Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.252
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Schadensabwicklung/Mithaftung


| 18.12.2007 22:19 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Domsz



Guten Tag,

ich würde mich sehr freuen wenn Sie meine Fragen beantworten können, da mich das Verhalten der Versicherung des Unfallgegners und auch dessen Verhalten sehr irritiert und stutzig gemacht hat.

Zum Fall:
Am 05.10.2007 befuhr ich eine Seitenstrasse in Nürnberg innerorts mit der Absicht, in eine direkt an diese Strasse anliegende Parkbucht einzuparken (Parken senkrecht zur Strasse). Die komplette Parkbucht war nicht belegt, ebenso war kein Gegenverkehr vorhanden. Ich setzte den Blinker nach rechts, bremste leicht ab - Geschwindigkeit ca. 20-30km/h - vergewisserte mich kurz im Rückspiegel der Verkehrssituation und lenkte aus der Fahrt nach rechts in die Parkbucht ein. Mein Auto war dann bereits zur Hälfte in der Parkbucht, als mir der Unfallgegner T. mit seinem Roller in die Beifahrerseite fuhr. Nach dem ersten Schrecken machte ich den Blinker und Motor aus und stieg aus, um mich nach dem Gesundheitszustand des Herrn T. zu erkundigen. Diesem ist zum Glück nichts passiert; da mir zu dem Zeitpunkt keine Zweifel kamen, wer die Schuld an diesem Unfall trägt, verzichtete ich darauf, Fotos zu machen, und parkte endgültig ein.

Herr T. bestand dann darauf, die Polizei zu holen, wogegen ich nichts einzuwenden hatte. Diese stellte nach Schilderung des Unfallhergangs durch mich und Bestätigung durch Herr T. - er ist griechischer Herkunft, konnte sich daher nicht so gut verständigen, daher die etwas einseitige Schilderung - eindeutig fest, dass der Unfallgegner den Sicherheitsabstand nicht eingehalten habe und ihn die Schuld träfte. Allerdings monierte der Unfallgegner, ich hätte nicht geblinkt und wäre einfach so aus voller Fahrt abgebogen, deswegen habe er dies nicht sehen können. Die erste Ungereimtheit!

Dazu kam dann noch, dass zufälligerweise ein Getränkeladen an der Ecke der nächsten Kreuzung, ca. 10 bis 20m von der Unfallstelle entfernt, dem Neffen des Herrn T. gehörte. Dieser war nach dem Unfall, genauso wie andere Bewohner in dieser Strasse gelaufen gekommen. Er meldete sich dann auf Nachfrage durch die Polizisten als Zeuge und bestätigte das fehlende Blinken beim Abbiegen. Allerdings ist die Unfallstelle von seinem Laden aus nicht einsehbar, da Telefonzelle, geparkte Autos und ein Baum im Weg stehen. Ich vermute, dass man sich in der langen Wartezeit auf das Erscheinen der Polizisten "abgesprochen" hat; da ich des Griechischen leider nicht mächtig bin, bleibt es bei dieser Vermutung. Ich habe allerdings Zeugen, die bestätigen können dass er im Vorbeigehen zum Unfallort auf Nachfrage gesagt hat, er habe nichts gesehen, deswegen schaue er jetzt ja nach.

Die Polizei veranlasste einen Personalienaustausch und legte keinen Tagebucheintrag oder etwas "offizielles" an, ebenso entfiel eine Verwarnung oder Ordnungsgeld.
Ich schickte daraufhin in der Folgewoche meine Stellungnahme mit Skizze an die Versicherung des Herrn T. . Diese baten um Geduld wegen Einholung der Stellungnahmen ihres Versicherten und des Zeugen sowie der Polizei.
Ich beauftragte dann in Absprach mit der Versicherung einen Gutachter. Dieser stellte folgendes auf:

Voraussichtliche Rep.kost. inkl. Mwst 2.135,34
Wertverbesserung 36,84
Wiederbeschaffungswert(Umsatzst.neutral) 2.600,00
Restwert (nach Höchstgebot) 870,00

Da die Verkehrssicherheit des Fahrzeuges nicht mehr gewährleistet war und ich beruflich auf das Auto angewiesen bin, liess ich zumindest den Achsschaden vorläufig reparieren und wartete auf Nachricht von der Versicherung.
Diese liess 2 Monate auf sich warten und enthielt die nächste Überraschung. Die Sachbearbeiterin teilte mir telefonisch mit, dass Herr T. in seiner Stellungnahme nun plötzlich schrieb, ich wäre von der anderen Seite der Strasse gekommen, wäre also sein Gegenverkehr gewesen, hätte dementsprechend nicht links geblinkt und wäre dann nach links in die Parkbucht eingefahren, woraufhin er mir dann in die Beifahrerseite gefahren sei. Der Zeuge liess sich nur vage aus, er behauptete einfach nur ich hätte nicht geblinkt. Meinen Hinweis am Telefon, dass dies von der Stellung des Autos und des Schadens rein logisch nicht möglich wäre, wurde mit "Doch, das ist schon logisch und geht" abgewiesen. Allerdings habe ich hierfür Zeugen, die eindeutig belegen können, in welcher Richtung mein Auto direkt nach dem Unfall stand.

Sie verwies dann wegen der stark entgegensprechenden Aussagen auf die noch fehlenden amtlichen Ermittlungsunterlagen; da keine offiziellen da waren, bemühe sie sich um Kontakt zu den Polizeibeamten.
Dies dauerte wiederum einen Monat, bis ich mich nach dem Stand der Ermittlungen erkundigte. Da ich selber bei der Polizei beschäftigt bin, verschaffte ich der Sachbearbeiterin, die den Polizisten aufgrund Schichtdienst nicht telefonisch seit 2 Monaten erreichte, die dienstliche Mailadresse.
Daraufhin ging es ziemlich schnell. Ich erhielt einige Tage später einen Brief mit der festsetzenden Regelung der Regulierung unter 50 % Mithaftung und folgender Berechnung:

Wiederbeschaffungswert Kfz 2.600,00 €
./. Restwerte 870,00 € / 1.730,00 €
Kostenpauschale 50,00 €
-----------
1.780,00 €
Berücksichtigung der Mithaftung 890,00 €
Auszahlungsbetrag war 890 €, die dann auch in den nächsten Tagen auf mein Konto überwiesen wurden.

Die Stellungnahme des Polizeibeamten war ebenfalls angeheftet. Diese stützte meinen Verlauf des Unfalls; allerdings gab der Beamte jetzt an, ich sei beim Einparken "leicht nach links aus(geschert) und bog dann nach rechts in die Parklücke ein." Der fehlende Sicherheitsabstand wurde ebenfalls bestätigt. Neu war nun die genaue Aussage von Herr T. (ich stand zwar neben den Polizeibeamten und habe davon nichts gehört):
Da ich nicht geblinkt hätte und vor dem Einfahren nach rechts in die Parkbucht leicht nach links ausgeschert habe, sei Herr T. davon ausgegangen dass ich nach links abbiegen wolle. Deswegen habe er mich rechts überholen wollen.

Ich bin ziemlich irritiert über die verschiedenen Aussagen und Stellungnahmen und aufgrund der plötzlich ziemlich schnell anmutenden Zahlungsbereitschaft der Versicherung, allerdings mit 50 % Mithaftung, nach der eingehenden Stellungnahme durch die Polizeibeamten. Die Stellungnahme des Polizeibeamten erscheint mir wie eine Interpretation, denn das Ausscheren nach links ist in dieser Strasse bei der zum Zeitpunkt des Unfalls vorherrschenden Verkehrssituation nicht nötig, um nach rechts in die Parklücke einzufahren. Unglücklichweise könnte man dort links in eine Einfahrt abbiegen, so dass es natürlich einen Grund geben könnte, wonach ich links hätte abbiegen wollen. Ich frage mich allerdings auch, wie es sein kann, dass die Stellungnahme des Unfallgegner so evident gegensprüchlich sein kann; ich hatte das Gefühl, dass man mir vor dem Eingang der Stellungnahme des Polizeibeamten nicht glaubte, und mich danach, nachdem man die komplette Unbrauchbarkeit der Stellungnahme des eigenen Versicherten erkannt hatte, mit einer schnellen Zahlung von 50 % des Schadens zufrieden stellen wollte, in der Hoffnung ich nehme mir keinen Anwalt. Diese Hoffnung hat aus finanziellen Gründen durchaus Aussicht auf Erfolg, allerdings nicht wenn ich wüsste dass eine Abwicklung über den Rechtsanwalt Aussicht auf Erfolg hat.

Hat es also Aussicht auf Erfolg, mit dieser "Schadensabwicklung" zum Anwalt zu gehen, um alles genau zu überprüfen, v.a. in Hinsicht auf eine höhere Übernahme der Kosten bzw. Reduzierung der Mithaftung auf 50% ? Hat die Versicherung bei der Schadensabwicklung alles korrekt gemacht? Und verschaffen die geschilderten "Ungereimtheiten" nur mir Kopfschmerzen, oder erscheint das auch objektiv und rechtlich gesehen problematisch?

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,
bevor ich Ihre Fragen beantworte, möchte ich einige Dinge vorweg schicken:
Meine Angaben dienen nur als erste Information. Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, würde ich sagen: zum Anwalt gehen und Klage einreichen lassen, da davon auszugehen ist, dass die Versicherung bei den gegebenen Umständen nicht von ihrer Position abrückt. Vergleichen kann man sich dann im Prozess immer noch, je nachdem, man bekommt ja dann zwangsläufig mit, welche Auffassung das Gericht von der Sache hat.
Sollte keine Rechtsschutzversicherung bestehen, wäre ich hier etwas vorsichtiger.
Ich möchte Ihre Ausgangslage zusammenfassen:

1. Sie haben Zeugen, die gehört haben, dass der Getränkeladen-Besitzer nichts vom Unfallgeschehen selbst gesehen hat. --> also kann er auch nicht gesehen haben, dass Sie nicht geblinkt haben

2. Der Unfallgegner behauptet nun, dass Sie aus der Gegenrichtung gekommen wären und Sie also seine Straßenseite überquert hätten --> diese Behauptung dürfte aufgrund des Schadensbildes durch einen Sachverständigen zu widerlegen sein

3. Der Polizeibeamte stützt in seinen Angaben Ihren Verlauf des Unfalls, gibt jedoch an, Sie seien nach links ausgeschert --> war der Polizist Zeuge des Unfalls? Nein, also entstammt diese Aussage wohl tatsächlich lediglich dem eigenen Bild des polizisten vom möglichen Geschehensablauf oder der Polizist mischt eine objektive Beschreibung des Unfalls mit Aussagen des Unfallgegners

4. Der Polizist gibt an, dass der Sicherheitsabstand vom Unfallgegner nicht eingehalten wurde --> Mitverschulden des Unfallgegners

5. Der Unfallgegner wechselt ständig seine Aussagen zum Unfallablauf --> Indiz für Unglaubwürdigkeit

6. Unfallgegner gibt an, er wollte rechts überholen
--> nicht zulässig

7. Sie haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, die Kosten dafür wurden aber bei der Schadensregulierungsberechnung der Versicherung nicht berücksichtigt (Kosten um die 300 €) --> wollen Sie darauf auch sitzen bleiben?

8. Haben Sie an die Geltendmachung des Nutzungsausfalls für die Dauer der Reparatur gedacht?

9. Wenn Sie eine ladungsfähige Anschrift aller "Ihrer" Zeugen haben, dann können Sie doch zumindest gewisse Ungereimtheiten im Falle einer Verhandlung ausräumen

10. Der Polizist müsste als Zeuge benannt werden und in der Verhandlung nach dem Aussageverhalten des Unfallgegners bezüglich des Unfallablaufs und der Widersprüchlichkeiten befragt werden.


Wie bereits eingangs erwähnt, ich kann Ihnen nur auflisten, was für Sie positiv ist und was für Sie negativ ist. Wie dann jedoch das Gericht die Sache sieht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
In diesem Fall würde ich Ihnen raten, einen Anwalt aufzusuchen, da zumindest Chancen vorhanden sind, von der 50:50 Quotierung wegzukommen. Auch wurden in dem Endbetrag der Regulierungsquote der Versicherung nicht alle Kosten berücksichtigt.

Ich hoffe, Ihnen hiermit ein wenig gedient zu haben. Sie können gerne nochmals die Nachfragefunktion benutzen. Auch würde ich Ihnen in einer weitergehenden Vertretung in dieser Angelegenheit zur Verfügung stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Domsz
- Rechtsanwalt -
Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Die Darlegung der Rechtslage und der Möglichkeiten hat mir für mein weiteres Vorgehen sehr geholfen. Die Antworten waren klar und verständlich...bei einer bestehenden RV-Versicherung hätte ich sicher, ausgehend von der Aussage hier, den Gang zum Anwalt gemacht. "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60143 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr schnelle und hilfreiche Antworten. Kompetent und freundlich. So wünscht man es sich als Mandant. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr hilfreiche Informationen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für die schnelle und ausführliche, sehr gute Antwort. ...
FRAGESTELLER