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Rechnung Steuerberater zu hoch


| 26.09.2016 09:24 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Zusammenfassung: Die Vergütung des Steuerberaters richtet sich nach StBVV. Der Steuerberater darf diese Vergütung nicht unterschreiten, sonst drohen berufsrechtliche Sanktionen.


Rechnung Steuerberater

Am 16-08-2016 war ich zum ersten Mal bei einem deutschen Steuerberater.
Ich wohne seit über 10 Jahren in Deutschland. Ich bin Niederländer, arbeite auch in den Niederlanden und hatte bis jetzt nur niederländische Steuerangaben gemacht.
Über 2015 muss ich aber auch eine Erklärung vom deutschen Finanzamt zu dem niederländischen Finanzamt schicken. Weil mir nicht klar war was das für mich bedeutet habe ich einen Termin bei einem deutschen Steuerberater vereinbart.
In dem Gespräch habe ich meine Situation erklärt und es hat sich heraus gestellt das ich auch in Deutschland Steuern zahlen muss, und zwar bis 10 Jahre zurück. Das Gespräch wurde auf Vorschlag von dem Berater auf Niederländisch geführt. Vorher habe ich alle meine Finanzen sorgfältig zusammengefasst, diese Zusammenfassung war ausreichend um die Steuerangaben aus zu füllen. Am Ende dieses Gesprächs habe ich gefragt was die Kosten sind wen der Berater die Sache für mich erledigt. Die Kosten würden ca. 150 Euro sein, wenn noch extra Arbeit anfallen würde (z.B. Gespräche mit dem Finanzamt) wurde das 120 Euro extra kosten (ich habe angenommen pro Stunde).
Am 2-09-2016 habe ich dann eine Rechnung bekommen über €1679,39 und war sehr überrascht. Ich habe mit ca. €300,- gerechnet.
Am 23-09-2016 bin ich zum Steuerberater gegangen und habe Ihn angesprochen über die meiner Meinung nach viel zu hohe Rechnung. Seiner Meinung nach hat er im Gespräch sofort erwähnt das die €150 pro Jahr sind und das er deshalb 11x (2005-2015) die Gebühren nehmen muss. Er würde eine Strafe von der Kammer in Höhe von €5000 oder mehr auf Ihn zukommen wenn er die Gebühren nicht berechnen würde. Das der tatsächliche Aufwand eher bei €300-400 liegt hat er nicht bestritten. Er war nicht bereit über eine Minderung der Rechnung zu reden.
Beim ersten Gespräch waren nur der Berater und ich anwesend. Er behauptet deutlich gesagt zu haben das die €150 selbstverständlich pro Jahr sind. Sein Wort gegen Meins. Ich würde aber wenn ich das gewusst hätte dass ich ca. 11x €150 zahlen muss vorher noch mal bei einem Niederländischen Berater nachgefragt haben was bei Ihm die Kosten sind bevor (wenn überhaupt) ich den Deutschen Berater beauftragt hätte.
Meine Frage ist jetzt ob es möglich ist eine Minderung der Rechnung auf ca. €300-400 mithilfe eines Rechtsanwalts zu erreichen ohne das die Kosten den Streitwert überschreiten, oder habe ich keine reelle Chance und muss ich einfach zahlen?

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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Leider muss ich ihnen mitteilen, dass sie augenscheinlich keine Möglichkeit haben, gegen die Rechnung des Steuerberaters vorzugehen. Und zwar weder unter dem Gesichtspunkt, der Verletzung von Aufklärungspflichten zur Gebührenhöhe, noch unter der Voraussetzung der Schadenersatzhaftung wegen fehlerhafter Auskünfte.

Die Kosten der Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes würde sich nach dem RVG und dem Gebührenstreitwert richten. Zunächst würden 1,3 Geschäftsgebühren unabhängig vom Ergebnis sowie die Post- und Telekommuikationsapuachale anfallen.

Dies wären bei ihrem Streitwert von 1680 € etwas 256 €.

wenn der Rechtsanwalt sich außergerichtlich einigen kann, kämen 1,5 Einigungsgebühren hinzu, so dass 523,60 € im Raum stehen würden.

Würde sich hier ein Gerichtsverfahren (betrieben vom gleichen Anwalt ) anschließen, bekäme dieser insgesamt etwa 610 € und, wobei der gegnerische Anwalt im Unterliegensfall ebenfalls zu bezahlen wäre, so dass das Prozessrisiko insgesamt bei ca. 1350 € liegen würde. Im fall eines gerichtlichen Vergleiches könnte man sich über die Kosten des gegenrischen Anwalts zwar einigen, allerdings erhält der eigne Anwalt dann schon 788,38 €.

Da ich die Erfolgsaussichten die Rechnungskosten im Rechtsstreit zu minimieren für aussichtlos halte, sollten diese Kosten vermieden werden.

Nun zu den Einzelheiten:

1. Die Vergütung eines Steurberaters richtet sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung ( StBVV). Eine Belehrungspflicht über die entsstehenden Kosten ist in ihr nicht vorgeschrieben, so dass es für den Vergütungsanspruch auf eine Belehrung nicht ankommt.

Bei Steuerklärungen richtet sich die Vergütung nach der Summe der positiven Einkünfte. Hieraus wird in Verbindung mit der Tabelle A ein Gebührenwert berechnet. Bei 8000 € positivem Einkünften ist der Gebührenwert also 433,00 € , bei 9000,00 € 471 € und bei 10.000 € kostet die volle Gebühr 510 €. So geht es dann weiter.

Die Vergütung für Steuererklärungen richtet sich nach § 24 StBVV. Hiernach fallen 1/10 bis 6/10 je Einkommensteuerklärung an, wenn die Einkünfte vom Steuerberater (wie in ihrem Fall) nicht selbst berechnet werden müssen. Meistens wird die Mittelgebühr gebildet, also etwa 3/10, alles andere bedarf einer Begründung.

Bei der Steuererklärung bei positiven Einkünften von bis 8.000 € fallen hier also schon 129,90 € an.

Der Gebührenrahmen kann von Steuerart zu Steuerart ein wenig abweichen, allerdings sind die Grundsätze immer gleich. Eine Steuerklärung fällt pro Steuerjahr an, somit wird auch die Vergütung pro Steuerjahr einmal fällig.

In ihrem Fal wurden 10 Jahresabschlüsse gemacht, folglich beträgt die Vergütung mindestens 1299,00 € netto.

Hinzu kommt ebenfalls die Porto- und Telekommunikationspauschale pro Steuerjahr. Dies sind nocheinmal 20%, höchstens jedoch 20,00 € ( § 16 StBVV)

Dies wären bei 10 zu erklärenden Zeiträumen nocheinmal 200,00 €, wobei dies auch billiger sein kann, wenn der Steuerberater die Pauschale nicht erhebt oder eine Einzelberechnung des tatsächlichen Portos vornimmt.

Damit wären diese beiden Positionen zusammen schon 1499,00 €.

Nun kommt noch die Umsatzsteuer in Höhe von 19 % dazu (§ 15 StBVV)

Somit beträgt die Rechnungshöhe 1783,81 €.

Bei ihnen ist etwas weniger angefallen, was mit der Portopauschale oder einer anderen Steuerart zusammenhängen kann, dies ist dem Sachverhalt nicht entnehmbar. Da es hier aber keine großen Änderungen geben kann, spielt das für das Ergebnis keine Rolle.

Die Kosten des Steuerberaters sind also gesetzlich geregelt (und dürfen daher nicht unterschritten werden), wobei eine genaue Belehrung hierüber nicht Pflicht ist, da die Kenntnis, dass ein Steuerberater gebühren verdient vorausgesetzt wird.

Folglich haben sie hier leider keine Chance die Nichtkenntnis der Gebühren oder die Fehlenden Belehrung geltend zu machen.

2. Der Aufwand für die Steuerklärung spielt nur im Rahmen der Bestimmung welcher Satz im Bereich der Rahmengebühren (1/10- 6/10 nach § 24 StBVV) anzuwenden ist, eine Rolle. Ist die Sache von durchschnittlicher Schwierigkeit ( also entspricht sie anderen Steuerklärungen, bei denen die Einkünfte nicht selbst ermittelt werden müssen) so ist die mittlere Gebühr unabhängig vom erfolgten Aufwand anwendbar. Eine Reduktion der Rechnungssumme weil Rechnung und Aufwand außer Verhältnis stehen, ist also aufgrund des § 24 StbVV, der ja gerade die Erklärung ohne eigene Ermittlung vorsieht, nicht gerechtfertigt.

3. Selbst wenn sie die Abreden zur Rechnung erfolgreich angreifen würden, hätte der Steuerberater nach deutschem Recht Anspruch auf eine Vergütung nach den Grundsätzen der ungerechtfertigten Bereicherung, da sie die Leistung ja erlangt haben. Bei dieser Berechnung wird die für solche Tätigkeiten übliche Vergürung zu Grunde gelegt, so dass der bereicherungsanspruch unterm Strich genauso hoch sein würde , wie der Vergütungsanspruch laut der ihnen gestellten Rechnung.

3. Sie sagen, sie wären nach der Beratung über die Kosten von 300- 400 € ausgegangen und dass hier sein Wort gegen ihres stehen würde. Ihnen könnte also ein Schadenersatz zu stehen, weil sie ihren günstigen Steuerberater aus den Niederlanden statt dem deutschen beauftragt hätten, wenn sie korrekt aufgeklärt worden wären. Folglich ist ihnen ein Schaden entstanden der auf die fehlerhafte Belehrung zurückzuführen ist.

Um den Schadenersatzanspruch durchzusetzen, müssen sie neben dem Schaden und der Ursächlichkeit auch die Pflichtverletzung, also die fehlerhafte Beratung beweisen. Die Beweislast obliegt nach den deutschen Verfahrensregeln ihnen, da dies zu einer für sie positiven Anspruchsvoraussetzung gehört. Es reicht also nicht zu sagen, der Steuerberater kann nicht beweisen, das er sie richtig belehrt hat, sondern sie müssen beweisen, dass er sie falsch belehrt hat. Dies halte ich in ihrer Situation für nicht machbar, so dass ich einen Schadenersatz mit dem Ergebnis der Rechnungsreduktion für nicht erfolgreich realisierbar halte.

Folglich rate ich ihnen die gestellte Rechnung an den Steuerberater zu zahlen. Aussichten, die Rechnung in einer streitigen Auseinandersetzung zu reduzieren, sehe ich nicht.

Es tut mir leid dass ich keine besseren Informationen für sie habe.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Bewertung des Fragestellers 28.09.2016 | 20:50


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mit freundlichen Grüßen Doreen Prochnow
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