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Skiunfall und Verdacht auf Dysfunktion der Bindung: Haftung?

| 21.01.2009 19:00 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Betrifft einen Skiunfall ohne Beteiligung dritter. Schilderung des Hergangs:

Sehr gute Skifahrerin fährt auf einem Verbindungsweg eine Schussstrecke mit hoher Geschwindigkeit (ca. 50-60 km/h). Sie verkantet den (bei einem örtlichen Sportgeschäft geliehenen) Ski bei einem Sprung. Der rechte Ski löst dabei aus. Es kommt zum Sturz. Der linke Ski respektive die Bindung löst jedoch nicht aus. Es kommt zu einem Torsionsbruch des linken Schienbeins. An der Unfallstelle fällt auf, dass das linke Fersenteil aus der Grundplatte des Skis herausgerissen ist und zwar in der Stellung "geschlossen" (wurde vor Ort fotodokumentiert).

Verdacht: Materialfehler, Fehlfunktion der Bindung.
Begründung: Es liegt ein Torsionsbruch des Schienbeins vor, was einen Rotationsmechanismus der Kräfteeinwirkung beweist. Aussagen der Fahrerin, dass der Ski hinundhergeschlagen habe und zuletzt sich voll gedreht habe, ohne auszulösen, bestätigen dies. Der Sturz ist bei hoher Geschwindigkeit passiert, was auch hohe Kräfte für den Auslösemechanismus (Seit- und Axialmechanismus!) der vorderen Backen der Bindung bedingt. Dass höchste Kräfte gewirkt haben müssen, wird ersichtlich aus der Tatsache, dass das Fersenteil aus der Grundplatte gerissen wurde. In dieser Konstellation hätte folglich die Bindung auslösen müssen. (Anmerkung: die Autoren sind Ärzte, u.a. für Chirurgie, bzgl. Einschätzung der Fraktur und wirkende Kräfte und Kraftvektoren).

Verhalten des Vermieters (Sportgeschäft):
Nach Überprüfung und Abgleich der persönlichen Daten (Alter, Größe, Gewicht, Fahrkönnen) und der Einstellwerte an der Bindung, die nachweislich von allen Beteiligten als korrekt nachvollzogen wurden, bot der Vermieter an, die Ski an die Herstellerfirma zu Begutachtung auf Vorliegen eines technischen Defekts einzuschicken.

Fragen:
1. Wie kann grundsätzlich vorgegangen werden?

2. Was ist schnell zu tun, um eine nachträgliche Beweisführung nicht zu verschleiern (Unfall liegt 1 Woche zurück)?

3. Der Unfall ereignete sich in der Schweiz? Was wäre im Falle eines Streitfalls zu beachten?

4. Sollte sich ein Materialfehler/Dysfunktion der Bindung herausstellen, wer haftet?

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich möchte Ihre Fragen auf Grund des dargelegten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt beantworten:

Ich weise darauf hin, dass dies einer ersten Orientierung über die bestehende Rechtslage dient und ein ggf. persönliches Beratungsgespräch bei einem Anwalt Ihrer Wahl nicht ersetzt.

Das Hinzufügen oder Weglassen von Informationen kann die rechtliche Beurteilung beeinflussen.

Dies vorangestellt beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

Frage 1)

Grundsätzlich sollten Sie Schadensersatzansprüche zunächst außergerichtlich gegenüber dem Sportgeschäft als auch gegenüber dem Hersteller geltend machen. Auf Grund der Auslandsberührung und der abschließenden Frage zur Höhe des Schadensersatzanspruchs empfiehlt sich in jedem Fall einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Sie sollten versuchen eine Anerkennung der Haftung dem Grunde nach zu erreichen.

Frage 2)

Eine sichere Beweisführung dürfte nur ein unabhängiges Sachverständigengutachten bringen. Da Sie die Ski wohl nicht mehr in Ihrem Besitz haben, dürfte eine Beweisführung hinsichtlich Gutachten schwierig werden. Eine erste Beweissicherung ist jedoch durch die Fotodokumentation erfolgt.
Bei einem Schadensfall kann der andere Teil zur Mitwirkung an der Beweissicherung verpflichtet sein (BGH <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201998,%2079" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 17.06.1997 - X ZR 119/94: Führung des Anscheinsbeweises">NJW 1998, 79</a>, 81; BGH vom 29.6.2006, <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20176/03" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 29.06.2006 - I ZR 176/03: Anforderungen an die Darlegung des qualifizierten Verschuldens d...">I ZR 176/03</a>, <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BeckRS%202006,%2010566" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 29.06.2006 - I ZR 176/03: Anforderungen an die Darlegung des qualifizierten Verschuldens d...">BeckRS 2006, 10566</a>), so dass bei Beweisverschleierung ggf. eine Beweislastumkehr in Betracht kommt.


Frage 3)

Die Frage des Gerichtsstandes richtet sich nicht ausschließlich nach dem Ort an dem der Unfall geschah.

Sofern sich Hersteller oder Sportgeschäft in Deutschland befinden, kann eine Klage in Deutschland erhoben werden.

Sofern der Rechtsstreit in der Schweiz geführt werden müsste, empfiehlt es sich einen schweizer Kollegen zu beauftragen, bzw. einen deutschen Rechtsanwalt mit Kenntnissen des Schweizer Rechtssystems.

Frage 4)

Grundsätzlich haftet der Hersteller eines Endproduktes nur für Fehler, die in seiner Sphäre auftreten; er ist dagegen wegen deren fehlender Stellung als Verrichtungsgehilfe nicht nach § 831 BGB: Haftung für den Verrichtungsgehilfen für seine Zulieferer verantwortlich.

Stattdessen treffen den Hersteller umfangreiche eigene Organisations- und Kontrollpflichten an der Schnittstelle zum Zulieferer. So haftet der Hersteller für Montage- oder Verarbeitungsfehler, die in seinem eigenen Fertigungsbereich auftreten (BGH <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201975,%201827" target="_blank" class="djo_link" title="NJW 1975, 1827 (2 zugeordnete Entscheidungen)">NJW 1975, 1827</a>, 1828; <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201960,%20855" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 05.07.1960 - VI ZR 130/59: Rechtsmittel">VersR 1960, 855</a>, 856; OLG Dresden <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201998,%2059" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Dresden, 23.05.1996 - 7 U 1317/95">VersR 1998, 59</a>, 60; MünchKommBGB/ Wagner Rn 558, 584; Staudinger/Hager F Rn 27).

Für Materialfehler von Vorprodukten, die von Zulieferern bezogen werden, ist der Hersteller jedoch nur verantwortlich, wenn diese entweder nach seinen eigenen Vorgaben gefertigt wurden wenn er nur eine unzureichende Kontrolle des Wareneingangs vorgenommen (<a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20116,%20104" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 19.11.1991 - VI ZR 171/91: Beweislastumkehr bei Produzentenhaftung; Darlegungs- und Beweis...">BGHZ 116, 104</a>, 112 f = <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201992,%201039" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 19.11.1991 - VI ZR 171/91: Beweislastumkehr bei Produzentenhaftung; Darlegungs- und Beweis...">NJW 1992, 1039</a>; BGH <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201960,%20855" target="_blank" class="djo_link" title="BGH, 05.07.1960 - VI ZR 130/59: Rechtsmittel">VersR 1960, 855</a>, 856; NJW 1972, 559, 560; OLG Oldenburg <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202005,%201338" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Oldenburg, 23.02.2005 - 8 U 301/04: Herstellerhaftung: Haftung des Fahrradherstellers für f...">NJW-RR 2005, 1338</a>, 1338 = <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NZV%202006,%2038" target="_blank" class="djo_link" title="NZV 2006, 38 (2 zugeordnete Entscheidungen)">NZV 2006, 38</a>; OLG Dresden <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201998,%2059" target="_blank" class="djo_link" title="OLG Dresden, 23.05.1996 - 7 U 1317/95">VersR 1998, 59</a>, 60; Fuchs JZ 1994, 533, 534) oder die generelle Eignung des Materials (OLG Köln <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%201990,%20414" target="_blank" class="djo_link" title="NJW-RR 1990, 414 (3 zugeordnete Entscheidungen)">NJW-RR 1990, 414</a>) sowie die Zuverlässigkeit der Zulieferer nicht überprüft hat.

Im übrigen haftet der Vermieter der Ski, da diesen die Verkehrssicherungspflicht, nämlich die ordnungsgemäße Funktion der Ski inklusive Bindung trifft.

Inwiefern eine vertragliche Haftungsfreistellung des Sportgeschäfts aus dem Mietvertrag in Betracht kommt, lässt sich diesseits ohne Kenntnis des Mietvertrages bzw. der AGB nicht abschließend beurteilen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen einen ersten Überblick über die bestehende Rechtslage geben und Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten.

Bestehende Unklarheiten beantworte ich Ihnen gern innerhalb der kostenlosen Nachfragefunktion, wobei ich darum bitte, die Vorgaben dieses Forums zu beachten.

Darüber hinausgehende Fragen beantworte ich Ihnen gern im Rahmen einer Mandatserteilung.
Durch eine Mandatserteilung besteht auch die Möglichkeit einer weiterführenden Vertretung.
Die Kommunikation bei größerer Entfernung kann via Email, Post, Fax und Telefon erfolgen und steht einer Mandatsausführung nicht entgegen.


Mit freundlichen Grüßen

Marco Liebmann
Rechtsanwalt

Rückfrage vom Fragesteller 22.01.2009 | 12:54

Sehr geehrter Herr Liebmann,

besten dank für Ihre schnelle und hilfreiche Antwort. Ich hätte noch eine weitere Frage:

Was können wir akut tun, um eine mögliche Beweisführung noch zu ermöglichen bzw. einer möglichen Verschleierung dieser entgegenzuwirken?

Macht es sind, bspw. noch nachträglich Anzeige zu erstatten? Oder mit einem einfachen formlosen Schreiben das Sportgeschäft auf die Absicht eines Schadensersatzanspruchs aufmerksam zu machen und darin zu bitten, die Beweisstücke entsprechend zu behandeln? Können wir das -falls sinnvoll- zunächst auch selbst machen, bis wir einen geeigneten schweizer Anwalt gefunden und beauftragt haben?

Über eine Antwort dazu - bitte wenn möglich unter Berücksichtigung schweizer Besonderheiten - wären wir Ihnen sehr dankbar und verbleiben mit besten Grüßen

T&L

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 22.01.2009 | 22:00

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich möchte Ihre Nachfrage wie folgt beantworten:

Sie sollten auf jeden Fall gegenüber dem Sportgeschäft Schadensersatzansprüche geltend machen, in dem Sie zunächst mit einem einfachen formlosen Schreiben dieses auffordern, den Schaden dem Grunde nach anzuerkennen, da zum jetzigen Zeitpunkt die Schadenshöhe noch nicht feststehen dürfte.

Sie sollten zugleich das Sportgeschäft auffordern, die beschädigten Ski auszusondern und zu Beweiszwecken zu verwahren, bzw. auffordern diese an Sie herauszugeben, wobei ich letzteres wohl für nicht erfolgversprechend halte.

Da ich aber zugegebener Maßen mit dem schweizerischen Rechtssystem nicht so tiefgreifend vertraut bin würde ich dieses Vorgehen dennoch zunächst vorschlagen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantworten.

Für zukünftige Fragen und Problemlösungen stehe ich Ihnen jederzeit gerne wieder zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Liebmann
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 23.01.2009 | 20:19

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Sehr schnelle Beantwortung. Sehr präzise und zugleich verständliche Antworten. Sehr gut fanden wir, dass Herr Liebmann auch kein Problem hatte, seine Grenzen zu erwähnen (Stichwort: Besonderheiten des Schweizer Rechts). Alles in allem hat er wichtige rechtsanwaltliche Ersthilfe geleistet.

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