Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Rückwirkender Urlaubsanspruch bei Tagesverträgen


01.08.2007 20:03 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Student und habe im Zeitraum September 2005 bis einschließlich März 2007 in einem Unternehmen als studentische Aushilfe gearbeitet. Das Arbeitsverhältnis lief auf der Basis von sogenannten "Tagesverträgen" ohne jeglichen Urlaubsanspruch, Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Krankheitsbedingte Ausfälle wurden ebenfalls nicht bezahlt. Ich habe im gesamten Zeitraum jeden einzelnen Monat in diesem Unternehmen gearbeitet. Die Arbeitszeiten variierten i.d.R. zwischen 10 Stunden und 40 Stunden pro Woche. Es gab wenige einzelne Wochen, in denen ich nicht gearbeitet habe.
Die Bezahlung erfolgte (wie auch bei Jobs mit richtigem Vertrag) auf Lohnsteuerkarte (Klasse 1) mit festgelegtem Stundenlohn. Es wurden aber nur die tatsächlich geleisteten Stunden vergütet. Abrechnungen für den gesamten Zeitraum liegen vor.
So habe ich an das Unternehmen eine Schadensersatzforderung in Höhe des nicht bezahlten Urlaubs (auf Basis des BUrlG) gestellt. (Das Unternehmen verfügt über eine Rechtsabteilung). Das Unternehmen bietet mir nun eine sogenannte "Urlaubsabgeltung" in etwa der Höhe der Hälfte des geforderten Betrages an.

Meine Frage: Soll ich dieses Angebot annehmen und auf weitere Ansprüche verzichten? Oder ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß vor Gericht den gesamten Betrag (in vierstelliger Höhe) zugesprochen zu bekommen?

Für Ihre Hilfe bedanke ich mich im Voraus!

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Ratsuchender,


über die Erfolgsaussichten einer Klage vor dem Arbeitsgericht kann ich Ihnen an dieser Stelle nur eine vorläufige Einschätzung anhand der von Ihnen übermittelten Informationen geben:

Die Voraussetzungen für einen Urlaubsanspruch für den Zeitraum Ihrer Tätigkeit bei dem Unternehmen sind wohl erfüllt. Denn trotz des rein formalen Abschlusses von Tagesverträgen hat sich hier meines Erachtens schon ein auf Dauer angelegtes Arbeitsverhältnis herausgebildet. Dies müssten Sie im Streitfall entsprechend dokumentieren und belegen können.
Außerdem sind Tagesverträge ohne Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in der Regel schon nicht zulässig, so dass sich auch hieraus ein unbefristetes Arbeitsverhältnis begründen lässt.

Die Gewährung von Naturalurlaub ist aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr möglich.
Damit eröffnet sich für die Zeit ab Januar 2007 ein Anspruch auf Urlaubsabgeltung nach § 7 Abs. 4 BUrlG.

Für die Zeit ab September 2005 bis Ende 2006 kommt dagegen wegen des Ablaufs des möglichen Übertragungszeitraums in § 7 Abs. 3 Satz 3 BUrlG (nur) ein Schadensersatzanspruch in Betracht.

Anspruchsgrundlage ist § 280 Abs. 1 BGB.
Hierfür müssen Sie ein Verschulden des Arbeitgebers nachweisen. Da Sie der Arbeitgeber der Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, bewusst durch die vertragliche Gestaltung beraubt hat, obwohl er nach den gesetzlichen Vorschriften hierzu verpflichtet gewesen wäre, dürfte dies aber auch zu bejahen sein.

Dies alles spricht insgesamt eher dafür, den Vergleich abzulehnen.
Allerdings weiß ich nicht, inwieweit Ihre Forderung der Höhe nach realistisch ist. Maßgeblich wäre hier die durchschnittliche jährliche und wöchentliche Arbeitszeit und die Verteilung der Arbeitszeit auf die Woche, aufgrund derer sich der Umfang des Urlaubsanspruchs und des (entgangenen) Arbeitsentgelts ermitteln lässt.
Außerdem müssen Sie bedenken, dass Sie bei einem Arbeitsgerichtsprozess die Kosten einer eigenen anwaltlichen Vertretung (die ich hier empfehle) gemäß § 12a Abs. 4 ArbGG nicht erstattet bekommen, auch wenn Sie vollumfänglich in dem Rechtsstreit obsiegen.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine Entscheidungshilfe an die Hand geben. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 02.08.2007 | 09:55

Vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Dies hilft mir schon. Die geforderte Höhe des Schadensersatzes habe ich schon entsprechend des BUrlG berechnet. Insofern ist diese realistisch. Ich habe allerdings keine Vorstellung, wie hoch die Anwaltskosten im Falle einer Klage wären. Könnten Sie mir vielleicht noch einen ungefähren Rahmen der für mich entstehenden Kosten einer Rechtsvertretung nennen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.08.2007 | 10:21

Sehr geehrter Ratsuchender,

liegt der Streitwert beispielsweise zwischen € 2.000 und € 2.500, so betragen die Gerichtskosten im Arbeitsgerichtsprozess € 162 und die Kosten einer anwaltlichen Vertretung mit mündlicher Verhandlung in der Regel € 502,78, und wenn dort ein Vergleich geschlossen wird, sind es € 694,37 (jeweils inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer).

Der Streitwert bemisst sich nach dem von Ihnen in der Klage geforderten Betrag.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 01.08.2007 | 21:43

Sehr geehrter Ratsuchender,

im letzten Absatz meiner Antwort muss es lauten: § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG, nicht Abs. 4.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER