Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Schadensersatzpflichtig bei abgenutzten Teppich nach Beendigung des Mietverhältnises?


29.03.2005 21:18 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Christian Kah



Ich habe zum 01.04.05 mein Mietverhältnis gekündigt. Am 23.03.05 wurde die Wohnung übergeben. Sie wurde renoviert (ein Maler hat gestrichen) und gesäubert. Der Teppich wurde mit einem Teppichreinigungsgerät (von Obi ausgeliehen) gereinigt. Außerdem hab ich einzele Flecken noch per Hand bearbeitet. Trotzdem weist der Teppich immer noch Flecken auf - Laufstraßen und Kaffeflecken.

Die Wohnung ist ca. 40 qm groß - Einzimmerwohnung mit Bad und Balkon. Die Küche ist nicht extra - diese befindet sich mit im Wohnraum - gleich beim Teppich.

Folgenden Brief habe ich heute von der Hausverwaltung erhalten:
"Da der Teppich der WHG, welche Sie an uns am 23.03.05 übergaben durch Sie extrem abgenutzt und verdreckt wurde, sehen wir uns gezwungen diesen Boden erneuern zu müssen. An den entsehenden Kosten werden wir sie mit Euro 800 aus Ihrer Kaution belasten."

Ich finde 800 € für einen Teppich von ca. 32 qm Fläche viel zu hoch. Vorallem weil dieser nun schon 3 1/2 Jahre alt ist. Mein Mietverhältnis dauerte vom 01.01.02 bis 31.03.05.
Außerdem hatte der Teppich schon einen großen Fleck im Eingangsbereich und zwei kleine Brandlöcher (vom Vormieter).

Im Mietvertrag ist nichts bezüglich eines Teppichs geregelt. Einzige Klausel "Für Beschädigungen der Mieträume sowie der in den Mieträumen vorhandenen Anlagen und Einrichtungen ist der Mieter ersatzpflichtig wenn und soweit er von ihm oder unter Verletzung der ihn obligenden Obhuts- und Sorgfaltspflicht von den zu seinen Haushalts gehörenden Personen schuldhaft verursacht werden. Dem Vermieter obligt der Beweis dafür das die Schadensursache im Gefahrenbereich des Mieters gesetzt wurde. Dem Mieter obligt sodann der Beweis das der Schaden nicht schuldhaft verusacht wurde."

Instandhaltung und Instandsetzung der Mieträume sind durch Standartvereinbarungen abgedeckt.

Meine Frage: Bin ich zu einer so hohen Zahlung (800 Euro) verpflichtet? Einer Beteiligung würde ich zustimmen - aber nicht den Gesamtbetrag für einen neuen Teppich.

Vielen Dank und viele Grüsse
Guten Abend,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Hat der Vermieter die Mietwohnung mit Parkettboden oder Teppichboden vermietet, ist der Vermieter auch für die Erneuerung der Fußböden verantwortlich, wenn diese verschlissen sind.

Die Erneuerung und Ausbesserung von Parkett- oder Teppichboden gehört nicht zu den Schönheitsreparaturen oder Renovierungsarbeiten, die per Mietvertrag auf den Mieter abgewälzt werden können.

Das Landgericht Köln (6 S 121/91) entschied, daß das Abschleifen und Versiegeln von Parkettböden keine Schönheitsreparaturen sind. Auch das Auswechseln von Teppichböden gehört nach einem Rechtsentscheid des Oberlandesgerichts Hamm (30 Re Miet 3/90) nicht zu den Schönheitsreparaturen.

Sind die Fußböden durch den normalen Mietgebrauch im Laufe der Mietzeit verschlissen, muß sie der Mieter bei seinem Auszug danach nicht erneuern. Mietvertragsklauseln, die etwas anderes bestimmen, sind unwirksam.

Unabhängig hiervon hat der Mieter während des laufenden Mietverhältnisses Anspruch darauf, daß der Vermieter den verschlissenen Fußboden erneuert oder ausbessert.

Etwas anderes gilt, wenn der Mieter die Fußböden beschädigt hat, beispielsweise durch Brandlöcher oder durch unzählige Rotweinflecken auf dem Teppichboden. Dann muß der Mieter Schadensersatz zahlen. Muß ein Teppichboden neu verlegt werden, bedeutet Schadensersatz, daß der Zeitwert des alten Teppichbodens gezahlt werden muß.

Eine solche Beschädigung liegt in Ihrem Fall aber nicht vor. Der Teppich ist daher auf Kosten des Vermieters zu ersetzen.

Sie haben immerhin jahrelang Miete beazhlt.

Ich hoffe, Ihre Anfrage hinreichend beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Christian Kah
Rechtsanwalt
www.net-rechtsanwalt.de

Nachfrage vom Fragesteller 29.03.2005 | 21:56

Meiner Meinung nach ist der Teppich schon sehr beansprucht. w/ den Kaffeeflecken und ein Brandloch im Küchenbereich (heißes Blech auf den Boden gefallen - jedoch nicht bis auf den Grund "durchgebrannt").

Da der Boden 3 1/2 Jahre alt ist und somit auch gebraucht sehe ich nicht ein den vollen Betrag zu zahlen.

Wie sieht das denn aus mit dem Zeitwert? Wie wird dieser errechnet und was wird hier zugrunde gelegt? Nur der Teppich oder auch die Kosten der Handwerker (verlegen)?

Vielen Dank im voraus
freundliche Grüsse

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.03.2005 | 22:05

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Für Abnutzungen, die über das normale Maß hinausgehen, haftet der Mieter. Der Vermieter kann eine Entschädigung verlangen. Häufige Beschädigungen sind Brandlöcher durch Zigaretten, Rotweinflecken, Verschmutzungen durch den Hund des Mieters oder Kratzspuren durch Katzen.

Der Schaden kann nur immer an dem jeweiligen Zeitwert des Teppichs gemessen werden und es sind Abzüge vorzunehmen. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 10 Jahren also 10% pro Jahr. Bei einem 20 Jahre alten PVC-Belag kann selbst bei übermäßiger Abnutzung kein Schadensersatz mehr geltend gemacht werden (AG Kassel WM 96, 757).

Kleinere Verunreinigungen, die eher der normalen Abnutzung zuzurechnen sind, berechtigen hingegen nicht zu Schadensersatzforderungen.

Falls Sie weitere informationen benötigen, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Christian Kah
Rechtsanwalt
www.net-rechtsanwalt.de

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER