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Probleme mit Dachdeckerarbeiten


09.12.2012 20:27 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir wenden uns an Sie, um in folgender Angelegenheit eine rechtssichere Grundlage zur Argumentation und Vorgehensweise zu haben.

An unserem Haus, einer Doppelhaushälfte, musste wegen mangelhafter Arbeiten am Nachbardach, schnellstmöglich auch unser Dach neu gedeckt werden. Bei Starkregen drang das Wasser an der Verbindungsstelle beider Dachgauben durch die Decke und verursachte zusätzliche Schäden an unserem Treppenhaus. Nach Einholung verschiedener Kostenvoranschläge und Empfehlungen von Anwohnern unserer Strasse entschieden wir uns für ein Einzelunternehmen. Dieser Handwerker erledigte unterstützend auch die Dachdeckerarbeiten an unserem Nachbardach, wobei unsere Nachbarn das Meiste selbst ausgeführt sowie ihr Material selbst besorgt hatten.

Als wir dem Dachdecker den Zuschlag erteilten, wies er uns darauf hin, dass das Material vorab bezahlt werden müsste. Diese Vorauszahlung von 6.000 € leisteten wir sofort bei Beginn der Arbeiten am 07.11.2012. Am 10.11.2012 teilte der Dachdecker uns mit, dass die Lieferung der Dachziegel auf Grund von Lieferschwierigkeiten erst am 06.12.2012 erfolgen kann. Unser Dach, das seit 09.11.2012 abgedeckt war, ist nunmehr seit 4 Wochen extremer Witterung ausgesetzt. Bei den starken Regenfällen der letzten Wochen trat Wasser durch die Decke und Holzverkleidung unseres Badezimmers. Der Teppich im Badezimmer wurde dabei beschädigt. Was die Holzverkleidung und die darüberliegende Dämmung betrifft, muss erst noch durch den Dachdecker nachgeschaut werden, ob Nässeschäden entstanden sind. Der Dachdecker wurde sofort informiert, es wurde provisorisch abgedichtet. Wenige Tage später, bei erneutem Regen, traten neue Schäden auf. Hier war der Dachdecker im Urlaub und nicht erreichbar. Nachdem nun die Dachziegel bereits am 04.12.2012 geliefert wurden, verzögerte sich die Dacheindeckung um zwei weitere Tage. Gearbeitet wurde in dieser Woche am 06. und 07.12.2012 von 8 - 14.30 Uhr mit großzügigen Pausen. Dabei ging beim Transport auf das Dach ein Paket Dachziegel zu Bruch. Da nun inzwischen der Winter Einzug hielt, verbunden mit heftigem Schneefall, versprach unser Dachdecker, auch am Samstag, den 08.12.2012, zu arbeiten. Er erschien jedoch nur, um eine weitere Zahlung von 4.000 € per Teilrechnung zu verlangen.

Heute am 09.12.2012 stellt sich die Sachlage so dar, dass unser Dach halb eingedeckt ist, wir massive Schneefälle haben, die Folgeschäden nicht absehbar sind und wir nicht wissen, wie wir mit dem Dachdecker weiter verhandeln sollen. Sollten wir einen Gutachter einschalten, wer übernimmt dafür die Kosten und wieviel Preisnachlass für das Dach insgesamt ist angebracht? Wie können wir uns für eventuelle Folgeschäden absichern?

Herzlichen Dank für die Bearbeitung dieses Falles.

09.12.2012 | 21:58

Antwort

von


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Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne benatworte ich Ihre Anfrage auf der Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt:

Bei dem von Ihnen geschlossenen Vertrag handelt es sich um einen Werkvertrag. Demgemäß finden die Vorschriften §§ 631 ff. BGB Anwendung.


I. (Erfüllungsanspruch)
Vorab haben Sie nach § 631 BGB einen Anspruch auf Erfüllung des Werkvetrages. Dies wäre die Fertigstellung des Daches.


II. (Schadensersatzanspruch)
Ihnen steht ein Anspruch auf Fertigstellung des Werkes zu. Das Unternehmen, also Ihr Vertragspartner könnte sich mit der Leistung in Verzug befinden. Aus dem gesichtspunkt des Verzuges könnten Ihnen Schadensersatzansprüche gegen das Unternehmen zustehen.

Die Voraussetzungen des Verzuges sind in § 286 BGB geregelt. Nach § 286 Abs.1 BGB kommt der Schuldner (also hier das Unternehmen) in Verzug, er auf eine Mahnung des Gläubigers, die nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgt, die Leistung nicht erbringt. Der Mahnung stehen die Erhebung der Klage auf die Leistung sowie die Zustellung eines Mahnbescheids im Mahnverfahren gleich.

Demnach müsste die Leistung des Unternehmens fällig sein. Die Fälligkeit richtet sich primär nach den Vereinbarugen der Parteien. Ihnen wurde mitgeteilt, dass die Lieferung der Dachziegel mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Maßgeblich ist zunächst, was Sie bei Auftragserteilung bzw. welchen Zeitpunkt Sie für die Fertigstellung vereinbart haben.

Es ist mir nun nicht bekannt, ob dieses Einzelunternehmen Allgemeine Geschäftsbedingungen hat oder ob Sie ein bestimmtesn festes Datum vereinbart haben. Oft nehmen sich solche Unternehmen dadurch in Schutz, dass Sie schon bei Vertragsabschluss darauf hinweisen, dass es bei der Lieferung des Materials zu Verzögerungen um mehrere Wochen kommen kann.

Vorbehaltlich der Kenntnis des Vertragsinhalts, geht aus Ihren Schilderungen hervor, dass Sie nicht bei Vertragsschluss, sondern wenige Tage später, zu Beginn der ersten Arbeiten, also am 10.11.2012, auf etwaige Liferungsverzögerungen hingewiesen worden sind.

Und hier dürfte es sich um den Knackpunkt handeln. Solange Ihnen solche Verzögerungen nicht schon bei Vertragsschluss aufgezeigt wurden, sei es schriftlich durch AGBs, oder mündlich, oder in sonstiger Weise gehen solche Verzögerungen zu Lasten des Schuldners.

Jedoch ist zu beachten:
Sie hatten gehofft, dass die Arbeiten aufgrund der Witterungsverhältnisse in paar Tagen erledigt werden. Ein bestimmter Zeitpunkt wurde jedoch nicht ausgemacht. Aus diesem Grunde kann sich das Unternehmen erlauben, die Arbeiten auf diese Weise in die Länge zu ziehen.

Zwischenfazit:
Eine Fälligkeit existiert im Zweifel nicht. Zwar ist nach der gesetzlichen Konzeption gerade das Gegenteil einschlägig; also im Zweifel ist die Leistung SOFORT zu erbingen. Dies ist jedoch schon aufgrund der Natur des Vertrages nicht möglich.

Handlungsmöglichkeiten:
Sie müssten schnellstmöglich das Unternehmen auffordern, mit den Arbeiten fertig zu werden. Machen Sie hierbei ruhig auch deutlich, dass Sie sich Schadensersatzansprüchen aufgrund des Verzuges vorbehalten. Diese Aufforderung sollte natürlich nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich erfolgen. Setzen Sie dem Einzelunternehmer eine kalendermäßige (zeitnahe) Frist.

Sollte die Frist fruchtlos verstreichen, mahnen Sie ihn SOFORT ab. Durch die Mahnung kommt er dann in Verzug.

Erstattungsfähig wären sowohl der Schaden an dem Teppich, als auch die witterungsbedingten anderen Folgeschäden. Diese Schäden müssten aber Ihre Ursache in dem Verzug haben. Es müssen sich um Schäden handeln, die bei rechtzeitiger Fertigstellung nicht entstanden wären.

Wieviel "Preisnachlass" angebracht ist, wird wohl am besten der Gutachter wissen. Diesbezüglich habe ich keine Fachkenntnisse. Es handelt sich ja nicht um eine Minderung im gewährleistungsrechtlichen Sinne, da das Werk (zunächst einmal) nicht mangelhaft ist. Jedoch können Sie mit etwaigen Schadensersatzposten aufrechen. Die Kosten des Gutachters hätten Sie zunächst "vorzustrecken". Aus dem Gesichtspunkt des Schadensersatzes wegen Verzuges, könnten Sie dann im Nachhinein diese Kosten auch auf den Unternehemr umwälzen.

Es gilt, die Firma schnellstmöglich in Verzug zu bringen.


III.
Die Kosten des unbrauchbar gewordenen Pakets müssen Sie selbstverständlich nicht tragen, wenn Sie dessen Sturz nicht verschuldet haben.


Ich hoffe, dass ich Ihnen behilflich sein und Ihnen einen ersten rechtlichen Überblick verschaffen konnte.


Abschliessend weise ich Sie darauf hin, dass die hiesige Online-Beratung den Besuch bei einem Rechtsanwaltskollegen vor Ort nicht ersetzen kann, sondern lediglich dazu dient, dem Mandanten eine erste grobe rechtliche Einschätzung zu verleihen.

Das Weglassen und bzw. oder Hinzufügen von relevanten Angaben kann eine völlig andere rechtliche Bewertung nach sich ziehen.


Mit freundlichen Grüßen

Kirli
(Rechtsanwalt)



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