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Selbständige Arbeit im Ausland


| 06.09.2017 19:23 |
Preis: 48,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin freiberuflicher Softwareentwickler und arbeite fast ausschließlich von zu Hause aus. Meine Frau hat kein Einkommen. Wir haben ein 3 Monate altes Kind.

Nun ist das Problem, dass meine Frau in 1 - 2 Jahren im Ausland studieren möchte, und mich und Kind mitnehmen.

Wie ich dann beruflich weitermache, ist eben die Frage.

Ich mache mal ein paar Aussagen zur rechtlichen Arbeitssituation, zu denen Sie richtig / falsch sagen können und etwas kommentieren:

- "Solange Sie in Deutschland als Freiberufler gemeldet sind und einen Wohnsitz haben, interessiert es überhaupt niemanden in Deutschland, ob Ihr Kunde ein deutsches Unternehmen ist oder ein ausländisches. Nur natürlich auf eventuelle Exportzölle und Umsatzsteuerregelungen für Dienstleistungen an dieses Land achten. Ob Sie sich 12 oder 6 oder 0 Monate in Deutschland aufhalten, und Ihre deutsche Wohnung überhaupt nutzen, interessiert sowieso keine Behörde."
- "Solange Sie nicht wissen, um welches Land es überhaupt geht, kann ich Ihnen nicht sagen, unter welchen Bedingungen Sie wie lange in ein Land überhaupt einreisen dürfen, und ob ob Sie da als Selbständiger vor Ort, als Selbständiger aus Deutschland oder als abhängig Beschäftigter überhaupt arbeiten dürfen."
- "Wenn ich mich als deutscher Unternehmer erkläre, der einen Kunden im Ausland besucht, interessiert das in Deutschland niemanden. Das ist normaler Geschäftsalltag und muss nirgendwo 'erklärt' werden. Was das Land des Kunden davon hält, hängt vom Zielland ab."


Mögliche Variablen:
- Kunde ist im temporären Aufenthaltsland ODER in Deutschland
- Ich habe in Deutschland einen Wohnsitz, oder eben nicht
- Ich stelle es dar als "Kundenbesuch vor Ort" meiner "deutschen Firma" (dann kein großer Unterschied zur Arbeit für Ausländer, also Export von Dienstleistung?) ODER habe dort vor Ort ein neues "Unternehmen" bzw. freiberufliche Tätigkeit
- Ich arbeite als Angestellter im Ausland (aber fragwürdig, da keinerlei Ausbildung)
06.09.2017 | 21:22

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich basierend auf Ihren Angaben wie folgt beantworten möchte:

Aussage eins ist so nicht richtig, da Ihr Aufenthaltsort entscheidend ist. Das Finanzamt und die Behörden des Aufenthaltslandes werden sich brennend dafür interessieren, wo Sie sich aufhalten.

Aussage zwei ist richtig, da es auf den Aufenthaltsort und das dortige Recht ankommt. Wenn es innerhalb der EU ist, ist es kein Problem, da Niederlassungsfreiheit herrscht, d.h. Sie können EU-weit arbeiten. Sie müßten sich dort nur anmelden und Ihre Steuererklärung abgeben.

Aussage drei ist grundsätzlich richtig, allerdings ist ein langdauernder Besuch kein Besuch mehr, so dass Aussage drei nicht auf Ihre Situation anwendbar ist.

Sobald sie sich im Ausland dauerhaft aufhalten, sind Sie dort steuerpflichtig und müssen sich auch dort als Unternehmer melden. Dabei müssen Sie damit rechnen, dass es dort keine Unterscheidung zwischen Gewerbe und Freiberufler gibt. Es kann dabei zu Kollisionen zwischen deutschem und ausländischem Steuerrecht kommen, für die dann das entsprechende Doppelbesteuerungsabkommen entscheidend wird. Irgendwelche Tricks wie Kundenbesuche und Selbstentsendung funktionieren in der Regel nicht, die Finanzämter durchschauen das sofort.

Sobald Ihre Frau den zukünftigen Studienort kennt, sollten Sie einen Steuerberater einschalten und die steuerliche Verlegung Ihres Unternehmens und Ihren Umzug planen. Im Wesentlichen ist damit die steuerliche Anmeldung bei den dortigen Steuer-/Gewerbeämtern und die Prüfung der Doppelbesteuerungsabkommen gemeint. Es kann dabei auch sehr relevant sein, ob Sie 184 Tage und mehr des Jahres in Deutschland oder im Zielland verbringen.

Sie müssen aber auch beachten, ob Sie dort überhaupt arbeiten dürfen, nicht jedes Visum erlaubt das.

Wo der Kunde ist, ist höchstens umsatzsteuerlich relevant.

Ich hoffe, Ihre Frage damit beantwortet zu haben. Bitte benutzen Sie bei Bedarf die kostenlose Nachfragefunktion.

Ansonsten verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

Robert Weber
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 10.09.2017 | 21:25

Sehr geehrter Herr Weber,

danke für die Richtigstellungen und Ausführungen.

EU wäre also kein Problem, auch nicht als Freiberufler? (Mit Einbeziehung der dortigen Behörden und anderen Steuern, natürlich.)

Die "Selbstentsendung" wäre ja kein Steuertrick, sondern eine ganz reale Situation: Tatsächlich wäre der Kunde im Land X (nicht-EU), tatsächlich bräuchte er einen Vertreter des Auftragnehmers (mir) vor Ort. Solche Anfragen kriege ich ständig, auch für außerhalb der EU; ist aber bisher finanziell nicht lukrativ gewesen. Ist die Selbstentsendung trotzdem bei langem Aufenthalt eventuell problematisch, für deutsche und ausländische Behörden?

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.09.2017 | 23:21

Sehr geehrter Ratsuchender,

auch bzw. gerade als Freiberufler können Sie EU-weit arbeiten. Das ist problemlos, solange Sie sich dort ordnungsgemäß anmelden.

Mit Steuertrick meinte ich nicht den tatsächlichen Aufenthalt beim Kunden, sondern die steuerliche Konstruktion. Sobald Sie längere Zeit Ihren normalen Aufenthaltsort im Ausland haben, sind Sie dort steuerpflichtig. Solange Sie das den deutschen und ausländischen Behörden, insbesondere den Finanzämtern, offen mitteilen, ist das keinesfalls problematisch. Es führt "nur" zu unterschiedlichen Steuerlasten bei den deutschen und ausländischen Finanzämtern.

Mit freundlichen Grüßen,
Robert Weber
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 11.09.2017 | 01:02


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