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Schweizer Arbeitgeber - Wohnsitz Deutschland: 60 Tage Regelung / Homeoffice

02.09.2015 19:47 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alex Park, LL.B.


Guten Tag,

ich bin ledig, habe 1 Kind (welches bei der Mutter in Deutschland wohnt), bin derzeit in der Schweiz beschäftigt (B-Bewilligung) und habe momentan noch einen Wohnsitz in der Schweiz welchen ich aber in naher Zukunft nach Deutschland zurückverlegen möchte. Mein neuer Wohnsitz soll in Deutschland sein, da ich ein Kind bekommen und auch eine Immobilie gekauft habe.

Aufgrund der Entfernung zum Wohnort (>600km, >5h entfernt) ist absehbar, dass ich an mehr als 60 Tagen nicht nach Deutschland zurückkehren kann und in der Schweiz übernachte. Die restliche Zeit arbeite ich vom Home-Office in Deutschland aus.
Meines Erachtens entfällt damit die Einstufung als Grenzgänger, aber als was wäre ich dann eingestuft?

Kann ich meinen Wohnsitz nach Deutschland verlegen, dem Finanzamt die Ansässigkeit mittels GRE-1 in D nicht melden, sondern weiterhin in der Schweiz meine Steuern bezahlen und die Nichtrückkehrtage dokumentieren? Ich würde dann eine Steuererklärung in D abgeben, in der ich mittels GRE-3 Formular die 60 Nichtrückkehrtage nachweise mit dem Vermerk, dass ich voll in der Schweiz versteuert habe. Weitere Einnahmen in Deutschland habe ich keine. Diese Voraussetzungen müssten ja dann unter Progressionsvorbehalt im Rahmen des DBA ausreichen, um nicht in Deutschland besteuert zu werden. Ist das so richtig?

Der Sitz des Unternehmens ist im Kanton Zug. Welcher Quellensteuertarif findet hier Anwendung?
Wo muss ich die Sozialversicherungsabgaben leisten, in DE oder CH?

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

Kehren Sie an mehr als 60 Tagen im Jahr nicht an Ihren Wohnort in Detuschland zurück und verbleiben in der Schweiz, so entfällt für die Sie grenzgängereigenschaft i.S.d Art. 15a Abs. 2 DBA Deutschland-Schweiz.

Vorbehaltlich des Art. 15 DBA werden Ihre Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit dann in dem Staat versteuert, indem sie ihren Ursprung haben, also in der Schweiz. Sie werden als regulärer schweizerischer Arbeitnehmer eingestuft.

Da Sie in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind, § 1 Abs. 1 EStG, wenn Sie dort einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt begründen, §§ 8, 9 AO, würden also auch Ihre schweizerischen Einkünfte in Detuschland versteuert werden.

Eine Besteuerung der Einkünfte wäre in Deutschland aus Art. 15 Abs. 2 DBA aber nur möglich, wenn Sie sich weniger als 183 Tage in der Schweiz aufhalten würden. Dies erscheint mir Ihrem Vortrag nach unwahrscheinlich.

Wenn Sie dem Finanzamt in Deutschland Ihren Wonsitz in Deutschland nicht mittels GRE 1 - Formular melden möchten, warum wollen Sie dann noch die 60 Tage mittels GER 3 nachweisen? Das eine schließt rein faktisch das andere mit ein.

Aus Art. 15 Abs. 2 DBA ergibt sich für mich ein Steuezugriff Deutschlands dann, wenn Sie sich weniger als 183 Tage in der Schweiz aufhalten. Diesen können Sie nicht umgehen. Bedenken Sie aber, je nachdem wie lange und wie oft Sie in der Schweiz verbleiben, wäre dort ein weiterer Wohnsitz begründet und in Detuschland wäre lediglich eine beschränkte Steuerplficht aus § 49 EStG gegeben. Dann wäre in Deutschland in der Tat keine Steuer zu entrichten. Hier ist also hart am Fall zu arbeiten.

Für den Kanton Zug ergibt sich als Quellensteuertarif der Tarf A, da Sie Alleinstehend sind. Die Quellensteuer hängt vom monatlichen Bruttoeinkommen ab und kann daher hier nicht bestimmt werden.

Sozialversicherungsbeiträge sind in der Schweiz zu entrichten.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 03.09.2015 | 14:04

Sehr geehrter Anwalt,

ich bin also einerseits regulärer Schweizer Arbeitnehmer (kein Grenzgänger oder ähnliches) muss meine Einkünfte in der Schweiz voll versteuern und muss aber trotzdem gleichzeitig mein Einkommen zusätzlich in Deutschland voll versteuern (Steuervorausszahlung?) Das erscheint mir ungerecht und im Bezug auf Liquidität für mich nachteilig.

Ich werde, entgegen ihrer Annahme, die 183 Tage in der Schweiz nicht erreichen aber trotzdem voraussichtlich mehr als 60 Tage nicht in Deutschland sein. Deswegen stellte sich mir die Frage ob ich mich nicht per GRE-1 anmelde, dass ich in Deutschland ansässig bin, am Ende des Jahres aber durch die GRE-3 nachweise, dass ich soundsoviel Tage im Ausland war und deswegen keine Steuern in DE zahlen müsste (zumindest im ersten Jahr). So wie ich das jetzt verstanden habe ist dem aber nicht so, solange ich nicht mindestens 183 Tage in der Schweiz verbringe, richtig? Es gilt immer diese 183 Tage Regel, d.h. um die deutsche Steuer zu vermeiden müsste ich mich mindestens 183 Tage in der Schweiz aufhalten, es gibt also keine andere Möglichkeit? Ein Steuerberater den ich befragt hatte, hatte etwas von einer Anrechnungsmethode erwähnt die Anwendung finden könnte?

Wenn ich also den Grenzgänger-Status erreichen würde (dadurch, dass ich weniger als 60 Tage in der Schweiz bin), hätte ich zumindest nur die 4,5% Quellensteuerabzug und diese würden mir auf die zu bezahlende deutsche Steuer angerechnet. Bezüglich Liquidität wäre das dann m.E. doch die bessere Lösung.

Vielen Dank für die erneute Beantwortung meiner Fragen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.09.2015 | 14:32

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

1. Grundsätzlich ist eine doppelte unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland und der Schweiz nach dem Art. 4 Doppelbesteuerungsabkommen möglich. Dies kann zu erheblichen finanziellen Belastungen führen.

2. Beschränkt steuerpflichtig sind Sie in Deutschland aus § 49 EStG dann, wenn Sie dort keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Dann wären nur Ihre Einkünfte, die in Deutschland aus nichtselbstständiger Arbeit erwirtschaftet werden, in Deutschland zu versteuern. Da diese nicht vorliegen, wäre in Deutschland auch nichts zu versteuern.

Die von Ihnen angesprochene Anrechnungsmöglichkeit ergibt sich aus Art. 24 DBA. Aus Art. 24 Abs. 1 d DBA würden Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, die in der Schweiz erzielt wurden, in Deutschland beachtet und in Deutschland auch nicht versteuert, wenn sie in der Schweiz versteuert wurden.

Der Nachweis, das Sie mindestens 183 Tage außerhalb der Bundesrepublik verblieben sind, ist mit einem GRE-3 zu führen. Verbringen Sie mindestens 183 Tage in Deutschland, so tritt §§ 8, 9 AO ein und Sie sind in der unbeschränkten Steuerpflicht nach § 1 EStG.

3. Ein Grenzgängerstatus hätte für Sie viele Vorteile und sollte daher unbedingt angestrebt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Aex Park

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