Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Schaden an einem Mietwagen - Kostenrechnung rechtmäßig?

| 18.06.2013 08:44 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Hallo,

meiner Autovermietung habe ich einen Mietwagen zurückgegeben, der einen geringfügigen Schaden an der Stoßstange aufweist. Die Autovermietung hat zunächst den Schaden durch den TÜV schätzen lassen. Die Schätzung erfolgte auf Grundlage von Schadenbeschreibungen und Schadenbilder, die die Autovermietung zur Verfügung gestellt hat, also ohne dass der Sachverständige den Wagen in Augenschein genommen hat. Weiterhin enthält der Bericht des Sachverständigen den expliziten Passus, dass dieses „Dokument nicht als Gutachtenersatz zu betrachten" sei.

Daraufhin hat die Versicherung den Schaden bei einer Partnerwerkstatt beseitigen lassen. Die tatsächlich angefallenen Kosten der Schadenbeseitigung liegen offenbar weit unter denen, die mir in Rechnung gestellt wurden, weil die Vermietung sich weigert, diese offenzulegen bzw. die Rechnung vorzuweisen.

Meine Frage ist daher,

a) darf die Autoversicherung höhere Kosten in Rechnung stellen, als tatsächlich durch die Reparatur entstanden sind, und
b) wenn ja, reicht dafür eine Kalkulation des TÜV, bei der das Fahrzeug nicht in Augenschein genommen wurde und die ausdrücklich nicht als Gutachtenersatz zu betrachten ist.

Freundliche Grüße

Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Frage a) kann grundsätzlich mit ja beantwortet werden: Ist ein Kraftfahrzeug bei einem Unfall beschädigt worden, so kann der Geschädigte von dem ersatzpflichtigen Schädiger statt der Herstellung durch diesen (§ 249 Satz 1 BGB ) den zur Herstellung erforderlichen Geldbetrag für eine von ihm selbst veranlasste Reparatur verlangen (§ 249 Satz 2 BGB ). Dieser Geldbetrag bemisst sich danach, was vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Eigentümers in der Lage des Geschädigten für die Instandsetzung des Fahrzeugs zweckmäßig und angemessen erscheint. Der Geschädigte muss daher grundsätzlich nicht den Nachweis erbringen, auf welche Weise und in welchem Umfang die Reparatur durchgeführt worden ist, sondern kann auf ein Schätzgutachten eines Kfz-Sachverständigen verweisen. Dieses ist, solange nicht Anhaltspunkte für gravierende Mängel bestehen, ungeachtet des Bestreitens der Beklagten für den Tatrichter eine ausreichende Grundlage, den Schaden nach § 287 ZPO zu schätzen (ausführlich hierzu Bundesgerichtshof, Urteil vom 20.06.1989 - VI ZR 334/88 ).

Dies wird u.a. damit begründet, dass ein tatsächlich niedrigerer Reparaturaufwand - außer auf einer einfacheren Durchführungsart - auch auf einem besonderen Verhandlungsgeschick oder einer besonders aufwändigen Suche nach preiswerten Anbietern beruhen kann. Hierzu ist der Geschädigte nicht von Rechts wegen im Interesse des Schädigers verpflichtet, so dass die erzielte Einsparung nicht diesen entlasten darf, sondern dem Geschädigten verbleiben muss
Etwas anderes kann aber dann gelten, wenn sich der tatsächlich aufgewendete Preis als bessere Erkenntnisquelle für den zur Schadensbeseitigung "erforderlichen" Aufwand herausgestellt hat als die vorangegangene Ermittlung des Sachverständigen, sei es das Letztere zu grob geschätzt war oder dass sie durch einen zwischenzeitlichen Preisverfall überholt worden ist (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 24. Februar 2011 • Az. I-5 U 17/10 ). Daher legt ein Schätzungsgutachten den zu beanspruchenden Schadensersatz für die Reparatur des beschädigten Kraftfahrzeugs auch nicht bindend fest. Insbesondere ist es dem Schädiger unbenommen, durch substantiierte Einwände die Annahmen des Sachverständigen in Einzelpunkten in Zweifel zu ziehen. Vor allem für umfangreichere Schäden wird häufig erst die Reparaturrechnung der Werkstatt zureichende Auskunft über den nach § 249 Satz 2 BGB erforderlichen Reparaturkostenaufwand geben. Die so belegten tatsächlichen Aufwendungen sind im Allgemeinen ein aussagekräftigeres Indiz für die Erforderlichkeit, so der Bundesgerichtshof in dem oben bereits zitierten Urteil.

Zu Frage b) ist daher zu sagen, dass die oberflächliche Schätzung des TÜV ohne Inaugenscheinnahme als Schätzungsgrundlage nicht ausreichen dürfte, zumal Indizien dafür bestehen, dass die tatsächlich entstandenen Reparaturkosten deutlich geringer ausgefallen sind. Die Schätzung kann daher von Ihnen in Zweifel gezogen werden, wobei Ihre Einwände gegen den geschätzten Betrag so konkret wie möglich erfolgen sollten.


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 18.06.2013 | 11:26

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

FRAGESTELLER 18.06.2013 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 76761 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Hilft mir sehr weiter, vielen Dank ! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antwort kam zeitnah und war verständlich verfasst. Sehr zu empfehlen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Zuerst ging es etwas aneinander vorbei. In der Nachfrage wurde dann gut und ausführlich meine Frage beantwortet.. Danke. ...
FRAGESTELLER