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Recht an Fotos von Fotostudio


| 04.05.2007 09:10 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht



Guten Tag !

Hier der Fall: wollte von mir und meinen Kindern Fotos anfertigen lassen. Termin in einem Fotostudio fand statt. Professionelle Portraitfotografie wurde dort angeboten. Während 45 Minuten wurden 26 Schwarz-weiss Fotos geschossen. Rein für das "shooting" habe ich 100 Euro bezahlt.

Tage später bekam ich einen Kontaktbogen mit den Bildern zugeschickt. Wenn ich ein Foto entwickelt haben möchte, also auf Fotopapier, kostet die kleinste Größe (9 x 13 cm) stolze 13,50 Euro.
Alle 26 Digital-Fotos auf Diskette bekomme ich nicht, denn die Bilder seien Eigentum des Fotostudios, wurde mir gesagt. Ich muss also für jedes Bild, das ich haben möchte furchtbar teuer zahlen.

Auf meine Nachfrage hin wurde mitgeteilt, daß ich sogar ein für teuer Geld erworbenes Foto z.B. nicht in meine Internet-Seite einbinden dürfe (ich bin selbständig tätig und hätte gerne ein Bild auf "wir über uns" ins Netz gestellt). Angeblich müsse ich dann mit einer teuren Abmahnung der Rechtsanwältin des Fotostudios rechnen, da das Studio das Urheberrecht an den Fotos habe. Ich könne allerdings das Recht an EINER Aufnahme für 100 Euro abkaufen.

Ich fühle mich nun regelrecht abgezockt. Als ich in den Laden ging, wurden mir keine AGB vorgelegt auf derartige Einschränken hingewiesen. Die Fotografin meinte, das hätte ich als Kundin alles selbst wissen müssen. Ist dem wirklich so ?

Vielen Dank im Voraus für die Antwort.



Sehr geehrte Fragestellerin,


vielen Dank für Ihre Anfrage, welche ich - die Richtigkeit Ihrer Angaben vorausgesetzt - anhand der von Ihnen gemachten Angaben gerne wie folgt summarisch beantworten möchte:


Grundsätzlich steht das Urheberrecht dem Fotografen zu, da er das Werk erschaffen hat (indem er die Fotoaufnahmen gemacht hat). Dieses Urheberrecht verbleibt auch grundsätzlich beim Fotografen, ist also auf Sie nicht übertragbar.

Nach § 31 Abs. 1 UrhG kann der Urheber einem anderen jedoch das Recht einräumen, das Werk auf einzelne oder alle Nutzungsarten zu nutzen (Nutzungsrecht). Das Nutzungsrecht kann als einfaches oder ausschließliches Recht sowie räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden. Das einfache Nutzungsrecht berechtigt den Inhaber, das Werk auf die erlaubte Art zu nutzen, ohne dass eine Nutzung durch andere ausgeschlossen ist. Das ausschließliche Nutzungsrecht berechtigt den Inhaber, das Werk unter Ausschluss aller anderen Personen auf die ihm erlaubte Art zu nutzen und Nutzungsrechte einzuräumen.

Es kommt also zunächst einmal entscheidend darauf an, was Sie mit dem Fotografen vereinbart haben. Wenn ein schriftlicher Vertrag geschlossen wurde, kann man in diesen Vertrag Einsicht nehmen und schauen, was geregelt wurde. Vielleicht wurden aber auch Allgemeine Geschäftsbedingungen des Fotografen vereinbart, in welchen das Nutungsrecht geregelt ist. Oder aber die Vereinbarung eines Nutzungsrechts ergibt sich aus den Umständen.

Haben Sie keine ausdrücklichen Vereinbarungen getroffen, gilt Folgendes:

Sind bei der Einräumung eines Nutzungsrechts die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, so bestimmt sich nach § 31 Abs. 5 UrhG nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck, auf welche Nutzungsarten es sich erstreckt. Entsprechendes gilt für die Frage, ob ein Nutzungsrecht eingeräumt wird, ob es sich um ein einfaches oder ausschließliches Nutzungsrecht handelt, wie weit Nutzungsrecht und Verbotsrecht reichen und welchen Einschränkungen das Nutzungsrecht unterliegt.

Es kommt also entscheidend darauf an, welchen Auftrag Sie dem Fotografen erteilt haben und welche Nutzung der Bilder von beiden Parteien vorausgesetzt wurde (wenn Sie z.B. zu erkennen gegeben haben, dass Sie die Bilder auf die Internetseite stellen oder anderweitig privat nutzen wollten). Ich gehe davon aus, dass vorliegend beiden Parteien klar gewesen sein wird, dass die Bilder von Ihnen beauftragt wurden, um sie beruflich oder privat zu nutzen und auch zu vervielfältigen. Selbstverständlich beinhaltet eine solche Nutzungsabsicht zumindest ein einfaches Nutzungsrecht, so dass Sie einen Anspruch darauf hätten, die Bilder zu nutzen und der Fotograf Ihnen auch nicht verbieten kann, die Bilder auf Ihre Homepage zu stellen.


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Prüfung der Rechtslage eine erste rechtliche Orientierung vermittelt zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems von einem Rechtsanwalt zu erhalten.

Sofern Sie eine abschließende Beurteilung Ihres Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem konkret zu erörtern. Bitte beachten Sie, dass bei dieser Vorgehensweise weitere Kosten für die Beratung anfallen.

Gerne bin ich auch bereit, die weitere Vertretung und Beratung in der Angelegenheit für Sie zu übernehmen. Sie können mich jederzeit für eine weitere Beauftragung kontaktieren.



Mit freundlichen Grüßen


Jorma Hein
Rechtsanwalt, Mediator

------------------------------------
Gisselberger Straße 31
35037 Marburg

Telefon: 06421 - 167131
Fax: 06421 - 167132

hein@haftungsrecht.com
www.haftungsrecht.com

Nachfrage vom Fragesteller 05.05.2007 | 11:12

Sehr geehrter Herr Hein,

vielen Dank für Ihre Erläuterung. Nur wurde meine konkrete Frage nicht beantwortet. Ich zitiere noch einmal die beiden letzten Sätze: "Als ich in den (Foto) Laden ging, wurden mir keine AGB vorgelegt oder auf derartige Einschränken hingewiesen. Die Fotografin meinte, das hätte ich als Kundin alles selbst wissen müssen. Ist dem wirklich so ?"

Es geht mir also darum, ob die Fotografin mich über Urheberrecht und Nutzungsrecht hätte aufklären müssen oder ob sie wirklich voraussetzen kann, dass eine Kundin über all diese rechtlichen Hintergründe Bescheid weiß, sobald sie den Laden betritt.

Vielen Dank im Voraus.

Ergänzung vom Anwalt 05.05.2007 | 11:18

Sehr geehrte Fragestellerin,


vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich gerne wie folgt beantworten möchte:


Der Fotograf ist nicht verpflichtet, Sie über rechtliche Belange (wie z.B. Urheber- oder Nutzungsrecht) aufzuklären. Es obliegt jeder Vertragspartei selbst, ihre sich über ihre Rechte und Pflichten zu erkundigen und ggf. sachkundigen Rat einzuholen.

Soweit nicht vereinbart wurde, dass die AGB des Fotostudios gelten sollen und Ihnen auch nicht die Möglichkeit der Einsichtnahme in diese AGB eröffnet wurde, sind die AGB ohnehin nicht Vertragsbestandteil geworden, so dass sich eine Aufklärung hierüber auch erübrigt.


Ich hoffe, Ihre Nachfrage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben.



Mit freundlichen Grüßen


Jorma Hein
Rechtsanwalt und Mediator
Ergänzung vom Anwalt 16.06.2007 | 12:08

Sehr geehrte Fragestellerin,


Ergänzend zu meiner Antwort möchte ich Sie noch auf § 60 UrhG hinweisen, dessen Wortlaut ich wie folgt zitiere:



(1) Zulässig ist die Vervielfältigung sowie die unentgeltliche und nicht zu gewerblichen Zwecken vorgenommene Verbreitung eines Bildnisses durch den Besteller des Bildnisses oder seinen Rechtsnachfolger oder bei einem auf Bestellung geschaffenen Bildnis durch den Abgebildeten oder nach dessen Tod durch seine Angehörigen oder durch einen im Auftrag einer dieser Personen handelnden Dritten. Handelt es sich bei dem Bildnis um ein Werk der bildenden Künste, so ist die Verwertung nur durch Lichtbild zulässig.

(2) Angehörige im Sinne von Absatz 1 Satz 1 sind der Ehegatte oder der Lebenspartner und die Kinder oder, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern.





Mit freundlichen Grüßen


Jorma Hein
Rechtsanwalt und Mediator
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