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Rechtsanwalt nicht mehr mandatiert, was dann?


| 17.11.2014 17:35 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle



Es geht um eine Forderung und der Schuldner wurde von einem Rechtsanwalt bzw. Kanzlei vertreten.
Nun kommt eine automatische Mailantwort, wenn man auf die extra für den Mandaten bei der Kanzlei eingerichtete Mailadresse schreibt:

####################################################
Sehr geehrte Kunden von *** Ltd.,

wir sind von der *** Ltd. nicht mehr mandatiert.
Bitte wenden Sie sich direkt an die *** Ltd. unter http://***.com

Mit freundlichen Grüßen
####################################################

Frage:
In wie fern ist die Kanzlei verpflichtet Auskunft zu erteilen, was mit dem Mandaten geschehen ist, bzw. wie man ihn erreichen kann? Die Webadresse, auf die verwiesen wird, ist lediglich ein Account bei einem "Customer Conversations Hoster" und dieser Support-Account für die Abwicklung der ***Ltd. schon längere Zeit nicht mehr existent. Das ist in diversen Internetforen bekannt. Darf ein Anwalt sich mit solchen veralteten Informationen die alten Gläubiger eines ehemaligen Mandaten quasi vom Leibe halten bzw. falsch informieren?
Sehr geehrter Ratsuchender,

aus berufsrechtlichen Gründen hat der ehemals mandatierte Rechtsanwalt über sämtliche Kenntnisse und Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Mandat stillschweigen zu bewahren.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf folgende gesetzliche Vorschriften verweisen...

§ 43a Abs. 2 BRAO
Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Diese Pflicht bezieht sich auf alles, was ihm in Ausübung seines Berufes bekannt geworden ist. Dies gilt nicht für Tatsachen, die offenkundig sind oder ihrer Bedeutung nach keiner Geheimhaltung bedürfen.

§ 2 BORA Verschwiegenheit
(1) Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit berechtigt und verpflichtet.
(2) Das Recht und die Pflicht zur Verschwiegenheit beziehen sich auf alles, was ihm in Ausübung seines Berufes bekannt geworden ist, und bestehen nach Beendigung des Mandates fort.
(3) Die Pflicht zur Verschwiegenheit gilt nicht, soweit diese Berufsordnung oder andere Rechtsvorschriften Ausnahmen zulassen

Die anwaltliche Schweigepflicht ist wesentlicher Bestandteil der anwaltlichen Arbeit. Nur mit der Sicherheit dessen kann der Mandant sich ihm offen anvertrauen. Die Berufsverschwiegenheit ist wesentliches Markenzeichen der Anwaltschaft und ist weiter gefasst, als der strafrechtliche Schutz.

Es ist insoweit dem Kollegen schlichtweg nichts anderes möglich als Sie nur darauf hinzuweisen, dass man nicht mehr für den Schuldner arbeite. Die Weitergabe der allgemein bekannten, ggf. nicht mehr verfügbaren Internetseite, ist indes eine offenkundige zusätzliche Information, die man jedoch auch nicht zu geben braucht.
Sie müssn sich nun anderweitig einen Weg suchen Ihren Anspruch gegen den Schuldner durchzusetzen.

Leider ist dies keine erfreuliche Nachricht für Sie, aber auf der anderen Seite würden Sie sicher ebenfalls diese Verschweigenheitspflicht für sich und Ihre Interessen gesichert wissen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 17.11.2014 | 18:36

Diesen Aspekt der Verschwiegenheit verstehe ich, nur macht es ja keine Sinn, einem Gläubiger, mit dem die Kanzlei im Schriftverkehr stand, nun den neuen Rechtsanwalt, oder die Staatsanwaltschaft zu verschweigen, wo die Sache nun weitergeht. Oder zählt das auch explizit unter diese Verschwiegenheit?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.11.2014 | 19:03

Sehr geehrter Ratsuchender,

soweit Ihr Schuldner eine neue rechtliche Vertretung beauftragt hat und dies der bisherigen Kanzlei bekannt ist, darf man Sie auch dorthin verweisen. Hier würde die Verschwiegenheitspflicht nicht greifen.
An die Staatsanwaltschaft dürfen Sie sich auch ohne die ehemalige rechtliche Vertretung des Schuldners und zwar zu jeder Zeit wenden. Ich bezweifle jedoch sehr stark, dass Sie hier zu einem Ergebnis kommen, da soweit ein Verfahren eröffnet wurde, eine Akteneinsicht zum Zwecke der zivilrechtlichen Durchsetzung von Ansprüchen, selbst bei eigener anwaltlicher Vertretung eher schwierig wird.

In Bezug auf den ehemaligen anwaltlichen Beistand, möchte ich einmal mutmaßen, dass dieser einfach keine weitergehenden Informationen hat, ggf. das Mandat sogar aus diesem Grunde niedergelgt wurde. In diesem Fall wäre es dem Kollegen schlichtweg tatsächlich nicht möglich entsprechende Informationen herauszugeben. Andererseit könnte die Annahme des Mandats Ihres Schuldners auf nicht in das Portfolio des Kollegen passen und er möchte isch aus diesem Grund so schnell und geräuschlos wie möglich aus der Affäre ziehen, die bloße Unkenntnis einer neuen Mandatierung einens weiteren Kollegen eingeschlossen.

Aus meiner Sicht ein recht schieriges Unterfangen, welchem Sie gerade ausgesetzt sind. Soweit Ihnen die Registerdaten der Ltd. und eventuell die entsprechenden Geschäftsführer bzw. Gesellschafter bekannt sind, die Gesellschaft darüber ausfindig machen. Mit Zahlungsansprüchen werden Sie höchstwahrscheinlich gegen die Ltd. nicht sehr weit kommen und eine Klage können Sie beim im Register hinterlegten Sitz der Gesellschaft erheben. Soweit diese keinen Inländischen Sitz mehr hat, bei dem Gericht der Hauptniederlassung. Ggf. wäre aber zu prüfen in wie weit hier ggf. direkte Ansprüche gegen die Organe bzw. die Gesellschafter der Gesellschaft gegeben sind und ob sich eine rechtliche Durchsetzung etwaiger Ansprüchen überhaupt wirtschaftlich lohnt. Grundsätzlich gelten für die anwaltliche Beauftragung die gesetzlichen Gebühren aufgrund von Gegenstandswerten. U.U. werden Sie jedoch keinen Kollegen finden, der Ihnen für dieses Entgelt zur Verfügung steht und Ihnen stattdessen eine Vergütungsvereinbarung mit einem wirtschaftlich angemesseneren Honorar anbietet.

Ich wünsche insoweit viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Bewertung des Fragestellers 17.11.2014 | 19:19


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