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Sorgerecht bei der Mutter - Wie regelt man das Besuchsrecht?

08.03.2008 23:07 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Wolfram Geyer


Hallo,

ich habe eine Tochter, die 12 Monate alt ist. Für sie habe ich das alleinige Sorgerecht.
Zwei Monate vor ihrer Geburt zog ich zu ihrem leiblichen Vater und einen Monat nach der Geburt mit ihr gemeinsam aus. Während diesen drei Monaten übernachtete ich allerdings schon oft bei meinen Eltern oder Freundinnen.
Bereits in der Schwangerschaft hat ihr Vater sich komplett aus der Verantwortung gezogen, indem er seine komplette Freizeit in Kneipen verbrachte, jedes Wochenende (Freitag und Samstag) sturzbesoffen und teilweise bekifft nach Hause kam und nicht bereit war, mal mit mir über die Zukunft mit dem Kind zu reden und zu planen. Des Weiteren habe ich fast alle Anschaffungen für die Kleine alleine bezahlt.
Ich habe keine Ahnung, ob dies überhaupt ausschlaggebend sein kann, aber ich bin damals komplett "alleine gelassen" worden von ihm. Da meine Wohnung bereits gekündigt war, während sich alles immer mehr verschlimmerte, musste ich zwei Monate vor der Geburt bei ihm einziehen (übrigens, nachdem wir uns sechs Wochen kaum noch gesehen hatten und ich - trotz Schwangerschaft und Hexenschuss - alleine, ohne seine Hilfe, klarkommen musste).
Ich tat dies auch in der Hoffnung, dass er sich nach der Geburt evtl. wieder ändern würde. Fast alle Anschaffungen für die Kleine zahlte ich selbst. Fakt ist, diese Zeit war nahezu unerträglich und wenn ich nicht gerade alleine herumsaß, hatte ich in ihm auch keine Hilfe. Zum Beispiel ließ er mich noch im neunten Monat vor seinen Augen auf dem Boden herumkriechen, um etwas wegzuputzen. (Ich will gar keine schmutzige Wäsche waschen, aber ich möchte gerne wissen, ob dies bei der Regelung des Umgangsrechts mitbedacht werden kann.)
Einen Monat nach der Geburt zog ich aus. Ich gewährte ihm den Besuch bei der Kleinen, so oft er wollte. Er kam ca. ein- bis zweimal die Woche für ca. eine bis zwei Stunden vorbei und verbrachte Zeit mit ihr (wobei ich immer dabei war). Für die Kleine verstanden wir uns neutral gut.
Seit ca. anderthalb Monaten nun gebe ich dem Vater die Kleine jede Woche Samstag morgens mit - er kommt immer erst um halb zehn (von mir aus könnte er auch früher kommen) und ich erwarte sie dann so gegen zwölf, halb eins mittags zurück. In der Woche sieht er sie nicht mehr, da er immer erst gegen sieben Uhr abends wieder vor Ort ist und die Kleine um sieben, halb acht im Bett liegt.
Plötzlich aber beschimpft der Vater des Kindes mich auf`s Übelste. (Er hat seit ein paar Wochen eine neue Freundin.) Er wolle sich das Besuchsrecht einklagen.
Nun meine Fragen:

1. Ich hielt mich immer schon für sehr kulant, ihm die Kleine jede Woche mitzugeben. Muss ich damit rechnen, dass ich ihm die Kleine für längere Zeiträume mitgeben muss? Bisher hat sie ausschließlich bei mir oder bei meinen Eltern übernachtet. (Meine Eltern passen sie täglich auf, wenn ich morgens unterrichte.)
Fakt ist, dass ich in all der Zeit kein großes Vertrauen zu ihm aufbauen konnte und ich nicht begeistert wäre, wenn ich die Kleine öfter oder länger abgeben müsste. Lieber wäre mir sogar noch weniger.

2. Die Beschimpfungen, denen ich aktuell ausgesetzt bin, kamen, da ich ihm vorgeschlagen hatte, dass er sich auf Dauer evtl. einen Kinderwagen und einen Kindersitz besorgt, da ich meine öfter bei meinen Eltern stehen habe (wie gesagt, die Kleine ist täglich dort). Bin ich verpflichtet, diese Dinge immer vor Ort zu haben?

3. Apropos Finanzen: Seit dem 1. April 2007 (damaliges Nettogehalt von ihm angeblich 1.600 Euro) bekomme ich für meine Tochter 199 Euro Unterhalt von ihrem Vater. Ich selber bekam vom 1. April bis Ende Oktober 180 Euro Unterhalt von ihm, dann ging ich wieder arbeiten. In dieser Zeit habe ich immer Frieden gewollt und die Berechnung nicht offiziell machen lassen (er hatte sich bei einem Anwalt erkundigt und diese Zahlen genannt bekommen).
Mitte des letzten Jahres aber hat er seinen Job gewechselt. Ich fragte nicht nach wegen mehr Unterhalt, da ich Frieden wollte. Aber jetzt sah ich, dass er anscheinend um einiges mehr verdient hat als bei der ursprünglichen Berechnung. (Zum Beispiel bezahlte er insgesamt über 700 Euro Kirchensteuer...)
Das halte ich für eine große Schweinerei, da er wusste, dass ich damals sehr knapp dran war mit dem Elterngeld und dass damals meine Eltern fast alle Kosten auf sich nahmen. Zudem habe ich um des lieben Frieden willens auch nie nach Geld aus seinem Nebenjob gefragt (Einnahmen ca. 300 - 400 Euro monatlich).

Kann ich meine Ansprüche über einen Anwalt im Nachhinein noch geltend machen?

Mein Problem: Er hat ziemlich wohlhabende Eltern, die ihm seinen Anwalt zahlen. Wie sinnvoll ist es für mich, mich an einen Anwalt zu wenden? Vom Geld her sitzt er am längeren Hebel...

Ich freue mich über eine Antwort! Ich bekomme wirklich Bauchschmerzen, wenn ich mir vorstelle, dass ich die Kleine evtl. über Nacht weggeben muss.

Sehr geehrte Ratsuchende,

1.
Wenn Sie dem Vater das Kind nicht häufiger bzw. länger als zu den bisher wahrgenommenen Besuchszeiten überlassen wollen, müssen Sie dies zunächst auch nicht. Denn ohne eine familiengerichtliches Verfahren, an dem auch das Jugendamt beteiligt wird, wird es dem Vater nicht gelingen, eine großzügigere Umgangsregelung durchzusetzen. In der Praxis wird dem Vater unter normalen Umständen häufig zuerkannt, sein bei der Mutter lebendes Kind alle zwei Wochenenden zu sich nehmen zu dürfen, auch über Nacht. Dies setzt aber jedenfalls voraus, dass er bereit und in der Lage ist, eine solche Regelung auch einzuhalten und für einen geordneten Ablauf des Kontakts zu sorgen. Insbesondere muss in Ihrem Fall in der Wohnung des Vaters eine kleinkindgerechte Betreuung möglich sein. Diese Umstände können gegebenenfalls auch noch durch die Bestellung eines Umgangspflegers überprüft werden.

2.
Den Aufwand für die Wahrnehmung des Umgangs muss prinzipiell der Umgangsberechtigte selber tragen (vgl. BGH NJW 1995, 717). Hierzu gehört meines Erachtens auch die Besorgung eines eigenen Kinderwagens und eines Kindersitzes, wenn dies erforderlich ist. Zwar dürfen Sie andererseits den Umgang des Vaters mit dem Kind nicht behindern oder erschweren. Im Rahmen dieser Obliegenheit sehe ich Sie aber allenfalls dazu verpflichtet, Ihren Kinderwagen bzw. den Kindersitz dann zur Verfügung zu stellen, wenn sich diese Gegenstände auch gerade vor Ort befinden.

3.
Wenn Ihnen der Kindesvater in der Vergangenheit zu wenig Unterhalt gezahlt hat, gemessen an seinem wahren Verdienst, können Sie den Unterschiedsbetrag nur unter den einschränkenden Voraussetzungen des § 1613 BGB verlangen, zumindest stehen Ihnen demnach aber noch rückwirkend für ein Jahr Ansprüche wegen Sonderbedarfs zu.
Um sich einen höheren Anspruch jedenfalls für die Zukunft zu sichern, sollten Sie dementsprechend schriftlich von Ihrem Auskunftsrecht bzw. von dem des Kindes (§ 1605 BGB) Gebrauch machen und eine systematische Aufstellung von Einkommen und Vermögen des Unterhaltsverpflichteten verlangen.
Spätestens dann, wenn sich der Vater über einen Anwalt bei Ihnen meldet, aber auch dann wenn die Auskünfte nicht ausreichend sind oder der Vater sich weigert, konkrete Forderungen zu erfüllen, sollten Sie (Ihrerseits) einen Anwalt hinzuziehen. Wenn Sie nur geringfügige Einkünfte erzielen, steht Ihnen gegebenenfalls die Möglichkeit der Beratungshilfe und/oder der Prozesskostenhilfe zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

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