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Prüfung eines Arbeitszeugnisses

| 18.08.2008 11:34 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin,
sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

im Rahmen der anwaltlichen Erstberatung dieser Internet-Plattform bitte ich um Prüfung des nachstehend genannten Arbeitszeugnisses meiner Mutter.

Dem Arbeitszeugnis liegt eine außerordentliche Kündigung zu Grunde, die jedoch nicht gerechtfertigt war. Ich habe meine Mutter vor dem Arbeitsgericht vertreten, vor dem sämtliche Vorwürfe gegen meine Mutter entkräftet wurden. Das Verfahren endete mit einvernehmlicher Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach ordentlicher Kündigungsfrist aus betrieblichen Gründen sowie Abfindung.

Zusätzlich wurde in dem Vergleich festgelegt, dass ein wohlwollendes und qualifiziertes Arbeitszeugnis erteilt wird. Der Geschäftsführer versprach ein Arbeitszeugnis der Note 2.

Da mir in dem Zeugnis diverse Ungereimtheiten auffallen, möchte ich gerne eine zweite Meinung auf diesem Wege einholen.

Vorweg: Die Vorwürfe, dass meine Mutter nicht teamfähig oder ausreichend qualifiziert war, konnten vor dem Arbeitsgericht in vollem Umfang entkräftet werden.

Bitte nennen Sie bei zweifelhaften Passagen auch alternative Formulierungsmöglichkeiten zu Gunsten meiner Mutter.

Ich werde dann zunächst außergerichtlich zur Umformulierung auffordern.

Vielen Dank!


Z e u g n i s

Frau X, geb. am xx.xx.xxxx, wohnhaft in xx, xx war in der Zeit vom xx.xx.xxxx bis zum xx.xx.xxxx als Leiterin unseres Pflegedienstes ganztägig beschäftigt. Ihr oblag die verantwortliche Leitung unseres Pflegedienstes im pflegerischen Bereich. Unser Pflegedienst hat Mitte xx xxxx seinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb aufgenommen.

Zum Aufgabengebiet der Frau X gehörten insbesondere:

- Kundenakquisition, (Ansprechpartnerin in allen Fragen rund um die Pflege)
- Abschluss von Pflegeverträgen
- Einsatz- und Torenplanung aller Mitarbeiterinnen
- Anleitung, fachliche Begleitung und Motivation der Mitarbeiterinnen
- Leitung der wöchentlichen Teambesprechungen
- Pflegevisiten bzw. -beratungen nach § 37 Abs. 3 SGB XI
- Vorbereitende Verwaltungstätigkeiten im Rahmen des Genehmigungs- und Abrechnungsverfahrens der Leistungen nach dem SGB V und den SGB XI

Frau X leitete den Pflegeprozess gemeinsam mit den ihr unterstellenten Pflegefachkräften, begleitete, kontrollierte und korrigierte ihn gegebenenfalls. Hierzu sind ein hoher Grad an Teamfähigkeit und Detailkenntnissen erforderlich, über die Frau X verfügt.

Frau X hat die Fähigkeit, theoretisches Fachwissen in die Praxis umzusetzen. Sie kann Mitarbeiterinnen sachgerecht anleiten, in plötzlich sich veränderten Situationen Lösungen entwickeln und notwendige Hilfestellung geben.

Frau X hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

Ihr Verhalten gegenüber den Mitarbeiterinnen und Vorgesetzten war einwandfrei.

Das Arbeitsverhältnis wurde in beiderseitigem Einvernehmen zum xx.xx.xxxx beendet.

Wir danken Frau X für Ihre Arbeit und wünschen Ihr für die Zukunft alles Gute.

xx, den xx.xx.xxxx

Geschäftsführer

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:

I.

Vorab sei darauf hingewiesen, daß bei einem Einsatz von 30,00 EUR natürlich keine umfangreiche und dezidierte Prüfung eines Arbeitszeugnisses erfolgen kann.

II.

Zu dem Zeugnis ist folgendes anzumerken:

1.

Ich gehe davon aus, daß die Tätigkeitsbeschreibung zutrifft. Sollten diese Auflistungen unvollständig sein, können Sie selbstverständlich Ergänzungen verlangen.

2.

Zur Frage der Teamfähigkeit ist anzumerken, daß es in dem Zeugnis heißt, daß die Arbeitnehmerin über die erforderliche Teamfähigkeit sowie über Detailkenntnisse verfüge. D.h., aus dem Zeugnis geht keinesfalls hervor, Ihre Mutter sei nicht teamfähig oder nicht ausreichend qualifiziert.

3.

Die Benotung ist nicht zu beanstanden. Ihrer Mutter wurde bescheinigt, sie habe die ihr übertragenen Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit erledigt. Es gibt, wenn man sich dieser Formulierungen bedient, nur die Steigerung, daß die Arbeiten stets zur vollsten Zufriedenheit erledigt worden seien. Auf die letztgenannte Formulierung, die der Note „sehr gut" entspricht, hat Ihre Mutter allerdings keinen Rechtsanspruch.

4.

Hinsichtlich des Verhaltens werden die Patienten nicht erwähnt. Zwar kann ich Ihrer Sachverhaltsschilderung nicht entnehmen, ob und inwieweit Ihre Mutter Kontakt zu den Patienten hatte. Ggfls. wäre zu ergänzen, daß das Verhalten Ihrer Mutter gegenüber den Patienten, den Mitarbeiter/innen und Vorgesetzten einwandfrei gewesen sei. Allerdings ist die Formulierung „einwandfrei" recht schwach. Hier sollte man vorschlagen, die Formulierung dahingehend abzuändern, daß Ihre Mutter freundlich, hilfsbereit und kooperativ, um einige Beispiele zu nennen, gewesen sei.

5.

Es fehlt noch der Ausdruck des Bedauerns bzgl. des Ausscheidens Ihrer Mutter aus dem Betrieb. Hier sollte man am Schluß den Satz einfügen, daß man mit Frau X eine wertvolle Mitarbeiterin verliere und daß man dies bedauere.

III.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen eine erste Einschätzung gegeben zu haben. Sollten Sie eine detaillierte Prüfung des Zeugnisses wünschen, bin ich gern bereit, die Angelegenheit zu übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen



Gerhard Raab
(Rechtsanwalt)

Nachfrage vom Fragesteller 18.08.2008 | 13:31

Sehr geehrter Herr RA Raab,

ich bedanke mich für die Beantwortung meiner hier eingestellten Rechtsfrage. Bitte erlauben Sie mir folgende Nachfrage zu Ihren Ausführungen unter II Nr. 5:

Sie führen aus, dass der Ausdruck des Bedauerns fehle. Tatsache ist jedoch, dass das Arbeitsverhältnis vor dem Arbeitsgericht durch Vergleich unter Berücksichtigung der ordentlichen Fristen beendet wurde.

Ich gehe davon aus, dass jeder Außenstehende selbst entnehmen kann, dass kein Bedauern des Ausscheidens gegeben ist, wenn ein Arbeitsverhältnis in einem Kündigungsschutzprozess einvernehmlich beendet wird.

Ist der Arbeitgeber also berechtigt, im Arbeitszeugnis aufzuführen, dass das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen beendet wurde?

Ich bin der Meinung, dass hier auszuführen wäre, dass das Arbeitsverhältnis aus BETRIEBLICHEN GRÜNDEN im beiderseitigen Einvernehmen beendet wurde, was den Ausschluss eines SELBSTVERSCHULDENS am besten zum Ausdruck bringen würde.

Aus dem Satz "Frau X leitete den Pflegeprozess gemeinsam mit den ihr unterstellenten Pflegefachkräften, begleitete, kontrollierte und korrigierte ihn gegebenenfalls. Hierzu sind ein hoher Grad an Teamfähigkeit und Detailkenntnissen erforderlich, über die Frau X verfügt." hatte ich entnommen, dass meine Mutter jede Gelegenheit ergriffen hat, Arbeitnehmer (was durch hinzufügen des Zusatzes "gegebenenfalls" deutlich wird) zu verbessern, auch soweit dies nicht notwendig gewesen ist. Es kam hier meiner Ansicht nach ein schlechtes Verhältnis zu den ihr unterstellten Mitarbeitern zum Ausdruck. Des Weiteren bringt der Schluss "über die Frau X auch verfügt" meines Erachtens eine nur unzureichende Umsetzung des Vorgenannten zum Ausdruck.

Bei "Ihr Verhalten gegenüber den Mitarbeiterinnen und Vorgesetzten war einwandfrei" war ich der Ansicht, dass es heißen müsste, "Ihr Verhalten gegenüber den Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei". Insbesondere war ich hier der Ansicht, dass die Nennung der Mitarbeiter im Satz vor den Vorgesetzten zum Ausdruck bringt, dass das Verhalten gegenüber den Mitarbeiterin besser war, als gegenüber den Vorgesetzten. Als Respektperson hätte hier - dieser Ansicht nach - Vorgesetzte zuerst genannt werden.

Ein Kontakt zu Patienten war darüber hinaus auch ständig gegeben. Die Tätigkeitsbeschreibung ist korrekt.

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.08.2008 | 15:29

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis auszustellen. Wenn der Arbeitgeber also schreibt, das Arbeitsverhältnis sei im gegenseitigen Einvernehmen beendet worden, ist das in sachlicher Hinsicht nicht zu beanstanden. Gleichwohl halte ich den Ausdruck des Bedauerns für sinnvoll, da man ein Arbeitsverhältnis durchaus einvernehmlich beenden kann, der Arbeitgeber das Ausscheiden des Arbeitnehmers jedoch bedauert.

Der Ausdruck des Bedauerns hat deshalb ein gewisses Gewicht, da das Weglassen dieser „Formel" den Leser des Zeugnisses zu der Annahme veranlassen könnte, der Arbeitgeber sei froh, daß der Arbeitnehmer endlich weg sei.

Natürlich können Sie auch den Wunsch äußern, daß der Arbeitgeber ausführt, das Arbeitsverhältnis sei aus betrieblichen Gründen in beiderseitigem Einvernehmen beendet worden. Zu bedenken gebe ich aber, daß der geschulte „Arbeitszeugnis-Leser" weiß, daß es sich bei der Angabe betrieblicher Gründe in einer Vielzahl von Fällen lediglich um eine bloße Floskel handelt.

Die Interpretation hinsichtlich Teamfähigkeit etc., die Sie vornehmen, teile ich in dieser Form nicht. Jedenfalls würde ich daraus nicht herauslesen, Ihre Mutter habe andere korrigiert, ohne daß ein sachlich begründeter Anlaß bestanden hätte.

Daß man bzgl. des Verhaltens die Vorgesetzten vor die Mitarbeiter setzt, hat sicherlich einen „kosmetischen" Effekt. Allzu große Bedeutung würde ich der Reihenfolge der Wortwahl allerdings nicht beimessen.

Mit freundlichen Grüßen



Gerhard Raab
(Rechtsanwalt)

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