Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Reverse Charge bei Google Adwords / Deutschland <-> Schweiz

| 28.10.2009 14:14 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Ich bin Inhaber einer IT-Firma in Deutschland, die Google-Werbung, sog. Google Adwords, bucht (die bezahlten Werbeanzeigen neben den Suchergebnissen).

Der Vertrag über diese Werbe-Dienstleistung wird zwischen der Google Ireland Limited , Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland, und meiner Firma geschlossen.

Die Werbeanzeigen werden bei Suchanfragen aus dem deutschsprachigen Raum geschaltet (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Die Bezahlung erfolgt von meiner Firma per Kreditkarte, Lastschrift oder Überweisung.

Die Abrechnung der Umsatzsteuer erfolgt wie folgt (Zitat aus den Anmeldeseiten von Google Adwords):

"Während der Anmeldung werden Sie gefragt, ob Ihr AdWords-Konto für geschäftliche Zwecke verwendet wird. Dies bedeutet, dass Sie mit Ihren Anzeigen einen wirtschaftlichen Gewinn erzielen möchten (was in der Regel der Fall ist).

Bei Auswahl von "Nein" wird Ihr Konto als privates Konto betrachtet. Gemäß der irischen Gesetzgebung wird für derartige Konten automatisch eine Mehrwertsteuer berechnet. Der irische Steuersatz liegt hier bei 21 Prozent.

Bei Auswahl von "Ja" wird Ihr Konto als Geschäftskonto betrachtet. In diesem Fall sind Sie für die Selbstveranlagung und Zahlung der Mehrwertsteuer zu dem in Ihrem EU-Mitgliedsland geltenden Steuersatz selbst verantwortlich.

[...]

Sie sind in diesem Fall selbst verantwortlich, Mehrwertsteuer auf Ihre AdWords-Werbekosten zu der in Ihrem EU-Mitgliedsland geltenden Steuerrate zu zahlen. Falls Sie hierzu Hilfe benötigen, setzen Sie sich mit der Steuerbehörde in Ihrem Land in Verbindung."

Ich bezahle über meine Firma also lediglich die Netto-Beiträge an Google und muß die deutsche Umsatzsteuer (19%) auf diese Beträge an das deutsche Finanzamt entrichten.

Ich lasse bereits meine "Adwords" durch eine Firma in der Schweiz bearbeiten, d.h. diese nimmt für mich die Planung der Werbekampagnen etc. vor.

Ist folgende Konstellation möglich, die mir nun angeboten wurde:

Die Schweizer Firma bucht für mich die Adwords und stellt mir diese in Rechnung.
Damit würde lediglich der Schweizer Steuersatz i.H.v. 7,6% anfallen, statt des deutschen Steuersatzes i.H.v. 19%.



28.10.2009 | 16:21

Antwort

von


(1394)
Hochwaldstraße 16
61231 Bad Nauheim
Tel: 069/59776801
Tel: 0176/61732353
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

Die Inanspruchnahme für die Umsatzsteuer erfolgt hier auf Grundlage des § 13 b Abs. 2 UStG . Sie werden dabei als Leistungsempfänger für die Umsatzsteuer gemäß § 13 b Abs. 2 UStG in Anspruch genommen.

Ein Unternehmer schuldet gemäß § 13 b Abs. 2 i. V. m. Abs. 1 Nr.1 UStG die auf die von einem im Ausland ansässigen Unternehmer erbrachten, steuerpflichtigen Umsätze aus Werklieferungen und sonstigen Leistungen entfallene Steuer, wenn er Empfänger dieser Leistungen ist (sog. Reverse-Charge-Verfahren).

Eine sonstige Leistung liegt hier in der Schaltung von Werbeanzeigen vor. Sonstige Leistungen sind nach <a href="http://dejure.org/gesetze/UStG/3.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 3 UStG: Lieferung, sonstige Leistung">§ 3 Abs. 9 UStG</a> alle Leistungen, die keine Lieferungen sind. Dem entspricht die gemeinschaftsrechtliche Regelung in Art. 6 Abs. 1 der 6. EG-Richtlinie (nunmehr Art. 24 Abs. 1 MwStSystRL), wonach als "Dienstleistung" jeder Umsatz gilt, der keine Lieferung von Gegenständen ist.

Diese in Deutschland umsatzsteuerpflichtigen sonstigen Leistungen werden von einem im Ausland ansässigen Unternehmen erbracht, § 13 b Abs. 4 S. 1 UStG .
FG, URTEIL vom 04.12.2008 - <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=5%20K%2032/07" target="_blank" class="djo_link" title="FG Hamburg, 04.12.2008 - 5 K 32/07: Umsatzsteuer: Reverse-Charge-Verfahren">5 K 32/07</a> . (Nichtzulassungsbeschwerde wurde eingelegt)

Soweit sich der Leistungsempfänger nunmehr und ausschließlich in der Schweiz befindet, unterfällt dieser auch den umsatzsteuerlichen Regelungen der Schweiz, was dann auch zu den Anwendung des schweizerischen Umsatzsteuersatzes führt.

Die Weiterbelastung der in der Schweiz erbrachten sonstigen Leistung unterliegt nicht den deutschen umsatzsteuerlichen Regelungen, wenn der Ort der sonstigen Leistung ebenfalls die Schweiz ist, § 3 a Abs. 1 UStG .

Eine Weiterverlagerung des Ortes der Leistung nach Deutschland gem. § 3a Abs. 3ff UStG ist nicht ersichtlich.

Diese sonstige Leistung ist daher nicht in Deutschland steuerbar.

Demnach ist aufgrund Ihrer Darstellung die angedachte Konstellation denkbar.

Ich hoffe Ihnen einen ersten hilfreichen Überblick verschafft zu haben. Im Rahmen der kostenlosen Nachfragemöglichkeit oder für eine anschließenden Beratung stehe ich Ihnen weiterhin zur Verfügung.

Mit besten Grüßen


Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA

Rückfrage vom Fragesteller 30.10.2009 | 09:42

Vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort.

Sie schreiben:

"Soweit sich der Leistungsempfänger nunmehr und ausschließlich in der Schweiz befindet, unterfällt dieser auch den umsatzsteuerlichen Regelungen der Schweiz, was dann auch zu den Anwendung des schweizerischen Umsatzsteuersatzes führt."

1.) Der Leistungsempfänger wäre in diesem Fall die Schweizer Firma, die diese Leistung (mit einem Preisaufschlag) weiterberechnet und "ausbaut", indem sie die Werbekampagnen managed, die Abrechnung mit Google übernimmt etc. Letztendlich zielt die Werbung aber natürlich auf Angebote der deutschen Firma ab.
Ändert dies etwas an Ihrer Beurteilung?


Sie schreiben weiterhin:

"Die Weiterbelastung der in der Schweiz erbrachten sonstigen Leistung unterliegt nicht den deutschen umsatzsteuerlichen Regelungen, wenn der Ort der sonstigen Leistung ebenfalls die Schweiz ist, § 3 a Abs. 1 UStG ."

2.) Die Leistung wird nicht ausdrücklich "in der Schweiz erbracht" - die Leistung besteht in der Auslieferung, also der Einblendung, von Werbeanzeigen neben den Google-Suchergebnissen. Google hat seine Server weltweit plaziert; wo exakt diese Leistung also technisch ausgeführt wird, ist nicht nachvollziehbar. Die Anzeigen sind für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sichtbar.
Ändert dies etwas an Ihrer Beurteilung?

3.) Wäre dies theoretisch auch möglich, wenn man eine eigene (Tochter-)Firma in der Schweiz gründen würde, die exakt diese Dienstleistung ausführt?

Sollte dies die kostenlose Nachfrage überschreiten, geben Sie bitte bescheid; dann erteilen wir Ihnen direkt einen weiteren Auftrag.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 31.10.2009 | 10:53

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Nachfrage beantworte ich wie folgt:

Zu 1
Nein dies ändert an der Beurteilung nichts, da die Tätigkeit (Schaltung der Werbeanzeigen) in der Schweiz erbracht wird. Wo die Werbung im Ergebnis dann abrufbar ist, ist hierbei nicht entscheidend für die Feststellung, wo die eigentliche Tätigkeit ausgeübt wird und die Geschäftsleitung Ihren Sitz hat.

zu 2
Maßgebend ist auch hier, die Tätigkeit in der Schweiz durch das Akquirieren von Kunden und Schalten entsprechender Anzeigen bei google. Das die eigentlichen Anzeigen dann auf einem Server bei google gespeichert werden, wo sie dann jeweils eingeblendet werden, ist dann nicht mehr als die Leistung der schweizer Firma zu beurteilen. Die Leistung des schweizerischen Unternehmens liegt hier im Vertrieb und der Buchung der Werbeanzeigen für die Kunden.

Zu 3
Die Aufgaben könnten auch durch eine noch zu gründende Tochtergesellschaft in der Schweiz erbracht werden. Neben der umsatzsteuerrechtlichen Problematik, wären hier bei der Konstellation einer Mutter-Tochtergesellschaft auch ertragssteuerliche Gesichtspunkte zu beachten.

Ich hoffe ich konnte Ihre Nachfragen beantworten.

Beste Grüße

Bewertung des Fragestellers 30.10.2009 | 09:43

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 30.10.2009
5/5,0

ANTWORT VON

(1394)

Hochwaldstraße 16
61231 Bad Nauheim
Tel: 069/59776801
Tel: 0176/61732353
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Wirtschaftsrecht, Vertragsrecht, Kreditrecht, Kaufrecht