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Reitunfall Anfänger/ Grob Fahrlässig/ unterl.Hilfeleistg./ Verletzg.Sorgfaltspflicht?


01.02.2005 17:39 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Arnd-Martin Alpers



Hallo!
Am Donnerstag, 27.1.05 gegen 19.30 erschien ich wie vereinbart im Reitverein zu meiner ersten Reitstunde. Zwei Tage zuvor hatte ich mit dem dortigen Reitlehrer ein kurzes Gespräch, und daraufhin haben wir den Termin vereinbart. Ich habe ihm mehrfach gesagt dass ich absolute Anfängerin bin und u.A. auch in Sachen Pferdepflege (Satteln/Putzen) Anleitung bräuchte.
Hinzu kommt dass ich "schon" 30 Jahre alt bin und mich wohl aufgrund der Vorfreude auf den endlich realisierten Wunsch des Reitens etwas..nervös...verhalten hatte beim Vorgespräch am Dienstag.
Fakt ist: der Reitlehrer wusste, dass ich Anfängerin. Und genau das ist der Punkt.
Es waren 15 EUR für die Stunde vereinbart, allerdings hatte ich zu Beginn d. Stunde weder diese Gebühr bezahlt noch einen Aufnahmeantrag im Verein unterschrieben noch sonstwas, das wird wohl hinterher gemacht, das entzieht sich bis heute meiner Kenntnis.

Es ist eigentlich üblich, Anfänger mehrere Reitstunden lang erstmal zu longieren, d.h. keine Zügel, keine "Macht" über das Pferd, der Reitlehrer hat auf abgegrenztem Rondell stets sofort Zugriff auf das Tier usw. Es geht also "nach allgemein gültigen Regeln" keine Gefahr aus für den Reitschüler.

1. Es war 19.30 Uhr vereinbart, wie er mir als ich ankam sagte hatte er sich vertan und es wurde schliesslich 21 Uhr, trotz klirrender Kälte und einem dann recht abgeschafften Pferd

2. In der Reitstunde von 19.-20Uhr nahm der Reitlehrer einem Schüler das Pferd weg, welches ich später nehmen sollte (was ich danach erfuhr) und "züchtigte" es und ritt es sehr sehr grob, so dass das Pferd enorm mißlaunig und störrisch wurde.

3. ich bekam dann eben dies o.g. Pferd,ein sehr kräftiges Pferd welches schon seit mind. drei Stunden unter verschiedenen Schülern "gearbeitet" hatte und wie beschrieben nicht gerade Anfänger-geeignet war, zumindest an diesem Abend.

4. Als alle anderen Reiter die Halle verlassen hatten, wurde mir das Pferd am zügel in die Hand gedrückt vom Reitlehrer, mit den Worten ich solle mal kurz aufpassen er käm gleich wieder.
Sehr verwunderlich in meinen Augen, wie man einen Anfänger alleine mit einem erschöpften und mißgelaunten Großpferd stehen lassen kann ?!

5. Ich durfte mit Hilfe eines Stuhles aufsitzen, der Reitlehrer prüfte kurz die Steigbügel welche -ich habe mich persönlich davon überzeugt- auf Sohlenhöhe waren, d.h. viel zu lang eingestellt. Der Steigbügel sollte wie ich mir habe sagen lassen, auf Knöchelhöhe sein.
Der Reitlehrer ignorierte diese falsche Bügeleinstellung.

6. ohne mich auch nur ein paar Minuten auf dem Tier "einsitzen" zu dürfen sollte ich sofort im Schritt losreiten, wurde mit "Fachbegriffen" bombadiert und hatte keine Ahnung was der Reitlehrer eigentlich jetzt für Wunder von mir erwartet.
Als ich dies auch durch schüchterne Nachfragen deutlich machte, bekam ich keine großen Erklärungen, sondern das Pferd wurde vorn gezogen und lief somit los.
Es wurde mir nicht erklärt wie ich "lenke", "bremse", die Geschwindigkeit beeinflusse usw. In keinster Weise.
Lediglich wurde an meiner etwas offenbar unschönen Fersenhaltung herumgemeckert.

7. Ich sollte Schritt reiten, Ganze Bahn, Zirkel, dies und das und bekam als das nicht so klappte und das Pferd ständig andere Richtungen einschlug, zu hören dass ich mich gefälligst konzentrieren sollte.

8. Nach ca. 10 min (die ersten 10min überhaupt auf einem Pferd) meinte der Reitlehrer ich solle traben und wisse doch wie das geht. Ich sagte ihm klar dass ich es nicht weiß + kann.
Er erklärte mir im Stand wie ich bei jedem Takt aufstehen muss im Sattel und er musste (!) bemerken dass dies aufgrund der zu langen Steigbügel gar nicht möglich ist. Er ignorierte es.
Ich fragte ihn wie man denn antrabe, und er meinte nur: na mit schmackes antreiben. Also nahm ich meine Füße und...das Pferd trabte.
Es fiel mir enorm schwer mich oben zu halten ! Es war mir zu schnell und das Pferd hatte ich überhaupt nicht unter Kontrolle und der Reitlehrer war nicht mehr neben oder vor dem Pferd. Ab diesem Moment hatte er keinen Zugriff mehr auf das Tier oder mich und hätte meiner Meinung nach sofort eingreifen müssen.
Aber ich sah und hörte ihn nicht. Er kuckte wohl von weiter hinten zu.

9. Dann hab ich offenbar -in Unwissenheit- etwas falsch gemacht und das Pferd fing an zu galoppieren und wurde immer immer immer schneller so dass ich ausschließlich damit beschäftigt war oben sitzen zu bleiben. Mir war himmelangst!
Und es war kein Reitlehrer zu hören/sehen !
Irgendwann rief er "Durchparieren" (Was wohl Anhalten heissen soll) aber DAS wusste ich nicht denn er hatte mir das nie gezeigt, erklärt!
Und dann wurde das Pferd immer..rasender, keine Ahnung, es wusste ja auch nicht was nun los ist und dann raste es direkt auf die Bande + das Hallentor zu und ich prallte Frontal gegen die Bande, spürte den Aufprall und war ohnmächtig.
Ich wachte dann auf dem Boden liegend auf, alleine, niemand um mich herum. Mein Helm hatte wohl einiges abgefangen aber die Verletzungen waren und sind doch erheblich, ich konnte mich auch gar nicht gleich bewegen und blutete im Gesicht.
Für die "Zuschauer" (es waren vereinsmitglieder die ganze Zeit am zusehen gewesen, ältere Reiter, die aber zu keinem Zeitpunkt wollten einschreiten.....wohl eine eingeschworene Gemeinschaft und ich kenne auch keine Namen dieser Leute, war ja neu in dem Stall) war es dann irgendwann wohl "erforderlich" doch runter in die Halle zu kommen.

--> ich wurde mit den Worten "ist nicht so schlimm oder?" angesprochen, ich wurde weder gefragt ob ich einen Arzt / Krankenwagen will noch wie es mir geht, mir wurde hochgeholfen obwohl Wirbelverletzungen bei dem Aufprall nicht auszuschliessen waren und wurde in ein kleines Zimmer mit Couch verbracht, dort brachte man mir einen nassen (definitiv nicht sterilen) Lappen und ein kleines steriles Mull-Tuch.
Erste Hilfe - Fehlanzeige, sogar die Füße musste ich mir selber hochlegen.

Vor lauter Schmerzen überall wusste ich sowieso nicht so genau was um mich herum geschah.
Der Reitlehrer aber, war nirgends, kein Wort der Entshuldigung oder keine Frage was nun los ist oder so, nur ein Glas Cola brachte er..schwieg und hatte sein immerdar etwas "sadistisches" Grinsen im Gesicht, sorry, aber das war wirklich so.

irgendwann nach 20min fragte man mich ob der Vereinsarzt kucken soll und ich willigte ein und wer kam? ein pensionierter, älterer Herr, ehemals Dermatologe der den Abend über im Reiterstüble (Alkohol?!) saß. Zweifelsfrei war er sehr nett, doch seine Diagnose: Halb so schlimm, Kühlen das reicht.
In dem kleinen Raum hatten sich dann gut 10 Leute versammelt die mich anguggten und wirklich einen blöden Spruch nach dem anderen verzapften, eingeschworene Gemeinschaft halt!
Als ich dann meinen Mann anrufen wollte, weil mir wirklich nicht nach Autofahren zumute war, brauchten die sehr lange bis sie ein Telefon griffbereit hatten! In einem echten Notfall, was hätten die gemacht?!

Dann holte mich mein Mann, verbrachte mich nachdem ich dann wirklich in einem Schock zusammenbrach in die Klinik und dort blieb ich Donnerstag - Samstag und die Diagnose:
-schwere Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit
-Kieferprellung (Folgeschäden erst in ca. 6 Wochen beurteilbar)
-Platzwunde Ober- u. Unterlippe
-Nasenprellungen sowie -knorpelbrüche
-Rippenprellungen
-Oberschenkelprellungen
-schwere Prellungen d. unteren Rückens

Ich bin weiterhin Krankgeschrieben und kann ausschliesslich weiche Kost zu mir nehmen wegen dem Kiefer. dies wird noch einige Wochen andauern.
Ich habe bis heute (Dienstag abend) nichts vom Reitstall gehört, keine Nachfrage oder dergleichen.

Mein Anliegen: Ich will kein Schmerzensgeld oder sowas, ist mir nicht wichtig, ich möchte aber dass der Reitlehrer dies nicht einfach über seine Haftpflicht abrechnen kann weil er sich meines Erachtens nach mit

Grob Fahrlässigen Handlungen
unter Verletzung d. Sorgfaltspflicht
unterlassener Hilfeleistung

strafbar gemacht hat.
ich will auch nicht dass er in den Knast geht, oh nein. Ich möchte nur dass er dies niemand anderem mehr antun kann. Hätte ich nämlich durch mein Alter, meine Größe und mein Motorrad-Erfahrung sprich Sturz-kenntnisse nicht so reagiert, wie ich reagierte, dann wäre weitaus schlimmeres passiert.
Wenn er dies mit einem Kind so derart "veranstaltet", ist das Kind tot. Und das darf nicht passieren.
Der Reitlehrer ist erst seit 1.1. auf diesem Posten dort, also recht "frisch", er ist auch sehr jung, wie kann ich gegen ihn vorgehen? Meine Krankenkasse wird sich wohl eh an ihn wenden weil ich ihn als Unfallverursacher angeben werde, aber wie kann ich ihn "packen" ?
Können Sie mir raten? Ich will keine "billige" Rache, ich weiß dass reiten gefährlich sein kann und jammere auch nicht, aber, ich will dass dieser Mensch so nicht handeln kann! Es ist wirklich grob fahrlässig und jeder erfahrene Reiter dem ich hiervon erzähle, läuft es eiskalt den Rücken hinunter.

1. Wie müsste eine Anzeige formuliert werden bzw. wegen WAS genau ?
2.Wenn ich keine "eigenen" Zeugen habe was ist dann? Die Vereinsmitglieder...da kann ich wohl nicht drauf zählen...
3.Erfolgsaussichten ? Was kann ihn erwarten
4. Kosten die ich zu erwarten habe falls es nicht klappt (wir haben keine Rechtschutzvers.)


Ich schrieb sehr ausführlich, sorry, aber ich denke das ist notwendig um den ganzen Sachverhalt zu erfassen.
Ich danke schon mal herzlich !

Grüße
Heike G.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Anfrage möchte ich wie folgt beantworten:

1. Eine Strafanzeige kann grundsätzlich bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstattet werden. Zweckmäßig wäre hier eine schriftliche Strafanzeige, damit eine ausführliche Schilderung des Hergangs gewährleistet ist. Die Strafanzeige sollte sich auf alle nach ihrer Schilderung in Betracht kommenden Delikte beziehen. Gleichzeitig sollten Sie ausdrücklich Strafantrag stellen, so dass sich etwa folgende Formulierung empfiehlt: „Hiermit stelle ich Strafanzeige gegen... wegen aller in Betracht sich aus nachstehender Schilderung ergebender Delikte. Sofern es sich hierbei um Antragsdelikte handelt, stelle ich gleichzeitig Strafantrag.“ Da unter anderem die Verfolgung der einfachen und die fahrlässigen Körperverletzung einen Strafantrag voraussetzt, ist der Antrag gem. § 78b StGB von Ihnen innerhalb von 3 Monaten nach dem Vorfall zu stellen. Sollten Sie den Namen des Reitlehrers nicht kennen oder ermitteln können, richten Sie Ihre Strafanzeige einfach gegen unbekannt. Neben der Schilderung des Hergangs (so wie oben bereits geschildert) sollte der Name und die Anschrift der Reitschule und ggf. eine genaue Personenbeschreibung des Reitlehrers erfolgen, falls kein Name bekannt ist. Die konkrete Nennung einzelner Straftatbestände ist insoweit nicht erforderlich und kann u.U. sogar nachteilig sein. Mittlerweile können Strafanzeigen auch schon online gestellt werden – hier als Beispiel der Link zur Polizei NRW: https://service.polizei.nrw.de/egovernment/service/anzeige.html

2. Nach Ihrer Anzeigeerstattung ermittelt die Staatsanwaltschaft dann selbständig. Zeugen brauchen Sie hierfür nicht. Sollten Ihnen dennoch Namen / Anschriften o.ä. von möglichen Personen (wie z.B. des „Dermatologen“) bekannt sein, sollten diese unbedingt in die Strafanzeige aufgenommen werden. Diese kann die StA dann ggf. vernehmen. Zu einer wahrheitsgemäßen Aussage wären diese dann verpflichtet, sofern kein Zeugnisverweigerungsrecht bestünde (Ausnahme). In jedem Fall wird Ihr Mann bestätigen können, dass er Sie in dem oben beschriebenen Zustand bei der Reitschule abgeholt hat und ins Krankenhaus gebracht hat. Auch er sollte mit vollem Namen und Anschrift in der Strafanzeige als möglicher Zeuge benannt werden. Des weiteren stehen Sie der Staatsanwaltschaft als Geschädigte natürlich auch selbst als – wichtige - Zeugin zur Verfügung. Lediglich in einem Zivilverfahren wären Sie als Partei nicht als Zeugin zu hören.

3. Die Erfolgsaussichten hängen in einem strafrechtlichen Verfahren maßgeblich von dem Ergebnis des Ermittlungsverfahrens sowie etwaigen Vorstrafen des Reitlehrers ab. Eine konkrete Aussage hierzu ist an dieser Stelle daher nicht möglich – ohne Vorstrafe wird es aber im Falle einer Verurteilung wohl auf eine Geldstrafe hinauslaufen.

4. Um die Kosten brauchen Sie sich bei einer strafrechtlichen Verfolgung keine Gedanken machen, sofern Sie Ihre Strafanzeige selbst fertigen oder z.B. auch zu Protokoll bei der Polizei stellen, was ebenfalls möglich ist. Unabhängig von dem Ausgang eines Ermittlungsverfahrens und einer etwaigen Verurteilung fallen für Sie als Anzeigeerstatterin keine Kosten an.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Ausführungen helfen konnte. Mit einer Strafanzeige können Sie vorliegend jedenfalls nichts verlieren. Ihnen bleibt zudem die Möglichkeit, zunächst den Ausgang des strafrechtlichen Verfahrens abzuwarten und dann zivilrechtliche Ansprüche gegen den Schädiger stellen. Auf einen Ihnen zustehenden Schmerzensgeldanspruch etc. sollten Sie insbesondere wegen der Ihnen zugefügten Verletzungen und dem sehr fragwürdigen Verhalten des Schädigers jedenfalls nicht von vornherein verzichten. Zumal nach Ihrer Schilderung auch noch nicht absehbar ist, welche Folgeschäden dort evtl. noch auf Sie zukommen. Hierfür sollten Sie sich anwaltlich vertreten und die zivilrechtlichen Aussichten und die Höhe Ihrer Ansprüche überprüfen lassen. Falls ein vorwerfbares Verhalten des Reitlehrers festgestellt wird, sind die hierbei entstehenden Kosten vom Gegner zu erstatten.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung und bedaure es sehr, dass Ihre erste (und hoffentlich trotzdem nicht letzte) Reitstunde in einem solchen Fiasko endete. Für Nachfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Arnd-Martin Alpers
Rechtsanwalt
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