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Pflichtteil: Aushändigung eines Immobilien-Wertgutachtens

06.01.2019 13:39 |
Preis: 38,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Mein zwischenzeitlich verstorbener Ehepartner und ich haben uns gegenseitig testamentarisch als Alleinerben eingesetzt. Mein Ehemann hat -neben Hausrat und etwas Kunst- im Wesentlichen Bankguthaben und die Hälfte unserer Eigentumswohnung hinterlassen.

Eines meiner Kinder verlangte nun -unter Aufbau von ständigen Drohkulisssen- schriftlich seinen ihm rechtmäßig zustehenden Pflichtteil.

Zunächst hatte meinem Kind eine von mir erstellte Aufstellung der Aktiva und Passiva, sowie der Zuwendungen an mich und Dritte ausgereicht. Ich habe das (mit großzügigen Werten) erstellt. Beim Wohnungswert habe ich zunächst das Internet bemüht.

Nun verlangt das Kind -rechtmäßig- trotzdem ein notarielles Nachlassverzeichnis und eine seriöse Bestimmung des Wertes der Wohnung. ("Sie sei mindestens das Doppelte wert, als ich angegeben habe" so die Pflichtteilsberechtigte)

Alternativ bot das Kind an, dass ich einen Betrag nennen könne, um kurzfristig eine gütliche Einigung erzielen zu können.

Sicherheitshalber habe ich vom örtlichen Gutachterausschuss ein Wertgutachten (Verkehrswert) im Sinne des §194 BauGB zum Todestag meines Mannes erstellen lassen, damit ich ein objektives Angebot zur Güte erstellen kann. Das Ergebnis dieses Gutachtens brachte lediglich eine Werterhöhung um ca. 10% dessen, was ich aus dem Internet in Erfahrung bringen konnte.

In meinem Angebot zur Güte (bestehend aus auszuzahlendem Pflichtteil zzgl. einer erheblichen, den Pflichtteil mehrfach übersteigenden Geldzuwendung) habe ich Kopien des Ergebnisses des Gutachtens (2 Seiten) mitgeschickt, um zu dokumentieren, dass es sich um ein seriöses Gutachtergremium handelt.

Nun verlangt das Kind die Zusendung des gesamten Gutachtens, d.h. auch die gesamte Herleitung des ermittelten Wertes der Wohnung zum Todestag des Erblassers.

Auf meine Frage, warum das gesamte Gutachten im Rahmen einer gütlichen Einigung denn benötigt wird, habe ich keine Antwort bekommen, nur die erneute begründungslose Forderung das Gutachten in voller Länge zuzusenden.

Meine Fragen:
1. Hat die Pflichtteilsberechtigte einen Rechtsanspruch auf Aushändigung des GESAMTEN Gutachtens in Kopie?
2. Falls nein, ist es für einen/eine diesbezüglich erfahrene/n Rechtsanwalt/Rechtsanwältin im Sinne einer gütlichen Einigung sinnvoll, trotzdem das gesamte Gutachten freiwillig zu versenden(z.B. als vertrauensbildende Maßnahme) oder eher ungünstig, weil durch oben beschriebenes Verhalten der Pflichtteilsberechtigten ausreichend Indizien vorliegen, dass das Gutachten nur benötigt wird, um es anzufechten, was mir in meinem hohen Alter weiterhin Nerven und Lebensqualität raubt?
06.01.2019 | 14:35

Antwort

von


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Sehr geehrter Ratsuchender,

lassen Sie mich Ihre Fragen wie folgt beantworten.

1.
Der Pflichtteilsberechtigte hat keinen Anspruch auf Aushändigung des Gutachtens (in Kopie).

Sie sind Ihrer Pflicht nachgekommen (§ 2314 BGB) nachgekommen.
Sie haben den Wert des Grundstückes ermitteln lassen (§ 2314 Abs. 1 S. 2 BGB) und müssen ansonsten nur die einen Grundbuchauszug übermitteln, damit der Pflichtteilsberechtigte aus Lage und Größe selbst den Wert ermitteln lassen kann.

2.
Wenn der Pflichtteilsberechtigte Streit sucht, werden Sie diesen durch Herausgabe des Gutachtens nicht verhindern können.

Das Gutachten ist ja nicht verbindlich und kann vom Pflichtteilsberechtigten jederzeit angefochten/bestritten werden.

Ich tendiere dazu, das Gutachten in Kopie gegen Übernahme der Kopie- und Portokosten zu versenden, alternativ Einsicht bei Ihnen zu gewähren.

Wenn es konkrete Beantstandungen der Gegenseite gibt, könnten diese sicher - ohne gerichtliche Auseinandersetzung - durch eine Ergänzung des Gutachtens oder durch Erläuterung des Sachverständigen ausgeräumt werden.


Mit freundlichen Grüßen

Peter Eichhorn
Rechtsanwalt


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