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Schweden Steuern Hausverkauf

02.11.2017 09:59 |
Preis: 100,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Dietrich


Moin, betrifft schwedisches Steuerrecht.
Ich habe ein Haus in Schweden verkauft, das schon seit ca. 20 Jahren in meinem Besitz ist.
Nun will der schwedische Fiskus auf den Veräusserungsgewinn Steuern erheben, und zwar per ultimativer Aufforderung und sehr knapper Fristsetzung zur Abgabe der entsprechenden Erkärung für das Steuerjahr 2016. Ende dieses Jahres fand auch der Verkauf statt. Das schwedische Steuerrecht sieht wohl vor, dass man Veräusserungsgewinne einer Immobilie in die 'nächste' Immobilie investieren kann, somit also die Steuerlast reduzieren kann. Das ist hier der Fall, ich kann für Anfang 2017 erhebliche Umbaukosten für mein Haus in Deutschland geltend machen,
Nun sagt aber das Skatteverket, dass der Verkauf in 2016 stattfand, die Umbaukosten in Deutschland aber in 2017 anfielen. Somit seien diese nicht abzugsfähig. In Veröffentlichungen des Skatteverket lese ich aber, dass ein Immobilienverkauf im Jahr nach dem Verkauf zu erklären sei, in diesem Fall also erst in der Erklärung 2017. Somit würden Veräusserungsgewinn und angefallene Kosten ins selbe Jahr fallen. Ich habe darauf dem Sktteverket erklärt, dass ich meine 'erzwungene' Erklärung zurückziehe und erst für 2017 den Immobilienverkauf steuerlich berücksichtigen werde.
Dieses wurde abglehnt.
Wie kann ich nun per Einspruch oder Klage hier weiterkommen?

Viele Grüsse
B. Willig

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit gegen den Bescheid des Finanzamtes Beschwerde bzw. auch Klage einzureichen. Wenn Sie die Änderung eines Steuerveranlagungsbeschlusses erreichen möchten, müssen Sie binnen fünf Jahren nach dem Besteuerungsjahr eine Änderung des Beschlusses beantragen oder Beschwerde beim Verwaltungsgericht (Länsrätten) einlegen. Die Beschwerde wird zunächst beim Finanzamt eingereicht. Das Finanzamt prüft dann die Unterlagen, bevor der Vorgang an das Verwaltungsgericht abgegeben wird. Das Finanzamt kann der Beschwerde zwar auch direkt stattgeben, dies ist in Ihrem Fall aber aufgrund der bisherigen Einlassung des Finanzamtes sehr unwahrscheinlich. Wenn das Verwaltungsgericht in der Folge zu Ihren Ungunsten entscheidet, haben Sie noch die Möglichkeit dagegen erneut Beschwerde bei einem der Oberverwaltungsgerichte (Kammarrätten) einzulegen. In Ausnahmefällen kann dieser Beschluss dann auch noch vom Obersten Verwaltungsgerichtshof (Regeringsrätten) überprüft werden.

Dies ist der verfahrensrechtliche Gang. In der Sache selbst sehe ich aufgrund Ihrer Schilderung allerdings leider keine guten Chancen. Richtig ist zwar, dass gemäß dem Skatteverket, der Immobilienverkauf in dem Jahr nach dem Verkauf zu deklarieren ist. Dies gilt allerdings ebenso für die Reinvestition des Veräußerungsgewinnes in Ihr Haus in Deutschland. Soweit diese erst im Jahr 2017 stattgefunden hat, wie Sie schildern, ist diese Reinvestition erst im Jahr 2018 für das Jahr 2017 zu erklären.

Die Auffassung des Finanzamtes, dass die Reinvestition nicht in Abzug zu bringen ist, ist daher meiner Ansicht nach korrekt. In der Steuerklärung für das Jahr 2017, die sie 2018 in Deutschland abgeben werden, können Sie dann die Umbaukosten aber als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Zumutbarkeitsgrenze überschritten wird. Die Höhe dieser Grenze hängt davon ab, ob Sie verheiratet sind, von der Zahl Ihrer Kinder und der Höhe der Einkünfte. Bei den hohen Kosten eines Umbaus ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die Schwelle überschritten wird.

Absetzbar ist aber nur der Betrag, der die Schwelle überschreitet. Auch wenn die Umbaukosten, die ja durchaus erheblich gewesen sind Ihrer Schilderung nach, Ihre Einkünfte aus dem Jahr 2017 übersteigen, so können Sie die außergewöhnlichen Belastungen über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren strecken. Dies ergibt sich aus dem Urteil des FG Saarland (Urteil vom 6.8.2013, Az. 1 K 1308/12). Sollte das Finanzamt die Streckung ablehnen, empfiehlt es sich unter Hinweis auf die o.g. Rechtsprechung Einspruch gegen den Bescheid einzureichen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Dietrich

Nachfrage vom Fragesteller 07.11.2017 | 12:21

Guten Tag Herr Dietrich,

erstmal danke für Ihre Antwort.
Leider will mir Ihre Auskunft bezüglich möglicher Reinvestition in die neue/alte Immobilie nicht schlüssig erscheinen,
da mir die gesetzliche Möglichkeit der Steuerminderung durch Investition des Veräusserungsgewinnes in die neue/alte Immobilie so nicht anwendbar erscheint.
Wie soll z.B. ein Hausverkauf Ende eines Jahres hier überhaupt mit einer Reinvestition im selben Jahr möglich sein,
erstens wegen der Zeitknappheit und zweitens wegen der womöglich noch nicht geflossenen Mittel?
Es scheint mir nicht logisch, dass zusammenhängende Vorgänge durch das kalendarische Jahresende willkürlich getrennt werden können, ein Hausverkauf z.B. zum 30.12. eines Jahres kann Ihrer Auskunft nach nicht mit einer Reinvestiton zum 1.1 des Folgejahres in Zusammenhang gebracht werden.
Hier sollte es doch Möglichkeiten geben.

Wenn Sie hier bitte nochmals nachforschen könnten?

Viele Grüsse.
B. Willig

.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.11.2017 | 12:51

Sehr geehrter Herr Willig,

es tut mir leid Ihnen keine positivere Auskunft geben zu können, aber das schwedische Steuerrecht sieht diese unfaire Regelung leider so vor.

Aber nachdem ich nun nochmal nachgeforscht habe, ist diese Regelung aus europarechtlicher Hinsicht zumindest sehr bedenklich. In Deutschland hätten Sie gemäß den Regelungen der §§, 6b und 6c EstG die Möglichkeit die Reinvestition auch geltend zu machen, wenn vor Ablauf des vierten Wirtschaftsjahres mit der Baumaßnahme begonnen wurde. Dies würde auch für den umgekehrten Fall gelten (Hausverkauf in Deutschland, Reinvestition in Schweden).

Allerdings ist mir keine EU-Richtlinie bekannt, auf die Sie sich gegenüber den schwedischen Behörden berufen könnten. Sie können daher nur versuchen, auf die Europarechtswidrigkeit der Auffassung des Finanzamtes zu verweisen. Auf das Diskriminierungsverbot nach Art. 18 AEUV können Sie sich dabei aber leider nicht stützen, da die Regelung auch für schwedische Bürger gilt. Insofern steht das Ganze leider auf sehr wackeligen Beinen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Dietrich
Rechtsanwalt


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