Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Pflichtteil Vermögensaufstellung

| 05.05.2014 14:20 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Zusammenfassung: Die Pflichtteilsberechtigten haben gegen den Erben einen Anspruch auf Vorlage eines Nachlassverzeichnisses.

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Vater, welcher in 2. Ehe verheiratet war, verstarb in 2013. In dem mit seiner Ehefrau
gemeinschaftlich aufgesetztem Testament wurde meinem Bruder und mir der Pflichtteil zuge-
sprochen. Das Testament wurde im Sommer 2003 verfaßt und darin ein gemeinschaftliches
Vermögen von 750.000,00 € angegeben.
In der mir jetzt vorliegenden Vermögensaufstellung umfaßt das Vermögens meines Vater ca.
50.000,00 €. Es wurde vermerkt, dass er seit ca. 20 Jahren kein nennenswertes Einkommen
mehr hatte. Alle Anschaffungen wurden von seiner Ehefrau bestritten, welche ein eigenes
Unternehmen hat. Sie besaß bei der Heirat 1976 ein eigenes Haus, in welches mein Vater
Arbeitsleistung und Geld aus dem Verkauf seines Hauses aus 1. Ehe investierte.
Er hielt ihr auch jahrelang den Rücken frei, so daß sie sich vor über 20 Jahren ihr eigenes
Unternehmen aufbauen konnte. Bei der Aufstellung wurde der Zugewinnausgleich in keiner
Art berücksichtigt. Es bestand eine Zugewinngemeinschaft.
Da ich mit der Vermögensaufstellung nicht mitgehen kann, bitte ich um Ihren Rat über das
weitere Vorgehen.
Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Als Pflichtteilsberechtigte haben sowohl Sie als auch Ihr Bruder gegen die Erben einen Anspruch auf ein Nachlassverzeichnis.

Ich gehe davon aus, dass die Ehefrau Ihres Vaters alleinige Erbin geworden ist. D.h., Sie müssen die Erbin auffordern, ein Nachlassverzeichnis, dessen Richtigkeit sie gegebenenfalls an Eides statt versichern muss, zu errichten und Ihnen vorzulegen.

Zur Vorlage des Nachlassverzeichnisses empfehle ich, eine angemessene Frist zu setzen. Angemessen sind hier, da Ihr Vater bereits im Jahr 2013 verstorben ist, zwei Wochen, die dem Datum nach anzugeben wären. D.h., Sie sollten die Ehefrau Ihres Vaters beispielsweise auffordern, Ihnen bis zum 20.05.2014 ein ordnungsgemäßes Nachlassverzeichnis vorzulegen.


2.

Der Sinn des Nachlassverzeichnisses besteht darin, dass der Erbe auflistet, was an Nachlass am Todestag, und das ist der maßgebliche Stichtag, vorhanden gewesen ist.

Der Nachlass besteht aus dem so genannten aktiven Nachlass und dem passiven Nachlass.

Aktivnachlass heißt, dass Grundbesitz, Geldvermögen, aufgeteilt nach Konten, Hausrat, Fahrzeuge et cetera, aufgelistet werden. Bezüglich der Kontoauszüge ist darauf zu achten, dass die Kontoauszüge sich auf den Tag des Todes des Vaters beziehen.

Zu berücksichtigen ist ferner der so genannte fiktive Nachlass gemäß § 2325 BGB. Hier ist anzugeben, ob Ihr Vater innerhalb der letzten zehn Jahre seiner Ehefrau Schenkungen gemacht hat.

Dem Aktivnachlass muss der passive Nachlass gegenübergestellt werden.

Bei dem Passivnachlass sind die Erblasserschulden, aber auch die Bestattungskosten aufzuführen.

Schließlich ist in dem Nachlassverzeichnis der Reinnachlass zu ermitteln, d.h., die Differenz zwischen aktiven Nachlass und passiven Nachlass.

Auf der Grundlage des Reinnachlasses ergibt sich dann die Höhe des Pflichtteils.

Selbstverständlich müssen alle Angaben in Nachlassverzeichnis belegt werden.


3.

Wird kein ordnungsgemäßes Nachlassverzeichnis vorgelegt oder haben Sie beispielsweise Zweifel an der Richtigkeit, können Sie bei Gericht Stufenklage erheben.

Stufenklage heißt, dass in der ersten Stufe Auskunft über die Höhe des Nachlasses Ihres Vaters zum Todestag erteilt wird.

In der zweiten Stufe muss die Erbin gegebenenfalls die Richtigkeit der gemachten Auskünfte an Eides statt versichern.

In der dritten Stufe schließlich wird der Pflichtteil, der sich aufgrund der Auskünfte, die sich in der ersten Stufe finden, berechnet.


4.

Zusammengefasst bedeutet das für Sie, dass Sie zunächst ein ordnungsgemäßes Nachlassverzeichnis anfordern sollten. Ob die Aufstellung, die Sie als Vermögensaufstellung bezeichnen, die Anforderungen erfüllt, die an ein Nachlassverzeichnis zu stellen sind, kann ich nicht beurteilen.

Wenn das Nachlassverzeichnis Ihrer Auffassung nach unvollständig und/oder fehlerhaft ist, bleibt keine andere Möglichkeit, als Stufenklage zu erheben.

Diesbezüglich sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten, der die Klage für Sie bei Gericht eingereicht.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 05.05.2014 | 16:39

Sehr geehrter Herr Raab,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Ich möchte noch einmal auf meine Frage bezüglich der Zugewinngemein-
schaft fragen, wie es sich mit dem Zugewinnausgleich bezüglich des
Hauses und der Tätigkeit meines Vaters im Haushalt verhält. Dadurch
war es der Ehefrau erst möglich, ihr Unternehmen aufzubauen und zu betreiben. Sie bezeichnet dieses erarbeitete Kapital als nur ihr
alleingehörig.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.05.2014 | 17:10

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Ihr Vater und dessen zweite Ehefrau lebten im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Zugewinngemeinschaft bedeutet Gütertrennung und Ausgleich des Zugewinns im Fall der Scheidung. In erbrechtlicher Hinsicht bedeutet das, dass sich der Erbteil der Ehefrau um ein Viertel erhöht, so dass, gesetzliche Erbfolge vorausgesetzt, die Ehefrau neben den Abkömmlingen des Erblassers zu 1/2 Erbin wird. Das ergibt sich aus § 1371 Abs. 1 BGB.


2.

Im geschilderten Fall kommt es ausschließlich auf den Nachlass Ihres Vaters zur Berechnung der Pflichtteilsquote an. Das, was im Eigentum der Ehefrau steht, findet keine Berücksichtigung, auch wenn es der Ehefrau erst durch die Hilfe Ihres Vaters gelungen ist, Vermögen aufzubauen.

Sie schreiben, die Ehefrau Ihres Vaters hätte ein Unternehmen aufgebaut. Wenn die Ehefrau die Inhaberin dieses Unternehmens ist, gehört das Unternehmen nicht zum Nachlass. Damit ist das Unternehmen auch im Nachlassverzeichnis nicht zu berücksichtigen. Anders sieht es aber aus, wenn Ihr Vater an dem Unternehmen in irgend einer Form beteiligt gewesen ist. Dann müsste man den Wert der Beteiligung ermitteln, gegebenenfalls durch Sachverständigengutachten. Mit Beteiligung an dem Unternehmen ist eine Rechtsposition gemeint, nicht etwa, dass die Ehefrau durch die Arbeitstätigkeit Ihres Vaters die Möglichkeit zum Aufbau eines Betriebs hatte.

Eventuell wären im Bereich des fiktiven Nachlasses Geldgeschenke zu berücksichtigen. Hier müsste man aber die Einzelheiten kennen, um bewerten zu können, ob und inwieweit fiktiver Nachlass vorhanden ist.

Allein dadurch, dass die Ehefrau durch die Tätigkeit Ihres Vaters im Haushalt die Möglichkeit hatte, einen Betrieb aufzubauen, ergibt sich in erbrechtlicher Hinsicht keine Änderung dergestalt, dass damit „automatisch" Anteile des Betriebs auf Ihren verstorbenen Vater und folglich in den Nachlass fielen.

Nochmals: Maßgeblich ist allein das Vermögen Ihres verstorbenen Vaters. Das Vermögen seiner Ehefrau bleibt bei der Pflichtteilsberechnung unberücksichtigt.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 07.05.2014 | 08:09

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Die Antwort erfolgte schnell, sehr ausführlich und verständlich.
Jederzeit wieder!
"
Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 07.05.2014 4,8/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70197 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank für die ausführliche Antwort, die uns (nach der Rückfrage zum Verständnis) sehr geholfen hat. Wir empfehlen Herrn Dr. Maritzen gern weiter. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antwort kam sehr schnell. In meinem Fall bin ich aber zu dem Schluss gekommen einen Fachanwalt vor Ort aufzusuchen. Es ist ein Grenzfall und jedes Detail ist sehr wichtig. Dies kann online nicht zufriedenstellend beantwortet ... ...
FRAGESTELLER