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Privathaftpflicht will Reparatur an Esszimmerstühlen nicht bezahlen

16.09.2014 10:18 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Zusammenfassung:

Umfang der Ersatzpflicht des Haftpflichtversicherers nach Beschädigung eines Teils einer Sitzgruppe, Reparaturaufwand übersteigt den Zeitwert.

Hallo,

wir sind Geschädigte in einem Versicherungsfall.

Unser Freund hat bei einer Geburtstagsfeier mitgeholfen, den Tisch abzudecken und hat dabei
leider einen Teelichthalter umgestoßen. Das Ergebnis war fatal: Wohnzimmerwand voller Wachs, ebenso eine Tischdecke und ein Rattan-Esszimmerstuhl, der mit braunem Kunstleder auf der Sitzfläche bezogen ist.

Die Versicherung hat die Wiederherstellung der Wand (Kostenvoranschlag des Malers) und den Zeitwert der Tischdecke freigegeben.

Mit dem Stuhl ist es allerdings problematischer. Die Stühle sind so nicht mehr im Handel erhältlich (wir haben diese vor ca. 4 Jahren erworben) und wir hatten auch nicht vorgehabt, uns in absehbarer Zeit von diesen zu trennen.

Somit haben wir bei einen Raumausstatter und bei einem Sattler nachgefragt, ob eine Reinigung möglich ist. Das heiße Wachs hat sich regelrecht eingebrannt und einen großen Fleck hinterlassen. Beide Fachleute haben eine Reinigung ausgeschlossen, da nicht möglich.

Der Sattler hat nun den Neubezug des Stuhles vorgeschlagen und dazu geschrieben, dass das Kunstleder, so wie es jetzt drauf ist, leider nicht mehr zu beschaffen sei. Er kann ein anderes, farblich ähnliches Material besorgen, aber der Stuhl sieht dann eben anders aus als die anderen 5 Stück.

Somit ist der Bezug aller Stühle notwendig, um eine Gleichheit zu gewährleisten.
Das ist auch genau unser Ansinnen, denn vorher war der Zustand genau dieser, nämlich das alle Stühle gleich waren. Wir haben diese immer sehr gepflegt und der Sattler hat auch nochmal bestätigt, dass die Stühle eine sehr gute Qualität und Zustand aufweisen.

Der Sattler möchte pro Stuhl € 157,00 für den Neubezug. Es sind 6 Stück, also € 942,00 für die Wiederherstellung des alten Zustandes, wenn man so will.

Die Versicherung hat nun angeboten hierfür € 300,00 zu zahlen, den sogenannten Zeitwert.

Natürlich haben wir uns auch eher auf die Reinigung eingestellt und wären damit glücklich gewesen, aber wenn der Neubezug aller Stühle notwendig ist, geht es doch wohl nicht anders.

Laut § 249 "Art und Umfang des Schadensersatzes"
(1) Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre - sagt ja im Grunde genau das aus.

Es kann doch nicht sein, dass wir als Geschädigte die Differenz von € 642,00 zahlen müssen, um die Zustand wie vor dem Schadensereignis herzustellen.

Wohl gemerkt, wir wollen keine neuen Stühle, sehr wohl aber die Herstellung des alten Zustandes.



Eingrenzung vom Fragesteller
16.09.2014 | 10:33

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich liegen Sie damit richtig, dass im Falle der Beschädigung einer Sache der Schädiger den Zustand wiederherzustellen hat, der vor der Beschädigung bestand. Dieser Regelung sind jedoch auch Grenzen gesetzt.

Eine Wiederherstellung kann durch Reparatur oder Ersatzbeschaffung erfolgen. Hierzwischen kann sich der Geschädigte frei entscheiden, muss jedoch das "Gebot der Wirtschaftlichkeit" beachten und sich daher für den kostengünstigeren Weg entscheiden. Dies bedeutet in diesem Fall, dass Sie sich auf eine Beschaffung vergleichbarer Stühle verweisen lassen müssten, wenn dies günstiger wäre als ein Neubezug.

Hierbei kommt dann jedoch auch noch das sogenannte "Integritätsinteresse" ins Spiel, das Sie bereits erwähnt haben. Dies besagt, dass ein grundsätzliches Interesse daran besteht, eher die bereits erworbenen Gegenstände zu behalten als sich neue anzuschaffen. Dem wird bspw. im Fahrzeugbereich dadurch Rechnung getragen, dass die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um 30 % übersteigen können. In Ihrem geschilderten Fall kann man so pauschal nicht herangehen, da es sich offenbar um seltene, jedenfalls so nicht mehr verfügbare Stühle handelt.

Hier muss man der Versicherung nochmals deutlich machen, dass der einzelne beschädigte Stuhl nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern man die gesamte Sitzgruppe in Bezug nehmen muss. Wenn der Wiederbeschaffungswert aller Stühle tatsächlich nur 300,00 € beträgt, dürfen Sie nicht auf den Neubezug bestehen. Anderenfalls hätte die Sache durchaus Aussicht auf Erfolg. Dies ist dann damit zu begründen, dass Ihr Integritätsinteresse sehr hoch ist, was sich auch durch den sonst ausgezeichneten Zustand der Stühle belegen lässt.

Sie müssen hierbei jedoch beachten, dass im Falle eines Rechtsstreits der Wert der Stühle und die Erforderlichkeit der Reparaturkosten ggf. durch einen Sachverständigen festgestellt werden muss, was zu einem erheblichen Kostenrisiko führen kann. Dies kann ggf. durch eine Rechtsschutzversicherung abgefedert werden.

Abschließend ist noch zu beachten, dass die Versicherungen ggf. in ihren Versicherungsbedingungen eine Haftungsbegrenzung festgelegt haben. So spielt bspw. gemäß § 88 VVG der "Liebhaberwert" einer Sache keine Rolle. Bei fehlender anderweitiger Vereinbarung zahlt daher die Versicherung tatsächlich nur den Zeitwert. Hinsichtlich weitergehender Ansprüche müssten Sie sich dann an den Schädiger selbst wenden, was natürlich im persönlichen Bereich immer sehr unangenehm ist.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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