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Spanische Einkommensteuer auf deutsche Altersbezüge


02.04.2007 19:01 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter



Ich trage mich mit dem Gedanken, nach der Pensionierung meinen Wohnsitz nach Spanien zu verlegen (und meinen Wohnsitz in Deutschland aufzugeben). Ich möchte deshalb wissen, wie hoch meine in Deutschland erzielten Alterseinkünfte (BfA-Rente, Firmenpension, weitere Zahlungen aus einer zurückliegenden Gehaltsumwandlung) in Spanien besteuert werden würden. Es handelt sich hierbei um eine Grössenordnung von jährlich insgesamt ca. EUR 70.000,-- brutto. Wie hoch wäre in diesem Fall die zu erwartende spanische Einkommensteuer (Höhe der Steuer, durchnittlicher Steuersatz, sowie Steuersatz in der Spitze)? Falls die genannten 3 Einkunftsarten in Spanien unterschiedlich besteuert würden, würde ich die exakten Teilbeträge noch nachreichen.
Sehr geehretr Fragender,

Die Grundlage für die Einkommensteuer bildet das am 1. 1.2004 abgeänderte LIRPF, dass nach Spanien zugezogene natürliche Personen - unter bestimmten Voraussetzungen - die Wahl haben, während der ersten 5 Jahre als nicht ansässige Steuersubjekte behandelt zu werden mit einem festen Steuersatz von 25%, wenn ihr Zuzug aufgrund eines Arbeitsverhältnisses in Spanien erfolgt.

Da Sie jedoch dann schon als Rentner gelten (wie ich Sie verstanden habe), ist dieses leider nicht anwendbar, sodass für Sie folgendes gilt:

Es gilt der progressive Tarif mit einer Obergrenze bei 45%.

Die Bemessungsgrundlage ergibt sich aus allen steuerbaren Einkünften und Vermögensgewinnen, die von dem Steuersubjekt pro Veranlagungszeitraum (i.d.R. das Kalenderjahr) erzielt werden.
Gem. Art. 7 LIRPF sind gewisse Einkünfte, wie z.B. Abfindungen und Entschädigungen freigestellt.

Sie schrieben, dass Sie folgende Einkünfte haben:
eine Rente
Firmenpension
Zahlungen aus einer Gehaltsumwandlung

Gemäß Art. 16 LIRPF zählen Renten und Pensionen sowie Sonderzahlungen zu Einkünften aus unselbständiger Arbeit.
Für einmalige Sonderzahlungen gibt es Besonderheiten, die ich jedoch bei Ihnen nicht erkennen kann (bei Ihnen: immerwiederkehrende Leistungen).

Das spanische Einkommensteuerrecht kennt Pauschalbeträge zur Minderung der steuerbaren Höhe von Renten abhängig von der Einkommenshöhe, der persönlichen (auch gesundheitlichen Situation, wie z.B. Behinderung) und familiären Situation. Die steuerlichen abzugsfähigen Ausgaben sind abschließend gesetzlich geregelt. Abzugsfähig sind z.B. Zahlungen zur spanischen Sozialversicherung in voller Höhe sowie sonstige Pflichtversicherungen.

Auch Freibeträge werden gewährt (Art. 41-43 LIRPF). Diese sind ebenfalls abschließend geregelt.
Der allgemeine liegt bei Einzelpersonen bei 3.400 €.
Bei Steuerpflichtigen über 65 Jahren gibt es noch eine Minderungsmöglichkeit von 800,-- €.

Ermittelt wird die Steuer wiefolgt:
Die steuerbaren Einkünfte werden ermittelt (hier: nichtselbständige Arbeit) und bilden die allgemeine Bemessungsgrundlage, eine Reihe von Freibeträgen können hiervon abgezogen werden.
Dann ergibt sich das „Disponible Einkommen“, von dem wieder Abzüge möglich sind.
Das ergibt die „Base liquidable“, auf die ein allgemeiner Steuertarif angewandt wird. Zu trennen hiervon ist jedoch die spezielle Bemessungsgrundlage für Vermögensänderungen über 2 Jahren, auf die ein spezieller Steuersatz gilt.

Auf die allgemeine Steuerschuld kommt noch ein zusätzlicher Steuersatz der autonomen Regionen hinzu (dies gilt auch für die spezielle Bemessungsgrundlage).
Dann werden die allgemeine Steuerschuld sowie die spezielle autonome Steuerschuld zusammengenommen, staatliche Abzüge und regionale (autonom) Abzüge wieder in Abzug gebracht.

Das ergibt dann die Steuerschuld.

Diese jedoch speziell Ihnen nun genau auszurechnen ist anhand Ihrer Daten nicht möglich.
Dieses ist auch im Rahmen der Erstberatung nicht möglich.

Ihre Einkommensverhältnisse (ob z.B. auch noch Kapitaleinkünfte vorhanden sind) müssten genau überprüft werden.

Ich hoffe, dass Ihnen obige Darstellung zumindest einen Einblick vermitteln konnte, wie das Steuersystem funktioniert.

Ich stehe Ihnen jedoch gerne für eine weitere Beratung ggf. mit Vermittlung eines Steuerberaters in Spanien zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Corina Seiter



Nachfrage vom Fragesteller 03.04.2007 | 21:48

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort und die systematische Darstellung der spanischen "Steuermimik"! Auch in Spanien scheint es den "Bierdeckel" nicht zu geben! Mir ist klar, dass Sie anhand der vorliegenden Angaben keine exakte Steuerschuld berechnen können. Mir ging es eher um eine grundsätzliche grobe Abschätzung, ob die zu erwartende Steuer in Spanien signifikant unter (oder gar über) der in Deutschland liegt. Vielleicht ist es Ihnen doch eine grobe Abschätzung möglich, wenn wir lediglich den allgemeinen Freibetrag von EUR 3.400,- zugrundelegen (ich bin alleinstehend, ohne zu unterhaltende Kinder, Alter 60) und alle Versicherungsbeiträge und Vermögenseinkünfte (die in meinem Fall eh vernachlässigbar sind)ausser acht lassen. Könnte man dann nicht durch einen "einfachen" Blick in eine spanische Steuertabelle einen Wert herausbekommen ? Mir würde es schon helfen, einen Trend zu erkennen (deutlich weniger bzw. deutlich mehr als in D), um zu entscheiden, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Weg weiter zu verfolgen. Aus der Presse der vergangenen Monate meinte ich immer herauslesen zu können, dass die Steuerbelastung in Spanien deutlich geringer als in Deutschland sein müsste. Es wäre schön, wenn Sie wenigstens hier noch etwas mehr Klarheit reinbringen könnten. Danke und viele Grüsse

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.10.2008 | 17:28

Sehr geehrter Fragender

Leider liegt mir nur die Steuertabelle bis 31.12.2006 vor, aus der ein Einkommensteuersatz von 45 % für Sie hervorgeht (sie sind über dem Einkommen von 45.900 €). Die aktuelle Tabelle liegt mir in Druckform noch nicht vor, da die Änderungen sehr neu sind.
Bislang konnte pauschal gesagt werden, dass eine Umsiedelung nur aus steuerlichen Gründen sich nicht lohnt, da die Steuern in etwa mit Deutschland verglichen werden können.
Ggf, wäre Spanien etwas günstiger.

Allerdings sollten Sie folgendes beachten:

Wenn Sie von der Riesterrente profitieren, müssen Sie zum Ausgleich, dass Sie sozusagen Deutschland die besteuerte Rente entziehen, eine Art 50%tige Quellensteuer auf die Rente zahlen müssen, die an die Zulagenstelle zurückfließt.

Zudem ist folgendes zu beachten:
Wenn Sie komplett auswandern, hat das nachhaltige Konsequenzen. Sie müssen z.B. ihr
Auto auf spanisches Kennzeichen ummelden, was ein Vermögen kostet
(12% vom Zeitwert!). Dann müssen Sie den Führerschein umschreiben lassen
und jedes Jahr zum Test usw. Zudem, sollten Sie nicht
privat versichert sein, verlieren Sie ihre deutsche Krankenversicherung.


Das sollt alles bedacht werden, wenn Sie umsiedeln.

Dadurch wird eine eventuelle Ersparnis der Steuern um das vielfache überstiegen.

Für Übersiedler nach Spanien wird daher in der Regel eine vorherige umfassende Beratung notwendg, um alle Vor- und Nachteile zu beleuchten, da dieses weitreichende Konsequenzen haben kann. Dieses kann jedoch im Rahmen der Erstberatung nich geklärt werden.

Wie gesagt, die aktuelle Einkommensteuertabelle liegt mir nicht vor, sodass ich konkrete Zahlen nicht liefern kann, aber da Sie eine grobe Einschätzung haben wollen, kann ich Ihnen wirklich raten, den Wohnsitz in Deutschland zu belassen und "Langzeiturlauber" zu werden.

Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben.

Sollten Sie konkret Fragen zu den Steuern haben, müsste das mit meinem spanischen Kollegen genauer beleuchtet werden.


Mit freundlichen Grüßen und frohe Ostern

Dr. C. Seiter

Ergänzung vom Anwalt 08.04.2007 | 11:53

Sehr geehrter Fragender

Leider liegt mir nur die Steuertabelle bis 31.12.2006 vor, aus der ein Einkommensteuersatz von 45 % für Sie hervorgeht (sie sind über dem Einkommen von 45.900 €). Die aktuelle Tabelle liegt mir in Druckform noch nicht vor, da die Änderungen sehr neu sind.
Bislang konnte pauschal gesagt werden, dass eine Umsiedelung nur aus steuerlichen Gründen sich nicht lohnt, da die Steuern in etwa mit Deutschland verglichen werden können.
Ggf, wäre Spanien etwas günstiger.

Allerdings sollten Sie folgendes beachten:

Wenn Sie von der Riesterrente profitieren, müssen Sie zum Ausgleich, dass Sie sozusagen Deutschland die besteuerte Rente entziehen, eine Art 50%tige Quellensteuer auf die Rente zahlen müssen, die an die Zulagenstelle zurückfließt.

Zudem ist folgendes zu beachten:
Wenn Sie komplett auswandern, hat das nachhaltige Konsequenzen. Sie müssen z.B. ihr
Auto auf spanisches Kennzeichen ummelden, was ein Vermögen kostet
(12% vom Zeitwert!). Dann müssen Sie den Führerschein umschreiben lassen
und jedes Jahr zum Test usw. Zudem, sollten Sie nicht
privat versichert sein, verlieren Sie ihre deutsche Krankenversicherung.


Das sollt alles bedacht werden, wenn Sie umsiedeln.

Dadurch wird eine eventuelle Ersparnis der Steuern um das vielfache überstiegen.

Für Übersiedler nach Spanien wird daher in der Regel eine vorherige umfassende Beratung notwendg, um alle Vor- und Nachteile zu beleuchten, da dieses weitreichende Konsequenzen haben kann. Dieses kann jedoch im Rahmen der Erstberatung nich geklärt werden.

Wie gesagt, die aktuelle Einkommensteuertabelle liegt mir nicht vor, sodass ich konkrete Zahlen nicht liefern kann, aber da Sie eine grobe Einschätzung haben wollen, kann ich Ihnen wirklich raten, den Wohnsitz in Deutschland zu belassen und "Langzeiturlauber" zu werden.

Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben.

Sollten Sie konkret Fragen zu den Steuern haben, müsste das mit meinem spanischen Kollegen genauer beleuchtet werden.


Mit freundlichen Grüßen und frohe Ostern

Dr. C. Seiter
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