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Private Nutzung eines Betriebs-PKW?


05.01.2007 13:46 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Achim Schroers



Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Mitte 2005 bin ich selbständig im Bereich der Versicherungsvermittlung. Da nun die erste Steuererklärung auf mich wartet und ich ein wenig im Dunkeln tappe, erhoffe ich hier eine aufschlussreiche Antwort. Mein Steuerberater ist leider nicht zu erreichen, und ich würde gerne die Antwort haben bevor ich die Erklärung abgebe.

Ich habe mein Gewerbe an meinem Heimatort angemeldet. "Unser Büro" (mehrere Vermittler als eine Art "Untervermittler" aber alle mit einer selbständigen Gewerbeanmeldung) liegt in einem anderen Ort (ca. 50 km entfernt). Dort befinden sich auch alle Akten, Schriftstücke, im Grunde ein gesamtes Back-Office.

Meine Frage bezieht sich auf die Kosten meines KFZ. Gleich zu Beginn habe ich einen Wagen geleast (Wert ca. 40.000,- €) und nutze ihn fast vollständig für betriebliche Zwecke.

Der gewöhnliche Arbeitstag (Montag – Freitag; manchmal auch Samstag) sieht unterschiedlich aus.

1. Ich fahre morgens gegen 07.30 Uhr zu unserem "Büro", von dort zu einem Kunden, dann entweder zum nächsten Kunden oder wieder zurück zum "Büro", um die Sachen nachzuarbeiten, weiterzureichen oder ähnliches. Nach dem letzten Termin beim Kunden fahre ich dann in meinen Heimatort, an dem ich auch das Gewerbe angemeldet habe.

2. Ich fahre morgens gegen 07.30 Uhr direkt zu einem Kunden und von dort entweder zum nächsten oder ins "Büro". Nach dem letzten Termin beim Kunden fahre ich in meinen Heimatort.

Insgesamt fahre ich ca. 40.000 km im Jahr. Die direkten Fahrten zum Kunden machen ca. 60% aus, weitere 39% fallen auf die Fahrten von meinem Heimatort zum "Büro" oder vom Kunden zum "Büro"/vom "Büro" zum Kunden. Wie gesagt, wird das Fahrzeug – wenn überhaupt - nur am Wochenende für ein paar Einkäufe privat genutzt.

Nun meine Frage: Wie werden die Fahrten, die im Zusammenhang mit dem "Büro" stehen, steuerrechtlich behandelt? Also die Fahrten von meinem Heimatort zum "Büro", vom Kunden zum "Büro" und vom "Büro" zum Kunden?

Man sagte mir, dass ich alle Kosten des KFZ, die betriebsbedingt anfallen, auch voll ansetzen kann und dass lediglich der private Nutzungsanteil als Einnahme verbucht werden müsste.

Meines Erachtens ist fast die gesamte Nutzung betrieblich.

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die Auskunft, die Sie erhalten haben, ist zutreffend. Auch wenn Sie, was nach Ihren Angaben der Fall ist, Ihr Fahrzeug nur zu 1 % privat nutzen, müssen Sie den Privatanteil gewinnerhöhend als fiktive Betriebseinnahme berücksichtigen.

Bei einem derart geringen privaten Nutzungsanteil, sollten Sie dann allerdings den Privatanteil nicht nach der 1 %-Methode ermitteln, sondern nach der bei dieser Sachlage für Sie erheblich günstigeren Fahrtenbuchmethode. Selbstverständlich ist das Führen eines Fahrtenbuchs für Sie mit einigem zusätzlichen Aufwand verbunden ist. Diese Mühe werden Sie allerdings auf sich nehmen müssen, wenn Sie mit der Anwendung der 1 %-Methode nicht einverstanden sind. Denn eine andere Möglichkeit, die nur geringfügige private Nutzung des Fahrzeugs nachzuweisen (die objektive Beweislast hierfür trifft Sie), haben Sie leider nicht.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen im Rahmen der Nachfragefunktion gerne noch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Achim Schroers
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 05.01.2007 | 15:43

Sehr geehrter Herr Schroers,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Die Führung des Fahrtenbuches ist für mich selbstverständlich (durch Hinweise anderer Vermittler).

Mich interessiert vielmehr, ob ich die Fahrten, die mit dem "Büro" zusammenhängen, als betrieblich veranlasst und somit voll ansetzbar sehen kann. Andere Vermittler behaupten, dass diese Fahrten unter den Bereich der Werbungskosten nach §9 Abs. 1 fallen und nur mit der Pauschale von 0,30 € anzusetzen sind.

Dann wäre die Überlegung angebracht - soweit möglich - gar nicht oder seltener in das "Büro" zu fahren.

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.01.2007 | 20:21

Sehr geehrter Fragesteller,

die Aufwendungen für Ihre direkten Fahrten von Ihrer Wohnung zu Ihrem Büro sind keine Betriebsausgaben. Diese Aufwendungen können daher steuerlich nur mit der Entfernungspauschale iHv. 0,30 EUR berücksichtigt werden. Dies ergibt sich aus § 4 Abs. 5a EStG, der auf § 9 Abs. 2 EStG verweist.

Hinsichtlich aller übrigen Fahrten (mit Ausnahme der privat veranlaßten Fahrten) sollten Sie sich unter kurzer Darlegung Ihrer Situation und Vorlage des Fahrtenbuchs beim Finanzamt auf den Ihnen günstigen Standpunkt stellen, dass es sich dabei insgesamt um Geschäftsfahrten handelt. Folgt das Finanzamt Ihrer Auffassung nicht, sollten Sie unter Verweis auf ein derzeit anhängiges BFH-Verfahren (Az.: X R 53/03) Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen. In dem vorgenannten Verfahren geht es um einen meines Erachtens mit Ihrer Situation vergleichbaren Sachverhalt: Viele EDV-Dienstleister wickeln den Großteil ihrer Arbeit im häuslichen Büro ab, fahren aber auch öfter von der Wohnung aus mit dem Auto zu ihren verschiedenen Kunden zwecks Besprechung der Projekte. Der BFH hat nun darüber zu entscheiden: Sind dies dann Geschäftsfahrten, deren Kosten in voller Höhe als Betriebsausgaben zu berücksichtigen sind? Oder handelt es sich um Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte? Dann wäre hierfür nur die Entfernungspauschale abziehbar, ab 2007 sogar erst ab dem 21. Entfernungskilometer.

Sie erkennen an dem genannten Verfahren auch, dass es sich leider erst noch herausstellen muß, ob Sie günstiger "fahren", wenn Sie Ihr Büro seltener und stattdessen Ihre Kunden von Ihrer Wohnung aus aufsuchen.

Mit freundlichen Grüßen

RA Schroers

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