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Schweiz arbeiten Deutschland wohnen (60/183 tage Regelung)

| 06.04.2017 23:09 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Pascal Gratieux, LL.M.


Zusammenfassung: Wenn Sie sich mehr als 183 Tage in der Schweiz aufhalten, aber in Deutschland ansässig sind, werden Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit dann in der Schweiz besteuert, wenn ein in der Schweiz ansässiger Arbeitgeber den Lohn zahlt. Ansonsten besteuert Sie die Schweiz nur mit 4,5 % Quellensteuer.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich komme ursprünglich aus NRW und bin nun als Grenzgänger in Baden-Württemberg angemeldet, bin 31 Jahre alt und verheiratet.

Ich arbeite für die Schweizer Behörde(Kanton BS) als Angestellter in folgendem System: 7 Tage Arbeit / 7 tage frei. Ich bin gerade stark am überlegen wieder zurück in die Heimat zu ziehen (ca. 600km) und mein Job von dort aus anzutreten. Mein Arbeitgeber stellt Unterkünfte zur Verfügung ob auf einem Schiff oder an Land wir haben die Wahl (beide Unterkünfte befinden sich in der Schweiz)

Die 60 tage Regelung würde ich somit erreichen, bei 7 tage arbeit und 7 tage frei würde ich auch 183 Tage berufsbedingt in der Schweiz bleiben.


Was sollte ich am besten mit den Möglichkeiten tun die mir zur Verfügung stehen.

Bei den 60 Tagen muss ich in der Schweiz mein Gehalt mit dem vollen Steuersatz versteuern. Was passiert mir aber in Deutschland, spare ich Steuern oder werde von den Steuern befreit?


Nehmen wir mal an das ich die 183 Tage Regelung (Wohnung in NRW und Arbeit in der Schweiz) schaffe, welche Möglichkeiten bietet mir dies an?



Vielen Dank für Ihre Antwort.

Sehr geehrter Fragensteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

Sie möchten in Erfahrung bringen, wie es sich für Sie steuerlich auswirkt, wenn Sie in NRW in Deutschland wohnen, dort Ihren Lebensmittelpunkt haben und in der Schweiz im Takt 7 Tage Arbeit/ 7Tage frei (Deutschland) arbeiten. Dabei gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass Sie sich mehr als 183 Tage im Jahr in der Schweiz aufhalten werden. Des Weiteren interessieren Sie sich für steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Zusammenhang.

Im von Ihnen geschilderten Fall würde für Sie die Ausnahme der 183-Tage Regel des Art. 15 Abs. 2 DBA-Schweiz Anwendung finden, da Sie sich zum einen mehr als 183 Tage physisch in der Schweiz aufhalten würden und Ihr Lohn von einem in der Schweiz ansässigen Arbeitgeber bezahlt wird. Das Besteuerungsrecht liegt dann bei der Schweiz und die Einkünfte aus der unselbstständigen Arbeit sind in Deutschland steuerbefreit.

Allerdings sind Ihre schweizer Brutto-Einkünfte gem. § 32b Abs. 1 Nr. 3 EStG (d.h. nach Abzug v. Werbungskosten) bei der Bemessung des Steuersatzes für Ihr weiteres Einkommen in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen. Hier ergibt sich ein erster möglicher Ansatzpunkt für Steuergestaltungen. Da Sie nach der genannten Regelungen in Deutschland in der Regel einen höheren Steuersatz haben werden, kann es unter Umständen steuerlich günstiger sein, bestimmte Einkünfte ins Ausland zu verlegen, um vom günstigeren Steuersatz zu profitieren. Ob dies aber im Ergebnis sinnvoll ist, kann nur anhand der konkreten Einkünfte (Art und Höhe) bestimmt werden.

1. "Was sollte ich am besten mit den Möglichkeiten tun die mir zur Verfügung stehen."

Es lässt sich zwar grundsätzlich keine pauschale Aussage machen, ob die Besteuerung in einem anderen Land insgesamt günstiger ist, dennoch ist in der Regel die Steuerbelastung in der Schweiz geringer, weshalb eine Besteuerung dort vorzuziehen ist. Ob die Besteuerung in der Schweiz möglich ist, bestimmt sich allerdings nach den genannten objektiven Kriterien. In Ihrem Fall wären Ihre Einkünfte aus genannten Gründen in der Schweiz zu versteuern, sofern Sie sich in jedem Jahr (Berechnung erfolgt für jedes Jahr aufs neue) mehr als 183 Tage in der Schweiz aufhalten. Sollte dies nicht der Fall sein, wären Ihre sämtlichen Einkünfte in Deutschland zu versteuern und die Schweiz würde nur eine Quellensteuer i.H.v 4,5 % erheben. Letztere könnten Sie aber bei der deutschen Steuererklärung in Abzug bringen.

2. "Bei den 60 Tagen muss ich in der Schweiz mein Gehalt mit dem vollen Steuersatz versteuern. Was passiert mir aber in Deutschland, spare ich Steuern oder werde von den Steuern befreit? "

Solange Sie sich mehr als 183-Tage in der Schweiz aufhalten, werden Ihre Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit in der Schweiz besteuert und in Deutschland von der Steuer befreit. Das bedeutet, die zweite Alternative Ihrer Frage ist richtig. Allerdings sind die Brutto-Einkünfte wie bereits dargestellt in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen und dies führt ggf. zur Annahme eines höheren Steuersatzes für weitere Einkünfte.

3. "Nehmen wir mal an das ich die 183 Tage Regelung (Wohnung in NRW und Arbeit in der Schweiz) schaffe, welche Möglichkeiten bietet mir dies an?"

Wie bereits dargestellt sind pauschale Aussagen dazu, ob eine Besteuerung im Ausland, d.h. bei Ihnen in der Schweiz, insgesamt günstiger ist, nur schwer zu treffen, da es immer auf die konkrete Gesamtsituation ankommt. Allerdings kann man im Fall der Schweiz zumindest die Aussage treffen, dass die steuerliche Belastung für Arbeitnehmer auch unter Berücksichtigung der verhältnismäßig höheren Löhne in der Regel günstiger ist, obwohl auch hier kantonale Unterschiede bestehen. Des Weiteren muss man hier die regelmäßig höheren Lebensunterhaltskosten und Wohnkosten beachten.

Auch da sich diese letztgenannten Faktoren bei Ihnen jedoch nicht negativ auswirken würden, wäre eine Besteuerung durch die Schweiz bei Anwendung der 183-Tage Regel im Ergebnis wohl als günstig zu bewerten. In Bezug auf steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten wäre es dann unter Umständen sinnvoll Ihre sonstigen deutschen Einkünfte zu prüfen, da der Steuersatz in der Regel in der Schweiz günstiger ist.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 07.04.2017 | 03:02

Sehr geehrter Anwalt Gratieux

Ich bedanke mich herzlich für Ihre detaillierte Antwort.

Das heißt also wen ich die 183 tage erreiche werde ich in Deutschland komplett Steuer befreit sein, ich zahle keinen Cent an das deutsche Finanzamt?

Doch wie werden die Urlaubs Tage diesbezüglich bewertet? Ich habe nämlich noch ca. 32 Tage Urlaub im Jahr. Werden diese mit bewertet oder spielt das keine Rolle? Ich muss sozusagen egal unter welche Umstände diese 183 Tage schaffen sonst bin ich in Deutschland nicht Steuer befreit richtig?

Wie schon in meiner vorherigen Frage erwähnte, falls ich die 183 tage schaffe, werde ich in der Schweiz voll versteuert. Ich arbeite in Kanton Basel Stadt auch befindet sich mein Firmen Standort dort. Also werde ich höchstwahrscheinlich nach dem Kantonnalen Steuersatz BS versteuert?

Gut, was ist aber wen ich die 183 tage nicht schaffen sollte aber in NRW wohne und meinen Lebensmittel Punkt auch dort habe dafür die 60 tage Regelung erreiche, dies haben sie leider nicht ganz beantwortet.

Mit was genau kann ich hierbei rechnen?
nach meinen Recherchen werde ich in der Schweiz bei der 60 tage Regelung voll versteuert das heißt keine 4,5% mehr wie momentan als Grenzgänger sondern für den vollen Steuersatz

Doch was kommt in Deutschland auf mich zu was werde ich bezahlen müssen wen ich die 183 tage nicht erreiche dafür aber die 60 tage Regelung schaffe? Muss ich auch in Deutschland Dan den vollen Steuersatz zahlen oder erhalte ich auf irgendeine Weise eine Steuer begünstigung?

Vielen Dank für Ihre Arbeit und entschuldigen Sie bitte falls ich mich wiederhole oder etwas aus der vorherigen Antwort nicht ganz verstanden haben sollte.

Lieben Gruß.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.04.2017 | 17:55

Sehr geehrter Fragensteller,

auch Ihre Nachfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes nach erster summarischer Prüfung der Rechtslage wie folgt beantworten:

1. "Das heißt also wen ich die 183 tage erreiche werde ich in Deutschland komplett Steuer befreit sein, ich zahle keinen Cent an das deutsche Finanzamt?"

Das ist nicht ganz richtig. Die Steuerbefreiung ist in diesem Fall einkunftsbezogen. Das bedeutet diese bezieht sich nur auf Ihre Einkünfte aus der konkreten unselbstständigen Arbeit für die schweizer Behörde. Andere Einkünfte wie z.B. aus Anlagevermögen etc. werden grundsätzlich weiterhin in Deutschland besteuert. Bei der Besteuerung bleiben die Lohneinkünfte Ihres Arbeitgebers also außen vor, außer bei der Einbeziehung in den Progressionsvorbehalt, welcher bei der Ermittlung des Steuersatzes für die Besteuerung weiterer Einkünfte angesetzt wird. Dies gilt, wie dargestellt, bei Überschreitung der 183 Tage.

2. "Doch wie werden die Urlaubs Tage diesbezüglich bewertet? Ich habe nämlich noch ca. 32 Tage Urlaub im Jahr. Werden diese mit bewertet oder spielt das keine Rolle? Ich muss sozusagen egal unter welche Umstände diese 183 Tage schaffen sonst bin ich in Deutschland nicht Steuer befreit richtig?"

Für die 183 Tage kommt es immer nur auf die physische Anwesenheit in der Schweiz an. Mit anderen Worten: Jeder Tag im Jahr, in dem Sie den Fuß über die Grenze setzen und dort nicht für eine unerheblich kurze Zeit bleiben, d.h. ob in der Urlaubs- oder Arbeitszeit, zählt. Somit ist Ihre Annahme richtig.

3. "Wie schon in meiner vorherigen Frage erwähnte, falls ich die 183 tage schaffe, werde ich in der Schweiz voll versteuert. Ich arbeite in Kanton Basel Stadt auch befindet sich mein Firmen Standort dort. Also werde ich höchstwahrscheinlich nach dem Kantonalen Steuersatz BS versteuert?"

Wenn der Arbeitgeber in Basel ansässig ist, dürfte grundsätzlich der baseler Steuersatz Anwendung finden, was sich jedoch nach schweizer Steuerrecht richtet.

4. "Gut, was ist aber wen ich die 183 tage nicht schaffen sollte aber in NRW wohne und meinen Lebensmittel Punkt auch dort habe dafür die 60 tage Regelung erreiche, dies haben sie leider nicht ganz beantwortet."

Da Sie angegeben haben, davon auszugehen, sich 183 Tage im Jahr in der Schweiz aufzuhalten und in NRW zu wohnen, können die 60 Tage grundsätzlich keine Rolle spielen. Die 60 Tage beziehen sich nämlich auf die Grenzgänger-Regelung für solche Arbeitnehmer, die regelmäßig, in der Regel täglich, in ihr Wohnsitzland zurückkehren.

Sie werden alleine im Wohnsitzland besteuert, solange sie nicht an mehr als 60 Tagen im Jahr berufsbedingt im Ausland (Schweiz) bleiben. Die Grenzgängereigenschaft würde für Sie bedeuten, dass Sie alleine in Deutschland besteuert würden, bis auf eine Quellensteuer in Höhe von maximal 4,5 % in der Schweiz. Diese wäre bei der deutschen Steuererklärung jedoch gem. § 36 Abs. 2 EStG anrechenbar.

5. "Mit was genau kann ich hierbei rechnen?
nach meinen Recherchen werde ich in der Schweiz bei der 60 tage Regelung voll versteuert das heißt keine 4,5% mehr wie momentan als Grenzgänger sondern für den vollen Steuersatz Doch was kommt in Deutschland auf mich zu was werde ich bezahlen müssen wen ich die 183 tage nicht erreiche dafür aber die 60 tage Regelung schaffe? Muss ich auch in Deutschland Dan den vollen Steuersatz zahlen oder erhalte ich auf irgendeine Weise eine Steuer begünstigung?"

Das ist nicht richtig. Sie müssen bei der Grenzgängereigenschaft unterscheiden, von welcher Seite aus Sie Grenzgänger sind, d.h. ob Sie regelmäßig nach Deutschland zurückkehren und in der Schweiz arbeiten oder regelmäßig in die Schweiz zurückkehren und in Deutschland arbeiten. Bei Ihnen wäre die erste Alternative gegeben und Sie wären folglich von der schweizer Steuer bis auf die 4,5 % Quellensteuer befreit. Allerdings nur insoweit, als dass nicht mehr als 60 schädliche Nichtrückkehrtage aus der Schweiz vorliegen, bei denen Sie berufsbedingt in der Schweiz bleiben. Da Sie damit rechnen, sich mehr als 183 Tage in der Schweiz aufzuhalten und in NRW zu wohnen, ist es zunächst einmal nicht realistisch, dass Sie in der Regel täglich zu Ihrem Wohnsitz von der Arbeit zurückkehren bzw. an höchstens 60 Tagen nicht zurückkehren. Allerdings könnten Sie theoretisch natürlich 1200 km pro Arbeitstag mit Auto, Bahn oder Flugzeug reisen. Wenn man aber wie höchstwahrscheinlich auch die Finanzämter unterstellt, dass Sie sich an mehr als 60 Tagen in der Schweiz aufhalten, gilt für Sie nicht die Grenzgängerregelung.

Sondern Ihr Einkommen wird vielmehr im Ansässigkeitsstaat Deutschland besteuert, soweit Sie sich nicht mehr als 183 Tage in der Schweiz aufhalten. In der Schweiz ist Ihr Einkommen dann von der Steuer befreit.

Im Ergebnis gilt deshalb vorbehaltlich einer Einzelfallprüfung: Wenn Sie sich an mehr als 183 Tagen im Jahr (vom 1.1 bis 31.12 gerechnet) in der Schweiz aufhalten, werden Ihre Lohneinkünfte dort voll besteuert und sind in Deutschland steuerbefreit (Ausnahme: Progressionsvorbehalt). Halten Sie sich dagegen höchstens 183 Tage im Jahr in der Schweiz auf, werden Sie in Deutschland besteuert, wenn dort weiterhin Ihr Lebensmittelpunkt ist. In diesem Fall gilt: Mit Ausnahme des Progressionsvorbehaltes sind Ihre Lohneinkünfte in der Schweiz steuerbefreit.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich weiterhin für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei fortbestehender Unklarheit in Bezug auf die ursprüngliche Frage, schreiben Sie mir bitte eine Nachricht per E-Mail. Wir finden sicher eine Lösung.

Mit freundlichen Grüßen

Pascal Gratieux, LL.M. (Köln/ Paris 1)
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 08.04.2017 | 01:05

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