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Scheidung und Eigenheim

11.04.2008 16:35 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


Ich bin in einer ziemlich schwierigen Situation. Bei Auszug vereinbarten mein Mann und ich schriftlich(nicht notariell), dass ich im Eigenheim wohnen bleibe und alle Verbindlichkeiten übernehme. Ferner wurde folgendes vereinbart, Wortlaut: Der Ehemann wird von der Inanspruchnahme durch den Kreditgeber freigestellt und verzichtet im Gegenzug auf eine Nutzungsentschädigung bis zur Vermögensauseinandersetzung. Nach der Haftentlassung( hier ist die kreditlaufzeit gemeint) sind sich die Parteien darüber einig, dass der Ehemann seinen hälftigen Mieteigentumsanteil an dem gemeinsamen Grundstück durch notariellen Vertrag übertragen wird. Die Ehefrau wird dem Ehemann zum Ausgleich aller Forderungen aus dem Haus und dem Grundstück eine einmalige Ausgleichszahlung von 10.000 € leisten.
Wir sind seit August 2007 rechtkräftig geschieden. Mein Mann hat alle Wertgegenstände mitgenommen eine Vermögensauseinandersetzung wurde zur Scheidung nicht durchgeführt. Jetzt stehe ich vor folgender Situation, der Hauskredit ist in drei Darlehen gesplittet, Ende der Zinsbindungen 2009, 2011, 2012. Alle drei Darlehen ohne Tilgung. Ich habe die Möglichkei eine Anschlussfinanzierung auf mich alleine zu bekommen, allerdings muss mein Mann aus dem Grundbuch raus. Er ist nur gegen Zahlung der 10.000 € dazu bereit. Ich finde das unangemessen und fühle mich übervorteilt. Da ich die gleiche Kreditbelastung( 167.000) habe wie bei Erwerb des Hauses 2003. (Zahlung des Kredites durch mich seit Dezember 2006) Welche Möglichkeiten habe ich? Vielen Dank.

Sehr geehrte Ratsuchende,


hier haben Sie nach Ihrer Schilderung die denkbar schlechteste Möglichket, nämlich allein die Einigung mit dem Ex-Ehemann.

Da dieser im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist, ist er mangels weiterer Vereinbarung derzeit nicht verpflichtet, freiwillig diese Rechtsposition aufzugeben und nutzt dieses nun als Druckmittel für die Zahlung, was aber so auch rechtlich unbedenklich ist.

Auch nach der Vereinbarung muss er erst gegen Zahlung des Betrages der Grundbuchänderung zustimmen, so das insoweit Ihre Rechtsposition nicht gerade günstig ist.

Möglich wäre zwar noch, es ggfs. auf eine Teilungsversteigerung ankommen zu lassen; ob dieses aber wirtschaftlich für Sie sinnvoll ist, müsste dann anhand aller Zahlen genaustens überdacht werden (ich vermute es aber nicht).

Daher werden Sie um die Zustimmung nicht herumkommen, wobei Ihnen aber vielleicht noch folgendes helfen könnte:

Sie führen aus, dass der Ex-Ehemann alle Wertgegenstände mitgenommen hat. Unter der Voraussetzung, dass es sich um gemeinsame Wertgegenstände gehandelt hat, könnten Sie ggfs. noch einen Ausgleichsanspruch gegen ihn geltend mache, was aber im Rahmen einer individuellen Beratung abgeklärt werden muss.

Besteht aber dieser Ausgleichsanspruch, könnte er dann auch gegen den Zahlungsanspruch, auf den der Ex-Ehemann offenbar setzt, gegengerechnet werden, so dass Sie mit diesem Ausgleichsanspruch dann eventuell seine Zustimmung etwas leichter erlangen könnten.

Sollten Sie also bereits im Scheidungsverfahren anwaltlich vertreten gewesen sein, sollten Sie sich zur Prüfung dieses Ausgleichsanspruches mit "Ihrem" Anwalt schnell zusammensetzen, um dann die Umfinanzierung erzielen zu können.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle

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