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Raddiebstahl, Hotelversicherung zahlt zu wenig

19.10.2010 10:24 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Situation:
Am 01. Mai 2010 wurden aus einem videoüberwchten Radkeller eines Hotels am Gardasee 8 teure Räder unterschiedlicher Personen gestohlen. Darunter meines im Neuwert 3600 € (12 Monate alt).
Fakten:
- das Hotel wirbt mit eben diesem videoüberwachten Radkeller
- das Hotel hat eine Versicherung gegen solche Fälle
- polizeiliche Aufnahme hat stattgefunden
- die italienische Versicherung des Hotels hat nun (Mitte Oktober) eine Versicherungsleistung von 1300€ angeboten, keine Berechnungsgrundlage mitgeteilt (außer pauschal Abnutzung und Alter) und auf sofortige Unterschrift der Zustimmung meinerseits gedrängt.
- alle mails liegen mir vor, ebenso Fotos vom Radkeller
- der Radhändler gibt als Mindest-Zeitwert in meinem Fall 2200 € an

Frage:
- kann ich gegen diese - m.E. zu geringe Entschädigung vorgehen?
- gegen das Hotel oder gegen die Versicherung?
- besteht eine realistische Chance auf Erfolg bzw. ist es empfehlenswert dagegen vorzugehen?

Danke

Sehr geehrter Fragesteller,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die ich wie folgt beantworten möchte. Beachten Sie bitte, dass die von mir erteilte rechtliche Auskunft ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben basiert. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Grundsätzlich gilt, dass Diebstahl juristisch gesehen zum "allgemeinen Lebensrisiko" zählt. Sofern Ihnen also in einem Hotel etwas gestohlen wird, können Sie dafür das Hotel grundsätzlich nicht in Anspruch nehmen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn dem Hotel eine Pflichtverletzung unterstellt werden kann, wenn also z.B. der Fahrradkeller nachts offen stand, obwohl das Hotel zugesagt hat, dass er ab 22 Uhr verschlossen wird. Sofern dies nicht der Fall ist, haben sie grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz gegenüber dem Hotel, sondern nur gegenüber dem Schädiger, also dem Dieb selbst. Sollte dieser nicht ermittelt werden können, bleiben Sie also grundsätzlich auf dem Schaden sitzen. Daran ändert letztendlich auch eine Videoüberwachung nichts, die jedoch dazu beitragen kann, den Schädiger zu ermitteln.

Zu Ihren Gunsten greift hier jedoch eine Versicherung ein, die das Hotel nach Ihren Angaben für den Fall des Diebstahls eines Fahrrades aus dem Radkeller abgeschlossen hat. Ob und in welchem Umfang die Versicherung des Hotels leisten muss, hängt letztendlich von der Art der Versicherung und den Versicherungsbedingungen ab. Handelt es sich um eine Neuwertversicherung, so muss der Neuwert des Fahrrads ersetzt werden. Handelt es sich um eine Zeitwertversicherung, so wird der Wert ersetzt, den das Fahrrad zum Zeitpunkt des Diebstahls hatte.

Bei deutschen Versicherungen werden Fahrräder häufig in die Hausratversicherung mit eingschlossen, die als Neuwertversicherung den Neuwert eines gleichwertigen Fahrrades ersetzt. Gelegentlich werden - insbesondere für teure Fahrräder - auch spezielle Fahrradversicherungen angeboten. Das von Ihnen genannte Schreiben der Versicherung scheint jedoch auf eine Zeitwertversicherung (Abzug Abnutzung, Alter) hinzudeuten.

Das Hauptproblem in Ihrem Fall ist, dass es sich um eine italienische Versicherung handelt, die sich von den deutschen Versicherungen erheblich unterscheiden kann. Ohne die Versicherungsbedingungen gesehen und geprüft zu haben, ist eine konkrete Aussage darüber, welche Schadenssumme die Versicherung übernehmen muss, kaum möglich. Insbesondere ist zu prüfen a) unter welchen Bedingungen der Versicherungfall eintritt, sprich: ist die Versicherung überhaupt verpflichtet, irgendetwas zu zahlen und b) welchen Umfang hat der Ersatzanspruch, wenn der Versicherungsfall eingetreten ist (Neuwert oder Zeitwert). in einem dritten Schritt c) ist dann festzustellen, ob der Neuwert bis zu einer bestimmten Summe versichert ist bzw. welchen Zeitwert das Rad hatte.

Nach Ihrer Darstellung ist jedoch schon der Zeitwert doppelt so hoch wie die angebotene Entschädigung der Versicherung, so dass ein höherer Anspruch als wahrscheinlich erscheint. Im Bestreitensfalle müsste der Zeitwert jedoch durch ein Sachverständigengutachten geklärt werden (da das Rad selber nicht mehr vorhanden ist, wird dies nur anhand Kaufdatum, Wartungsberichte, Alter und durchschnittliche Lebensdauer allgemein festzulegen sein).

Folgende Vorgehensweise würde ich empfehlen:

- Unterschreiben Sie auf keinen Fall ein Schreiben der Versicherung.

- Lassen Sie sich von dem Hotel die Versicherungsbedingungen in Kopie aushändigen (fragen Sie nach einer deutschen oder zumindest englischsprachigen Fassung).

- Suchen Sie sich über die Rechtsanwaltskammer (in Ihrem Fall Rechtsanwaltskammer Bamberg) oder das Internet einen Anwalt, der sich im italienischen (Versicherungs-) Recht auskennt - insbesondere auch der Sprache mächtig ist - und bitten Sie diesen mit der Prüfung der Versicherungsbedingungen und Kontaktaufnahme mit der Versicherung (Versicherungen sind bei Kontakt mit Anwälten häufig eher bereit, sich auf eine höhere Summe zu verständigen, da die Verhandlungen hier eher auf Augenhöhe laufen). Erst nach Prüfung der Versicherungsbedingungen wird man eine konkrete Aussage dahingehend treffen können, wie erfolgversprechend die weitere Geltendmachung sein wird.

- Schließlich wird insbesondere auch zu prüfen sein, ob eine eventuelle Klage in Deutschland oder in Italien durchgesetzt werden sollte (eine Klage in Deutschland wäre zwar möglich, ist aber nicht immer sinnvoll).

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen weitergeholfen zu haben. Sofern noch Verständnisfragen bestehen, bitte ich um Nutzung der Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen,

Cornelia Klüting
Rechtsanwältin

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