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Schallschutz nach DIN 4109 bei Sanierung von Altbau

10.01.2009 17:43 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. einem halben Jahr bin ich in eine neue Wohnung gezogen. Das gesamte Haus, ein Altbau, wurde komplett von innen und aussen saniert. Die Sanierungsarbeiten neigten sich zu meinem Einzug dem Ende zu. Es handelt sich somit um einen Erstbezug nach Sanierung.

Nach zwei Monaten zogen auch Nachbarn in die Wohnung über mir ein. Seit diesem Tag muss ich mit enormen Trittschallbelästigungen leben. Laut einem Schallpegelmessgerät, dass ich extra hierfür erworben habe, war der bisher höchste gemessene Wert ganze 87dbA. Der Durchschnittswert liegt bei etwa 75dbA. Es ist nicht nur eine Geräuschbelästigung, sondern sämtliche Wände, Boden und die Luft vibrieren. Jeden Schritt merkt man am Körper als würde man vor einem Konzertlautsprecher stehen.

Die Herren über mir haben zudem einen etwas ungewöhnlichen Lebensrhythmus, stehen erst abends gegen 20 Uhr auf und verlassen i.d.R. die Wohnung gegen 2 Uhr nachts. Abendliches entspannen oder ein/durchschlafen sind grundsätzlich nicht möglich.

Den Vermieter habe ich auf diesen Missstand angesprochen und auch auf die DIN 4109 hingewiesen. Dieser meint dass diese Norm nur für Neubauten gilt und hier kein Handlungsbedarf seinerseits besteht. Er hat lediglich die andere Mietpartei um Rücksicht gebeten, was, genau wie meine Bitten zuvor, nichts gebracht hat.

Die Sanierungsarbeiten würde ich als unprofessionell einstufen, und ich denke dass das Problem durch diese Arbeiten zumindest zum Teil auch verursacht wird. Sämtliche Decken und Zwischenwände bestehen aus Rigips-Platten, wodurch es viele Hohlräume gibt, die vermutlich als Resonanzraum fungieren. Anders sind Laufgeräusche von fast 90dbA, meiner Meinung nach, nicht erklärbar.

Der Fussboden der Wohnung über mir besteht aus abgeschliffenen Holzdielen. Laut Vermieter wurde bei der Sanierung keinerlei Trittschallschutz eingebaut oder erneuert.

Unter normalen Umständen würde ich mir eine neue Wohnung suchen und ausziehen. Jedoch habe ich in den ersten beiden Monaten, in denen über mir niemand wohnte, erhebliche Anschaffungen gemacht, unter anderem eine maßgeschneiderte Einbauküche und Duschwand. Alle übrigen Möbel wurden exakt nach dem Schnitt der Wohnung ausgewählt. Es wäre enorm ärgerlich wenn ein Auszug der einzige Ausweg bliebe.


Welche Rechte habe ich hier? Zu was ist der Vermieter verpflichtet? Kann ich einen erhöhten Schallschutz, wegen des ungewöhnlichen Lebensrhythmus der Nachbarn, fordern?

Mit freundlichen Grüssen,
D. Schroeder

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

Offensichtlich fehlt es dem saniertem Altbau neben der Trittschalldämmung auch an Schallbrücken, um entsprechenden Trittschall abzuleiten.

Eine derart hoher Lärmbelästigung von bis zu 87 dbA entspricht starken Straßenlärm und im Arbeitsbereich ist hierfür ein Hörschutz ab 85 dbA vorgeschrieben.

Die Anwendung auf die DIN 4109 findet auch bei grundsanierten Altbau Anwendung. Insbesondere, da Sie die Wohnung vor dem Hintergrund einer Grundsanierung angemietet haben und damit bei Abschluß des Mietvertrages nach Sanierung des Altbaues von einer vertragsgemäßen Wohnung ausgehen konnten. Dies gilt nicht, wenn es sich um einen unsanierten Altbau handelt und eine dahingehende Kenntnis vorlag, dass ein nicht sanierter Altbau gerade nicht die neueren Din-Normen erfüllt.

Soweit die Wohnung keine ausreichende Trittschalldämmung hat, liegt ein Mangel vor.

Aufgrund des vorliegenden Mangels steht Ihnen zum einen ein Mietminderungsanspruch zu.

Hierzu sind einige Urteile ergangen, die eine Minderung in % ausgeurteilt hatten:

AG Gelsenkirchen WuM 1978, 66: 20% bei erheblicher Lärmbelästigung

AG Braunschweig WuM 1983, 122: 10 bis 15%, bei mangelhafter Isolierung

LG Hannover WuM 1994, 463: 5% bei Trittschallgeräuschen aus einer Dachgeschosswohnung,

AG Hamburg WuM 1996, 760: 13% der Bruttokaltmiete bei Störungen durch Trittschall aus der darüberliegenden Wohnung

Da im Rahmen einer entsprechenden Grundsanierung auch die DIN-Norm 4109 für Trittschalldämmung einzuhalten ist, können Sie Ihren Anspruch auf Herstellung der Norm klageweise durchsetzen.

So auch das LG Hamburg 316 S 10/02, Urteil vom 10. September 2002, MieterJournal 4/2002 Seite 7,
http://www.mieterverein-hamburg.de/mieterverein-recht/urteil_trittschall10-02.htm,

sowie das AG Hamburg, 49 C 319/06, Urteil vom 14. Februar 2008,
http://www.mieterverein-hamburg.de/mieterverein-recht/urteil_schallschutz319-06.htm.

Da eine Klage gegen den Vermieter sicherlich das Mietverhältnis belasten wird, empfehle ich zunächst einen Kollegen aufzusuchen und außergerichtlich versuchen eine Einigung mit dem Vermieter herbeizuführen.

Ich hoffe Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit besten Grüßen

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