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Pflichten im Umgang

| 27.02.2011 18:14 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einiger Zeit hat das Familiengericht einen Umgangsbeschluss für meinen schulpflichtigen Sohn mit seinem Vater erlassen, mein Sohn lehnt den Umgang aber ab.
Zwischenzeitlich hat mein geschiedener Mann den ersten Zwangsgeldantrag eingereicht. Dies bislang ohne Erfolg, aber jetzt versuchen alle beteiligten Stellen, den Umgang mit allen Möglichkeiten in Gang zu bringen, vor allem wird viel Druck auf mich ausgeübt.

Folgende Dinge werden u.a. "vorgeschlagen":
- ich soll meinen Sohn zu seinem Vater hinbringen (im Urteil steht, dass der Vater ihn abholen muss);
- ich soll dem Vater ermöglichen, in meiner Wohnung mit unserem Sohn zu spielen;
- ich sei verpflichtet, im Beisein seines Vaters zu unserem Sohn zu sagen, dass er doch mit seinem Vater mitgehen solle. (Nachdem mein geschiedener Mann sehr beleidigend mir gegenüber ist, versuche ich mich bei den "Umgangsversuchen" völlig zurückzuhalten. Keinesfalls will ich Druck auf meinen Sohn ausüben).

Wozu bin ich tatsächlich verpflichtet und wie kann ich mich gegen diese "Vorschläge" wehren ?
27.02.2011 | 20:30

Antwort

von


(274)
Am Wissenschaftspark 29
54296 Trier
Tel: 06514628376
Web: http://www.zimmlinghaus.de
E-Mail:

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt beantworten möchte:

Wichtig erscheint mir, hier nochmals die oberste Entscheidungsgrundlage des Familiengerichts zu nennen: Maßgeblich muss immer das Kindeswohl sein.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass ein Umgangsbeschluss dem Kindeswohl abträglich sein muss. Bedenken Sie, dass zunächst beide Elternteile zum Umgang berechtigt und verpflichtet sind. Umgang mit dem Vater dient auch dazu, eine Entfremdung zu vermeiden, die für die spätere Entwicklung des Kindes schwere Folgen haben kann, auch wenn das Kind aktuell den Umgang mit dem Vater ablehnt.

Vor diesem Hintergrund sind Sie natürlich auch, zunächst aber wohl nur moralisch, verpflichtet, auf eine angemessene Realisierung des Umgangsbeschlusses hinzuwirken. Sie sprechen davon, dass man Ihnen "Vorschläge" unterbreitet hat. Aus Ihrer Sachverhaltsdarstellung geht nicht klar hervor, wer Ihnen diese Vorschläge denn nun unterbreitet hat. Ich kann bei reinen "Vorschlägen" aber keinerlei rechtliche Verpflichtungen Ihrerseits erkennen. Wenn im Urteil steht, dass der Vater das Kind abholen muss, sehe ich keine rechtliche Grundlage dafür, dass Sie Ihren Sohn zum Vater hinfahren müssen. Ebenfalls kann ich keine rechtliche Verpflichtung erkennen, die Sie dazu zwingt, dem Vater einen Aufenthalt in Ihrer Wohnung zu gestatten, wenn dies für Sie persönliche Grenzen überschreitet. Mir ist wie gesagt nicht klar, wer Ihnen gesagt hat, Sie seien dazu verpflichtet, dem Kind zu sagen, es solle mit seinem Vater mitgehen. Ich wüsste nicht, wie man rechtlich durchsetzen will, dass Sie bestimmte Sätze dem Kind gegenüber äußern. Selbst, wenn man annehmen möchte, dass Sie mit derartigen Äußerungen vielleicht dazu beitragen können, dass das Kind eher zum Umgang gewillt ist, sehe ich keine Möglichkeit, Sie zu diesen Äußerungen zu zwingen. Zu beachten wäre natürlich § 1684 BGB Ansatz 2:

(2) Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Entsprechendes gilt, wenn sich das Kind in der Obhut einer anderen Person befindet.

http://dejure.org/gesetze/BGB/1684.html

Diese sogenannte Wohlverhaltensklausel sollte natürlich von Ihnen beachtet werden. Sie schreiben, dass Sie sich neutral verhalten wollen. Dass Sie keinen Druck auf Ihren Sohn ausüben wollen, widerspricht nicht der Wohlverhaltensklausel.

In derart sensiblen Bereichen des Familienrechts sind sämtliche rechtliche Möglichkeiten, sofern denn überhaupt vorhanden, immer gewissen natürlichen Grenzen unterworfen. Letztendlich gilt: Ein Kind kann nicht zum Umgang gezwungen werden, wenn es diesen völlig ablehnt. Hier sollte aber in jedem Falle, auch im Hinblick auf die Zukunft des Kindes, herausgefunden werden, warum das Kind den Umgang mit dem Vater ablehnt, wenn das Gericht keine Gefährung des Kindeswohles erkennen konnte. Hierbei hat das Familiengericht auch die Möglichkeit, ein familienpsychologisches Sachverständigengutachten einzuholen oder eine Verfahrenspflegerin zu bestellen. Beides dient letztendlich dazu, die Gründe für die Ablehnung des Vaters seitens des Kindes herauszufinden und den wahren Willen des Kindes mit psychologischer Unterstützung zu ergründen. Denn natürlich sieht es in der Praxis häufig so aus, dass gerade noch kleine Kinder die Abneigung der Mutter gegenüber dem Vater spüren, dadurch verunsichert werden und den Kontakt ablehnen oder Angst haben, durch Kontakt mit dem Vater die Mutter zu verärgern, traurig zu stimmen usw. Dies geschieht seitens der Mütter natürlich in der Regel unbewusst. Wenn dies aber die Gründe dafür sind, dass der Umgang verweigert wird, kann es durchaus Sinn machen, dass hier entsprechend geschulte Fachkräfte mit dem Kind sprechen. So mancher schwere Umgangskonflikt konnte so schon ausgeräumt werden.

Unter Umständen kann es für Sie Sinn machen, dass Sie beim Familiengericht einen Änderungs- oder Neuregelungsantrag stellen, denn die momentane Situation kann nicht förderlich für das Kindeswohl sein. Es ist gut möglich, dass das Familiengericht dann ein familienpsychologisches Sachverständigengutachten einfordert, um hier den Willen des Kindes bzw die Gründe für dessen Verhalten eindeutig zu klären, damit eine anschließende Neuregelung auch wirklich dem Kindeswohl dient. Eine andere Möglichkeit wäre es natürlich auch, sich an das Jugendamt oder jede andere Familienberatungsstelle zu wenden und hier um psychologische Unterstützung zu bitten, um die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern.

Ob dies für Sie ein gangbarer Weg sein kann, müssen Sie natürlich selbst entscheiden, oberste Priorität sollte das Kindeswohl sein. Eine rechtlich bindende Verpflichtung Ihrerseits, die oben genannten "Vorschläge" zu praktizieren, vermag ich in jedem Fall nicht zu erkennen.

Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass im Rahmen dieser Plattform nur eine erste Einschätzung des Sachverhalts, basierend auf Ihren Angaben, möglich ist. Sollten hier wichtige Angaben hinzugefügt oder weggelassen worden sein, kann die rechtliche Beurteilung völlig anders aussehen. Diese Plattform kann und will den Gang zu einem Berufskollegen nicht ersetzen.

Bei eventuellen Unklarheiten nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Thomas Zimmlinghaus
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 28.02.2011 | 06:36

Vielen Dank schon einmal für die sehr hilfreiche Antwort !

Es gibt bereits ein psychologisches Gutachten, das die Grundlage für den Umgangsbeschluss war. Darin wird festgestellt, dass mein Sohn eine Bindung an seinen Vater hat, allerdings wurde ein nur recht reduzierter Umgang vorgeschlagen (z.B. keine Übernachtungen) und dies wurde auch vom Gericht so ins Urteil übernommen.

Die "Vorschläge", von denen ich gesprochen habe, kommen gerade von Jugendamt und Verfahrenspfleger (um den ich selbst wegen der schwierigen Verfahrensführung gebeten habe).

Beide weisen mich regelmäßig darauf hin, dass ich verpflichtet wäre, auf den Umgang "hinzuwirken" und in diesem Zusammenhang werden eben solche Ideen in den Raum gestellt und man nimmt es mir auch übel, wenn ich sie nicht aufgreife.

Wenn es nicht zuviel verlangt ist, würde es mir sehr helfen, wenn Sie mir zwei oder drei Urteile nennen könnten, die sich mit der Operationalisierung des Begriffs "hinwirken" beschäftigen oder mir etwas dazu sagen.

Herzlcihen Dank !

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 28.02.2011 | 14:16

Sehr geehrte Ratsuchende,

Ihre Nachfrage möchte ich wie folgt beantworten:

Es ist im Familienrecht immer recht problematisch, Urteile auf einen anderen Fall zu übertragen, denn Entscheidungen bezüglich des Umgangs sind immer Einzelfallentscheidungen, die die höchst individuellen Gegebenheiten berücksichtigen und das Kindeswohl als oberste Priorität ansetzen müssen.
Maßgeblich ist für Sie auch zunächst nur das aktuelle Urteil, und in diesem wurde ja offensichtlich nichts festgehalten, wonach Sie selbst das Kind zum Vater bringen müssen, dem Vater den Aufenthalt in Ihrer Wohnung gestatten müssen usw. Solange es hier keine richterliche Entscheidung gibt, sind Sie auch nicht zur Umsetzung dieser "Vorschläge" verpflichtet. Mir ist zudem kein Urteil bekannt, durch welches eine Mutter beispielsweise verpflichtet worden ist, bestimmte Äußerungen in Bezug auf den Umgang zu tätigen, um das Kind zum Umgang mit seinem Vater zu bewegen. Wenn ein Kind den Umgang kategorisch ablehnt, sind jeden rechtlichen Möglichkeiten wie bereits erwähnt Grenzen gesetzt, denn letztendlich wird kein Richter der Welt das Kind zwingen können.

Sie schreiben, man nehme es Ihnen übel, wenn Sie derartige Vorschläge nicht umsetzen möchten. Sofern man Ihnen konkret vorwerfen sollte, gegen oben erwähnte Wohlverhaltensklausel zu verstoßen, sollten Sie sich an einen Anwalt für Familienrecht vor Ort wenden, der ggf. auch selbst Kontakt mit dem Jugendamt aufnehmen kann. Diese Wohlverhaltensklausel kann natürlich sehr individuell interpretiert werden, was auch dringend notwendig ist, um jeder individuellen Situation jeder Familie gerecht zu werden, was es aber natürlich auch schwierig macht, hier allgemeingültige praktische Verhaltensregeln abzuleiten, die für jeden Einzelfall gelten.
Sofern Sie also durch Ihr Verhalten dazu beitragen sollten, dass der Umgang des Kindes mit dem Vater beeinträchtigt oder massiv erschwert wird, könnte die Kritik des Jugendamts natürlich berechtigt sein. Derartiges Verhalten hätten Sie natürlich- im Interesse des Kindes- zu unterlassen. Meiner Einschätzung nach dürfen Forderungen des Jugendamts aber keinesfalls so weit gehen, dass Sie die Anwesenheit des Mannes in Ihrer Wohnung dulden müssen, wenn dies für Sie eine massive Grenzüberschreitung darstellen sollte. Auch Ihre persönliche Situation muss berücksichtigt werden. Akzeptabel hingegen wäre in meinen Augen der (dringende) Vorschlag des Jugendamts, dass Sie mit Ihrem Kind sprechen und ihm versichern, dass Sie absolut nichts gegen einen Umgang mit dem Vater haben und das Kind nicht befürchten muss, Sie traurig oder wütend zu machen, wenn es Zeit mit dem Vater verbringt. Erfahrungsgemäß sind dies sehr häufige Ursachen, warum Kinder, die ja sowieso schon durch die Trennung massiv verunsichert sind, den Kontakt zum anderen Elternteil ablehnen. Ein "Hinwirken" dieser Art wäre meiner Einschätzung nach durchaus aus der Wohlverhaltensklausel abzuleiten. Sie sollten sich keinesfalls vor dem Kind negativ über den Vater äußern oder dem Kind anderweitig vermitteln, dass Sie es eventuell begrüßen, wenn hier kein Kontakt stattfindet. Bedenken Sie, dass es nicht nur um den aktuellen Umgang geht, sondern auch um die weitere Entwicklung des Kindes. Es kann durchaus Sinn machen, dass hier alle Beteiligten im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wohl aber persönliche Grenzen berücksichtigend, auf einen Umgang mit dem Vater hinwirken: Wenn das Kind aus aktueller Verunsicherung den Kontakt ablehnt, wird eine Entfremdung nicht zu vermeiden sein. Dies wirkt sich in der Regel auch massiv schädigend auf den späteren Umgang aus und kann die psychosoziale Entwicklung stark beeinflussen. Vor diesem Hintergrund macht es wie bereits erwähnt auch durchaus Sinn, auf einen Umgang hinzuwirken, um dem Kind diese "Chance", auch im Hinblick auf das spätere Leben, nicht zu nehmen.

Solche Situationen sind immer eine Gratwanderung. Ich bleibe wie gesagt bei meiner Einschätzung- letztendlich ist dies aber immer eine Richterentscheidung- dass man es Ihnen nicht zumuten kann, den Umgang in Ihrer Wohnung stattfinden zu lassen, wenn Sie selbst noch sehr verletzt sind, beleidigt worden sind und dies als persönliche Grenzverletzung sehen. Wenn man Ihnen "androht", eine eventuelle Verletzung der Wohlverhaltensklausel beim Familiengericht vorzutragen, sollten Sie sich dringend an einen Anwalt für Familienrecht vor Ort wenden. Dieser kann Sie auch nach einem persönlichen Gespräch dahingehend beraten, ob es im Moment Sinn machen kann, einen Antrag auf Neuregelung zu stellen, um das Kindeswohl nicht zu gefärden, solange der Junge den Kontakt so massiv ablehnt und man befürchten muss, dass das Kind durch die momentane Situation seelische Verletzungen erfährt.

Ich wünsche Ihnen nochmals alles Gute und viel Glück dabei, in dieser schwierigen Lage eine gewinnbringende Regelung zu finden, die allen Beteiligten, insbesondere aber natürlich dem Kind, die Situation erleichert.

Ich hoffe Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben. Über eine positive Bewertung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichem Gruß

Thomas Zimmlinghaus
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 28.02.2011 | 15:14

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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 28.02.2011
5/5,0

Ich habe auf meine Frage wirklich eine ausgezeichnete Antwort bekommen !!


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