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Schmerzensgeld-Schadensersatz


15.10.2006 12:44 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht



Am 15.9.2006 habe ich während eines Urlaubs einen Fahrradunfall erlitten. Die ärztliche Versorgung erfolgte in der Unfallambulanz des örtlichen Krankenhauses. Beide Kniee und der linke Daumen wiesen starke Blutergüsse auf. Vom behandelnden Arzt ist vor Ort lediglich das linke Knie geröngt worden. Trotz mehrfacher Nachfragen sind Frakturen in den betroffenen Gelenken vom Arzt verneint worden. Mit einem leichten Kühlverband am linken Knie hat mich der Arzt entlassen und keine Bedenken gegen die Fortsetzung des Urlaubs geltend gemacht.
Infolge weiterhin bestehender starker Bewegungseinschränkungen habe ich dann am 27.9.2006 zu Hause einen orthopädischen Facharzt konsultiert, der nach eingehender Untersuchung und Kernspintomografie folgendes festgestellt hat:
Beide Kniescheiben zeigen deutliche Frakturen und erhebliche Verletzugen der Schleimbeutel.Nach Aussage des Facharztes wäre ein operativer Eingriff unmittelbar nach dem Unfall sinnvoll gewesen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheidet eine Operation aus.
Frage:
1. Kann dem erstversorgenden Arzt ein Behandlungs-Diagnosefehler vorgeworfen werden? Er hätte selbst aufgrund der schweren Blutergäüsse erkennen müssen, dass zur weiteren Aufklärung zusätzliche Untersuchungen, z.B. durch Kernspintomografie notwendig waren.
2. Wenn ein Behandlungs-Diagnosefehler festgestellt werden sollte, kann dann Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz geltend gemacht werden ?
3. Es ist nicht auszuschließen, dass durch die Fehleinschätzung des Arztes vor Ort Spätfolgen eintreten mit deutlichen irreparablen Bewegungseinschränkungen der verletzten Gelenke.
Ich bitte auch um eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben summarisch wie folgt beantworten möchte.

Ein Behandlungsfehler ist nach Ihren Schilderungen nahe liegend, bedarf jedoch noch weitergehender Prüfung. Der Begriff des Behandlungsfehlers wird allgemein als Verstoß gegen den jeweils zu fordernden medizinischen Standard definiert. Wenn der Arzt demzufolge die Maßnahmen, die von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt aus berufsfachlicher Sicht seines Fachbereiches vorausgesetzt und erwartet werden können, nicht ergreift, so begründet dies einen Behandlungsfehler. Im Übrigen möchte ich hier ergänzend auf meinen Beitrag zum ärztlichen Behandlungsfehler unter https://www.123recht.net/article.asp?a=18344 verweisen.

Es fragt sich, ob die Frakturen bereits auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar waren. Sollte von einem aufmerksamen Arzt im Sinne der obigen Definition ein Erkennen der Frakturen erwartet werden können, so stellt dies bereits einen Diagnosefehler dar. Hierzu darf ich den obigen Beitrag zitieren: „Von einem Diagnosefehler spricht man, wenn der Arzt die von ihm erhobenen oder ihm übermittelten Befunde falsch deutet. Die Rechtsprechung ist allerdings sehr zurückhaltend mit der Annahme eines Behandlungsfehlers in diesem Bereich.“ Diese Zurückhaltung ist indes nicht gegeben, wenn eine deutlich sichtbare Fraktur nicht erkannt wird (LG Bielefeld, Versicherungsrecht 1999, 1245: dort für eine übersehene Schenkelhalsfraktur festgestellt).

Ich stimme Ihnen zu, dass schwere Blutergüsse und Ihre weiteren Schilderungen den Arzt zudem zu weiteren Untersuchungen hätten veranlassen müssen. Darin dürfte ein Behandlungsfehler in Gestalt des Nichterhebens von Befunden liegen.

Sollte der behandelnde Arzt aufgrund seines Ausbildungsstandes nicht zur Deutung des Röntgenbildes in der Lage gewesen sein, so entschuldigt ihn dies nicht. Dann dürfte ein so genanntes Übernahmeverschulden vorliegen. Er hätte demnach einen Konsiliararzt hinzuziehen müssen bzw. Sie an einen Facharzt zur weiteren Untersuchung verweisen müssen.

Der Behandlungsfehler ist indes nicht die einzige Anspruchsvoraussetzung. Dadurch müsste auch kausal ein Schaden bei Ihnen verursacht worden sein. Dies ist nicht die Verletzung selbst, da diese ja schon vorhanden war. Allerdings sehe ich Ihren immateriellen Schaden in der Aufrechterhaltung bzw. Verschlimmerung Ihrer Leiden infolge der OP-Verschiebung sowie möglicherweise in den zu befürchtenden Dauerschäden. Diesbezüglich erscheint ein Schmerzensgeldanspruch möglich.

Zunächst sollte Einsicht in die ärztliche Dokumentation genommen werden und hiervon Fotokopien angefertigt werden. Dann müsste ermittelt werden, wer überhaupt passiv legitimiert ist, d.h. gegen wen eine etwaige Forderung ggf. gerichtlich geltend gemacht werden müssen (Arzt, Versicherung, Krankenhausträger, etc.).

Natürlich sollten auch die Schäden analysiert werden. Es gibt mehrere Möglichkeit zum weiteren Procedere: u.a. Verhandlungen mit der Berufshaftpflichtversicherung, Privatgutachten, Einschaltung von Gremien bei der Ärztekammer, zivilrechtliche Klage, selbstständiges Beweisverfahren, ggf. sogar Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung). Die ggf. zu befragenden Ärzte sind natürlich zuvor von deren Schweigepflicht zu entbinden.

Abschließend bitte ich zu beachten, dass diese Antwort zwar alle wesentlichen Aspekte des von Ihnen geschilderten Falles umfasst, jedoch daneben Tatsachen relevant sein könnten, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen würden.

Verbindliche Auskünfte sind daher nur im Rahmen einer Mandatserteilung möglich. Gerne stehe ich Ihnen hierfür zur Verfügung. Sie können mich gern in der Kanzlei anrufen bzw. eine E-Mail schicken (siehe unten).

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben.

Mit freundlichen Grüßen


Tobias Kraft
Rechtsanwalt

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E-Mail: kraft@jeromin-kraft.de
Tel.: (0231) 96 78 77 - 29
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