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Pflegekinder


| 27.07.2006 08:10 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Gabriele Haeske



Wir hatten bis vor 3 Wochen für kurze Zeit eine Jugendliche bei uns wohnen, die wir schon vorher 3 Jahre kannten und deren familiäre Situation katastrophal ist. Mutter alkoholabhängig und straffällig geworden, mit dem Vater so gut wie gar keinen Kontakt. Die Oma ist 74. Das Jugendamt betreut zwar den Fall, aber wir haben jetzt ein Problem. Das Mädchen musste zu ihrem Vater, obwohl sie lieber bei uns geblieben wäre. Sie ist 14 Jahre alt. Auch jetzt nach 3 Wochen will sie dort nicht bleiben und will lieber in ein Heim. Das Jugendamt will uns den Umgang mit ihr verbieten, obwohl wir ihr hier eine intakte und ganz normale Familie bieten könnten. Das Mädchen ist völlig verzweifelt und wir möchten ihr gerne helfen, weil wir sie sehr ins Herz geschlossen haben. Das Jugendamt beruft sich darauf, dass wir keine offizielle Pflegefamilie sind und der Kindesvater meint, dass wir die Kleine hier nur verwöhnen würden. Das scheint ihm nicht zu passen und auch er will den Umgang mit uns verbieten, obwohl er das Mädchen vorher an 2 Wochenenden mit uns hat wegfahren lassen.

Meine Frage ist: Kann er das Mädchen zwingen, bei ihm zu bleiben und wie können wir vielleicht doch erreichen, dass sie zu uns kommen kann?

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Sehr geehrte Fragesteller,

nach § 1632 BGB haben die Personensorgeberechtigten das Recht, die Herausgabe des Kindes von jedem zu verlangen, der es ihnen widerrechtlich vorenthält. Außerdem haben sie das Recht, den Umgang des Kindes zu bestimmen. Diese Rechte können ggfs. mit Hilfe des Familiengerichts auch zwangsweise gegen den Willen des Kindes durchgesetzt werden. Enge Bezugspersonen des Kindes haben jedoch nach § 1685 BGB ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dies dem Kindeswohl dient und sie für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben. Wenn die Person mit dem Kind längere Zeit in häuslicher Gemeinschaft gelebt hat, ist die Übernahme tatsächlicher Verantwortung in der Regel anzunehmen. Ob Sie ggfs. ein Umgangsrecht mit dem Mädchen haben, hängt also davon ab, wie Ihre Beziehung zu dem Kind tatsächlich aussieht. Um dies abschließend beurteilen zu können, wären insoweit wesentlich mehr Detailkenntnisse erforderlich, nach Ihren Ausführungen wird aber eher kein Umgangsrecht bestehen, da das Mädchen danach bloß kurze Zeit bei Ihnen gewohnt hat.

Lebt das Kind in Familienpflege, so kann nach § 1632 Abs. 4 BGB das Familiengericht anordnen, dass das Kind weiterhin dort verbleibt, soweit das Kindeswohl durch die Wegnahme gefährdet würde. Die Anordnung kann von Amts wegen oder auf Antrag der Pflegeperson ergehen. Zwar genügt jedes faktische Pflegeverhältnis familienähnlicher Art, gleichgültig ob ein Pflegevertrag vorliegt oder nicht (Palandt-Diederichsen, Einf v. § 1626 Rz 11). Das Pflegeverhältnis muss jedoch bereits seit längerer Zeit bestehen, ein nur kurzzeitig bestehendes Pflegeverhältnis reicht nicht aus um ein Recht auf Verbleib in der Pflegefamilie zu haben. Eine absolute Zeitgrenze gibt es aber nicht. Es kommt darauf an, ob das Kind durch die Pflegezeit seine Bezugswelt in der Pflegefamilie gefunden hat und deshalb die Herausgabe zu diesem Zeitpunkt die Gefahr schwerwiegender psychischer Schäden mit sich brächte (Palandt-Diederichsen, § 1632 Rz. 13).

Nur bei Gefährdung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohl des Kindes u.a. durch missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigkeit des Kindes oder durch unverschuldetes Versagen der Eltern kann das Familiengericht auch gegen den Willen der personensorgeberechtigten Eltern die entsprechenden erforderlichen Maßnahmen treffen und den Eltern z. B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht entziehen (

Nachfrage vom Fragesteller 27.07.2006 | 11:28

Sie hat zwar nur kurz hier gewohnt, hat sich aber tagsüber mehr an mich gewandt, als an ihre Oma bei der sie wohnte. Auch hat sie sich tagsüber mehr bei uns aufgehalten. Wird das auch in Betracht gezogen, da dies jetzt schon über 2 Jahre so gegangen ist?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.07.2006 | 12:18

Sehr geehrte Fragestellerin,

beim Umgangsrecht gegen den Willen des Vaters (unabhängig von einer Kindeswohlgefährdung) kommt es darauf an, wie eng die Beziehung zwischen Ihnen und dem Kind durch die Aufenthalte tatsächlich geworden ist. Um ein Umgangsrecht auch gegen den Willen der Sorgeberechtigten zu haben, muss eine sog. sozial-familiäre Beziehung entstanden sein, das Kind muss also durch die häufigen Aufenthalte quasi auch ein Teil Ihrer Familie geworden zu sein.


Bei Kindeswohlgefährdung durch das Verhalten des Vaters gilt: Wenn das Mädchen, das ja bereits 14 Jahre alt ist, dem Familiengericht gegenüber ausdrücklich den Wunsch äußert, in Zukunft auch weiterhin bei Ihnen zu wohnen und Sie damit einverstanden sind und dies auch dem Wohle des Kindes dienen würde, so wird das Familiengericht dies bei der Frage, mit welchen Maßnahmen es die Gefahr für das Kindeswohl am besten abwenden kann, sicherlich auch mit berücksichtigen. Auch das Jugendamt wird in diesem Verfahren gehört werden. Wie die Entscheidung allerdings letztendlich aussieht und welche Maßnahmen das Familiengericht dann konkret trifft, kann man aus der Ferne ohne die Situation im Ganzen zu kennen, nicht beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Haeske
Rechtsanwältin

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