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Privatverkauf über Amazon --> Kunde reklamiert nach 2 Monaten Gerät als defekt.

| 26.06.2012 10:18 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe im April 2012 ein altes Notebook, welches vier Jahre privat bei mir im Einsatz war, zum verkaufen auf dem Amazon Verkaufsplattform angeboten.

Am 13.04.2012 hat mich der zukünftige Käufer erstmalig mit Fragen zu dem Gerät kontaktiert, die ich alle ausführlichst beantwortet hatte.
Neben technischen Fragen kam dabei auch die Frage nach einer etwaigen Garantie auf. Ich habe darauf hin geantwortet, das das Gerät keine Garantie mehr hat und ich als Privatperson auch keine Garantie geben kann.

Daraufhin hat der Verkauf auch noch am 13.04.2012 zum einem Kaufpreis von 367€ stattgefunden.

Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten des Käufers hat Amazon mir den Kaufbetrag (abzüglich aller Gebühren) erst am 16.04.2012 gutgeschrieben.
Das Paket wurde noch am selben Tag versendet und ist lt. Paketverfolgung bereits am 18.04.2012 beim Kunden eingetroffen.

Das positive Feedback des Käufers: "Sehr nett, sehr schnell, sehr zuvorkommend. Perfekter Artikel in Originalkarton noch nach drei jahren eine Seltenheit. Alles perfekt jederzeit immer wieder gerne.", erfolgte eine Woche später am 25.04.2012, womit der Vorgang für mich abgeschlossen war.

Am 15.06.2012 meldete sich der Käufer jedoch, das das Gerät nunmehr defekt sei und sich nicht mehr einschalten ließe.

Ich (gelernter Informatiker, daraufhin seit 6,5 Jahren im IT Vertrieb tätig) habe daraufhin noch einige einfache Tipps gegeben, was der Käufer machen könnte.
Der Käufer hat das Gerät daraufhin selbstverantwortlich in eine Werkstatt gebracht.

Ich habe zu jedem Zeitpunkt eine Rücknahme oder kostenpflichtige Reparatur meinerseits ausgeschlossen.

Gestern, am 25.06.2012 hat sich der Käufer erneut gemeldet.
Hier der genaue Wortlaut:

"Hallo,

jetzt haben wir ein Problem. Gerade wurde mir mitgeteilt, daß das Mainboard defekt ist und der PC wohl schon früher immer wieder sporadisch ausgegangen sein soll, weil der Kühler einen starken defekt hatte, was ein Mainboard nicht dauerhaft mitmacht und das würde man an der Hardware erkennen. Eine Reparatur würde mich 399 Euro mit Materialien kosten.

Laut der IT Firma wäre also das Gerät schon teilweise defekt gewesen weswegen es direkt einen Monat nach Kauf komplett kaputt ging.

Was machen wir nun? Ich bin ehrlich gesagt etwas sauer, daß ich ein defektes Gerät bekomme was als komplett in Ordnung verkauft wurde.

Ich warte auf einen Vorschlag.

MfG"

Ich habe den Defekt bedauert, jedoch jegliche Beteiligung meinerseits erneut abgewiesen.
Das Gerät war in einem einwandfreien Zustand, als ich es verschickt hatte.
Etwaige Vordefekte sind mir unbekannt und können m.E. ausgeschlossen werden. Ich hatte das Gerät zuvor noch vom 01.04.2012 - 09.04.2012 während eines Urlaubs einwandfrei im Betrieb.

Was in diesen rd. 2 Monaten geschehen ist, kann ich nicht beurteilen.

Noch am 25.06.2012 hat der Käufer sich an das Amazon Garantie Programm gewendet und dort folgende Angaben gemacht:

"Gerät wurde täglich 2 Stunden als Zweitgerät betrieben, erste Ausfälle kamen nach 1er woche, daß der Rechner immer wieder ausging. Nach einem Monat dann ging er gar nicht mehr an und eine Untersuchung in einer Werkstatt hat ergeben, daß der defekt des Ausfallens und des Kühlers schon länger und vor dem Kauf vorgelegen haben muß und nun das Mainboard zerstört hat. Nach einem Monat ist das Gerät ohne mein Zutun kaputt gegangen was eindeutig auf einen defekt zurückzuführen ist. Eine Reparatur würde 399 Euro kosten und ein Entgegenkommen des Verkäufers ist nicht mal in kleinen Teil zu sehen. Er weigert sich zu einigen und weist sämtliche Schuld von sich."

Ich habe meine Sicht der Dinge gegenüber Amazon geschildert.
(Kurzgefasst: Ich habe den Ablauf, wie hier, chronologisch dargestellt und eine Verantwortung nach 2 Monaten in Besitz des Käufers abgelehnt.)

Gestern Nacht bekam ich dann Nachricht von Amazon, das ich Angaben machen solle, wohin das Gerät retourniert werden könne.
Und ich solle umgehend nach Erhalt des Gerätes den Kaufpreis erstatten.
Wenn ich nicht binnen drei Tagen reagieren würde Amazon den Kaufbetrag erstatten und mir belasten, egal ob das Gerät zurück sei oder nicht.


Wie soll ich mich hier verhalten?
Bin ich einer Rücknahme eines defekten Gerätes nach 2 Monaten Betrieb verpflichtet?
Was mache ich, sollte ich nicht verpflichtet sein und Amazon belastet mich dennoch?

Vielen Dank für Ihre Antworten,


Sebastian M.

Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Grundsätzlich haftet auch der private Verkäufer für Mängel der verkauften Sache gemäß der §§ 434 ff. BGB, wenn er die Mängelhaftung nicht wirksam ausgeschlossen hat. Diese Haftung gilt allerdings nur für Mängel, die bereits bei Gefahrübergang vorlagen. Gefahrübergang ist bei einem Privatkauf über das Internet regelmäßig der Zeitpunkt, an dem der Verkäufer die Ware an das Versandunternehmen (DHL etc.) übergeben hat (siehe § 447 BGB).

Ob der Käufer also nach verweigerter Mängelbeseitigung zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigt war, hängt davon ab, ob das Notebook zum Zeitpunkt der Übergabe an das Versandunternehmen mangelhaft war. Hierbei ist zu beachten, dass der Käufer hierfür die Beweislast trägt. Er muss also beweisen, dass das Notebook zu diesem Zeitpunkt bereits den behaupteten Defekt hatte und der Mangel nicht erst später (z.B. beim Versand oder durch Benutzung durch den Käufer) entstanden ist. Kann der Käufer beweisen, dass der Kühler bereits bei Übergabe defekt war und der Mainboardschaden hierauf beruht, kann er entsprechende Mängelansprüche geltend machen. Ob ihm dies gelingen kann, kann aus der Ferne natürlich nicht beurteilt werden und müsste im Streitfall ggf. durch einen Gutachter geklärt werden. Ansonsten spricht zunächst einmal auch das positive Feedback nach Erhalt des Notebooks für eine ordnungsgemäße Erfüllung durch den Verkäufer.

Wenn Sie also (auch aufgrund Ihres eigenen Sachverstands als Informatiker) ausschließen können, dass der Defekt bereits bei Übergabe vorhanden, sollten Sie die Rücknahme und Rückzahlung verweigern. Dasselbe gilt, wenn Sie sämtliche Mängelansprüche (nicht zu verwechseln mit Garantieansprüchen!) im Vorfeld des Verkaufs wirksam ausgeschlossen haben.

Inwieweit amazon berechtigt ist, auch bei ungeklärtem Sachverhalt Ihr Konto zu belasten, hängt von den zwischen Ihnen und amazon vereinbarten Vertragsbedingungen für den Verkauf über die amazon-Plattform ab, die mir nicht bekannt sind. Allerdings scheint amazon in solchen Fällen eher käuferorientiert zu handeln, siehe z.B. http://www.test.de/Der-Fall-Amazon-verprellt-privaten-Verkaeufer-1762323-2762323/
Sie sollten dennoch versuchen, noch einmal direkt mit amazon Kontakt aufzunehmen, wobei erfahrungsgemäß eine telefonische Kontaktaufnahme deutlich effektiver ist als per E-Mail.


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 27.06.2012 | 10:13

Sehr geehrter Herr Wilking,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken und Ihnen etwas positives Mitteilen.

amazon hat den Antrag des Käufers zwischenzeitlich abgelehnt.

Bei der Verkäuferhotline amazons war ich nicht weiter gekommen. Dort werden leider keine Fragen bezg. der a-z-Garantieanträge beantwortet.
Lt. dem Herren der Hotline würde die Kommunikation ausschließlich schriftlich erfolgen um eine gewisse Rechtssicherheit zu gewähren.

Nunja.

Ich habe jedenfalls nochmals auf die Aufforderung amazons, eine Rückabwicklung zu initiieren, geantwortet.

Ich habe eine eindeutige Erklärung eingefordert, mit welcher Begründung dem Antrag stattgegeben wurde, wenn das Notebook doch nach zwei Monaten im Besitz des Käufers einen defekt aufweist, zunächst aber einwandfrei funktionierte.

Schließlich könne ich ja nicht nachvollziehen, was in diesen zwei Monaten geschehen ist.

Des weiteren habe ich die Herrschaften aufgefordert meine Stellungnahme nochmals genau durchzulesen und mir anhand dieser eine detaillierte Begründung zu geben.

(Ich hatte noch überlegt vorsorglich amazon in diesen Zuge die Erlaubnis per Lastschriftverfahren abbuchungen vorzunehmen zu entziehen.
Es ist jedoch davon auszugehen, das diese dies via Mailsystem nicht akzeptieren und ein offizielles Schreiben einfordern.
Des Weiteren wollte ich nicht "noch mehr Öl in s Feuer kippen".)

Scheinbar war das amazon alles in allem zu viel Aufwand.

Gestern Abend war dann der Antrag plötzlich abgelehnt und abgeschlossen.

Der Käufer hat jetzt zwar nochmals die Möglichkeit Einspruch zu erheben.
Dem sehe ich zwischenzeitlich aber gelassen entgegen.

Im diesen Sinne; Besten Dank und beste Grüße in die Heimat,

Sebastian M.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.06.2012 | 10:18

Es freut mich, dass der Fall jetzt wohl doch noch relativ unkompliziert erledigt werden konnte. Sollte es dennoch weitere Probleme geben, können Sie sich auch gerne direkt an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Jan Wilking

Bewertung des Fragestellers 27.06.2012 | 10:14

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Die Antworten haben mir sehr weiter geholfen.
Ich hatte zwischenzeitlich sogar überlegt Herrn Wilking direkt zu kontaktieren und zu beauftragen."
Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 27.06.2012 5/5,0
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