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Reicht häufige Abwesenheit für Trennungsjahr aus?


31.03.2007 02:59 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Hallo und Guten Morgen,

Ich hatte kuerzlich mit zwei langjaehrigen Arbeitskollegen eine ziemlich lebhafte Diskussion bzgl. „Trennungsjahr“. Im Rahmen einer Firmenveranstaltung sahen wir uns nach langer Zeit mal wieder.

Wir drei Kollegen sind seit mehr als 12 Jahren zu 100% im Aussendienst taetig. Regelmaessig ca. 10 bis 11 Monate pro Jahr befinden wir uns im Ausland. D.h. wir verbringen durchschnittlich nur 4 bis 6 Wochen ueber das Jahr gestreut in Deutschland zu Hause bei unseren Ehefrauen. Bei dem einen ist es besser bei dem anderen inzwischen schlechter um die Ehe bestellt, Kinder sind in allen 3 Faellen nicht vorhanden.Keine Zeit fuer die Nachsorge :-)

Wir haben aus der Laune heraus am Biertisch u.a. ueber Scheidung und Trennungsjahr geredet. Ein Kollege und ich vertreten die Ansicht, dass das mit dem Trennungsjahr kein Problem darstellen sollte, da die Haeusliche Gemeinschaft, Ehelichen Pflichten etc. in unserer Beruflichen Situation ohnehin nicht gegeben ist. Der dritte Kollege hat da jedoch eine erheblich andere Auffassung.

Er argumentiert, dass durch blosse Abwesenheit keine Trennungsabsicht abgeleitet werden kann, es sei denn ein Trennungswille wurde vorher bekannt gegeben, eingeleitet und eine Versoehnung ausgeschlossen. Ausserdem so meint er, waehre da noch der Punkt der gemeinsamen Haushaltsfuehrung zu beruecksichtigen. Er fuehrte aus, dass die ungleiche Lastenverteilung der Haushaltsfuehrung irrelevant sei. Entscheidend sei das ein gemeinsamer Haushalt gefuehrt wird.


Koennen Sie mich (uns) bitte aufschlauen, damit wir beim naechsten Zusammentreffen ein anderes Thema diskutieren koennen.


Mit freundlichen Gruessen

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Sehr geehrter Ratsuchender,


dem dritten Kollegen in Ihrer Runde ist im Wesentlichen zuzustimmen.

Es gilt nach § 1565 Abs. 1 BGB das Zerrüttungsprinzip. Die Ehe muss also insgesamt als gescheitert anzusehen sein, um geschieden werden zu können – die rein räumliche Trennung allein ist nicht ausreichend, auch wenn diese die zeitlichen Vorgaben des § 1565 Abs. 2 BGB bzw. des § 1566 Abs. 1 BGB erfüllen mag.

Voraussetzungen des Scheiterns sind:
- Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft
- negative Prognose einer Wiederherstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft
- Trennungswille mindestens eines der Ehegatten.

Ihre Ansicht ist zwar insoweit zutreffend, als die Dauer des Getrenntlebens ein Indiz für die Zerrüttung sein kann und die Trennungszeit als solche durch verhältnismäßig kurze Unterbrechungen nicht in Ihrem Ablauf gehemmt wird, auch nicht wenn diese Phasen des Zusammenlebens einer Versöhnung dienen, siehe § 1567 Abs. 2 BGB.

Die Versöhnung muss auch nicht ausgeschlossen worden sein, ebenso muss eine Trennungsabsicht nicht schon im Vorhinein bekannt gegeben werden, um überhaupt Berücksichtigung zu finden.

Voraussetzung für die Scheidung ist aber, dass einer der Ehegatten irgendwann zu erkennen gibt, dass er dauerhaft an der ehelichen Gemeinschaft nicht mehr festhalten will.
Gerade in der von Ihnen beschriebenen Konstellation, in der ohnehin seit geraumer Zeit oder sogar schon von Anfang an (fast) gar keine häusliche Gemeinschaft bestanden hat, muss der Trennungswille bezüglich einer Aufgabe des noch rudimentär vorhandenen Ehelebens und der gemeinsamen Haushaltsführung eindeutig und unmissverständlich nach außen erkennbar werden.

Zu beachten ist, dass vorher auch die gesetzlichen Trennungsfristen nicht ablaufen, denn das Getrennteben als solches erfordert im Rechtssinne eben auch die oben beschriebene subjektive Komponente, vgl. § 1567 Abs. 1 BGB.

Dies gilt auch für die dreijährige Trennungsfrist des § 1566 Abs. 2 BGB.


Die von mir zitierten Vorschriften aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch können Sie nachlesen, wenn Sie die unterstrichenen §§ anklicken.

Ich hoffe, zur Aufklärung beigetragen zu haben und verweise im Übrigen auf die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt
Ergänzung vom Anwalt 31.03.2007 | 04:03

Korrektur:

Im siebten Absatz muss es lauten:

„Zu beachten ist, dass vorher auch die gesetzlichen Trennungsfristen nicht zu laufen beginnen...“

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt
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