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Schadensersatz nicht gelieferter Karten vom Online Ticket Handel


| 15.12.2014 13:39 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Zusammenfassung: Entgangener Spaß durch eine Nichtteilnahme an einem Bundesligaspiel stellt grundsätzlich keinen ersatzfähigen Vermögensschaden dar.


Habe bereits im Juni 2014 Tickets für ein Bundesligaspiel gekauft bei einem offiziellen Onlinehandel, dieses bezahlt und die Rechnung erhalten sowie eine Versandzusage zwei Wochen vor dem Spiel.

2 Tage vor dem Spiel konnte der Händler laut Aussage nicht liefern. Er hat nur den Kaufpreis zurückerstattet. Nun bekommt man natürlich keine Karten mehr.

Bis auf das sinnlos gewordene Zugticket/Hotel habe ich keinen anderen materiellen Schaden.

Heute habe ich Anzeige erstattet wegen Betrug. (Bin laut Internet Fall 117 mit diesem Problem)

Was kann ich zusätzlich als Schadensersatz in Rechnung bringen?

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Sehr geehrter Fragesteller,

ohne Einsicht in den konkret geschlossenen Vertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Onlinehandels, durch die sich möglicherweise Besonderheiten ergeben könnten, ist eine auf Ihren Fall zugeschnittene abschließende Rechtsberatung nicht möglich, so dass Ihnen hier nur Grundsätzliches aufgezeigt werden kann.

Bei Ihrem Vertrag dürfte es sich um ein sog. Fixgeschäft handeln, bei dem die Erfüllung der vertraglich geschuldeten Leistung – hier die Zusendung der Karten für das Bundesligaspiel – nach dem Bundesligaspiel unmöglich geworden ist. Sollte das Spiel noch nicht vorbei sein und Sie in irgendeiner Weise noch Karten zu einem erhöhten Preis ergattern können, so können Sie den Differenzbetrag gegenüber dem Onlinehandel grundsätzlich als Schadensersatz gem. §§ 280 Abs. 1, Abs. 3, 283, 275 Abs. 1, Abs. 4 BGB geltend machen, soweit die Leistung für den Schuldner unmöglich ist. Vorab sollten Sie jedoch eine Frist zur rechtzeitigen Lieferung setzen, falls der Onlinehandel nicht die Leistung bereits ernsthaft und endgültig verweigert hat.

Sollte das Bundesligaspiel hingegen bereits vorbei sein, so ist sofort Unmöglichkeit eingetreten und Sie können Schadensersatz statt der Leistung ohne Fristsetzung gem. §§ 280 Abs. 1, Abs. 3, 283, 275 Abs. 1, Abs. 4 BGB, Rücktritt nach §§ 346 Abs. 1, 323 Abs. 1, 326 Abs. 5, 275 Abs. 1, Abs. 4 BGB, (grundsätzlich auch ein etwaiges „Surrogat" gem. § 285 BGB herausverlangen,) Ersatz von vergeblichen Aufwendungen gem. § 284 BGB sowie gem. §§ 346, 326 Abs. 4 die Rückzahlung einer erbrachten Gegenleistung (Ihrer Schilderung zufolge bereits geschehen) verlangen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, welcher Schaden Ihnen entstanden ist. Das sinnlos gewordene Zugticket sowie die Hotelkosten stellen grundsätzlich ersatzfähige Schadenspositionen dar. Ein Schaden berechnet sich grundsätzlich nach der sog. Differenzhypothese, d.h. es ist ein Vergleich anzustellen zwischen der Vermögenslage des Gläubigers vor der Schadenshandlung – hier also vor der Nichtleistung – und der Vermögenslage danach. Ob Sie nun auch einen Schadensersatzanspruch auf „entgangenen Genuss" haben, dürfte vorliegend eher zweifelhaft sein. Nach der Differenzhypothese habe Sie durch die entgangene Genussmöglichkeit bzw. entgangene Freude am Bundesligaspiel keinen Vermögensschaden erlitten. Soweit Sie sich für das Fußballspiel einen Urlaubstag genommen haben, verhält es sich wie folgt. Im Reiserecht gibt es einen Schadensersatzanspruch wegen „vertaner Urlaubsfreude" (nutzlos aufgewandte Urlaubstage), so dass der Gläubiger eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen kann. Im Vertragsrecht außerhalb des Reiserechts kann vertane Urlaubszeit nicht (mehr) als Vermögensschaden auftreten. Die Rechtsprechung, die derartige Beeinträchtigungen als Vermögensschaden anerkannt hat, ist überholt. Um einen Vermögensschaden zu bejahen, reicht es nicht aus, dass der Urlaub nach heutiger Auffassung kommerzialisiert ist. (vgl. Palandt, BGB, § 249, Rn. 71) Denkbar ist eine Zubilligung von Schadensersatz nur dann, wenn die Vermittlung von Urlaubsfreude Vertragszweck ist (BGH NJW 56, 1235).

Aber auch außerhalb entgangener Urlaubsfreude dürfte sich ein Schadensersatzanspruch wegen entgangener „Fußballfreude" eher schwierig gestalten. So hat beispielsweise nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. Urt. v. 24.01.2013, Az. III ZR 98/12) entgangener Spaß keinen Vermögenswert. Wollte man dem Geschädigten dafür generell einen Anspruch auf Schadensersatz für entgangenen Spaß zubilligen, könnte die Grenze zum streng begrenzten Anwendungsbereich des immateriellen Schadensersatzanspruch gem. § 253 BGB schnell verwischen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet und Ihnen weitergeholfen zu haben. Mit einem Dank für das mir entgegengebrachte Vertrauen verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Oliver Daniel Özkara
Rechtsanwalt
Bewertung des Fragestellers 17.12.2014 | 07:56


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