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Remote arbeiten bei US-Firma: Selbständig/Freiberuflich/Angestellt?

| 28.10.2013 15:06 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Hallo,

ich würde gerne demnächst für eine US Firma von Deutschland aus als "Independent Contractor" im Bereich Software Engineering arbeiten.
Mein Aufgabengebiet ist zwar mit denen der festangestellten Mitarbeiter identisch und ein im Vertrag festgelegter Lohn soll monatlich gezahlt werden, der Vertrag ist jedoch ein "Consulting Agreement" und ich muss monatlich eine Rechnung stellen.

Es liegt also scheinbar keine "echte" Selbständigkeit vor. Der Auftrags-/Arbeitsgeber bevorzugt die Einstellung aus "Independent Contractor" wegen der einfacheren Rechtlage.

Ich möchte wissen, in welcher Rechtform ich das Angebot wahrnehmen kann/sollte.

D.h:
- Muss ich mich, wie der Vertrag nahe legt, Freiberuflich oder Selbständig machen?
- Handelt es sich dabei nicht um eine Scheinselbständigkeit?
-- Ist die Frage ob Scheinselbständig oder nicht überhaupt relevant, wenn ich bei einem US-Unternehmen angestellt bin und ohnehin alle Lohnnebenkosten selber tragen muss?
- Oder sollte ich mich als regulär Beschäftigter eines ausländischen Unternehmens beim Finanzamt melden?
- Wenn beide Optionen in Frage kommen, welche Vor- und Nachteile gibt es?


Einsatz editiert am 28.10.2013 15:14:10

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich im Rahmen einer Erstberatung, des gebotenen Einsatzes und aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt beantworten möchte:

Grundsätzlich gilt:

Die Frage "muss ich mich selbständig machen" ist etwas schwierig gestellt: Man "macht" sich nicht selbständig. Dies ist man, oder man ist es nicht.

Ob man selbständig oder unselbständig ist, hängt von den Rahmenbedingungen ab, innerhalb derer man seine Tätigkeit ausübt.

Ist man hinsichtlich Zeit, Ort und Art der Tätigkeit weisungsabhängig, ist man im Zweifel Arbeitgeber, ist man im Wesentlich frei in der Gestaltung seiner Tätigkeit, ist man selbständig.

Einfacher für den Arbeitgeber ist letzteres. Der Arbeitgeber spart die Lohnnebenkosten und die gesamte Personalverwaltung. Der freie Mitarbeiter stellt eine Rechnung, der Auftragnehmer zahlt diese, ohne die Pflichten eines Arbeitgebers zu haben.

Um zu verhindern, dass ein Unternehmen dies ausnützt und seine Pflichten als Arbeitgeber umgeht, gilt, dass unabhängig von der vertraglichen Vereinbarung objektiv durch die Rentenversicherungsträger bestimmt wird, ob es sich um eine unselbständige Tätigkeit oder eine selbständige Tätigkeit handelt.

In Ihrem Falle kann mangels Angaben im Sachverhalt, wie genau Ihre Tätigkeit im Einzelnen festgelegt ist und wie weisungsabhängig sie beschäftigt werden, nicht klar definiert werden, ob eine Scheinselbstäbndigkeit vorläge oder nicht.

Ich gehe einmal davon aus, dass Ihr Arbeitgeber hier keine Niederlassung oder ähnliches hat, bei der Sie arbeiten würden. Ich gehe weiter davon aus, dass Sie im wesentlichen frei sind, Arbeitszeit und Ort in Deutschland frei zu wählen.

Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Probleme mit einer Scheinselbständigkeit.

Insgesamt halt ich es auch auf den ersten Blick für sinnvoll, selbstsändig für das Unternehmen tätig zu werden.

Natürlich hätten Sie als Arbeitnehmer wesentlich mehr Rechte. Diese müssten allerdings auch bei dem amerikanischen Unternehmen durchgesetzt werden. Ist dies kein größeres Unternehmen mit zumindest einer Niederlassung in Deutschland, dürfte die Wahrung Ihrer Arbeitnehmerrechte praktisch nur sehr schwer möglich sein.

Genauso siehr es mit der sozialversicherungsrechtlichen Thematik aus: Zwar wäre auch das ausländische Unternehmen verpflichtet, den Gesamtversicherungsbeitrag zu zahlen (<a href="http://dejure.org/gesetze/SGB_IV/28e.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 28e SGB IV: Zahlungspflicht, Vorschuss">§ 28e SGB IV</a> ), täte es dies aber nicht, stünden Sie gleichfalls in der Verpflichtung, <a href="http://dejure.org/gesetze/SGB_IV/28m.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 28m SGB IV: Sonderregelungen für bestimmte Personengruppen">§ 28m SGB IV</a> .

Am sichersten wäre damit, die Abwicklung direkt selber zu übernehmen.

Dies alles zeigt, dass eine selbstädnige Tätigkeit wesentlich unkomplizierter handzuhaben wäre.

Allerdings ist die Problematik der Scheinselbständigkeit dabei durchaus relevant, auch wenn Sie selber die Sozialabgaben und Steuern abführen müssen. Diese müssen Sie grundsätzlich eben abführen, wenn Sie faktisch unselbständig sind, und wenn Sie faktisch selbständig sind, eben grundsätzlich nicht.

Zusammenfassend also Folgendes:

Unter den hier gesetzten Prämissen (Weisungsunabhängigkeit hinsichtlich Ort und Zeit der Tätigkeit, Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland) empfehle ich, die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass Sie als Selbständiger handeln und auftreten.

Es sollte dabei einen klaren Arbeitsauftrag geben, der aber nicht Arbeitsvertrag ist, also Ihnen größtmögliche Unabhängigkeit sichert.

Sonst besteht tatsächlich die Gefahr einer Scheinselbständigkeit, die dazu führen würde, dass zwar grundsätzlich Ihr Arbeitgeber zu Zahlung der Lohnnebenkosten verpflichtet wäre, dadurch, dass es sich um ein amerikanisches Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland handelt sie aber im Zweifel dieselbe Verpflichtung trifft, ohne dass Sie ihre Ansprüche effizient gegen den Arbeitgeber durchsetzen könnten.

Die Selbständigkeit bietet hier klare Vorteile. Die Vorteile eines Arbeitsverhältnisses sind im Zweifel keine, da sie gegenüber dem amerikanischen Arbeitgeber nur schwer durchgesetzt werden können.

Bitte beachten Sie aber: Sie sollten sich diesbezüglich noch einmal eingehend beraten lassen. Es ist nicht möglich, in diesem Rahmen und ohne Kenntnis der konkreten Einzelheiten die für Sie optimale Gestaltung zu identifitieren. Gerade bei internationalen Sachverhalten kann aufgrund kleinster Änderungen im Sachverhalt die beste Lösung vollkommen anders ausfallen.

Es empfiehlt sich auch, sich bei der Erstellung der endültigen Vertragswerke (Arbeitsvertrag oder Auftrag) beraten zu lassen, um hier eine möglichst rechtssichere Gestaltung zu finden.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen einen ersten Überblick verschafft haben zu können, wie er im Rahmen einer Erstberatung möglich ist und bedanke mich nochmals für die Anfrage.

Bitte beachten Sie, dass diese Webseite lediglich dazu dient, Ihnen einen erste Einschätzung zur Rechtslage zu liefern. Eine ausführliche und persönliche Beratung soll und kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Außerdem kann das Fehlen oder Hinzufügen wesentlicher Angaben im Sachverhalt zu einer anderen rechtlichen Einschätzung führen.

Bei Nachfragen nutzen Sie unbedingt die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Baur<!--dejureok-->

Rückfrage vom Fragesteller 28.10.2013 | 17:28

Hallo Herr Baur,

wenn ich also "Weisungsunabhängigkeit hinsichtlich Ort und Zeit der Tätigkeit" in einem "Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland" arbeite, muss ich mir keine Sorgen über Scheinselbständigkeit machen, auch wenn das "Aufgabengebiet (..) mit denen der festangestellten Mitarbeiter identisch" ist, die monatliche Vergütung im Vertrag festgelegt ist und ich ausschliesslich für einen Auftraggeber arbeite?

Dies waren für mich die Gründe anzunehmen, dass eine Scheinselbständigkeit vorliegen würde.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 29.10.2013 | 08:59

Danke für die Nachfrage.

So pauschal lässt sich dass leider nicht sagen.

Es ist eine Geamtbetrachtung der Tätigkeit vorzunehmen. <a href="http://dejure.org/gesetze/SGB_IV/7.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 7 SGB IV: Beschäftigung">§ 7 SGB IV</a> gibt einen vagen Anhaltspunkt, was abhängige Beschäftigung ist:

"Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers."

Maßgeblich ist beispielsweise, ob die übernommene Tätigkeit unproblematisch durch Dritte übernommen werden kann. Wäre dies der Fall, deutete dies auf eine Selbstständigkeit hin. Beispiel: Die Arbeit an einem abgrenzbaren Projekt, dessen Bearbeitung leicht an Externe gegeben werden könnte.

Es ist deshalb nicht so, dass "Weisungsunabhängigkeit hinsichtlich Zeit und Ort" in jedem Fall Selbständigkeit bedeuten. Es sind aber gewichtige Argumente gegen eine Scheinselbstädndigkeit, da dann eine "Eingliederung" in den Betrieb des Arbeitgebers fraglich ist.

Sie können bei der Rentenversicherung übrigens verbindlich überprüfen lassen, wie Ihre geplante Tätigkeit dort eingeorndet würde. Informationen zu diesem sog. "Statusfeststellungsverfahren" finden Sie auf der Homepage der Rentenversicherung.

Beachten Sie abschließend noch: Das Thema Scheinselbständigkeit hätte in Ihrem Fall jedenfalls auf die Rentenversicherungspflicht wohl keine Auswirkung, da Sie wohl arbeitnehmerähnlicher Selbständiger wären. Für arbeitnehmerähnliche Selbständige ist nach <a href="http://dejure.org/gesetze/SGB_VI/2.html" target="_blank" class="djo_link" title="§ 2 SGB VI: Selbständig Tätige">§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI</a> die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht. Hierzu gehören Selbständige, die a) im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und b) auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind.

<!--dejureok-->

Bewertung des Fragestellers 29.10.2013 | 09:59

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