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Schuldenfalle


05.02.2006 17:57 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht



Ich habe Schulden in Höhe von ca. 9000,-€.
Monatlich zahle ich in Raten 100€ an eine Versicherung wegen eines Auffahrunfalles (Restsumme z.Zt. 2500€)und 50€ an die Landeshauptkasse (Restsumme z.Zt. 2800€)wegen nicht bezahlter (und z.T. nicht selbstverschuldeter) Strafzettel. Jetzt hat mich eine sehr alte Handy-Rechnung eingeholt (1000€) und eine Anwaltskanzlei hat daraufhin mein Konto gepfändet. Ich mußte jetzt 200€ überweisen, damit die Pfändung ausgesetzt wird. Da die Kanzlei auf eine schriftliche Drittschuldnererklärung meiner Bank besteht - was ein paar Tage in Anspruch nimmt - kann ich meine laufenden Kosten wie Miete, Ratenzahlungen(siehe oben) etc. nicht zahlen. Die Kanzlei erwartet weiterhin einen monatlichen Teilbetrag von 100€ von mir, die ich nicht imstande bin zu bezahlen.
Die Versicherung hat meine Bitte auf Stundung abgelehnt, mir aber einen niedrigeren Teilbetrag angeboten. Der Landeshauptkasse habe ich einen Vergleich angeboten, der leider abgelehnt wurde.
Desweiteren sitzt mir der Anwalt einer Bekannten im Nacken. Sie hatte mir 3500€ geliehen und ich konnte ihr bisher nichts zurückzahlen.
Ich lebe allein und habe ein Nettoeinkommen von 1260€. Meine festen Kosten belaufen sich auf rund 1000€.
Ich spiele inzwischen mit dem Gedanken der privaten Insolvenz, da ich keine Ausweg sehe.
Wie werde ich am schnellsten meine Schulden los?
Sehr geehrter Ratsuchender, sehr geehrter Ratsuchende,

aufgrund Ihrer gemachten Angaben beantworte ich Ihre Frage wie folgt.

Die Erfahrung zeigt, dass Gläubiger sich oftmals offen für Kompromisse zeigen. Ich schlage Ihnen vor, dass Sie Ihre Gläubiger anschreiben. Stellen Sie Ihre Situation dar und bitten Sie um eine Reduktion Ihrer Schulden auf vielleicht 30 % mit dem Hinweis, dass Sie ansonsten das Verbraucherinsolvenzverfahren durchführen werden und die Schuldner, dann wohl leer ausgingen. Darüber hinaus sollten Sie versuchen, mit Ihren Gläubigern eine Ratenzahlung zu vereinbaren, die Sie sich leisten können. Dabei ist immer das drohende Insolvenzverfahren im Hintergrund zu sehen.

Wichtig ist dabei Ihre Liquidität. Daher empfehle ich Ihnen, Ihre laufende Kosten soweit wie irgend möglich zu reduzieren.
Es erscheint mir zweifelhaft, dass Sie von monatlich 260,- € leben können. Selbst wenn die Gläubiger sich einverstanden erklären, die Forderungen zu reduzieren, muss bei Ihnen die erforderliche Liquidität bestehen, um sowohl Ihren Lebensunterhalt als auch die weiteren Raten zu erfüllen.

Sofern die Gläubiger sich nicht einverstanden erklären bzw. Sie Ihre Liquidität nicht sichern können empfehle ich Ihnen die Durchführung der Verbraucherinsolvenz. Dazu sollten Sie unbedingt die Schuldnerberatung aufsuchen.

Das Insolvenzverfahren ist sehr umfangreich in der Insolvenzordnung geregelt und überschreitet daher die Möglichkeiten eines Forums wie diesem. Insofern wiederhole ich die Empfehlung der Inanspruchnahme des Beratungsangebotes der Schuldnerberatungen.

Lediglich als erste Information:

Das Verbraucherinsolvenzverfahren gem. §§ 304 ff. InsO gliedert sich in drei Stufen:

1. Zunächst muss eine außergerichtliche Einigung zwischen Ihnen und Ihren GLäubigern nach einem Schuldenbereinigungsplan gem. § 305 I Nr. 1 InsO versucht werden. Dafür gibt es spezielle Vordrucke, die benutzt werden müssen.
Während des außergerichtlichen Einigungsversuchs sind Einzelzwangsvollstreckungsversuche weiterhin zulässig, was eine EInigung mit den Gläubigern erschwert. Wenn ein Gläubiger weiterhin versucht, zu vollstrecken, ist das außergerichtliche Verfahren gescheitert.

2. Dann ist innerhalb von sechs Monatendie Einleitung des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens, §§ 305 I, 307 - 310 InsO, zu beantragen. Das Verfahren über den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens ruht bis zur Entscheidung über den Schuldensbereinigungsplan (§ 306 I 1 InsO).

Während dieses Ruhens des Verfahrens kann das Insolvenzgericht Sicherungsmaßnahmen ergreifen, so dass Ihre Vermögensmasse nicht gemindert werden kann.
Das Insolvenzgericht stellt Ihren Gläubigern den Schuldenbereinigungsplan vor. Die Gläubiger müssen sich dann innerhalb von einem Monat äußern. Wenn der Plan angenommen wird, hat er die Wirkung eines verbindlichen Vergleichs, aus dem die Gläubiger dann selbständig die Vollstreckung betreiben können.

3. SCheitert das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren, wird das Eröffnungsverfahren von Amts wegen wieder aufgenomen. Es kommt dann zur Durchführung des vereinfachten Insolvenzverfahrens. Dazu empfehle ich die Beratung durch die Schuldnerberatung.

Nach der Durchführung des Insolvenzverfahrens würden Sie im Rahmen des Restschuldbefreiungsverfahrens nach §§ 287 bis 303 InsO von nicht erfüllten Verbindlichkeiten befreit.

Das gesamte Verfahren dauert 7 Jahre einschließlich der Restschuldbefreiung.

Ich hoffe, Ihnen eine erste Orientierung gegeben zu haben und wünsche Ihnen alles Gute!

Falls Sie weitere Fragen haben stehe ich zur Verfügung. Zur Durchführung des Verfahrens sollten Sie sich aber an die Schuldnerberatungen wenden!

Mit freundlichem Gruß!

RA Krajewski

Nachfrage vom Fragesteller 05.02.2006 | 21:42

Vielen Dank, Herr RA Krajewski, für Ihre Antwort.
Ich war schon einmal bei einem Schuldenberater, der von mir viel Geld wollte, bevor er überhaupt damit begann, meine Interessen bei den Gläubigern zu vertreten. Ich zahlte fast 100 € nur für die Auflistung meiner Schulden. Ich hörte, daß staatlich geförderte Schuldnerberatungen kostenlos seien. Wo kann ich eine solche Schuldnerberatung finden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.02.2006 | 23:48

Sehr geehrte Ratsuchende,

ich habe Ihnen soeben eine email geschickt, die das "Handbuch für Frauen im Kreis..." enthält. Dort finden Sie auf S. 54 die Daten der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt.

Darüber hinaus bietet die Caritas kostenlose Beratung an.
Sie erhalten auch Informationen in Ihrer Gemeindeverwaltung.

Alles Gute!

RA Krajewski

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