Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Reparatur eines Deckenbalkens in einer Wohneigentumsgemeinschaft

| 13.05.2013 11:48 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwältin Anja Merkel, LL.M.


Zusammenfassung: Die Einordnung von Fußböden und Wände zum Gemeinschaftseigentum oder Sondereigentum erfolgt nach § 1 Abs.5 i.V.m. § 5 Abs.2 WEG. Danach sind Teile des Gebäudes, die für dessen Bestand oder Sicherheit erforderlich sind, nicht Sondereigentum der Wohnung sondern Gemeinschaftseigentum.

Ich habe im März 2013 eine Eigentumswohnung in einem Altbau erworben, die ich selbst beziehen möchte. Bei den Renovierungsmassnahmen zeigte sich im Bad ein Fussbodenbalken (im Fachjargon Deckenbalken) stark beschädigt. Der von der Hausverwaltung eingesetzte Holzgutachter stellte fest, dass die Schädigung vor längerer Zeit durch einen Feuchtigkeitspilz entstand, der inzwischen abgestorben ist und am betroffenen Balken keine weiteren Schädigungen mehr verursacht. Um jedoch beurteilen zu können, ob der nächst folgende Balken in ähnlicher Form betroffen sein könnte, ordnete der Gutachter eine Entfernung der Trennwand zwischen Bad und Küche sowie der entsprechenden Fussbodendielen an. Dies wurde durchgeführt und die Untersuchung mit Labortest ergab keine Schädigung des betreffenden Balken.
Kritisch ist in diesem Zusammenhang auch der Zustand der am Bad angrenzenden Trennwand zur Nachbarwohnung. Aufgrund des Feuchtigkeitspilzes ist der Unterbau dieser Wand so stark beschädigt, dass sie bereits einen Senkungsriss aufweist. Ein von der Hausverwaltung eingesetzter Statiker empfiehlt die Wand zu entfernen und von Grund auf neu aufzubauen.
Für die Ausführungen aller Massnahmen, die nun im Rahmen der Reparatur des betroffenen Deckenbalkens notwendig sind, liegen 3 Angebote vor, die sich zwischen ca. 16.000 € und 17.000 € belaufen.
Meine Frage ist: werden diese Kosten gesamt von der Wohneigentumsgemeinschaft getragen? In einer Rundmail einiger Mitglieder der WEG wurde eine Aussage der Hausverwaltung zitiert, wonach die Wände und der Fussboden Sondereigentum seien und deshalb deren Erneuerungskosten aufgrund "alt gegen neu" vom Wohnungseigentümer zu tragen seien. Die WEG trage nur die Reparaturkosten am Balken selbst. Stimmt das?
Ein weiteres Problem für mich ist, dass sich durch den Schaden am Deckenbalken und seine anstehende Reparatur bereits eine Verzögerung meiner Renovierungsarbeiten von 2 Monaten ergeben hat. Es wäre dringend angebracht, dass auf der Versammlung der WEG über die Vergabe an eine Baufirma entschieden wird, damit nicht noch weitere Verzögerungen eintreten. Die Firma, die bereits die Renovierungsarbeiten in meiner Wohnung durchführt, hat ein Angebot abgegeben, das preislich in der Mitte liegt. Ich wäre bereit, die Differenz zum niedrigsten Angebot selbst zu übernehmen, um die Bauausführungen "in einer Hand" zu belassen, zeitlich keine weiteren Verzögerungen in Kauf nehmen zu müssen und ein mögliches Chaos in meiner Wohnung durch zwei gleichzeitig arbeitende Baufirmen zu vermeiden.
Wie sollte ich mich diesbezüglich in der für morgen (14.05.) einberufenen Sonderversammlung der WEG verhalten?

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst möchte ich Sie darauf hinweisen, dass dieses Forum eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern vor allem dafür gedacht ist, eine erste rechtliche Einschätzung zu ermöglichen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen könnte die rechtliche Beurteilung Ihres Anliegens anders ausfallen. Ihre Fragen beantworte ich hinsichtlich Ihrer Angaben und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes folgendermaßen.


1. Meine Frage ist: werden diese Kosten gesamt von der Wohneigentumsgemeinschaft getragen? In einer Rundmail einiger Mitglieder der WEG wurde eine Aussage der Hausverwaltung zitiert, wonach die Wände und der Fussboden Sondereigentum seien und deshalb deren Erneuerungskosten aufgrund "alt gegen neu" vom Wohnungseigentümer zu tragen seien. Die WEG trage nur die Reparaturkosten am Balken selbst. Stimmt das?

Die Einordnung von Fußböden und Wände zum Gemeinschaftseigentum oder Sondereigentum erfolgt nach § 1 Abs.5 i.V.m. § 5 Abs.2 WEG. Danach sind Teile des Gebäudes, die für dessen Bestand oder Sicherheit erforderlich sind, nicht Sondereigentum der Wohnung sondern Gemeinschaftseigentum.


a) Fußböden:
Fußböden gehören zum Gemeinschaftseigentum, da es sich um tragende Elemente des gesamten Gebäudes handelt und damit für den Bestand und die Sicherheit erforderlich sind. Zum Sondereigentum der Wohnung gehört jedoch der Fußbodenbelag, also Fliesen, Parkett, Laminat, Teppiche etc.
Insofern ist der gesamte Fußbodenaufbau Gemeinschaftseigentum, nicht jedoch der Fußbodenbelag. Die Kosten für den Fußbodenbelag sind von Ihnen zu tragen.


b) Wand:
Alle tragenden Mauern und Wände, die der Stabilität des gesamten Gebäudes dienen, gehören zum Gemeinschaftseigentum. Nicht tragende Wände, die sich ausschließlich innerhalb einer einzelnen Wohnung befinden, gehören zum jeweiligen Sondereigentum dieser Wohnung. Nicht tragende Wände, die zwei unterschiedliche Wohnungen voneinander abgrenzen gehören zum Sondereigentum dieser beiden Wohnungen. In jedem Fall gehören Wandverkleidungen wie z.B. Putz, Holz, Tapeten, Kacheln zum Sondereigentum der jeweiligen Wohnung.

Hier kommt es also zunächst darauf an, ob es eine tragende Wand ist. Wenn ja, so bezahlen Sie nur die zu ersetzende Wandverkleidung. Wenn nein, so tragen Sie und der Nachbar die Wandkosten und Sie die Ihrer Wandverkleidung komplett.



2. Wie sollte ich mich diesbezüglich in der für morgen (14.05.) einberufenen Sonderversammlung der WEG verhalten?
Zunächst einmal sollte klar sein, welche Kosten von Ihnen und/oder Ihrem Nachbarn und welche Kosten von der Gemeinschaft zu tragen sind. Ihren Vorschlag können Sie im Rahmen der Versammlung einbringen. Jedoch sollte klar festgelegt sein, dass es trotz Ihrer Differenzzahlung es um Bauleistungen am Sondereigentum geht und Sie keine möglicherweise darüber hinausgehenden Kosten anteilig tragen. Ihr Vorschlag muss im Rahmen der Mitgliederversammlung auch noch angenommen werden. Ob dies der Fall sein wird, kann hier nicht beantwortet werden.

Insgesamt sollten Sie sich vorher mit den Firmen absprechen, ob diese nicht im Zusammenspiel in einem zeitlich zügigen Rahmen die Arbeiten ausführen können.


Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.

Beste Grüße

Anja Merkel, LL.M.
Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 13.05.2013 | 13:50

Die Entfernung der Wand Küche/Bad wurde durch den Gutachter, der im Auftrag der Hausverwaltung agierte, zur Feststellung des Gesamtschadens veranlasst und der Abriss der Trennwand zur Nachbarwohnung ist eine direkte Folge des schadhaften Deckenbalkens und wird vom Statiker als notwendig erachtet. Müssen diese Kosten, die direkt im Zusammenhang mit der zwingenden Reparatur des Deckenbalkens stehen und ansonsten nicht angefallen wären, nicht auf jeden Fall von der WEG getragen werden, unabhängig davon ob es sich um tragende Wände handelt?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.05.2013 | 14:19

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Wird dabei der Instandsetzung von Gemeinschaftseigentum auch Sondereigentum beschädigt, so sind die Kosten der Wiederherstellung mit von der Gemeinschaft zu tragen.

Entsteht Ihnen durch die Reparatur ein Schaden, so wäre dieser ebenfalls von der Gemeinschaft zu tragen, vgl. § 14 Nr.4 WEG.

Im Ergebnis werden Sie kaum oder keine Kosten durch die Instandsetzung zu erwarten haben.

Bewertung des Fragestellers 13.05.2013 | 15:53

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?