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Reisepreisminderung wegen Ersatzhotel

13.04.2010 13:33 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Sven Kienhöfer


Im März 2010 hatten wir einen 10tägige Rundreise durch die USA mit anschließend 4 Nächten auf den Bahamas gebucht.
Beim Antreffen in dem gebuchten Hotel auf den Bahamas wurde uns seitens des Hotel mitgeteilt, dass unser Reiseveranstalter das Hotel nicht bezahlt hat, daraufhin riefen wir bei unserem Reiseveranstalter an und reklamierten diesen Mangel uns wurde zugesichert, dass das Hotel bezahlt wurde und wir in unser Zimmer einziehen können. Doch dann stellte sich heraus, dass das Hotel überbucht war. Wieder riefen wir an und uns wurde wieder zugesichert das wir einziehen können jedoch wieder ohne Erfolg. Wir mussten uns dann mit einer Hotelangestellten ein anderes Hotel raus suchen sonst hätten wir auf der Straße geschlafen. Seitens des Reiseveranstalter wurde sich nicht um ein anderes Hotel bemüht. Wir checkten dann schließlich in ein anderes Hotel ein mit erheblichen Abweichungen zu unserem gebuchtem Hotel ---> siehe Mängeliste
Aufgrund dieser Sachlage habe ich im Internet recherchiert und bin auf diverse Gerichtsurteile gestoßen:

Schadenersatz wegen Unterbringung in einem nicht gleichwertigen Ersatzhotel

Erfährt ein Urlauber bei Anreise am Urlaubsort von der Überbelegung seines gebuchten Hotels und wird in einer nicht gleichwertigen Ersatzunterkunft untergebracht, stellt dies einen erheblichen Reisemangel dar und rechtfertigt eine Reisepreisminderung.

Das Landgericht Frankfurt am Main entschied mit einem Urteil vom 28.03.2008 (Az.: 2-24 S 139/07):

Bei erheblich abweichender Unterbringung (abweichende Sterne der Hotels, kein gleichwertiger Swimmingpool, das Sportprogramm, Unterhaltungsprogramm, Animation, Shows, Diskothek) ist eine Preisminderung von 45% angemessen.

Darüber hinaus ist der Reiseveranstalter verpflichtet, den Reisenden frühzeitig über etwaige Veränderungen zu unterrichten. Er muss den Reisenden über alle wesentlichen Veränderungen zwischen Buchung und Reiseantritt im Zielgebiet informieren. Dazu zählt auch die Verpflichtung, frühzeitig über die Überbuchung des ursprünglich gebuchten Hotels und einer Ersatz-Unterbringung zu informieren. Diese äußerst wichtige Information ist dem Reisenden schriftlich mitzuteilen.
Bei entsprechender Information kann der Reisende kostenfrei von der Buchung zurücktreten und gegebenenfalls ein anderes Hotel an einem anderen Ort oder bei einem anderen Reiseveranstalter buchen.
Die Verletzung der Informationspflicht (Hauptpflicht des Reiseveranstalters) begründet verschuldensunabhängig Gewährleistungsansprüche in Höhe von 15%.

Eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise im Sinne von § 651f Abs. 2 BGB liegt vor, wenn Reisemängel in dem Ausmaße bestehen, dass eine Reisepreisminderung in Höhe von mindestens 50% gerechtfertigt ist.
Da die Reise so stark beeinträchtigt war, dass sie sogar eine Minderungsquote von 60% (45% + 15%) rechtfertigte, besteht ein Anspruch auf Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude (§ 651 f Abs 2  in Höhe 50% des Reisepreises.

Aufgrund dieser Urteile machte ich eine Reisepreisminderung von 110% geltend bei einem Reisepreis für die 4 Übernachtungen von 998€. wären das 1097,80€. Seitens des Reiseveranstalter wurden mir „kulanterweise“ 400€ in Aussicht gestellt, was mir persönlich eindeutig zu wenig ist.

Ich brauche so schnell wie möglich juristischen Rat, in welcher Höhe mir eine Reisepreisminderung zusteht, der Reiseveranstalter meint mit Rückzahlung von 400€ wäre ich schon gut bedient.


Mängeliste:
statt 3,5* nur 2,5* Hotel
kleinerer Pool, kein Fitnessstudio, keine Animation, keine Disco, kein Whirlpool, keine Sauna, keine medizinische Versorgung, kein Wachdienst usw.
Dusche entweder nur ganz kalt oder ganz warm
Des Weiteren mussten wir die gebuchte All Inklusive Leistung im ursprünglich gebuchtem Hotel zu uns nehmen, womit wir ständig zwischen den beiden Hotels mit dem Taxi pendeln mussten

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben gerne wie folgt beantworten möchte:

Der gegebene Hinweis des Reiseveranstalters auf eine Minderungszahlung von circa 400,00 € entspricht hier einer Minderungsquote von circa 40%. Da hier eine Minderung des Reisepreises berechtigt ist, ist damit völlig unstrittig.
Der angebotene Betrag entspricht annhähernd den anvisierten 45% Minderungsquote wegen Überbuchung des Hotels und Unterbringung in einem Ersatzhotel das nicht annähernd gleichwertig ist. Diese 45% Minderung steht Ihnen auch zu. Die Unterbringung in einem anderen als dem gebuchten Hotel und die damit verbundene Nichterbringung von Leistungen, nämlich das Fehlen eines Sport- und Unterhaltungsprogramms, der Animation, einer Diskothek, der Mitternachtssnacks sowie einer gleichwertigen Swimmingpoolanlage begründen eines Reisepreisminderung von 45 %.
Der Reiseveranstalter wird sich hier auf den Standpunkt stellen, dass für denselben „Mangel“ der Reise nicht Minderung und Schadensersatz gleichzeitig verlangt werden kann. Nur wenn ein über den Minderwert der Reise hinausgehender Schaden entstanden ist, kann ein Mangel neben Minderung auch Schadensersatz nach sich ziehen.

Da für Sie entscheidende Kriterium stellt aber die Verletzung der Informationspflicht dar, die eine zusätzliche Minderung von 15 % des Reisepreises begründet. Damit würden Sie insgesamt ja bei 60% Minderung liegen. Eine Minderung des Reisepreises von mindestens 50 % gibt dem Reisenden einen Anspruch auf eine Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden. Bei einer Reisepreisminderung von 60 % kann sich diese Entschädigung auf einen Betrag in Höhe der Hälfte des Reisepreises belaufen.

Legt man also das von Ihnen zitierte Urteil (übrigens ein anerkanntes Referenzurteil) zugrunde, ist Ihr Entschädigungsverlangen von circa 1.100,00 € aus meiner Sicht richtig berechnet.

Ich empfehle Ihnen aber dringend einen Anwalt direkt mit der gesamten Angelegenheit gegenüber dem Reiseveranstalter zu mandatieren. Oftmals werden die Reisegesellschaften bei Einschaltung eines Rechtsanwaltes deutlich kooperativer.

Ich hoffe, diese Ausführungen haben Ihnen bei Ihrem rechtlichen Problem weitergeholfen. Für eine weitere Beratung stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Sven Kienhöfer
Rechtsanwalt

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