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Schlechte Anlageberatung

03.04.2008 20:02 |
Preis: ***,00 € |

Wirtschaftsrecht, Bankrecht, Wettbewerbsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca 1,5 Jahren habe ich über eine Vermögensverwaltungsfirma ein Konto bei einer Bank eröffnen lassen um dort gute Tagesgeldzinsen zu bekommen. Im Juni 2007 rief mich dann ein Berater der Vermögensverwaltungsfirma an und empfahl mir Genusscheine der Firma A zu kaufen, da ich hier eine höhere Rendite erzielen könnte. Um welche Genusscheine es sich genau handelt wollte er nicht sagen. Meine angegebene Risikoklasse entsprach dem Profil. Ich erlaubte dem Berater daraufhin eine bestimmte Anzahl Genusscheine zu kaufen. Inzwischen kenne ich den Namen des Genusscheins und konnte 2 Dinge darüber erfahren:

1. Gibt es von der Firma A auch eine Anleihe die der Berater nicht erwähnte, welche dieselbe Verzinsung wie der Genusschein aufweist und zur Kaufzeit auf nahezu demselben Preis wie der Genusschein notierte.
2. Hat die Vermögensverwaltungsfirma eine schriftliche Vereinbarung mit Firma A in der die Vermögensverwaltung mit dem Vertrieb der Genusscheine beauftragt wird.

Der Unterschied zwischen Anleihe und Genusschein ist neben der höheren Sicherheit der Anleihe aus meiner Sicht nur, dass die Anleihe bis 2011 begrenzt und der Genusschein "unendlich" ist.
Der Berater hatte mich jedoch danach gefragt ob ich Geld für ein paar Monate zum Anlegen hätte, so dass die Anleihe (da sicherer) die bessere Wahl (zumindest für mich :) ) gewesen wäre, er aber wegen Punkt 2 wohl weniger Provision bekommen hätte.

Da der Genusschein inzwischen deutlich, die Anleihe jedoch nur leicht gefallen ist, interessiert mich ob die Vermögensverwaltungsfirma irgendwelche Pflichten nicht erfüllt hat (mich z.B. auf die Anleihe hätte hinweisen müssen) oder ob ich das ganze unter Lebenserfahrung abschreiben sollte.

Wenn Pflichten verletzt wurden würde mich interessieren wie erfolgversprechend eine entsprechende Klage wäre und ob sie bei einem Verlust von nach jetzigem Kurswert ca 2250 Euro empfehlen würden den Fall weiter zu verfolgen

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.


Sehr geehrter Ratsuchender,
vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

Zunächst ist aufgrund des Haftungsumfanges zwischen einem Anlageberater und einem Anlagevermittler zu unterscheiden. Anlageberater und Anlagevermittler haben umfangreiche Informations-, Aufklärungs-, Nachforschungs- und Beratungspflichten (BGHZ 80, 80 = WM 1981, 374). Allerdings sind die Anforderungen an die Aufklärungspflichten bei einer Anlageberatung höher als bei einem Anlagevermittlung. Der Anlageberater hat umfangreich, über die Kapitalanlage zu informieren. Es muss diese bewertet, beurteilt unter Beachtung der besonderen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Anlegers. Der Anlageberater wird vorwiegend im Auftrag des Anlegers tätig, meist unter Inanspruchnahme persönlichen Vertrauens.

Der Anlagevermittler stellt im Unterschied zu dem Anlageberater dem Anleger lediglich Informationen über die Kapitalanlage zur Verfügung, ohne individuell die Anlage zu bewerten. Die Risikoeinschätzung der Kapitalanlage ist von dem Anleger selbst wahrzunehmen. Meist handelt der Vermittler erkennbar im Interesse des Anbieters.

In Ihrem Fall ist aufgrund Ihrer Darstellung davon auszugehen, dass der Vertreter der Vermögensverwaltung als Anlagevermittler tätig geworden ist.

Der Anlagevermittler, der für eine bestimmte Kapitalbeteiligung im Interesse des Anbieters/Kapitalsuchenden tätig wird, tritt gegenüber dem Anlagevermittler in der Regel als Verkäufer auf. Der Anlegervermittler übernimmt dabei den Vertrieb gegen eine zu zahlende Provision. Daher steht bei der Anlagevermittlung immer der werbende und zum Teil anpreisende Charakter der Aussagen im Vordergrund (BGH Urteil vom 25.11.1981, IV a ZR 286/80). Der Anleger ist insofern als weniger schutzwürdig einzuschätzen, wenn dies für ihn erkennbar ist, bzw. der Anleger hat eine höhere eigene Informationsverpflichtung.

Der zwischen dem Kapitalanleger und einem solchen Anlagevermittler geschlossene Vertrag zielt lediglich auf die Auskunftserteilung ab und verpflichtet den Anlagevermittler zu richtiger und vollständiger Auskunft über diejenigen Umstände, die für den Anlageentschluss des Kapitalanlegers von besonderer Bedeutung sind.

Aufgrund der BGH Rechtsprechung sehe ich es als schwierig an gegen die Vermögensverwaltungsfirma erfolgreichen einen Rechtsstreit zu führen, um den Schaden auszugleichen.

Sicherlich kommt es aber darauf an, ob das Vermögensverwaltungsunternehmen (V) entgeltlich für Sie tätig geworden ist. In diesem Falle hätte V auch Ihre Interessen waren müssen und auch eine Alternativanlage anbieten müssen, bzw. auf das Anfallen einer Provision bei dem Vertrieb der Genussschein hinweisen müssen.

Insoweit sollten Sie die Vertragunterlagen auf das Vorgenannte prüfen oder prüfen lassen. Soweit V jedoch nicht enteltlich für Sie tätig geworden ist, ist eine klageweise Durchsetzung des entstandenen Schadens sicherlich mit hohen Hürden versehen. Ich bitte zudem zu beachten, dass der Berater wahrscheinlich als Zeuge für V auftreten kann und Ihnen daher der Nachweis eine fehlerhaften Beratung schwerer fallen durfte.

Ich hoffe Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben. Sollten sich noch eine Nachfrage ergeben, stehe ich Ihnen gerne im Rahmen der Nachfragefunktion zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Marcus Schröter
Rechtsanwalt & Immobilienökonom

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