungen der beschränkten Steuerpflicht vor, kann der Arbeitnehmer auf Antrag als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden, wenn er den ganz überwiegenden Teil seiner Einkünfte in Deutschland erzielt. Dies kann z. B. bei Grenzgängern der Fall sein. In beiden Fällen entsteht aufgrund der in den Niederlanden ebenfalls bestehenden unbeschränkten Steuerpflicht eine Doppelbesteuerung.

Das Welteinkommensprinzip besagt, dass jeder, der seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort in einem Land hat, seine gesamten in der Welt erzielten Einkünfte auch in diesem Land versteuern muss. In Deutschland gilt dieses Prinzip grundsätzlich für jede natürliche Person, die in Deutschland ansässig ist und unbeschränkt steuerpflichtig ist.

Es bleibt also dabei, dass Sie sich entscheiden müssen, wo Ihr (steuerlicher) Lebensmittelpunkt in Zukunft sein soll - in Holland oder in Deutschland. Davon hängt Ihre Steuerpflicht auch im Hinblick auf einen sog. Spekulationsgewinn ab.

Nochmals freundliche Grüße!

EvD

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