Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Rechte der einzelnen Erben an einer gemeinsamen Immobilie

| 20.08.2011 20:29 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tobias Rösemeier


Guten Abend,
in einem Erschaftsstreit ergibt sich folgende Situation:
Nach dem Tod des Erblassers erben der Lebensgefährte (A) 50% und die beiden (erwachsenen und verheirateten) Kinder (B und C) jeweils 25% eines Hauses sowie Konten und Depots. Der Erbschein ausgestellt und das Grundbuch entsprechend berichtigt.
A lebt nun mit seinem neuen Partner in dem Haus, B und C mit ihren Familien außerhalb. A blockiert die Erbauseinandersetzung und verweigert B und C gleichzeitig den Zugang zu dem Haus. A verweigert außerdem jegliche Nutzungsentschädigung für das Haus, das ihm nur zur Hälfte gehört. Beide Seiten (A auf der einen, B und C auf der anderen) können sich nicht auf eine Auszahlung der Ansprüche einigen.
Welche Rechte haben nun die einzelnen Erben?
1. Kann A den Zutritt zu dem Haus verweigern, z.B. mit Hinweis auf die Privatsphäre? Das Haus ist ein Zweifamilienhaus, aber ohne separate Eingänge, d.h. nur ein Zugang für beide Stockwerke.
2. Können B und C das Haus auch ohne Zustimmung von A betreten? (B und C haben einen Schlüssel.) Müsste ein "Besuch" vorher angekündigt werden und bedarf es einer Zustimmung durch A für einen bestimmten Termin?
3. Wenn A die Schlösser austauscht, welche Möglichkeiten haben B und C, sich ihren Anspruch auf Nutzung (und Zugang) durchzusetzen? Können Sie einen neuen Schlüssel verlangen oder sich polizeilich Zugang verschaffen?
4. Wenn die gemeinsame Nutzung der Immobilie nicht möglich oder nicht erwünscht ist, können B und C eine Entschädigung für die entgangene Nutzung durchsetzen und wie kompliziert/langwierig ist das?
Abschließend möchte ich sagen, dass die Parteien eine Teilungsversteigerung vermeiden möchten aber diese Maßnahme als ultima ratio nicht ausschließen.
Vielen Dank im Voraus...

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne wie folgt beantworte. Dieses Forum dient dazu, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung zu verschaffen, kann und soll keinesfalls die Beratung bei einem Kollegen vor Ort ersetzen.

Auf Ihre Fagen gehe ich wie folgt ein:


1. Kann A den Zutritt zu dem Haus verweigern, z.B. mit Hinweis auf die Privatsphäre? Das Haus ist ein Zweifamilienhaus, aber ohne separate Eingänge, d.h. nur ein Zugang für beide Stockwerke.

Zunächst einmal hat jeder Miterbe das Recht, das Nachlassvermögen zu nutzen, wenn hierdurch nicht die bestehende Nutzung tangiert wird.

In Ihrem Fall wurde durch den Erblaser dem A das Nutzungsrecht eingeräumt.

Deswegen sind die Zutrittsrechte der Miterben analog der Zutrittsrechte eines Vermieters zu bewerten und zu regeln.

Selbstverständlich haben Sie allerdings das Recht, Ihr Eigentum zu besichtigen.


2. Können B und C das Haus auch ohne Zustimmung von A betreten? (B und C haben einen Schlüssel.) Müsste ein "Besuch" vorher angekündigt werden und bedarf es einer Zustimmung durch A für einen bestimmten Termin?

Eine Besichtigung der Immobilie wäre mindestens 48 Stunden vorher anzukündigen. Ohne die Zustimmung von A sollten die Miterben keinesfalls die Immobilie betreten. Das eigenmächtige Betreten der Immobilie könnte aus strafrechtlicher Sicht einen Hausfriedensbruch darstellen.


3. Wenn A die Schlösser austauscht, welche Möglichkeiten haben B und C, sich ihren Anspruch auf Nutzung (und Zugang) durchzusetzen? Können Sie einen neuen Schlüssel verlangen oder sich polizeilich Zugang verschaffen?

Das Nutzungsrecht des Miterben A schließt derzeit die Nutzung der Miterben B und C aus. Ein Anspruch auf Aushändigung eines Schlüssels bzw. ein zwangsweise Öffnung der Wohnung scheidet daher aus.

4. Wenn die gemeinsame Nutzung der Immobilie nicht möglich oder nicht erwünscht ist, können B und C eine Entschädigung für die entgangene Nutzung durchsetzen und wie kompliziert/langwierig ist das?

Dies ist der Punkt, wo Sie tatsächlich ansetzen sollten. Ihnen steht eine Nutzungsentschädigung zu. Die Höhe der Nutzungsentschädigung richtet sich nach der ortsüblichen Miete für das Objekt. Hierzu können Sie den Mietspiegel heranziehen, soweit ein solcher vorhanden ist. Die Miterben müssen den Erben A schriftlich und nachweislich auffordern, eine Nutzungsentschädigung an die Erbengemeinschaft zu zahlen. Hierzu sollen Sie ein gesondertes Konto eröffnen, auf welches dann die Nutzungsentschädigung zu zahlen ist.

Sie müssen dann diese Nutzungsentschädigung verwalten. Gemäß § 2038 BGB kann jeder Erbe am Schluss des Jahres dann die Teilung des Reinertrages verlangen.

Ebenso sind die Miterben B und C verpflichtet, die Lasten und Kosten des Grundvermögens entsprechend ihrer Erbquote mitzutragen. Allerdings beschränkt sich dies auf die verbrauchsunabhängigen Kosten.

Zahlt Miterbe A nicht, müsste eine Klage erhoben werden. Wie lange ein gerichtliches Verfahren andauern kann, kann pauschal nicht beantwortet werden. Sie müssen aber mindestens mit einer Verfahrensdauer von 3 Monaten rechnen, bis der erste Termin zur mündlichen Verhandlung anberaumt wird.

Grundsätzlich wäre Ihnen aber anzuraten, die Erbauseinandersetzung anzugehen. Sie können hierzu ein Vermittlungsverfahren beim Nachlassgericht einleiten. Dies ist noch kein förmliches Gerichtsverfahren, sondern das Nachlassgericht versucht dann, eine Einigung zwischen den Erben herbeizuführen. Kommt eine solche nicht zustande, bleibt dann leider nur noch die Teilungsversteigerung.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine erste rechtliche Orientierung verschaffen, sollte etwas unklar geblieben sein, nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion des Portals.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Rösemeier
- Rechtsanwalt -

Bewertung des Fragestellers 02.10.2011 | 14:01

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

FRAGESTELLER 02.10.2011 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 71806 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Danke für die gute Erklärung:-) ...
FRAGESTELLER
4,8/5,0
Schnelle und qualifizierte Bearbeitung meines Anliegens. Alles prima ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Lieber Herr Müller, vielen Dank für Ihre so schnelle und helfende Antwort! Zum einen tut es einfach nur gut, dass Sie mir "zugehört" haben resp. die "Methoden" der KM ähnlich kritisch sehen wie ich. Zum anderen haben ... ...
FRAGESTELLER