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Selbstständigkeit, Ausführung in Österreich, Gewerbe aber in Deutschland gemeldeten

| 16.01.2021 00:10 |
Preis: 45,00 € |

Steuerrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte mich als Coach für Persönlichkeitsentwicklung selbstständig machen. Ich bin darüber informiert, dass man in Deutschland keine offizielle Ausbildung benötigt. Ich werde allerdings in ein paar Monaten nach Österreich ziehen und da ist die gesetzliche Situation eine andere. Das Ausüben des Berufes Coach ist reglementiert und ohne eine Ausbildung bestimmten Berufsgruppen vorbehalten.
Meine Frage: Wenn ich mein Gewerbe in Deutschland anmelde, darf ich dennoch Online Coaching in meiner Wohnung in Österreich ausführen zu Klienten die sich in Deutschland befinden? Und darf ich keine Klienten aus Österreich annehmen? Ich weiß bereits dass ich eine Gewerbeadresse in Deutschland dafür benötige und dass es zu einer Entfaltung in Deutschland kommen muss. Was ist genau gemeint? Ich sollte noch dazu erwähnen, dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit besitze.

Mit freundlichen Grüßen

Einsatz editiert am 16.01.2021 08:39:44

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

"Ich weiß bereits, dass ich eine Gewerbeadresse in Deutschland dafür benötige und dass es zu einer Entfaltung in Deutschland kommen muss. Was ist genau gemeint?"

Da Sie Ihren Hauptwohnsitz (und auch Ihren gewöhnlichen Aufenthalt) nach Österreich verlagern, unterliegen Sie mit Ihrer sog. inländischen Betriebsstätte der beschränkten Einkommensteuerpflicht und müssen für Ihre in Deutschland erzielten Einkünfte Einkommensteuer zahlen. Eine Betriebsstätte liegt aber nur dann vor, wenn Sie für Ihr Einzelunternehmen eine feste Geschäftseinrichtung in Deutschland, z. B. ein Büro, besitzen, in der Sie Ihren Betrieb in Deutschland ausüben. Hierfür genügt eine bloße Adresse nicht, es muss eine sogenannte ladungsfähige Anschrift sein, das heißt Sie, müssen dort beispielsweise Behördenpost entgegennehmen können. Deshalb ist für Sie eventuell ein sogenanntes virtuelles Büro eine Lösung, siehe hier:

https://www.firma.de/unternehmensfuehrung/virtuelles-buero-das-unsichtbare-office/

Oder hier:

https://www.fuer-gruender.de/wissen/unternehmen-gruenden/buero/virtuelles-buero/

Eine inländische Betriebsstätte unterliegt auch der Gewerbesteuer, allerdings haben Sie als Einzelunternehmer einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro pro Jahr.

Abgesehen davon gilt das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Österreich, siehe hier:

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20002157

Aus Art. 4 des DBA ersehen Sie, dass Sie Ihre persönliche Einkommenssteuer in Österreich zahlen werden, da Sie dort Ihren steuerlichen Wohnsitz haben.

"Wenn ich mein Gewerbe in Deutschland anmelde, darf ich dennoch Online Coaching in meiner Wohnung in Österreich ausführen zu Klienten die sich in Deutschland befinden?"

Das ist natürlich eine faktische Frage. Wie wollen Sie herausfinden, von wo sich Ihre Klienten melden bzw. welche Staatsangehörigkeit sie besitzen? Das Gleiche gilt für Ihre nächste Frage:

"Und darf ich keine Klienten aus Österreich annehmen?"

Ich verstehe Sie dahingehend, dass Sie die Vorschriften, die in Österreich für die Ausübung der Tätigkeit eines sog. Coaches bestehen, letztlich damit umgehen wollen, dass Sie Ihr Gewerbe in Deutschland anmelden. Ich gebe Ihnen aber folgendes zu bedenken: Sie müssen Ihre Einkommensteuererklärung in Österreich angeben und dort angeben, wie Sie Ihre Einnahmen generiert haben. Nur sog. freiberufliche Tätigkeiten unterliegen insoweit weniger Beschränkungen, auch was beispielsweise die Gewerbeanmeldung in Deutschland angeht. Ein Freiberufler hat kein Gewerbe und braucht sich deshalb auch nicht anzumelden. Freiberufliche Tätigkeiten sind künstlerische, wissenschaftliche und solche, die Lehre beinhalten. Es ist aber stets eine akademische oder gleichwertige Ausbildung nötig. Auch in Deutschland würden Sie insofern eine Gewerbeanmeldung nicht umgehen können, denn die Voraussetzungen einer freiberuflichen Tätigkeit sind in § 18 EStG abschließend geregelt:

https://dejure.org/gesetze/EStG/18.html

Desweiteren stellt sich die Frage, ob die österreichischen Vorschriften für Ihre Beratungstätigkeiten überhaupt gelten, es hängt ja auch mit der Bezeichnung zusammen, siehe hier:

https://www.weiterbildungsmarkt.net/magazin/gesetzliche-regelungen-was-duerfen-berater-trainer-coaches/

Vielleicht wäre es eine Lösung für Sie, wenn Sie sich nicht Couch, sondern Trainer nennen? Dann hätten Sie überhaupt keine Probleme. Es bleibt allerdings dabei, dass Sie sich dann auch in Österreich gewerblich anmelden müssten. Ich empfehle Ihnen insoweit, eine Beratungsstelle für Unternehmensgründer oder aber einen österreichischen Steuerberater mit dieser Frage zu betrauen.

Wenn noch etwas unklar geblieben oder nicht ausreichend erörtert worden ist, zu fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 17.01.2021 | 12:28

Hallo Frau v. Dorrien,

vielen Dank für ihre Rückmeldung. Ich hätte noch Rückfragen zu ihrern Informationen.
Was genau ist eine ladungsfähige Anschrift? Meine Dienstleistung muss dort nicht zwingend durchgeführt werden, richtig? Ich darf aber beispielsweise auch nicht einfach die Privatadresse meiner Eltern nutzen? Sie würden Behördenpost selbstverständlich an mich weiterleiten. Alternativ hat mein Schwiegerpapa ein eigene Geschäftsadresse für sein Unternehmen. Ist sowas als Ladungsfähige Anschrift für mich nutzbar?

Desweiteren hätte ich auch noch eine Rückfrage bezüglich Ihrer Aussage, dass ich mich einfach Trainer nennen soll, weil ich dann keine Probleme hätte. Auf der Webadresse die Sie diesbezüglich angegeben haben, finde ich aber genau die gleiche Problematik wie mit dem Begriff Coach. Ich darf mich Trainer nennen, aber wenn ich Persönlichkeitstrainer bin benötige ich wieder einen Gewerbeberechtigung im Feld Lebens- und Sozialberatung. Und meinem Verständnis nach bekomme ich diesen nicht.
Ich zitiere folgenden Abschnitt: Für die selbständige Ausübung individueller Beratungs- und Betreuungstätigkeiten im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, die z.B. unter der Bezeichnung „Persönlichkeitstraining" angeboten werden, wird daher die Anmeldung der entsprechenden Gewerbeberechtigung für Lebens- und Sozialberatung erforderlich sein.

Freundliche Grüße!

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 17.01.2021 | 12:59

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Nachfragen.

Was den Begriff "Trainer" in Österreich angeht, so hilft Ihnen vielleicht diese Webseite der österreichischen Wirtschaftskammer weiter:

https://www.wko.at/service/wirtschaftsrecht-gewerberecht/Taetigkeiten-ohne-Gewerbeberechtigung-FAQ.html#heading_1__Ist_fuer_jede_selbstaendige_T_tigkeit_eine_Gewerbeberechtigung_erforderlich_

Dort heißt es:

"2. Benötigt ein selbständiger Trainer eine Gewerbeberechtigung?
Nein, denn die Durchführung von Unterricht, Seminaren, Vorträgen, Workshops, Lehrveranstaltungen udgl. unterliegt nicht der Gewerbeordnung. Ob Kinder oder Erwachsene unterrichtet werden, ist für die Qualifizierung als ausgenommene Tätigkeit unerheblich."

Ich kann aus der Ferne natürlich nicht beurteilen, welche Beratungs-oder Übungsleistungen Sie im einzelnen anbieten möchten, insoweit empfehle ich Ihnen, konkret bei der Wirtschaftskammer nachzufragen.

Der von Ihnen zitierte Satz "wird daher die Anmeldung der entsprechenden Gewerbeberechtigung für Lebens- und Sozialberatung erforderlich sein" weist darauf hin, dass es hier einen beachtlichen Beurteilungsspielraum gibt.

Sobald Sie Ihre Tätigkeit als individuelle Persönlichkeitsberatung anmelden wollen, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass Sie im (erlaubnispflichtigen) Bereich der Psychologie tätig sein wollen. Das wäre aber in Deutschland möglicherweise nicht anders, hier kommt es bei Online-Beratung auf die Gestaltung der Webseite und vor allem des Impressums inklusive eines sog. medical disclaimer an.

Für die Anmeldung eines Gewerbes benötigen Sie in Deutschland eine konkrete Geschäftsadresse, ein Postfach beispielsweise reicht nicht aus. Die Geschäfts- oder Firmenadresse ist rechtlich die Postanschrift, unter der ein Unternehmen laut der Gewerbeanmeldung gemeldet ist.

Das bedeutet, dass Sie sich schon überlegen müssen, wo Sie Ihre Geschäftstätigkeit anmelden wollen. Die Adresse Ihres Schwiegervaters z. B. wäre dann der Sitz Ihres Einzelunternehmens.

Sie haben natürlich recht, auch eine Privatadresse kann eine Geschäftsadresse sein, und wenn Sie nur Online-Beratung durchführen wollen, müssen Sie natürlich kein Büro vorhalten. Sie können etwa auch eine (postalische) Geschäftsadresse mieten.

Bedenken Sie aber bitte: Die Privatadresse, die Sie angeben, muss natürlich Ihre Geschäftsdaten auch enthalten, Sie müssen also bei Ihrem Schwiegervater bzw. an seinem Briefkasten dann Ihren Firmennamen anbringen. Es kommt insofern nicht nur darauf an, dass Post entgegengenommen und weitergeleitet werden kann, sondern Ihre Geschäftsadresse ist vor allem Ihr rechtliches Aushängeschild und begründet beispielsweise auch den sog. Gerichtsstand. Es genügt insofern nicht, eine fremde Adresse anzugeben, unter der lediglich Post entgegen genommen wird. Sie benötigen schon eine eigene Geschäfts- bzw. Firmenadresse, unter der Ihr Gewerbe angemeldet und damit auch öffentlich zugänglich wird.

Nochmals freundliche Grüße!

EvD

Bewertung des Fragestellers 17.01.2021 | 13:24

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Vielen Dank!

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Stellungnahme vom Anwalt:

Sehr geehrte Fragestellerin,
ich freue mich sehr darüber, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte, und über Ihre ausgesprochen freundliche Bewertung, vielen Dank dafür und viel Erfolg!