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Plagiat-Verdacht Doktorarbeit

13.05.2017 18:17 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Zusammenfassung: Grundsätzlich wird bei der Verletzung des Zitiergebotes in wissenschaftlichen Arbeiten von einem (vorsätzlichen) Täuschungsversuch ausgegangen, so dass die Aberkennung des akademischen Grades hier grundsätzlich stets folgen kann.

Die Fakten

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In August 2007 habe ich bei der Universität die Dissertation für meine Doktor-Arbeit erfolgreich bestanden.

Diese Woche wurde ich von der Uni schriftlich mitgeteilt dass betreffend meiner Dissertation-Arbeit einen Plagiat-Verdacht gibt, dieser Plagiat-Verdacht durch einen externen Gutachter überprüft wurde mit dem Ergebnis dass der Plagiat-Verdacht im Wesentlichen zutrifft.

Als Folge hat die Uni beschlossen das Verfahren zur Entziehung des Doktorgrades zu eröffnen.

Die Uni teilte mich mit, das wie in §28 Abs. 1 Verwaltungsverfahrensgesetz vorgeschrieben ist, bis 12. 06.2017 eine Stellungnahme einnehmen kann.



Meine ehrliche Einschätzung:

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Es gibt tatsächlich vor allem in die Einführung/Theoretischer Teil meiner Dissertation-Arbeit teilweise große Passagen die aus anderen Quellen (Wikipedia, Bücher etc.) übernommen wurden, mache davon leider nicht (richtig) zitiert. (ich habe sie mehr oder weniger als Fakten empfunden; es war mir damals leider nicht klar dass jeder der über die Niere schreiben will z.B., alle Ideen, Kenntnissen und Fakten mit seinen eigenen Worten ausdrucken muss:). Es tut mir sehr Leid dass ich die Fehler gemacht habe und damals keiner von meinen Koordinierung-Prof. beobachtet hat, um mich korrigieren zu können.

Schade für die interessanten Teile aus meiner Dissertation-Arbeit für welche ich länger als ein Jahr hart gearbeitet habe! Schade für die zahlreichen Lab-Versuche für welche ich teilweise bis 4 Jahre gearbeitet habe. So wie ich im Internet recherchiert habe, werden alle verloren gehen weil bisher alle Klagen gegen einer Uni die ich gesehen habe erfolglos waren.



Was ich brauche:

----------------------

Eine Stellungnahme zu formulieren welche die negativen Folgen vom Plagiat minimieren. Drohen mich außer der Entziehung des Doktorgrades weitere negative Konsequenzen?



Vielen Dank



Einsatz editiert am 15.05.2017 14:00:12

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich habe keine guten Nachrichten für sie.

Zunächst zum grundsätzlichen: Dieses Forum dient der Fragenbeantwortung, die Ausarbeitung von Schriftsätzen kann hierüber nicht vorgenommen und auch nicht gewährleistet werden. Dies ist dem Anwalt wegen der damit verbundenen Unangemessenheit der Gebühren nach RVG i.V.m mit BORA und BRAO auch nicht gestattet ( siehe ganz unten zum Berechnungsbeispiel). Eine Stellungnahme kann also über dieses Forum nicht erreicht bzw. beauftragt werden.

Aber nun zum rechtlichen:

Nach § 48 Abs. 1 VwVfG kann ein rechtswidriger Verwaltungsakt innerhalb eines Jahres nach Kenntnis der rechtswidrigen Umstände zurückgenommen werden. Die Verleihung eines akademischen Grades ist ein Verwaltungsakt und unterliegt damit dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit nicht spezialgesetzliche Regelungen bestehen.

Im LHG Baden-Württemberg gibt es zwar eine ausdrückliche Regelung zur Rücknahme des Doktortitels bei Unwürdigkeit ( § 36 Abs. 7 LHG B-W), jedoch nicht bei unzutreffenden selbständigen Arbeiten.

Die Aberkennung des akademischen Grades kann sich auch aus der Promotionsordnung der jeweiligen Hochschule ergeben ( §38 LHG). Meistens sind die Anforderungen denen im allegmeinen VwVfg jedoch ähnlich.

Vorliegend wird ihnen durch den Vorhalt des Plagiats ein Täuschungsversuch vorgeworfen. Denn mit der Dissertation sollen sie ein selbständiges Arbeiten und eigene Wissenschaftliche Stärken nachweisen. Übernehmen sie nun Ausführungen aus anderen texten ohne dies kenntlich zu machen, behaupten sie dadurch, dass die Denkleistung ( Faktenerkennung ) von ihnen stammt ( z.b. Verwaltungsgericht Düsseldorf, 15 K 2271/13). Dabei kann ein Betrugsversuch bereits dann vorliegen, wenn nicht wörtlich sondern nur inhaltlich "abgeschrieben" wird, ohne die Quelle zu benennen. Dies bestätigt das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main ins seinem Urteil vom 23.05.2007, Az. 12 E 2262/05. Dabei führt es aus, dass jeder Gedankengang und jede Fußnote, die nicht aus eigener gedanklicher Leistung, sondern von anderen stammen, als solche zu kennzeichnen sind. Dies geschieht in der Regel durch Fußnoten und Quellenangaben. Das Gericht betont, dass eine Dissertation nicht komplette Passagen aus einem anderen Werk enthalten darf, die entweder wortwörtlich übernommen oder nur etwas umformuliert wurden, ohne kenntlich zu machen,aus welcher Quelle sie stammen.

Sobald sie also keine Quelle angeben, trotzdem die Fakten nicht von ihnen ermittelt wurden, kann man ihnen eine Täuschung vorwerfen, da sie fremde Erkenntnisse als eigene ausgeben. Ob eventuell eigene Passagen in der Arbeit ( sie sagen Abschreibungen befinden sich insbesondere in der Einleitung/Theoreischer Teil) immer noch den Anforderungen einer Dissertation genügen, spielt keine Rolle, der akademische Grad kann dennoch entzogen werden (Verwaltungsgericht Darmstadt, Urteil vom 14.04.2011, Az. 3 K 899/10.DA, Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Beschluss vom 13.10.2008, Az. 9 S 494/08).

Denn die Gerichte gehen in der Regel nicht davon aus, dass es sich um einen versehentlichen Zitierfehler handelt. Dies wäre die einzige Möglichkeit, den Doktorgrad zu behalten, diese Möglichkeit sinkt jedoch mit der Anzahl und Vielfalt der nicht als Zitat kenntlich gemachten Passagen. Die Gerichte gehen jedoch in der Rgel davon aus, dass gerade bei wiederholtem Fehlen der Zitatkennzeichnung ein fahrlässiges Verhalten nicht vorliegt ( (Verwaltungsgericht Darmstadt, Urteil vom 14.04.2011, Az. 3 K 899/10.DA, Verwaltungsgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.03.2014, Az. 15 K 2271/13, Verwaltungsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 23.05.2007, Az. 12 E 2262/05).

Zudem haben sie vermutlich - bitte widersprechen sie sonst über die Nachfrageoption- mit der Abgabe der Arbeit dafür unterschriben, nur zulässige Hilfsmittel verwendet zu haben, sowie dafür dass sie Das Werk eigenständig unterschrieben haben. Mit dieser Erklärung dokumentieren sie, dass es sich bei der Dissertation um eine eigne, selbständige, wissenschaftliche Leistung von ihnen handelt und dass ihnen bewusst ist, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert. Dies wird bei Promovierenden aber ohnehin vorausgesetzt. Folglich wird das Argument, versehentlich ganze Passagen übernommen zu haben, von den Gerichten als unglaubhaft abgetan. Von Promovierenden wird erwartet, die Promotions- und die Prüfungsorednung zu kennen und vor allem auch die eidesstattliche Versicherung nicht ins BLaue hinein abzugeben (Oberverwaltungsgericht Bremen, Urteil vom 12.10.2010, Az. 2 A 170/10; Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Urteil vom 04.04.2006, Az. 7 BV 05.388).

Insofern werden ihre Äußerungen " . (ich habe sie mehr oder weniger als Fakten empfunden; es war mir damals leider nicht klar dass jeder der über die Niere schreiben will z.B., alle Ideen, Kenntnissen und Fakten mit seinen eigenen Worten ausdrucken muss:)" die Täuschung kaum wettmachen können.

Allerdings sollte genau dies sowie auch das Übersehen durch die Korrektoren ( hier müssen Fakten ohne Fußnoten gestanden haben?) in ihrer Stellungnahme stehen, denn die Rücknahme des Verwaltungsaktes ist eine Ermessensentscheidung der Universität, in die sie auch den Grad des Verschuldens ( Vorsatz/ Fahrlässigkeit) einbeziehen muss. Allerdings mache ich ihnen hier wenig Hoffnung, auch wenn es das ein oder andere Mal schon eine Gelegenheit zur Wiederholung der Dissertation gab, insbesondere , wenn die Korrektoren "schlampig" gearbeitet haben, und der Dorktorvater das Fehlen von jeglichen Fußnoten hätte bemerken müssen. Dies ist jedoch eine absolute Ausnahme.

Fazit: Egal wie ausgefeilt eine Stellungnahme ist, um die Aberkennung des Doktortitels werden sie meines Erachtens nicht herumkommen. Die Täuschung ist durch die Übernahme der Zitate ohne Kennzeichnung gegeben, ein Vorsatz wird unterstellt ( gerade wenn viele "Zitierfehler" vorhanden sind). Fristenprobleme sind nicht erkennbar, so dass hier von einer rechtzeitigen Geltendmachung durch die Universität auszugehen ist. Dabei spielt es leider keine Rolle, wieviel Jahre zwischen Einreichung der Dissertation und Entdecken des Plagiats vergangen sind, sondern es kommt nur darauf an, dass die Rücknahme binnen 1 Jahr nach Plagiatverdacht geltend gemacht wird.

Nun zu ihrer nächsten Frage, ob hier weitere Konsequenzen drohen.

Strafrechtlich käme nach dem StGB nur eine Betrug ( § 263 StGB) in Betracht, hier fehlt es aber an einem Vermögensschaden, so dass sie hier eine Strafbarkeit nicht befürchten müssen.

Weiterhin haben sie sich durch die Übernahme aus fremden Werken wegen einer Urheberrechtsverletzung nach §§ 106 ff UrhG strafbar gemacht. Da siw wissentlich und willentlich Textpassagen übernommen haben, wird man auch hier den Vorsatz bejahen müssen, ein diesbezüglicher Verbotsirrtum dürfte vermeidbar gewesen sein. Diese Tat wird jedoch nur auf Antrag (§ 109 UrhG, gemeint ist der Antrag durch den Verletzten, also den Urheber) bzw. bei Bejahung des öffentlichen Interesses verfolgt. Ich sehe nicht, wie hier die Urheber Kenntnis von der Verwendung ihrer Werke erhalten sollten. Zudem ist natürlich zu beachten, dass sie mit dem Entzug des Titels ausreichend bestraft sind, so dass ich hier nicht von weiteren Sanktionen ausgehe. Auch die Bejahung des öffentlichen Interesses sehe ich nicht, so dass ich schon im Grundsatz nicht glaube, dass hier eine Verfolgung droht.

Als letztes möchte ich sie darauf hinweisen, dass einige Promotionsordnungen empfindliche Bußgelder vorsehen, wenn gegen die Ordnung ( z.B. dass eigenständige Wissenschaftliche Arbeiten, dass oft ebenfalls ausdrückliche Zitiergebot fremder Werke ) verstoßen wird. Ob es eine solche Vorschrift an iher Universität gibt, kann ich mangels Kenntnis der Universität und ihrer Promotionsordnung nicht beurteilen. Jedoch beinhalten diese Bußgelder oftmals bis zu 5-stellige Beträge, wobei das tatsächlich verhängte Bußgeld hier stets weit zurückbleibt. Die Höhe eines eventuellen Bußgeldes hängt wiederum vom Grad des Verschuldens ( Vorsatz und Fahrlässigkeit) ab. In die Ermessensentscheidung zur Höhe ist bei Aberkennung des akademischen Grades , aber auch die berufliche Zukunftsperspektive sowie natürlich die erhebliche Rufschädigung, wenn ein Aberkennungsverfahren publik wird, einzustellen, so dass hier grundsätzlich kleinen Beträge "ausgeurteilt" werden.

Fazit: Eine Strafverfolgung für die Verletzung des Zitiergebotes erscheint unwahrscheinlich, allerdings kann eine Bußgeldbewehrung in der Promotionsordnung gegeben sein.

Ein Anwalt der eine Stellungnahme verfassen soll, muss sich eingehend mit der Dissertation sowie der Promotionsordnung ihrer Hochschule befassen. Er braucht außerdem zwingend die Vorwürfe aus dem Anhörungsschreiben. Der Anwalt wird hierfür eine Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG berechnen, sowie eine Telekommunikationspauschale und die Mehrwertsteuer. Die Gebühren sind vom Streitwert abhängig.
Bei der Aberkennung von akademischen Graden wird ein Streitwert von 15.000 € angesetzt, dieser ergibt sich aus dem Streitwertkatalog der Verwaltungsgerichtsbarkeit Ziffer 18.7. . Somit wird ein Anwalt für die Fertigung der Stellungnahme mindestens 845 € ( zzgl. 20 € Post- und Telekommunikationspauschale zzgl. Umsatzsteuer, insgesamt 1029,35 brutto) verlangen. Ist die Dissertation oder der Vorwurf sehr umfangreich kann er von diesen Gebühren nach oben abweichen (berechnet habe ich eine 1,3 Gebühr, je nach Schwierigkeit können zwischen 0,5 bis 2,5 Gebühren verlangt werden, wobei ein Abweichen unter die 1,3 Gebühr als Mittelwert nicht vertretbar ist, sondern hier ist eher von höheren Gebühren auszugehen.

Fazit: In Anbetracht der Tatsache, dass die Verteidigung gegen die Vorwürfe der Verletzung des Zitiergebotes und damit der Täuschung nicht wirklich erfolgversprechend ist, kann ich die Hinzuziehung eines Anwaltes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht empfehlen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Sollten sie weitere Hilfe oder Auskünfte benötigen, oder möchten sie die Stellungnahme trotz allem fertigen lassen, stehe ich ihnen unter meinen Profildaten gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

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