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Schriftliche Äußerung als Beschuldigte(r) - Beförderungserschleichung

| 23.09.2018 19:49 |
Preis: 55,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Silke Jacobi


Guten Abend,

ich habe einen Brief der Polizei erhalten, wonach mir die Möglichkeit gegeben wird mich zur vorgeworfenen Straftat zu äußern.

Zum Tathergang:
Ich (weiblich, 27 Jahre alt) war am betroffenen Tag in der Straßenbahn mit 2 Arbeitskolleginnen verabredet. Mein Ticket löste ich vor der Fahrt an der Haltestelle. Nach meinem Einstieg setzte ich mich zu meinen Kolleginnen, welche ich begrüßte. Unter dessen vergaß ich leider mein Ticket zu entwerten (ich fahre äußerst selten Straßenbahn, da ich sehr zentral wohne).
Das hieraus geforderte erhöhte Entgelt habe ich entrichtet - wenn auch dummer Weise eine Woche zu spät. Ich bin nicht vorbestraft und auch zum ersten Mal ohne gültiges Ticket gefahren.
Ein gerichtliches Verfahren möchte ich unbedingt abwenden. Nach reiflicher Überlegung halte ich es für das Beste, mich zur Tat zu äußern und reumütig zu zeigen. Ich hoffe auf eine Einstellung des Verfahrens, weil ich abgesehen vom besagten Vorfall noch nie in Erscheinung getreten bin.

Ist dies ratsam? Und könnte das Verfahren theoretisch auch noch ohne weiteres eingestellt werden, wenn ich zusätzlich das Feld "Ich wäre mit der Einstellung gegen eine Geldauflage einverstanden" ankreuze oder ist in diesem Falle anzunehmen, dass die Einstellung sicher nur gegen die Auflage erfolgen wird? Außerdem: Sind Geldauflagen in der Regel verhältnismäßig gering oder fallen diese ähnlich der Tagessätze bei einer Verurteilung aus?

Ich bitte dringend um eine Beratung, da ich beruflich auf ein einwandfreies Führungszeugnis angewiesen bin. Vielen Dank im Voraus.

Einsatz editiert am 23.09.2018 20:06:59

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Eine Einstellung des Verfahrens, wahrscheinlich gegen eine Geldauflage, dürfte bei Ihnen durchaus in Betracht kommen. Sie sollten daher den Tatvorwurf einräumen, sich angemessen reumütig zeigen - übertriebene Reue wirkt leicht unglaubwürdig - und auf dem Fragebogen ankreuzen, dass Sie einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zustimmen wollen. Ferner sollten Sie angeben, dass Sie das erhöhte Fahrgeld gezahlt haben. Dies unterstreicht, dass Sie die Tat einräumen und das Unrecht eingesehen haben.

Theoretisch könnte bei einem sehr geringen Schuldvorwurf eine Einstellung ohne Geldauflage denkbar sein. Das Ankreuzen, dass man mit einer Einstellung gegen Geldauflage einverstanden ist, schließt eine solche Entscheidung nicht von vornherein aus. Allerdings wird meist eine Geldauflage verhängt, damit wenigsten "ein bisschen Strafe" erfolgt und dem Beschuldigten deutlich wird, dass die Einstellung des Verfahrens nicht bedeutet, dass nicht doch eine, wenn auch nicht sehr schwerwiegende - Straftat begangen wurde, die nicht ganz folgenlos bleiben soll.

Eine Geldauflage fällt in der Regel niedriger als eine Strafe in Tagessätzen aus. Da es aber keinen festen Katalog ist, wie eine Geldauflage bemessen wird, hängt die konkrete Höhe immer vom Einzelfall ab und davon, was der jeweilige Entscheider für angemessen hält.

Ein Eintrag ins Führungszeugnis dürfte hier nicht zu erwarten sein. Bei einer Einstellung des Verfahrens, erfolgt keine Eintragung ins Führungszeugnis. Aber selbst im Falle einer Verurteilung würde eine Eintragung ins Führungszeugnis nur bei einer Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen erfolgen.

In ihrem Falle ist eine so hohe Anzahl von Tagessätzen jedoch mehr als unwahrscheinlich. Hier dürften wohl zwischen 20 bis 30 Tagessätze, je nachdem wie der Richter entscheidet, wahrscheinlich sein. Da Sie keine Vorstrafen haben, wird also keine Eintragung ist Führungszeugnis zu befürchten sein, sodass Sie sich insoweit auch weiterhin als nicht vorbestraft bezeichnen dürfen.

Ich hoffe, Ihre Frage damit beantwortet zu haben. Bei Verständnisfragen nutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion auf diesem Portal.

Mit freundlichen Grüßen


Silke Jacobi
Rechtsanwältin




Bewertung des Fragestellers 23.09.2018 | 21:27

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 23.09.2018 5/5,0
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