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Reiserücktritt verweigert Zahlung

27.05.2008 14:34 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Sehr geehrte Damen und Herren,

meine RRV verweigert die Leistung, mit dem Hinweis, dass sie nur leistungspflichtig ist, wenn die versicherte Person aufgrund eines versicherten Ereignisses stornieren muss. Zu diesen Ereignissen zählt u.a. die unerwarete schwere Erkrankung.

In meinem Falle buchten wir eine Reise nach Chile/Argentinien am 27.02. (Zahlung Anfang März) inkl. RRV, von der ich am 18.3. zurücktreten musste.

Ich muss zu meiner Person erläutern, dass ich(zumindest dachte das meine Internistin) Bluthochdruck habe, demzufolge seit 2005 entsprechend in Behandlung bin und Betablocker sowie ACE-Hemmer einnehme. Am 28.2. ging ich vorsorglich wegen aufgetretener Stoffwechselbeschwerden (nichts akutes)zu meiner behandelnden Ärztin, welche mir eine Umstellung der Medikamente empfahl (Betablocker absetzen und event. neues Medikamament "Carmen" einnehmen) aber noch Reisetauglichkeit feststellte!

Was dann kam, war sowohl für mich als auch die behandelnde Ärztin unerwartet. Nach Absetzen der Betablocker (welche den Blutdruck an sich senken sollten) sank mein Blutdruck sehr stark, war instabil, fast bis hin zum Kreislaufzusammenbruch.

Unerwarteter Weise gehöre ich zu den wenigen Menschen, bei denen der Betablocker genau die entgegengesetzte Wirkung hat. Er erhöht den Blutdruck und nach Absetzen kam der tiefe Fall.

Nach all den Vorfällen (17.3./18.3.) und erneuten Arztbesuchen beschloss ich mich (auch auf Anraten meiner Ärztin), die Reise sofort zu stornieren.

Als Ablehnungsgrund seitens der RRV wird nun genannt, dass es sich um keine unerwartete Erkrankung handelt, da ich bereits am 28.2. bei meiner Ärztin war (allerdings wegen Stoffwechselbeschwerden, der Betablocker führte zu Gewichtszunahmen...).

Sicherlich war seit 2005 Bluthochdruck diagnostiziert (und ich nahm leider auch fleissig die Betablocker...) aber die entgegengesetzte Wirkung war nicht vorhersehbar samt dem eintretenden instabilen Blutdruck.

Ich habe eine Rechtsschutzversicherung (allerdings SB 150€), die ich im Falle einer Erfolgsaussicht auch in Anspruch nehmen werde, eine Schadensnummer liegt bereits vor.

Vielen Dank!




27.05.2008 | 15:27

Antwort

von


(243)
Wilhelmsstr. 3
55128 Mainz
Tel: 0 61 31 / 333 16 70
Web: http://www.ra-freisler.de
E-Mail:

Sehr geehrte Fragestellerin,

aufgrund Ihrer Schilderungen beantworte ich Ihre Frage in einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt:

Bei der Veränderung oder Verschlimmerung einer Dauererkrankung hat z.B. das LG München (Az.: <a href="http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=163%20C%209983/02" target="_blank" class="djo_link" title="AG München, 18.06.2002 - 163 C 9983/02: Reiserücktritt - Unerwartete Krankheit">163 C 9983/02</a> ) eine unerwartete Erkrankung verneint, wobei es auch die diesbezüglich ergangene Rechtssprechung und den Meinungsstreit würdigt. Denn der Umstand, wann eine Krankheit unerwartet ist, ist umstritten.

Unerwartet bedeutet nach dem Landgericht mangelnde Voraussehbarkeit der Krankheit i.S. § 2 Nr. 2 ABRV und liegt vor, wenn bzgl. des konkreten Versicherungsfalls der Eintritt unwahrscheinlicher ist als der Nichteintritt.

In der Literatur wird eine Vorhersehbarkeit verneint, wenn ein Arzt vor der Buchung der Reise um Rat gefragt wurde und keine Bedenken anmeldete (so Prölss/Martin, VVG, 26. Auflage 1998, Rn 13 zu § l ABRV und Rn 3 zu § 2 ABRV). Sie schildern, dass Sie erst nach der Buchung der Reise am 27.02. am 28.02. bei dem Arzt vorstellig wurden, dieser sodann aber eine Reisetauglichkeit attestiert, d.h. einen leicht abgewandelten Fall.

Entscheidend kann in Ihrem Fall zudem werden, ob Sie den bestehenden Bluthochdruck bei Abschluss der RRV offenbart haben. Denn das Landgericht stützt seine Entscheidung auch darauf, dass bei bestehenden chronischen Erkrankungen, die das Risiko eines Rücktrittes erhöhen, dieses zu einer entsprechenden Anzeigepflicht mit der Folge einer Versicherung zu besonderen Risiken führt. So führt das Gericht aus: „Ist aber eine Krankheit nicht ausgeheilt, ist das Risiko, die Reise nicht antreten zu können, weil die Grunderkrankung in eine neue Phase eintritt, nicht versichert.“ Dies gelte auch dann, wenn durch eine derartige Risikosituation ein Versicherungsabschluss grundsätzlich ausgeschlossen ist, wobei es auf die Möglichkeit der Versicherung genau dieser Risikosituation verweist.

Einen Ansatzpunkt sehe ich in Ihrem Fall daher nur, wenn bei der Umstellung der Medikation eine Veränderung des Blutdruckes, welcher zu einer Reiseunfähigkeit führt (d.h. nach oben oder nach unten), medizinisch so gut wie ausgeschlossen, d.h. unerwartet, ist.

Diesbezüglich sehe ich Sie aber in der vollen Beweislast.

Ob dies bei der Umstellung von „Betablockern auf Carmen“ der Fall bzw. beweisbar ist, wird in einem gerichtlichen Verfahren nur durch einen medizinischen Sachverständigen entschieden werden können. Dessen Entscheidung wird sich das Gericht anschließen.

Zudem sehe ich eine Gefahr, dass die Umstellung der Medikation zwischen Abschluss der Reise nebst Versicherung und Antritt der Reise als grob fahrlässig gewertet werden kann, was ebenfalls zu einem Leistungsausschluss berechtigen kann. Insoweit kann es darauf ankommen, welche Dringlichkeit die Indikation zur Umstellung hatte.

Insgesamt kann ich Ihnen daher in dieser ersten Einschätzung leider keine überwiegenden Erfolgsaussichten bescheinigen. Ich weise Sie aber darauf hin, dass eine konkrete Einschätzung immer zudem auch die Einsicht in die vollständigen Versicherungs- und sonstigen Unterlagen benötigt. Dies ist hier nicht möglich, so dass sich meine Ausführung nur auf den Teilbereich „unerwartet“ beziehen kann.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes erfordert. Im Rahmen dieses Forums können sich die Ausführungen aber ausschließlich auf Ihre Schilderungen stützen, und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich empfehle Ihnen daher, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu beauftragen, sofern Sie eine abschließende Beurteilung erhalten möchten. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.

Gerne stehe auch ich Ihnen bei der weiteren Durchsetzung Ihrer Interessen zur Verfügung. Sollten Sie dies wünschen, können Sie sich jederzeit - gerne auch per eMail - mit mir in Verbindung setzen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen


Martin P. Freisler
- Rechtsanwalt -

www.ra-freisler.de
www.kanzlei-medizinrecht.net
Tel.: 06131 / 333 16 70
mail@ra-freisler.de


Rechtsanwalt Martin P. Freisler
Fachanwalt für Medizinrecht, Fachanwalt für Versicherungsrecht

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