Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Sind Zinsen zum Kauf von Optionsscheinen auf Kredit Werbungskosten?


| 23.02.2006 15:18 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Es handelt sich nicht um Optionen gem FG-Urteil Köln v. 19.6.95 12K2222/91, die eine Finanzwette darstellen. Es handelt sich um OS, die die betreffende AG zunächst als Optionsanleihe „cum“ in Umlauf gebracht hat, um sich damit Geld zu beschaffen. Im Markt wurden dann die Anleihe „ex“ und der Optionsschein getrennt gehandelt Mit dem Schein erwarb man das Recht, zu einem bestimmten Kurs bis zum Ende der Laufzeit im Verhältnis
1 : 1 in Aktien der AG zu tauschen. Dies wurde häufig in den 90er Jahren u. a. von Firmen wie BASF, Bayer praktiziert.

Nach dem Kauf der OS wurde nach ca. 3 Jahren am Ende der Laufzeit der Tausch 1 : 1 vorgenommen. Die Dividendenzahlungen übertrafen die Zinsen/Jahr, die vorher für die OS/Jahr gezahlt wurden. Die Gewinnerzielungsabsicht, die durch den Tausch in die Aktie realisiert wurde, hätte m. E. schon genügt zur Anerkennung als WK.

Das Problem ist die Definition „Optionsschein“.

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage des dargestellten Sachverhaltes wie folgt:

1. Definition Optionsscheine

Optionsscheine (OS) sind zins- und dividendenlose Wertpapiere, die dem Inhaber das Recht einräumen, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Basiswert (z.B. Aktien) zu einem im vorhinein festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen (Kaufoptionsscheine/Call-OS) oder zu verkaufen (Verkaufsoptionsscheine/Put-OS).

2. Besteuerung Optionsschein
Der Gesetzgeber hat ab dem Veranlagungszeitraum 1999 erstmalig Optionsscheine, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt, sofern der Zeitraum zwischen Beendigung des Rechts auf einen Differenzausgleich, Geldbetrag oder Vorteil nicht mehr als ein Jahr beträgt, § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 i.V.m. Abs. 1 Nr. 4 Satz 2, § 52 Abs. 39 Satz 2 EStG n.F. eingeführt durch das Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 vom 24.31999 (BGBl I S. 402), der Besteuerung unterworfen (vgl. BT-Dr. 14/443, S. 29, wonach nunmehr auch Optionsscheine „zu den Termingeschäften im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 4 EStG gehören“.

Diese Regelung war im ursprünglichen Gesetzesentwurf der Bundesregierung, BT-Dr. 14/265, S. 13 und 181 zunächst nicht vorgesehen, sondern lediglich im Rahmen eines neuen § 23 Abs. 1 Nr. 5 EStG auf Differenzgeschäfte im Sinne des § 764 BGB beschränkt.).
FG Köln Urteil vom 22.01.2003 14 K 3337/99
http://www.fg-koeln.nrw.de/presse/entschei/archiv_03/99k3337.htm

3. Anerkennung von Werbungskosten

Spekulationssteuer

Seit dem 01.01.1999 wird auch bei Optionsscheinen nicht mehr zwischen dem Verkauf und der Ausübung von Optionsscheinen unterschieden. Beides gilt als Veräußerungsgeschäft. Nur bei Optionsscheinen, die zum Kauf einer Aktie zu einem bestimmten Kurs berechtigen, gibt es eine Besonderheit. Wird die Option ausgeübt und die Aktie erworben, bleibt das Geschäft aus dem Optionsschein zunächst steuerfrei. Wenn die so erworbenen Aktien innerhalb der Spekulationsfrist mit Gewinn veräußert werden, ist dieser Gewinn zu versteuern. Dann gehört zu den abzugsfähigen Werbungskosten auch der für den Optionsschein gezahlte Preis. Werden die Aktien nach Ablauf der Spekulationsfrist verkauft, ist die gesamte Transaktion steuerfrei.

Hierzu auch das BMF-Schreiben vom 27.11.2001 - IV C 3 - S 2256 - 265/01 Einkommensteuerrechtliche Behandlung von Termingeschäften im Bereich der privaten Vermögensverwaltung (§§ 20, 22 und 23 EStG)

Einkommensteuerrechtliche Behandlung eines Optionsgeschäfts
1. Grundgeschäfte
a) Kauf einer Kaufoption
Rdn. 14
Die gezahlten Optionsprämien sind Anschaffungskosten des Käufers für das Wirtschaftsgut "Optionsrecht". Beim Erwerb der Option anfallende Bankspesen, Provisionen und andere Transaktionskosten sind Teil der Anschaffungskosten.

aa) Ausübung einer Kaufoption
Rdn. 15
Übt der Inhaber die Kaufoption aus und wird der Basiswert geliefert, gehören die Anschaffungs- und Anschaffungsnebenkosten des Optionsrechts zu den Anschaffungskosten des Basiswerts. Wird dieser innerhalb eines Jahres nach Anschaffung (Annahme des Verkaufsangebots durch Ausübung der Option) veräußert, liegt ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG hinsichtlich des Basiswerts vor.
Wie innerhalb der Spekulationsfrist realisierte Gewinne der Einkommensteuer unterliegen, so können umgekehrt auch innerhalb dieser Fristen entstandene Verluste steuerlich gelten gemacht werden. Allerdings geht dies nur bis zum jeweiligen Gesamtbetrag der im entsprechenden Jahr angefallenen und zu versteuernden Gewinne.

4. Insoweit kommt es bei Anerkennung von Werbungskosten im Zusammenhang mit Optionsschein nicht auf deren Einordnung bzw. Definition an, sondern allein auf den Ablauf der Spekulationsfrist. Innerhalb der 12 monatigen Frist unterliegen Gewinne aus Geschäften mit OS der Einkommenssteuer. Anschaffungskosten für den Optionsschein können dann als Verlust in Abzug gebracht werden. Ist die Spekulationsfrist hingegen abgelaufen, so findet keine Besteuerung statt, was dazu führt, dass angefallene Kosten nicht geltend gemacht werden können.

Ich hoffe mit meinen Ausführungen Ihre Problematik getroffen zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein, so nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion zur Klarstellung.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

Nachfrage vom Fragesteller 26.02.2006 | 16:55

Sehr geehrter Herr RA Schröter,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Um Spekulationsfristen geht es jedoch nicht, da jede Veräußerung außerhalb der Spekulationsfrist erfolgte

Wird eine Aktie auf Kredit gekauft, sind die Kreditkosten(Zinsen) doch dann als WK absetzbar, wenn zu erwarten ist, dass auf Dauer die Dividendenerträge dieser Aktie die Zinsaufwendungen für den Kredit übersteigen. Meines Wissens genügt zur Anerkennung als WK hierfür lediglich die Absicht, eine Gewinn zu erzielen, oder liege ich hier falsch (BFH-Urteil v. 13.7.93, BStBl II 1994 S. 228)

Nun noch einmal zu meiner eigentlichen Frage:

Wenn ich vor dem Kauf der Aktie den Optionsschein auf Kredit kaufe, diesen ca. 3 Jahre behalte, also 3 Jahre Zinsaufwendungen anfallen, um dann am Ende der Laufzeit den OS in die Aktie 1 : 1 umtausche, und danach Dividendenzahlungen aus dieser Aktie erhalte, bzw. erwarte, die auf Dauer höher sind als die Zinsaufwendungen für den OS,- sind dann die Zinsaufwendungen für die 3 Jahre bis zum Umtausch in die Aktie WK (vorweggenommene Werbungskosten) bei den Eink. aus Kap.-Vermögen? Womit begründen Sie Ihre Antwort?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.03.2006 | 18:57

Sehr geehrte Ratsuchende,

ich bitte um Verständnis, dass ich Ihre Nachfrage erst nach vier Tagen beantworte, allerdings ist aufgrund der Komplexität der Fragestellung eine gewisse Bearbeitungszeit und Recherche erforderlich.

Zur Ihrer Nachfrage verweise ich auf eine Urteil des BFH-Urteil vom 24.4.1997 (VIII R 53/95) BStBl. 1997 II S. 682. nachzulesen unter <http://www.bfh.simons-moll.de/bfh_1997/XX970682.HTM>.

Die für Sie wichtigsten Passagen habe ich hier aufgeführt, die nach meiner Auffassung die Ansetzung von vorweggenommenen Werbungskosten bei künftigen Einkünften aus Kapitalvermögen begründen.

Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen Werbungskosten. Schuldzinsen sind Werbungskosten, soweit sie mit einer Einkunftsart in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 Satz 1 EStG).

Der notwendige wirtschaftliche Zusammenhang (Veranlassungszusammenhang) von Darlehenszinsen mit Einkünften aus Kapitalvermögen ist dann gegeben, wenn ein objektiver Zusammenhang dieser Aufwendungen mit der Überlassung von Kapital zur Nutzung besteht und subjektiv die Aufwendungen zur Förderung dieser Nutzungsüberlassung gemacht werden.

Um dies zu beurteilen, ist auf den Zweck der Schuldaufnahme abzustellen. Besteht der Zweck darin, Einkünfte aus Kapitalvermögen zu erzielen, und werden die aufgenommenen Mittel zweckentsprechend tatsächlich verwendet, so sind die Kreditkosten grundsätzlich Werbungskosten im Rahmen dieser Einkunftsart (vgl. BFH-Beschluß in BFHE 161, 290, BStBl II 1990, 817, 823; BFH-Urteile vom 2. August 1994 IX R 21/91, BFH/NV 1995, 203, 204; vom 15. Dezember 1992 VIII R 27/91, BFH/NV 1993, 599, 602, m. w. N.; vom 2. Juni 1992 IX R 270/87, BFH/NV 1992, 806, m. w. N.).

Wird anstelle der ursprünglichen eine andere Kapitalanlage erworben, können die für das fortgeführte Darlehen angefallenen Zinsen als Werbungskosten bei der neuen Kapitalanlage zu berücksichtigen sein. Ein solcher Fall ist gegeben, wenn z. B. ein Hausgrundstück veräußert und mit Hilfe des Veräußerungserlöses eine andere Kapitalanlage erworben wird. Der wirtschaftliche Zusammenhang der den Schuldzinsen zugrundeliegenden Verbindlichkeit wird mit der neuen Kapitalanlage nur hergestellt, wenn die zu ihrer Anschaffung verwendeten Mittel als zu diesem Zweck darlehensweise überlassen angesehen werden können.

Ich hoffe Ihre Nachfrage ausreichend beantwortet zu haben. Soweit noch Fragen offen stehen, können Sie sich auch gerne direkt an mich wenden: RASchroeter@arcor.de <mailto:RASchroeter@arcor.de>

Mit besten Grüßen

RA Schröter

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"auf eine Antwort warte ich seit dem 26.2.??? "