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Schadensersatz bei Schimmel in der Miet-Wohnung


14.02.2006 14:21 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

guten Tag,
vor einem halben Jahr sind wir in unsere neue Mietwohnung (EG) eingezogen. wir hatten einen erheblichen Renovierungsaufwand, haben die Wohnung komplett neu tapeziert, gestrichen, viel Holz (in Form von Holzpaneelen) von Decke und Wänden entfernt. eine Decke ganz neu eingezogen, weil der rohe Beton sichtbar war.
in der Küche haben wir mannshoch in mehreren Lagen geflieste Kacheln an allen Wänden entfernt und alles neu verputzt, mit Latexfarbe gestrichen.
in der Küche war keine Heizung vorhanden und der Einbau wurde von Seiten der Vermieter auch abgelehnt, da die Zuleitung defekt sei.

seit unserem ersten Winter hier haben wir die Vermieter unter Druck gesetzt, sie mögen eine Heizung einbauen, die wir jetzt, nach vielem Hin und Her und dem Schimmelbefall endlich bekommen.

vor etwa zwei Wochen haben wir in der Küche zuerst hinter dem Herd, dann hinter unseren Möbeln Schimmelspuren entdeckt. innerhalb weniger Tage wuchs dieser über die komplette Wand, etwa 2-4 qm sind betroffen. am Wochenende bauten wir also unsere Küche aus, und mussten mit Erschrecken feststellen, dass viele unserer neu eingebauten Küchenmöbel von Schimmelpilzen völlig zerfressen sind. genau unter dieser Stelle hat es vor 1-3 Monaten im Keller einen Wasserrohrbruch gegeben, der noch heute durch dunklen Beton an der Wand und der Decke zu erkennen ist. im übrigen Keller gibt es auch noch andere Stellen, an denen man einen Schimmel vermuten könnte (da sind wir uns aber nicht 100%ig sicher).

heute morgen konnte ich in unserem Schlafzimmer und im Kinderzimmer Schimmelflecken an der Außenwand finden, vor allem hinter den Fußleisten. dabei sei erwähnt, dass das Kinderzimmer definitiv der bestgeheizte Raum in unserer Wohnung ist. das Schlafzimmer ist natürlich wesentlich kühler.
das Ganze nimmt allmählich Ausmaße an, die uns wirklich Angst machen. trotzdem wollen wir eigentlich nicht gleich wieder ausziehen.

die Vermieter stellen sich quer, behaupten, wir wären an der ganzen Schimmelentwicklung Schuld, da wir nicht richtig lüften und heizen würden. (sie haben uns nicht einmal gefragt, wie wir lüften und heizen. nebenbei erwähnt, wir lüften und heizen ganz normal, wie schon immer in allen anderen Wohnungen, in denen wir nie Schimmelbelastungen hatten. aber auch das können wir ja nicht beweisen.) außerdem sagen sie, die Möbel der Küche hätten zu nah an der Wand gestanden, (was auch kein Argument ist, denn die Stelle, wo wir den Schimmel zuerst entdeckten, hatte 20 cm Abstand zwischen Wand und Herd, der ja auch zusätzlich Wärme abstrahlt...). ihrer Meinung nach, wäre die Latexfarbe der Verursacher und so weiter. in den Schlafräumen haben wir keine Latexfarbe verwendet und ein Experte sagte uns auch, dass Latexfarbe zwar wegen des hohen Kunststoffanteils ungünstig ist, aber auf keinen Fall Verursacher für einen Befall sein kann.
ein weiteres Argument der Vermieter für unser Verschulden ist, dass es „noch nie Beschwerden wegen Schimmel gegeben hätte“.
in den letzten Tagen haben wir mithilfe eines Hygrometers den Feuchtigkeitsgehalt unserer Raumluft gemessen, und kamen beim Kochen in der Küche gerade mal auf 55%, laut Gesundheitsamt Karlsruhe immer noch im grünen Bereich. in allen anderen Räumen waren es zwischen 35 und 47%. eigentlich gar keine Bedingungen, die ein Schimmelpilzwachstum begünstigen.

unsere kleine Tochter, 2 Jahre, hat seit Wochen Husten, Schnupfen, Augenentzündungen und Magen-Darm-Beschwerden (natürlich kann das auch der Winter sein). ich selbst leide, seit wir hier wohnen ziemlich oft unter Kopfschmerzen, vor allem nachts und morgens. (Schnupfen haben wir alle seit Wochen, aber wer kann schon feststellen, woher der letztendlich kommt.) (nebenbei erwähnt, bin ich Neurodermitikerin, das tut zwar nichts zur Sache, sagt aber vielleicht aus, dass ich sensibler auf solche Umstände reagiere, als ein völlig gesunder Mensch.) unser Kinderarzt sagte, dass es auf lange Zeit keine andere Lösung gebe, als letztendlich auszuziehen, da die Langzeitbelastung das Risiko erheblich erhöhen kann, dass unsere Tochter eines Tages an Asthma oder Allergien leiden könnte.

das Haus ist 35 Jahre alt, und seit dem Bau unsaniert, es gibt 30 cm dicke Wände (Hochlochziegel?, laut Vermieter dem damaligen Stand der Technik entsprechend), aber keine Dämmung. die Fenster sind auch alt, lüften sich sozusagen von selbst, ein Glück, sonst wären wir wohl schon vergiftet. trotzdem kann man an fast allen Fenstern Schimmelspuren finden, an und um die Rahmen. (was ich eigentlich nicht auf geringe Luftzufuhr zurückführen kann, denn die Fenster ziehen wie „Hechtsuppe“, vor allem sind die Heizkörper noch direkt darunter.) das Hauptproblem des Hauses ist, von Experten-Seite mündlich bestätigt, die nicht vorhandene Außenisolierung, weshalb die Wände zu kalt werden.

ich möchte gerne wissen, inwieweit wir Anspruch auf Schadensersatz haben, was die Sanierung der Räume (die Küche muss zum Teil neu verputzt werden), das benötigte Material dafür und die Neuanschaffung unserer Küchenmöbel (waren alle nagelneu) angeht. und einen erheblichen Stress haben wir ja auch, durch das entstandene Chaos.
des weiteren welche Schritte wir beachten müssen, wenn wir Mietminderung anmelden, wie hoch diese anzusetzen ist und wie lange wir dann weniger Miete zahlen würden? denn wir glauben nicht, dass die Vermieter jetzt das Haus wegen uns dämmen werden. (denn sie tun immer nur das Allernötigste.)

gibt es denn auch einen Schadensersatz für die gesundheitliche Schädigung? (aber wie gesagt, wer kann schon wirklich feststellen, warum wir ständig krank sind?)

wir freuen uns über eine Antwort.
mit freundlichen Grüßen, Familie K. aus K.


14.02.2006 | 14:55

Antwort

von


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Sehr geehrte Ratsuchende,

ich rate Ihnen zur folgenden Vorgehensweise:

Zunächst müssen Sie Ihrem Vermieter die Mängel (Schimmelbefall) anzeigen. Zu Beweiszwecken schicken Sie ihm die Mängelanzeige per Einschreiben mit Rückschein. In dieser Mängelanzeige fordern Sie ihn gleichzeitig zur Mängelbeseitigung bis zum Ablauf einer angemessen Frist (ca. 4 Wochen) auf und drohen ihm, nach Fristablauf einen Fachbetrieb mit der Beseitigung zu beauftragen. Diese Kosten muss Ihr Vermieter dann übernehmen, vorausgesetzt dass der Schimmelbefall in seinem Verantwortungsbereich liegt. Ferner teilen Sie ihm in der Mängelanzeige mit, dass Sie mit der nächsten fälligen Miete von Ihrem Minderungsrecht Gebrauch machen werden. Bei Schimmelbefall wird eine Minderungsquote von 20 % von der Rechtsprechung anerkannt.

Nach Ihren Schilderungen besteht bereits Streit über das Verschulden für den Schimmelbefall. Wenn der Schimmel bereits sichtbar ist und konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Schimmel durch Baumängel (fehlende Dämmung…) herrührt, müssen nicht Sie, sondern der Vermieter beweisen, dass Sie als Mieter, den Mangel verursacht hat ( BGH XII ZR 272/97).

Ferner ist auch zu bedenken, dass Schimmel in der Regel in erheblichem Maße die Gesundheit gefährdet. Unabhängig von Ihren möglichen Rechten auf Schadensersatz/Minderung sollten Sie sich überlegen, auszuziehen. Denn liegen die Voraussetzungen für eine solche Gesundheitsgefährdung vor, dann haben Sie das Recht zur außerordentlichen Kündigung. Sie müssten allerdings beweisen, dass die Schimmelpilze toxinbildend sind. Hierzu reicht ein einfaches ärztliches Attest nicht aus. Sie benötigen eine Laboruntersuchung eines Umweltmediziners, der die Gifte im Blut feststellen kann (AK Neuköln, 6 C 586/99).

Abschließend rate ich Ihnen zur obigen Vorgehensweise, sollten Sie sich aber nicht außergerichtlich einigen können, rate ich Ihnen dringend einen Anwalt zu beauftragen.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Alexander Glatzel
Rechtsanwalt

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Rechtsanwalt Marcus Alexander Glatzel, Dipl.-Jur.

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