Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Private Unfallversicherung Wortlaut 'Hand im Handgelenk'


17.08.2006 08:58 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht



Hallo!

Zunächst hier ein Auszug aus den AUB 2000 meiner privaten Unfallversicherung bei der DEVK:

"§7 Die Leistungsarten

I. Invaliditätsleistung

(1) ....
(2) Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Grad der Invalidität .
a) Als feste Invaliditätsgrade gelten - [...] - bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit:
- Arm im Schultergelenk 70%
- Arm bis oberhalb des Ellbogengelenkes 65%
- Arm bis unterhalb des Ellbogengelenkes 60%
- Hand im Handgelenk 55%
- Daumen 20%
- Zeigefinger 10%
- anderer Finger 5%
b) Bei Teilverlust oder Funktionsbeeinträchtigung eines dieser Körperteile wird der entsprechende Teil des Prozentsatzes nach a) angenommen."

Frage 1:
Darf mir dann dafür, dass sämtliche Finger noch einwandfrei funktionieren etwas vom "Handgelenkswert 55%" abgezogen werden oder kommt es hier nur auf die Bewegung IM Handgelenk an? (Wortlaut "Hand IM Handgelenk; Siehe auch BGH IV ZR 74/02)

Frage 2:
Der Gutachter hat keinen einzigen Winkel gemessen sondern alles nur geschätzt. Wenn ich aufgrund dessen ein Gegengutachten/Gutachtenkritik machen lasse, muss ich dann die Kosten übernehmen, wenn für mich dabei "bessere" Werte rauskommen? Wie hoch sind die Kosten ungefähr?

Ich bitte bei Frage 1 um eine verlässliche Auskunft mit Quellenangabe, da der Fall abängig davon vor Gericht gehen wird.
Eingrenzung vom Fragesteller
17.08.2006 | 09:45

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

die Gliedertaxte ist so gut wie nie starr anzuwenden. Nur wenn eines dieser Körperteile an exakt der beschriebenen Stelle abgetrennt wird ist diese unstreitiger Maßstab der Entschädigung.

Meist dürfte es sich um Einschränkungen der Gebrauchsfähigkeit habndeln, dann wird die Versicherung fast nie den Taxe-Wert akzeptiern. Nach neuerer Rspr. ist die Gliedertaxe "Vn-freundlich" auszulegen, als Orientierung folgenden Entscheidung:

"Neues Urteil zur Gliedertaxe
Die Unfallversicherer müssen bei Verletzungen mit bleibenden Folgen in zahlreichen Fällen höhere Entschädigungen als bisher zahlen. Nach einem heute veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) kann sich ein Waldarbeiter Hoffnung auf eine Nachzahlung von rund 140 000 Euro machen. Er hatte schwere Verletzungen erlitten, als ihn ein umstürzender Baum an der linken Schulter traf. Die Versicherung hatte von sich aus nur umgerechnet knapp 35 000 Euro Entschädigung gezahlt. Nach jahrelangem Rechtsstreit hat jetzt der Bundesgerichtshof geurteilt: Maßgeblich ist eine kundenfreundliche Auslegung der so genannten Gliedertaxe in den Versicherungsbedingungen AUB 94.
Schwere Verletzung an der Schulter
Bei dem Arbeitsunfall im November 1997 hatte der Kläger so schwere Verletzungen erlitten, dass er seinen linken Arm nicht mehr im Schultergelenk bewegen kann. Er wandte sich an seine Unfallversicherung. Dort hatte er sich für den Fall vollständiger Invalidität eine Kapitalleistung von 200 000 Mark und bei einem Invaliditätsgrad ab 50 Prozent eine Unfallrente von 2 000 Mark versprechen lassen. „Als fester Invaliditätsgrad gilt bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit eines Armes im Schultergelenk: 70 %“, stand in den für ihn wie viele andere gültigen Versicherungsbedingungen AUB 94. Trotzdem kam der von der Versicherung beauftragte Gutachter wegen der Verletzung des Arms nur auf einen Invaliditätsgrad von 30 Prozent. Sein Argument: Den Unterarm könne der Kläger zumindest eingeschränkt noch benutzen. Der Unterarm unterhalb des Ellenbogen werde in der Gliedertaxe mit 60 Prozent bewertet, so dass insoweit der für Verlust oder Funktionsverlust des Oberarms im Schultergelenk vorgesehene Invaliditätsgrad herabzusetzen sei.
Kundenfreundliche Auslegung ist Pflicht
Tatsächlich könnte die Gliedertaxe in den Versicherungsbedingungen so zu verstehen sein, räumten die Richter am Bundesgerichtshof ein. Genau so gut sei allerdings eine andere Auslegung der Gliedertaxe möglich, nach der es für den Invaliditätsgrad von 70 Prozent allein darauf ankommt, ob eine Funktionsunfähigkeit des Arms im Schultergelenk vorliegt und die Benutzbarkeit von Unterarm und Hand keine Rolle mehr spielen. Zwischenergebnis der Bundesrichter: Die Versicherungsbedingungen sind insoweit unklar. Unklarheiten bei den Geschäftsbedingungen gehen nach den Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch jedoch stets zu Lasten des Verwenders. Endergebnis der Bundesrichter: Es zählt die kundenfreundliche Auslegung der Versicherungsbedingungen. Jetzt muss erneut das Oberlandesgericht Hamm entscheiden. Die Richter dort waren zunächst auf einen Invaliditätsgrad von nur 42 Prozent gekommen. Sie müssen jetzt die kundenfreundliche Auslegung der Versicherungsbedingungen berücksichtigen und neu urteilen. Viel Spielraum sehen die Bundesrichter allerdings nicht. „Die bisherige Beurteilung der Sachverständigen deutet darauf hin, dass der Arm des Klägers im Schultergelenk völlig funktionsunfähig ist“, heißt es in der Urteilsbegründung. Im Klartext: Nach Ansicht der Bundesrichter hat der Kläger insgesamt gut 70 000 Euro Kapitalabfindung, gut 100 000 Euro Nachzahlung von Unfallrente und in Zukunft gut 1 000 Euro monatlich zu bekommen."

Unter Berücksichtigung der von Ihnen zitierten (etwas ältern) Entscheidung des BGH, der ausführt:

"1. Zu Recht und mit zutreffender Begründung hat das Berufungsgericht die Ausstrahlungen der Funktionsbeeinträchtigung der Hand im Handgelenk auf den ganzen Arm für unbeachtlich erklärt und deshalb nicht den Armwert angewandt (vgl. Senatsurteile vom 30. Mai 1990 - IV ZR 143/89 - VersR 1990, 964 unter 2 a; vom 17. Oktober 1990 - IV ZR 178/89 - VersR 1991, 57 unter 3 b; vom 23. Januar 1991 - IV ZR 60/91 - VersR 1991, 413; vom 17. Januar 2001 - IV ZR 32/00 - VersR 2001, 360 unter 2 a).

2. Im Ergebnis ebenfalls zu Recht hat das Berufungsgericht entschieden, daß "Funktionsunfähigkeit einer Hand im Handgelenk" vorliegt, wenn nur das Handgelenk funktionsunfähig ist. Dies ergibt sich aus der Unklarheitenregel der §§ 5 AGBG, 305c Abs. 2 BGB, wonach Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen zu Lasten des Verwenders gehen."

dürften bei einem Nachweis der Funktionsfähigkeit der Hand im Handgelenk, die Funktion der einzelnen Finger nicht relevant sein, da diese nichts mit dem Handgelenk zutun haben. Dies muss insbesonderen vor der neuen Sichtweise zur Auslegung der Gliedertaxte gelten. Das Prozessrisiko sehe ich demzufolge bei Nachweisbarkeit der Schädigung als gering an.

Ohne Gutachten wird allerdings in diesen Fällen so gut wie nie eine Entscheidung fallen. Die Gutachten der Versicherer erwecken meist den Anschein der Parteilichkeit. Deshalb müssen Sie als Anspruchssteller als Beweisangebot im Verfahren Sachverständigenbeweis anbieten. Die Einholung eines Parteigutachtens, also eines außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens macht meist wenig Sinn, weil Sie es zum einen selbst bezahlen müssen (ca. 800 € - 2200 €) und dieses im Prozess nicht als Beweis im Sinne eines SV-Gutachtens dient.

Ich hoffe mit meiner Antwort gedient zu haben und
verbleibe mit freundlichen Grüssen

RA O.Martin
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER