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Schadenersatz durch Bank aufgrund von Fehler im außerbörslichen Direkthandel

25.08.2020 12:15 |
Preis: 48,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von


Sehr geehrte Anwältinnen,
sehr geehrte Anwälte,

vorab möchte ich um Bearbeitung durch jemanden bitten, die/der mich ggf. auch vor Gericht vertreten würde.


Sachverhalt:

Ende September 2019 kaufte ich über mein Depot im Onlinebanking meiner Bank Optionsscheine im außerbörslichen Direkthandel.
Am nächsten Tag, welcher gleichzeitig der Bewertungstag/Ausübungstag war, wollte ich die Optionsscheine vormittags ebenfalls im außerbörslichen Direkthandel, wieder verkaufen.

Das Produkt konnte bis einschließlich einen Tag vor dem Bewertungstag wahlweise börslich oder außerbörslich im Direkthandel gehandelt werden, am Ausübungstag war noch gemäß den veröffentlichten Informationen des Emittenten bis 16:00 Uhr der außerbörsliche Verkauf an den Emittenten möglich.
Von meiner Bank wurden für dieses Produkt KEINE abweichenden / eingeschränkten Handelszeiten kommuniziert.

Beim Versuch, die Optionsschein am Bewertungstag vormittags, also weit vor 16:00 Uhr zu verkaufen, bekam ich jedoch im Onlinebanking / Depot nur eine Fehlermeldung angezeigt, die besagte, dass das Wertpapier kann nicht verkauft werden könne.
Ich versuchte den Verkauf mehrmals, sah jedoch stets nur die Fehlermeldung. Das Produkt hatte zu dem Zeitpunkt einen Kurs von ca. 1,00 Euro pro Stück.
Ich versuchte daraufhin sofort mehrfach, die Bank telefonisch zu kontaktieren, erreichte dort jedoch niemanden, sondern die Anrufe wurden nach einer Warteschleife automatisch beendet.
Daraufhin schrieb ich eine E-Mail an die Bank und reklamierte den Fehler, gleichzeitig erteilte ich drin den Auftrag, das Produkt mit Limit von 1,00 Euro pro Stück zu verkaufen.
Meine E-Mail wurde jedoch erst später bearbeitet, somit passierte auch auf diesem Wege kein Verkauf.

Aufgrund der Kursentwicklung des Basiswerts im Tagesverlauf des Bewertungstages wurden die Optionsscheine am Fälligkeitstermin, gegen 17:30 Uhr dann nur noch mit 0,15 Euro abgerechnet.

Ich führte daraufhin einen längeren Schriftwechsel per E-Mail mit der Bank, die Bank lehnt jedoch mit Verweis auf Ihre AGB Schadenersatz ab.
Der Passus aus den AGB, auf den sich die Bank beruft, lautet:

"Außerbörslicher Direkthandel mit Handelspartnern (OTC)
(...)
Es besteht kein Anspruch des Kunden auf Zugang zum außerbörslichen Handel. Sofern ein außerbörslicher Handel mit einem Handels-partner nicht möglich ist, kann der Kunde für seinen Wertpapierauftrag einen anderen verfügbaren Ausführungsplatz auswählen."

Der Verweis auf einen anderen Ausführungsplatz hilft hier nicht weiter, da am Bewertungstag ausschließlich nur noch der außerbörsliche Handel möglich ist.


Am besagten Tag hat der Direkthandel über meine Bank mit anderen Emittenten und Produkten grundsätzlich problemlos funktioniert, auch vom Emittenten selbst wurde mir versichert, dass meine Optionsscheine über andere Broker am Bewertungstag tatsächlich durchaus noch gehandelt wurden.
In der anfänglichen Kommunikation bestritt die Bank die Handelbarkeit am Bewertungstag, erst im späteren Verlauf berief sie sich auf die o.g. AGB.
In der Kommunikation konnte man "zwischen den Zeilen" rauslesen, dass dieses Produkt wohl mit falschen Stammdaten in den Systemen der Bank hinterlegt war und daher der Handel am Bewertungstag seitens der Bank nicht mehr funktionierte. Konkret beweisen kann ich dies jedoch nicht.

Wäre das Produkt korrekt handelbar gewesen am Bewertungstag, so hätte ich bei einem Kurs von 1,00 Euro pro Stück einen Gewinn gemacht. Aufgrund der Nicht-Handelbarkeit entstand mir durch die automatische Abrechnung am Ende des Tages mit nur noch 0,15 Euro jedoch ein nicht unerheblicher Verlust.

Ich wandte mich bereits an den Ombudsmann zwecks Schlichtung, er lehnte eine Schlichtung zu meinen Gunsten jedoch auch mit Verweis auf die o.g. AGB ab.


Frage:

Wie sehen Sie hier die Chancen, die Bank erfolgreich auf Schadenersatz zu verklagen?

27.08.2020 | 20:23

Antwort

von


(210)
Schevenstr. 1 a
01326 Dresden & Köln
Tel: 0351 65 888 350
Web: http://www.kanzleifricke.de
E-Mail:

Sehr geehrter Ratsuchender,

in meinen Augen ist hier die Streitführung im Ergebnis völlig offen und hängt von der späteren Bewertung eines Gerichts ab. Hier wird es nicht um Grundsatzfragen der Haftung gehen, sondern auch um die Beweisbarkeit von organisatorischen Belangen der Bank.

Gegen eine Haftung spricht erst einmal die Einschätzung des Ombudsmannes, der sich auf die AGB beruft und prinzipiell durchaus kundenfreundlichen Entscheidungen trifft.

Für eine Haftung spricht die Wahrscheinlichkeit, daß hier bei der Datenerfassung des Bankproduktes auf Seiten der Bank Fehler passiert sind und sich die Bank nicht auf die Passage aus den AGB berufen kann, weil dies als rechtsmissbräuchlich anzusehen wäre.

Auch kann der Ansatz greifen, dieser AGB die Wirksamkeit abzusprechen, da sie den Verbraucher benachteiligt und auf einen völligen Haftungsausschluss der Bank hinauslaufen würde.

Abhängig machen sollte man vielleicht auch einen Streit von der Höhe des Schadens, der Ihnen insgesamt entstanden ist. Das würde ich dann mal in Relation zu den Kosten eines Gerichtsverfahrens setzen und einschätzen, ob hier auch wirtschaftlich eine Prozessführung Sinnn macht.

Also, bitte mal über die Nachfrage mitteilen, wie hoch Ihr Verlust zuletzt ausgefallen ist. Ergänzen Sie gerne diese Angabe mit weiteren Fragen, damit ich hier noch einmal für Sie ausführen kann.

MFG
Fricke
RA
Dipl. Kaufmann


Rückfrage vom Fragesteller 28.08.2020 | 16:10

Sehr geehrter Herr Fricke,

vielen Dank. Nachfolgend meine Verständnisfragen und die gewünschten ergänzenden Angaben:

D.h. die Chancen, zu gewinnen, stehen so ca. 50:50? Könnte es am Ende auch nur auf einen Vergleich rauslaufen?

Meinen Sie mit "Beweisbarkeit von organisatorischen Belangen der Bank" meine geäußerte Vermutung, dass
das Produkt wohl mit falschen Stammdaten in den Systemen der Bank hinterlegt war?
Dies kann ich wie gesagt leider nicht beweisen, ich vermute dies, weil mir vom Emittenten telefonisch und schriftlich versichert wurde, dass alle Informationen zu dem Produkt richtig im Markt kommuniziert wurden und am Fälligkeitsdatum des Produkts noch der Direkthandel bis 16:00 möglich gewesen wäre.

Von der Bank liegen hingegen liegen widersprüchliche Aussagen vor, zunächst wurde mir sogar bestätigt, dass ein unlimitierter Handel laut Regularien des Emittenten am Fälligkeitstag bis 16:00 Uhr möglich war. Nachdem ich diese Aussage aufgriff, wurde in der übernächsten E-Mail dies dann wieder bestritten, und die Aussage war dann, dem System wäre als letzter Handelstag ein Tag früher gemeldet worden.


Ich habe folgendes an Beweismaterial:
- Screenshot Kursverlauf des Optionsscheins am Bewertungstag
- Screenshot Fehlermeldung der Bank am Bewertungstag
- gesamte Korrespondenz mit der Bank
- gesamte Korrespondenz mit dem Emittenten
- Wertpapier-Abrechnung Kauf
- Wertpapier-Abrechnung Rückzahlung nach Ablauf


Zum Ombudsmann: Soweit ich weiß, wird dieser von den am Schlichtungsverfahren teilnehmenden Banken finanziert?
Ist er also wirklich als unabhängig anzusehen, vor allem wenn es um einen Streitwert in u.g. Höhe geht?

Zu den AGB: Ich habe diese vor allem im Kontext mit dem Verweis auf den alternativen börslichen Handel verstanden.
Jedoch hat der außerbörsliche Direkthandel i.d.R. wesentlich längere Öffnungszeiten als die Börsen, vor allem abends bis 22 Uhr und eben an speziellen Tagen, wie in meinem Fall dem Bewertungstag des Optionsscheins.
Somit ist der außerbörsliche Handel, wenn man an Tagesrandzeiten und kurz vor Ende der Laufzeit handeln will, alternativlos und man ist gerade beim Handel mit solch hochspekulativen Produkten auf einen Zugangsweg angewiesen.

Aktuell ist mir ein Verlust von 575 Euro entstanden (Anschaffungspreis abzgl. Restwert). Wäre der Handel möglich gewesen, so hätte ich einen Gewinn von 2100 Euro gemacht. (Verkaufserlös abzgl. Anschaffungspreis)
(Hätte ich im Direkthandel nicht exakt den o.g. Kurs i.H.v. 1,00 Euro "erwischt", so wäre der Gewinn geringfügig niedriger, mit Sicherheit hätte ich aber einen Preis von deutlich über 0,90 Euro pro Stück angeboten bekommen, dies dokumentiert auch mein Screenshot.)

Der Schlichtungsspruch im Ombudsmannverfahren erfolgte übrigens Ende Mai dieses Jahrs mit der Bitte, mitzuteilen, ob ich ihn annehme, ich habe ihn abgelehnt, daraufhin erfolge ca. einen weiteren Monat später die
abschließende Meldung, dass das Verfahren nun zu Ende ist. Ich hoffe, da nun Ende August ist, noch keine Fristen versäumt zu haben? (Diese Frage ist wohl eher eine neue Frage als eine reine Verständnisfrage,
insofern verstehe ich, wenn sie diese hier nicht beantworten wollen).

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 28.08.2020 | 19:32

Mal auf den Punkt gebracht:

Die Ansätze von mir haben Sie erst einmal verstanden, so daß ich hierauf nicht weiter eingehen möchte. Offen scheint die Klage nur daher zu sein, weil sie zuletzt neben der Würdigung der Rechtslage auch eine Beweisfrage impliziert, die jeder Richter anders bewerten kann.

Bei einem Verlust und entgangenem Gewinn reden wir hier über noch überschaubare Prozesskosten,
da der Streitwert hier wohl bis zu 2.000 Euro angesetzt werden könnte.

Ich gehe davon aus, daß Sie keine Rechtsschutzversicherung haben. Insoweit müsste der Verlierer nach einer Instanz mit Gerichtskosten und Anwaltskosten beider Seiten mit ca. 1.200 Euro rechnen.

Ich stünde per Email zur Verfügung, wenn hier noch Handlungsbedarf bestehen würde.

MFG
Fricke

ANTWORT VON

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